The Good Fight 1x05

© uell der „Good Wife“-Giganten: Carrie Preston und Matthew Perry in „The Good Fight“. / (c) CBS
Das passiert in der The Good Fight-Folge Stoppable: Requiem for an Airdate:
In der Führungsetage der Kanzlei wird erregt über die Annahme eines neuen Falls diskutiert: Die populäre Fernsehserie „Chicago“ hatte - noch vor der US-Präsidentschaftswahl - eine Folge produziert, welche Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen Politiker thematisierte, der ganz offenkundig Donald Trump nachempfunden war. In Folge des Ausgangs der Wahl ist die Ausstrahlung der Folge jedoch mehrfach verschoben worden. Und zwar so lange, bis der Autor (Paulo Costanzo, Royal Pains) der Episode zu dem Schluss gelangt ist, dass das Network die Folge überhaupt nicht mehr ausstrahlen will, um keine Probleme mit der Trump-Regierung (etwa bei der Zulassung der Owned-and-Operated Stations) zu bekommen. Deshalb hat der Autor die Folge nun selbst online gestellt. Der Sender verklagt ihn deshalb wegen Diebstahls.
Adrian (Delroy Lindo) will den Fall unbedingt annehmen. Julius (Michael Boatman) ist strikt dagegen, weil er dahinter rein politische Motive vermutet. Barbara (Erica Tazel) hat den Verdacht, dass es Adrian dabei noch um etwas anderes geht. Und tatsächlich verrät er ihr, dass er den Fall mehr wie eine Art Vorsprechen, eine Arbeitsprobe sieht. In Chicago werden immer mehr TV-Serien gedreht, der Entertainment-Sektor gewinnt an Bedeutung. Adrian will in dieses Marktsegment vorstoßen.
Nachdem Diane (Christine Baranski) einen Vorschlag unterbreitet hat, mit welcher Verteidigung sie vor Gericht auftreten könnten, übernimmt die Kanzlei den Fall. Apropos Diane: Ihre finanziellen Schwierigkeiten haben sich immer noch nicht gelegt. Barbara setzt ihr die Pistole auf die Brust: Die Kanzlei erwartet, dass Diane ihre Partner-Kapitaleinlage binnen einer Woche einzahlt - oder es hat sich mit ihrem Status als Partnerin in der Kanzlei erledigt. Unter diesem enormen Druck denkt Diane nun doch darüber nach, in eine kleinere, billigere Wohnung zu ziehen.
Eine sich ihr bietende Rettung lehnt sie ab. Nachdem ihr (Noch-) Ehemann Kurt (Gary Cole) sie um Hilfe bei der Vorbereitung eines Vortrags gebeten hat, sind die beiden sich wieder nahe gekommen. Sehr nahe. Als er ihr anbietet, wieder mit ihm zusammenzuziehen, sagt sie Nein. Sie will ihre Probleme selbst lösen. Dabei behilflich sein könnte ihr eine Zufallsbegegnung.
Gerade als sie und einige andere Anwälte der Kanzlei in einem schicken Restaurant Kandidaten vorsprechen lassen, welche die Kanzlei juristisch vertreten sollen, trifft Diane wieder auf Neil Gross (John Benjamin Hickey, The Big C), den Gründer und Chef des Internet-Giganten Chumhum. Und Gross lässt durchblicken, dass er sich nach einer neuen Anwaltskanzlei umsieht! Könnte Diane diesen Riesenfisch an Land ziehen, hätte das natürlich umgehend Auswirkungen auf ihre Verhandlungsposition gegenüber der Kanzlei.
Die Kanzlei wiederum ist deshalb auf der Suche nach einem Anwalt für sich selbst, weil Mike Kristeva (Matthew Perry) weiterhin versucht, den Anwälten am Zeug zu flicken - einem nach dem anderen. Sein neuestes Opfer ist Maia (Rose Leslie), die er mit dem Skandal ihres Vaters in Verbindung zu bringen versucht. Er weiß, dass sie ihn zwei Mal ohne ihre Anwältin (Chalia La Tour) im Gefängnis besucht hat, was bislang noch nicht mal ihre Anwältin wusste. Mike geht sogar so weit, dass er selbst zu Maias Vater (Paul Guilfoyle) geht und ihm seine „Hilfe“ anbietet. Kurze Zeit später kommt Maias Vater gegen Kaution frei. Welchen Deal haben er und Kristeva geschlossen?
