The Gilded Age 1x01

The Gilded Age 1x01

Wer sich von der neuen HBO-Serie The Gilded Age eine Art Downton Abbey in Amerika erhofft, kriegt genau das, aber auch nicht mehr als das. Der Produktionsaufwand beim Period Piece ist überaus beeindruckend, die Story weniger.

Szenenfoto von Louisa Jacobson und Denee Benton in der Serie The Gilded Age (c) HBO
Szenenfoto von Louisa Jacobson und Denee Benton in der Serie The Gilded Age (c) HBO
© zenenfoto von Louisa Jacobson und Denee Benton in der Serie The Gilded Age (c) HBO

Julian Fellowes, das Mastermind hinter Downton Abbey, versucht seit nunmehr zehn Jahren, sein Herzensprojekt The Gilded Age auf die Bildschirme zu bringen. Wohl auch weil die Geschichte diesmal nicht in Großbritannien, sondern im aufblühenden New York des späten 19. Jahrhunderts spielt, wandte sich der englische Baron und Oscarpreisträger zunächst an das amerikanische Pfauennetwork NBC, welches das Format 2018 in Serie schickte. Ein Jahr später kam jedoch der Kabelsender HBO ins Spiel und stibitzte das vielversprechende Werk mitten in der Entwicklung.

Tatsächlich merkt man dem period piece seine schwierige Geburt ein wenig an. So wird der enorme Produktionsaufwand - ein typisches Qualitätsmerkmal von HBO - schon in den drei ersten Episoden überdeutlich. Und gleichzeitig fühlen sich die Story sowie die Charaktere etwas platt an; schlichtes Network-Writing würden böse Zunge sagen. Trotzdem kann kaum jemand verleugnen, wie sehenswert und auch unterhaltsam „The Gilded Age“ geworden ist. Allein das erstklassige Ensemble spricht Bände: Christine Baranski (The Good Fight), Cynthia Nixon (Sex and the City), Carrie Coon (The Leftovers), Morgan Spector (The Plot Against America), Denee Benton (UnREAL) sowie die Newcomerin Louisa Jacobson, bei der es sich übrigens um die jüngste Tochter von Meryl Streep handelt.

Worum geht's?

Grob gesprochen geht es in „The Gilded Age“ um den Kampf zwischen altem und neuem Geld, entlang der prunkvollen 5th Avenue Manhattans. Die altehrwürdigen Familien, deren Vorfahren schon auf der Mayflower in die neue Welt gesegelt waren und die sich den gewaltigen Kontinent rasch unter den Nagel rissen, fürchten um ihre Vormachtstellung, während die Industrialisierung und der Eisenbahnbau immer neue Platzhirsche auf den Plan ruft. Was auf den ersten Blick wie ein albernes Spiel der Superreichen aussieht, wird eines Tages maßgeblich für die Zukunft der Vereinigten Staaten werden. Allerdings hatten die alten Eliten in einem so „aufbrecherischen“ Land natürlich nie eine Chance.

Vertreten wird das alte Geld in der Serie durch die stolze Agnes van Rhijn (Baranski), die mit ihrer Schwester Ada (Nixon) in einem eingestaubten Anwesen residiert und sich um ihren Status sorgt. Ausgerechnet auf der anderen Straßenseite hat das neureiche Ehepaar George (Spector) und Bertha Russell (Coon) seinen überdimensionierten Palast errichten lassen. Dessen moderne Architektur provoziert und wird gefühlt in jeder zweiten Szene angesprochen. Aber natürlich geht es nur vordergründig um das Gebäude selbst, sondern vor allem darum, mit welchem Geld es finanziert wurde. Denn Mr. Russell wird unterstellt, kein Gentleman zu sein, sondern ein Ganove mit glücklichem Händchen für Geschäfte. Und was wir so mitkriegen, stimmt das auch, wobei die Altreichen natürlich kaum besser sind. Sie sind nur diejenigen, die schlechter schummeln, weil sie so lange erfolgreich waren, dass sie vergessen haben, wie es geht...

