The Good Wife 3x15

Will (Josh Charles) und Alicia (Julianna Margulies) vertreten die Angehörigen von Opfern der blutigen Protestniederschlagungen in Syrien. Ihre Klage richtet sich gegen den Software-Fabrikanten Neil Gross (John Benjamin Hickey, The Big C), der ein Spionage-Programm an die syrische Regierung geliefert haben soll, mit dem die Online-Kommunikation der Opposition ausgeforscht werden kann. Zahlreiche Demonstranten seien dadurch bereits Folter und Mord zum Opfer gefallen.
Für Will droht der Fall zu seinem letzten Prozess zu werden. Die Feier in der Kanzlei über den Erfolg vor der Grand Jury ist noch in vollem Gange, da erhält Will Besuch von der Anwaltskammer: Gegen ihn soll ein Verfahren wegen des Geldes eröffnet werden, welches er vor 15 Jahren veruntreut hat. Am Ende könnte der Verlust seiner Zulassung und damit sein berufliches Aus stehen...
Immer wenn The Good Wife sich des aktuellen Weltgeschehens annimmt, kommt das einem Glücksspiel gleich. Es kann gut gehen. Oder auch nicht. Das Problem ist häufig, wie schon im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt in A New Day erläutert, dass die Themen für eine einzelne Episode einfach zu groß sind und eine irgendwie befriedigende Lösung damit ohnehin nicht in Aussicht steht. Im schlimmsten Fall gerät die Beschäftigung mit den Angelegenheiten anderer Staaten zu einer peinlichen Bloßstellung eigener Vorurteile. Man denke nur an den „Gastauftritt“ von Hugo Chavez in Foreign Affairs.
Dieser Fehler unterläuft den Machern in Live from Damaskus zum Glück nicht. Sie versuchen gar nicht erst, uns irgendeine simple Lösung für die Situation in Syrien zu verkaufen. Stattdessen fokussieren sie den Blick im vorliegenden Fall ganz auf einen Bereich, der in unserer eigenen Verantwortung liegt: Mit welchen Staaten und Machthabern sind wir bereit, im Namen des Profits Geschäfte zu machen? Eine Frage, die man eigentlich sogar noch zuspitzen könnte, wenn man in den Blick nimmt, dass es das Geld ist, welches wir an der Zapfsäule und am Flugschalter bezahlen, mit dem Syrer wie Saudis ihre Waffen kaufen. Nicht nur einige finstere Geschäftemacher schauen in Sachen Menschenrechte nicht so genau hin, woher ihre Aufträge kommen. Wir selbst fragen uns, wenn wir im Ferien-Jet nach Malle sitzen, ja auch nicht, woher der Sprit kommt.
Doch genug der politischen Statements. Die überlassen wir doch lieber dem wie immer famosen Denis O'Hare (True Blood, American Horror Story), der in seiner Rolle als Richter Abernathy der Occupy-Wall-Street-Bewegung nicht nur seine Bewunderung ausspricht, sondern in echter Solidarität eine Pfefferspray-Attacke miterleidet - und fortan seine Tränen kaum bei sich halten kann.
Etwas befremdlich ist es derweil, dass der Hauptkläger natürlich ein amerikanischer Student ist, dessen Schwester - wie er zunächst glaubt - von syrischen Sicherheitskräften getötet wurde. Waren die Produzenten der Meinung, dass ein Syrer als Kläger das amerikanische Publikum nicht genügend interessieren würde? Feststeht jedenfalls, dass die Szenen mit Kalinda (Archie Panjabi) und ihrem syrischen Blogger-Freund (Omid Abtahi) um ein Vielfaches berührender sind als das doch stark nach Schema F geratene Happy End rund um die wiedervereinten Geschwister („Hallo aus Ramstein! Guck mal, ich bin zum ersten Mal in Deutschland!“).
Auf Seiten der Hauptfiguren konzentriert sich die Handlung überwiegend auf Will, dem gleich zu Beginn der Folge der Boden unter den Füßen weggezogen wird: Draußen findet noch seine Siegesparty statt, da trifft ihn mit voller Wucht die Rache von Wendy Scott-Carr, die ja bereits in der vergangenen Folge angekündigt hatte, ihn bei der Anwaltskammer anzuschwärzen. Danach bietet der Handlungsstrang eigentlich kaum Überraschungen: Nachdem Will sich in dieser Staffel bereits wiederholt von seiner geradlinigen Seite gezeigt hat (beispielsweise als er Celestes Angebot ausschlug, zu seinem alten Leben zurückzukehren), war eigentlich klar, dass er die Strafe für seine Verfehlungen auf sich nehmen würde.
Für den Comic Relief ist unterdessen wieder einmal Eli Gold (Alan Cumming) zuständig. Und das nicht nur wegen seines bad hair days am Anfang der Episode, sondern natürlich auch wegen des köstlichen Dreiecks, in dem er sich plötzlich mit seiner Ex-Frau (Parker Posey) und seiner hassgeliebten Konkurrentin Stacie (Amy Sedaris) befindet. Köstlich? „Last night was amazing, I can still taste you this morning...“
Fazit
The Good Wife hat weltpolitische Themen schon sehr viel schlechter abgehandelt. Von daher bekommt Live from Damaskus bereits auf jeden Fall einen Pluspunkt. Ansonsten ist es eine unterhaltsame Folge, die stellenweise jedoch auch etwas vorhersehbar daherkommt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 22. Februar 2012(The Good Wife 3x15)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?