Lucca (Cush Jumbo) erklärt Adrian, dass es in dieser Situation nur eine Anwältin gibt, die ihnen helfen kann: Elsbeth Tascioni (Carrie Preston)...
Die Rückkehr
Was The Good Fight in den ersten vier Folgen abgeliefert hat, das war gut bis sehr gut. Es kann jedoch kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Stoppable: Requiem for an Airdate die bisher beste Folge der Serie gewesen ist. Das liegt nicht nur, aber auch an der Rückkehr von Carrie Preston in ihrer Paraderolle als Elsbeth. Dabei kommt sie in der Folge noch nicht mal auf so viel Screen Time. Trotzdem macht sich ihre Anwesenheit deutlich bemerkbar.
Tascioni vs. Kristeva
Im Review zur vergangenen Folge Henceforth Known As Property hatte ich mir die Frage gestellt, welche Mittel überhaupt zur Verfügung stehen, um gegen einen derart perfekten Lügner wie Mike Kristeva anzukommen. Die Antwort, welche The Good Fight gibt, lautet: Man setze ihm eine derart intelligente, quirlige und eigenwillige, ja erratische Figur entgegen, dass er, der es gewohnt ist, als der unverfrorene Lügner in der überlegenen Position zu sein, auf einmal nicht mehr weiß, wie ihm geschieht. Diese Figur ist Elsbeth. Mit ihrem ganz eigenen Stil der Guerilla-Rechtspflege setzt sie ihm ganz schön zu.
Glaubt er sich am Anfang noch so sehr über die zierliche, rothaarige Anwältin erhaben, dass er sich noch nicht mal ihren Namen merken muss, so sagt sein - absolut unbezahlbarer! - Gesichtsausdruck am Ende ganz klar aus, dass ihm nun wohl bewusst ist, dass er in Elsbeth eine Gegnerin auf Augenhöhe gefunden hat. Lasst die Spiele beginnen!
Was Stoppable: Requiem for an Airdate bereits zu einem Fest macht, ist natürlich das Aufeinandertreffen von Carrie Preston und Matthew Perry. Beide hatten in den vergangenen Jahren schon in The Good Wife reichlich Gelegenheit, ihre Rollen zu entwickeln und sich darin wohlzufühlen. Ihr Zusammentreffen in The Good Fight ist indes ein Ausdruck purer Spielfreude. Die beiden wissen genau, was sie da tun - und sie tun es mit einer Leichtigkeit und einem Elan, die beim Zuschauen einfach nur Spaß machen.
Humor
Apropos Spaß: Ebenfalls im Review zur vergangenen Folge hatte ich kritisch angemerkt, dass The Good Fight im Vergleich zu The Good Wife ein wenig der Humor fehlt. Diesem Umstand hilft Elsbeth allein durch ihre bloße Anwesenheit ab. Bei ihrer ersten Szene - mit ihr als Büro-Untermieterin in einer Zahnarztpraxis - hab ich so hart lachen müssen, dass ich mir dabei weh getan habe...
Aber auch abseits von Elsbeth ist das Verhältnis von Drama und Comedy in Stoppable: Requiem for an Airdate deutlich ausgewogener als zuvor. Zu den komödiantischen Highlights gehört dabei fraglos jener Moment, als Neil Gross davon schwärmt, dass Reddick, Boseman und Kolstad eine Kanzlei unermüdlicher Kämpfer sei, während gleichzeitig im Nebenbüro Adrian ihren Mandaten zur Aufgabe zu bewegen versucht. Und Diane mit einem kurzen „Entschuldigung...“ rasch nach nebenan verschwindet. Einfach köstlich! In diesem Moment stimmt einfach alles: die Einstellung, Christine Baranskis Timing und die folgende (Werbe-) Abblende auf Schwarz.
„Ripped from the Headlines“
Auch der Fall der Woche ist auf seine Art höchst amüsant - wenn auch vielleicht eher für Kenner des US-Fernsehens und weniger für das breite Publikum. The Good Fight bezieht sich hier nämlich unmittelbar auf den realen Fall einer mehrfach verschobenen Law & Order: Special Victims Unit-Folge, welche für den Geschmack von NBC offenbar zu sehr auf Vorwürfe gegen Donald Trump anspielte. Um es auf die Verhältnisse von The Good Fight zu adaptieren, wurde allerdings aus SVU eine „Chicago“-Serie, womit The Good Fight natürlich klar auf das Chicago-Franchise von NBC verweist (welches bekanntermaßen mit SVU ein gemeinsames Serienuniversum bildet).
