The Good Fight 1x04

© atthew Perry nimmt seine Rolle als Mike Kristeva wieder auf. / (c) CBS
Das passiert in der The Good Fight-Episode Henceforth Known As Property:
Maia (Rose Leslie) hat ein merkwürdiges Erlebnis im Aufzug: Zwei wildfremde Frauen geben ihr Ratschläge zum Thema Einkochen. Es dauert nicht lange, bevor sie dahinterkommt, was hinter diesem Vorfall steckt. Marissa (Sarah Steele) macht sie darauf aufmerksam, dass es einen Twitter-Account in Maias Namen gibt. Das Problem dabei: Es ist nicht Maias Account. Jemand, der sich für sie ausgibt, twittert hier über ihre Vorlieben - neben dem Einkochen von Obst auch über lesbischen Sex. Hashtag: #wetlands.
Maia ist entsetzt. Um herauszufinden, wer sich hinter dem Account verbirgt, schickt Marissa von ihrem eigenen Twitter-Account aus eine Nachricht. Sie gibt sich als eine an Maia interessierte Lesbe aus. Die Antwort, die sie erhält, besteht aus erotischen Aktaufnahmen von Maia, die echt sind! Das allerdings gibt Maia einen wertvollen Hinweis, da es nur eine Person gibt, die diese Aufnahmen besitzt: ihr Exfreund Ted (Peter Mark Kendall, The Americans), dem ein kleines Fotostudio gehört. Offensichtlich hat Ted den Zeitpunkt des Skandals um Maias Familie gewählt, um sich endlich dafür rächen zu können, dass sie ihn verlassen hat.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Plötzlich tauchen im Internet Artikel über Maia auf, etwa einer, in dem behauptet wird, dass sie kurz davor stünde, von ihrer Kanzlei entlassen zu werden. Maia ist so verunsichert, dass sie sich bei Adrian (Delroy Lindo) rückversichert, dass sie nicht vor der Entlassung steht.
Doch nicht nur Maia muss sich mit Lügen auseinandersetzen. Mike Kristeva (Matthew Perry, Friends) besucht die Kanzlei und trifft sich mit Adrian. Als Diane (Christine Baranski) das mitbekommt, lässt sie sogar Adrian aus dem Meeting holen, um ihn vor Kristeva zu warnen. Dem Mann sei unter keinen Umständen zu trauen.
Etwas später taucht Kristeva auch in Dianes Büro auf. Sie empfängt ihn kühl. Er erzählt ihr, dass er inzwischen Sonderanwalt von Cook County für Fälle von Polizeibrutalität ist. Die beiden kommen auf Kristevas Sohn zu sprechen, welcher laut Mike inzwischen verstorben ist. Er sagt, dass er dadurch zu einem „neuen Mann“ geworden sei. Diane reagiert betroffen, bleibt jedoch misstrauisch. Kaum ist Kristeva aus der Tür, prüft sie als Erstes nach, ob sein Sohn tatsächlich gestorben ist. Das entspricht der Wahrheit.
Kristeva hat sich jedoch keineswegs verändert. Diane, Adrian, Lucca (Cush Jumbo) und noch mehrere weitere Anwälte der Kanzlei erhalten plötzlich Vorladungen zu einer Grand-Jury-Anhörung. Diane ist als Erstes dran. Kristeva stellt ihr allerlei Fragen, die sich um ihr Treffen am Vortag drehen. Dabei legt er ihr Dinge in den Mund, die sie nicht gesagt hat. Seine Strategie ist klar: Um die Fälle von Polizeibrutalität zu senken, will er nicht etwa das Vorkommen von Polizeibrutalität reduzieren, sondern die Kanzlei unter Druck setzen, die die meisten Fälle wegen Polizeibrutalität vor Gericht vertritt.
Diane muss sich jedoch nicht nur um Kristeva Sorgen machen. Gemeinsam mit Lucca hat sie es bei Gericht mit einem ziemlich kniffligen Fall zu tun: Laura Salano (Prema Cruz), ihre Klientin, hatte vor einigen Jahren eine ganze Reihe von Eizellen an eine Fruchtbarkeitsklinik gespendet. Nach einer überstandenen Krebserkrankung möchte Laura ihre Eizellen zurück. Laut Vertrag hat sie ein Recht auf alle Eizellen, die die Klinik innerhalb von fünf Jahren nicht verwendet hat.