Ungeachtet dessen, ob den Zuschauern diese Hintergründe bekannt sind, thematisiert der Fall - in bester The Good Wife- und The Good Fight-Tradition - eine sehr brisante Frage: Wie groß ist die einschüchternde Wirkung der Trump-Regierung auf die großen Medienhäuser? Und werden davon bereits Programmentscheidungen beeinflusst?
Neben dem Thema bleibt aus dem Handlungsstrang insbesondere die famos unausstehliche Network-Anwältin nachhaltig im Gedächtnis. Anders als viele andere (Staats-) Anwälte und Richter ist Schauspielerin Greta Lee zum ersten Mal im The Good Fight-Universum von der Partie. Nach dieser Premiere dürfte allerdings nahezu sicher sein, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist.
Lucca
Im Zuge der Gerichtsverhandlung kommt es auch zu einem Wiedersehen mit Colin (Justin Bartha), welcher mit Lucca - mitten in einer Vernehmung - in Zeichensprache kommuniziert. Der fortgesetzte Flirt führt die beiden schließlich auch ins Bett. Interessanterweise geht es, insbesondere in besagter Bettszene, weniger um die beiden als Paar, als vielmehr um die Figur Lucca. Colin hatte sie nach Freunden gefragt, worauf sie geantwortet hatte, dass sie überhaupt keine Freunde hat. Im Bett gibt sie dann jedoch preis, dass sie eine beste Freundin gehabt hat - spricht dabei aber in der Vergangenheitsform.
Bisher ist nicht klar, was aus Alicia nach dem Finale von The Good Wife geworden ist. Und ganz ehrlich: so sehr interessiert mich das auch gar nicht. Man wird kaum behaupten können, dass sie bislang in The Good Fight gefehlt hätte. Aber natürlich gibt es Figuren, in deren Leben sie eine große Bedeutung gespielt hat. Das gilt insbesondere für Lucca, die in der siebten Staffel von The Good Wife ja im Grunde nur zu dem Zweck eingeführt worden ist, die neue beste Freundin von Alicia zu werden. Insofern ist Alicias Abwesenheit und die Frage, was mittlerweile zwischen den beiden Frauen passiert ist, durchaus erklärungsbedürftig.
Vermutlich werden wir im Laufe der Serie immer mal wieder kurze Hinweise darauf erhalten.
Diane und Kurt
Eine andere Beziehung aus The Good Wife, die auseinandergebrochen war, scheint derweil auf dem Weg der Versöhnung. Ganz offenkundig liegt Diane und Kurt immer noch etwas aneinander. Sie helfen sich, sie beschenken sich, sie verbringen die Nacht zusammen. Für The Good Fight-Verhältnisse sind dies ausgesprochen warmherzige - und zu Herzen gehende - Momente. Dass Diane Kurt ihre Probleme zu verschweigen versucht und sein Angebot zum Zusammenziehen ablehnt, ist dabei keineswegs als Misstrauen oder Ablehnung zu werten. Vielmehr scheint Diane ihre Misere aus eigener Kraft bewältigen zu wollen.
Dabei kommt ihr zwar eine gehörige Portion Zufall zur Hilfe (zufällig trifft sie Neil Gross, zufällig sucht dieser eine neue Kanzlei). Trotzdem: der triumphale Auszug am Schluss, nachdem sie ihre Forderungen gegenüber der Kanzlei durchgedrückt hat, wäre ihr verwehrt geblieben, hätte sie sich einfach in ein Sicherheitsnetz fallen lassen. Das Finale der fünften Folge ist für sie ein großer Augenblick, weil sie damit im Grunde wieder dorthin zurückgekehrt ist, wo sie vor dem Finanzskandal war: an der Spitze.
Fazit
Mit Stoppable: Requiem for an Airdate liefert The Good Fight ganz große Unterhaltung ab: witzig, emotional, nachdenklich. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg superb - von den Hauptdarstellern bis hin zu den grandiosen Gaststars. Im Grunde kann man da nur sagen: Bravo!
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 14. März 2017(The Good Fight 1x05)
Schauspieler in der Episode The Good Fight 1x05
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