Das Problem dabei: In ihrer alten Form gibt es die besagte Klinik nicht mehr. Die Eizellen sind in einem Genforschungslabor gelandet, in dem fast alle zerstört worden sind. Mit Ausnahme einer einzigen Zelle, die jedoch bereits befruchtet wurde. Die Frage vor Gericht lautet nun: Wem gehört die Eizelle? Laura? Oder dem Paar, das - unwissend hinsichtlich der Vorgeschichte - für die Prozedur bezahlt hat und von dessen männlicher Hälfte das Ei befruchtet worden war?
Fake News
Das zentrale Thema von Henceforth Known as Property - jedenfalls in zwei der drei Handlungssträngen - ist die Frage, wie wir mit Lügen umgehen sollen. An der Oberfläche ist es keine sonderlich politische Folge. Und doch hat die Fragestellung in Zeiten von Fake News und Donald Trump höchst politische Implikationen.
Da ist zum einen Maia, die das Thema Fake News am eigenen Leib erfährt. Vielleicht - das nur am Rande bemerkt - wäre es besser gewesen, wenn sich die Folge auf diesen Aspekt konzentriert hätte, statt mit der Twitter-Geschichte zunächst in Richtung „Identitätsklau im Netz“ zu gehen, bevor der Handlungsstrang dann auf einmal zu den Fake News abbiegt. Besonders der erste Artikel hat es dabei für Maia in sich, weil sie zunächst selbst nicht einschätzen kann, wie viel Wahrheit in dem liegt, was sie da im Internet gelesen hat. Wenn man einmal darüber nachdenkt, dann ist das möglicherweise sogar noch eine viel erschreckendere Erfahrung, als Dinge über sich zu lesen, von denen man zumindest selbst sicher weiß, dass sie falsch, dass sie gelogen sind.
Wie Du mir, so ich Dir...
Der Lösungsansatz im Maia-Plot lautet: Wir vergelten Gleiches mit Gleichem. Fake News werden mit Fake News gekontert. In den Dimensionen, in denen sich die Geschichte hier bewegt, ist das ein sehr amüsanter Ausweg, da wir es Maias Exfreund extrem gönnen, dass er etwas von der eigenen Medizin abbekommt. Im Weltmaßstab möchte man sich diese Lösung dagegen wohl eher weniger gerne vorstellen: Die eine Seite lügt, also müssen wir mit eigenen Lügen dagegenhalten? Das Ergebnis wäre ein Meer der Unwahrheiten, in dem wir untergingen (was möglicherweise bereits geschieht...).
Ähnlich problematisch ist jedoch der Ratschlag, den Marissa und Jay (Nyambi Nyambi) am Ende für Maia haben: Die Fake News einfach ignorieren, weil diejenigen, die Maia kennen, den Blödsinn ohnehin nicht glauben werden. Das mag ja sein. Die Schwierigkeit damit ist jedoch, wie wir am Ende der Folge sehen, dass Fake News trotzdem Schaden anrichten können, wenn sie in die Hände von Leuten geraten, die sie gezielt in ihrem Sinne einzusetzen gedenken.
Ein schöner Charaktermoment ist Adrians Einsatz für Maia am Ende der Folge - und das, nachdem er kurz zuvor bekundet hatte, kaum zu wissen, wer Maia überhaupt ist. Aber: „In dieser Kanzlei treten wir füreinander ein!“
Kristeva
Der zweite Handlungsstrang zum Thema Lügen ist natürlich der um die Rückkehr von Mike Kristeva. Matthew Perry hatte bereits in The Good Wife als der notorisch lügende Anwalt und Gegenkandidat von Peter Florrick (in der vierten Staffel) einen formidablen Gegenspieler abgeliefert. Einzig der begrenzten Verfügbarkeit Perrys war es geschuldet, dass sein Potential in der Serie nicht noch besser genutzt wurde. So ist Kristeva etwas überraschend noch vor dem Ende der vierten Staffel aus The Good Wife verschwunden und nicht mehr zurückgekehrt (wie so viele Gaststars der Serie...). Angesichts der geringeren Folgenzahl von The Good Fight dürfte das hier nicht zum Problem werden.
Kristeva besitzt die Gabe, lügen zu können und es wie die Wahrheit klingen zu lassen. Er spricht über Dinge, die niemals geschehen sind, mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre er tatsächlich bei diesen nicht passierten Ereignissen dabei gewesen. Gegenüber Diane und der Grand Jury ist er sogar in der Lage, herzuleiten, warum es geradezu absurd wäre, wenn sich die Dinge so zugetragen hätten, wie Diane es behauptet. Kristeva ist kein einfacher Lügner, die Realität zerfließt buchstäblich in seinen Händen. „Alternative Fakten“ könnten seine Erfindung sein...
Die Frage ist, wie man sich gegen eine solche Art Lügen verteidigt. Diane ist zumindest vorgewarnt. Deshalb fällt ihre Reaktion auch nicht so hilflos aus, wie man dies bei jemandem erwarten würde, der zum ersten Mal auf Kristeva trifft (wie wir dies in The Good Wife gesehen haben). Diane hält mit fester Stimme und kurzen, klaren Antworten dagegen. Trotzdem ist es schwer zu entscheiden, wer in dem Rededuell der beiden die Oberhand hat.
Komplex
Weniger um die Frage von Wahrheit und Lüge, dafür sehr viel mehr um die juristischen und emotionalen Konsequenzen aus der modernen Reproduktionsmedizin geht es im Fall der Woche. Ein wenig kann es einem als Zuschauer dabei so gehen wie dem Richter (Peter Gerety, auch ein The Good Wife-Veteran), der am liebsten keine Entscheidung fällen würde - in einer Angelegenheit, in der Eigentums- und Vertragsrecht als Basis der Urteilsfindung vollkommen unangemessen erscheinen.
Wie wir das auch schon aus The Good Wife kennen, führt uns The Good Fight hier in moralisch sehr komplexe Gefilde. Mit am interessantesten ist jedoch, was für die Figuren aus dem Fall folgt. Als es so aussieht, als hätte sie endgültig vor Gericht verloren, hat Diane ein sehr persönliches Gespräch mit Barbara (Erica Tazel), was per se schon bemerkenswert ist, wenn man sich ihr bisheriges Verhältnis vor Augen führt. Jedenfalls sprechen die beiden über ihre eigene Kinderlosigkeit.
Was Diane dabei zu schaffen macht, ist weniger die Tatsache der Kinderlosigkeit an sich, als vielmehr der Umstand, dass sie und ihr Ehemann niemals zusammen Kinder hatten - was so spät auch gar nicht mehr möglich gewesen wäre, was aber trotzdem ein Gedanke ist, der Diane beschäftigt. So sehr, dass sie im Anschluss an das Gespräch mit Barbara drauf und dran ist, Kurt anzurufen. Nach ein, zwei Klingelzeichen legt sie jedoch wieder auf. Was wir daran vor allem ablesen können, ist, dass Diane durch eine sehr komplizierte Gemengelage der Gefühle mit ihrem Nochehemann verbunden ist.
Auflockerung
The Good Wife konnte mitunter witziger als eine Sitcom sein. Im Unterschied dazu hat sich The Good Fight in den ersten Folgen sehr seriös gegeben. Etwas Auflockerung liefert Henceforth Known as Property in Form von Marissas etwas unbeholfenem Spionageversuch zu Beginn der Folge oder auch durch den schwerhörigen Doktor im Genforschungslabor. Trotzdem: Wenn es etwas gibt, was einem in The Good Fight ein wenig fehlt, dann ist es das Ausbalancieren des Dramas mit der komödiantischen Seite, was die Kings in der Vorgängerserie fast zur Perfektion entwickelt hatten. Aber gut: Wir sind ja auch noch relativ am Anfang von The Good Fight...
Fazit
Im Zeitalter von Donald Trump und Sean Spicer ist Mike Kristeva der perfekte Antagonist im The Good Fight-Universum. Dichter konnten die Macher an die aktuelle Themenlage überhaupt nicht herangehen. Darüber hinaus ist es immer wieder eine Freude, Matthew Perry in dieser Glanzrolle zu sehen, in der er abwechselnd undurchsichtig, verschlagen oder auch sich genüsslich in Bosheit suhlend agieren kann.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 7. März 2017The Good Fight 1x04 Trailer
(The Good Fight 1x04)
Schauspieler in der Episode The Good Fight 1x04
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