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Christine Baranski und Cynthia Nixon in The Gilded Age
Christine Baranski und Cynthia Nixon in The Gilded Age - © HBO

Die Russells, überragend besetzt mit Spector und Coon, sind ein echtes Power Couple, das einem in gewissen Momenten geradezu das Fürchten lehrt. The Gilded Age gelingt es hin und wieder, Intrigen zu schmieden, die an große HBO-Schwestern wie Game of Thrones oder Succession denken lassen, obwohl man durchaus spürt, dass die Charaktere hier allesamt ein bisschen einfacher gestrickt sind. Das gilt auch für das Alter Ego der Grande Dame Baranski, das man so schon oft sehr ähnlich sah. Das Besondere dabei: Ihr pointiertes Schauspiel vermag das vorhersehbare Skript nicht nur aufzufangen, sondern auf ein neues Level zu heben. Klischees werden so verpackt, dass sie nicht nerven, sondern vielmehr eine Vertrautheit erzeugen. Ein sehr cleverer und wirkungsvoller Zaubertrick!

Etwas angreifbarer macht sich die Serie mit ihren weniger abgehärteten Figuren, allen voran die junge Jacobson als Point-of-View-Charakter Marian Brook, die als mittellose Nichte bei bei Agnes und Ada einziehen darf. Sie soll eine liebenswürdige Naivität ausstrahlen, die die strengen Grenzen zwischen altem und neuem Geld verwischen könnte. Denn sie hält einerseits zu ihrer Familie und ist andererseits sehr viel offener für die Zukunft. So geht sie auch bei den verhassten Russells ein und aus und freundet sich bald mit den Kindern Larry (Harry Richardson) und Gladys (Taissa Farmiga) an. Und auch mit einer gewissen Peggy Scott (Benton), eine kluge Frau, der wegen ihrer Hautfarbe verwehrt wird, Schriftstellerin zu sein.

Die unwahrscheinliche Freundschaft von Marian und Peggy soll so etwas wie das Herzstück der Serie sein - ist aber eher der Schwachpunkt. Auch macht es Marian automatisch unsympathischer, wenn sie ihre persönlichen Liebesprobleme auf eine Stufe stellt mit dem strukturellen Rassismus, dem ihre Freundin ausgesetzt ist. Zumal es sich die Serie noch bei anderen vermeintlich sozialkritisch zeitgemäßen Themen etwas zu einfach macht, wenn zum Beispiel ein homosexueller Mann der gehobenen Gesellschaft sein gefährliches Geheimnis fast problemlos verbirgt. Es besteht die Gefahr, dass „The Gilded Age“ hier einiges historisch verklärt. Übrigens wird das auch daran wieder deutlich, wie gut es den Bediensteten der Pseudo-Adligen geht (das Problem gab es bekanntlich schon bei Downton Abbey).

Wie ist es?

Alles in allem bietet „The Gilded Age“ in den drei ersten Episoden der Auftaktstaffel bei HBO einen erwartbar sehenswerten Gesamteindruck. Die Serie hat eindeutig mehr Geld in die Rekonstruierung der damaligen Zeit gesteckt als viele Filme es könnten. Allein für diese eindrucksvolle Zeitreise sollte schon ein Blick riskiert werden. Und auch der Cast sticht hervor als einer der besten, die es im Fernsehen momentan zu sehen gibt. Die Story selbst ist in meinen Augen nur Mittelmaß, zumal auch die Charaktere nicht sehr einfallsreich ausfallen. Außerdem verbrennt sich der Chefautor Julian Fellowes an ein paar heiklen Themen vielleicht die Finger, wenn er im Lauf der kommenden Episoden nicht bereit sein sollte, das vergoldete Zeitalter ein bisschen kritischer zu betrachten. „Downton Abbey“-Fans können sich aber freuen, denn sie haben nun einen engen Verwandten aus Amerika, der viele bekannte Gefühle wecken dürfte.

Hierzulande wird Sky die Serie importieren, wobei noch unklar ist, wie lange wir warten müssen, bis sie bei uns ankommt...

Hier noch der Trailer zur HBO-Serie The Gilded Age:

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Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 25. Januar 2022

The Gilded Age 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Gilded Age 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Nicht gesellschaftsfähig
Titel der Episode im Original
Never The New
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. Januar 2022 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. April 2022
Regisseur
Michael Engler

Schauspieler in der Episode The Gilded Age 1x01

Darsteller
Rolle
Louisa Jacobson
Denée Benton
Harry Richardson
Thomas Cocquerel
Simon Jones
Jack Gilpin
Ben Ahlers
Michael Cerveris
Kelley Curran
Celia Keenan-Bolger
Debra Monk
Donna Murphy
Kristine Nielsen
Kelli O'Hara
Patrick Page
Taylor Richardson
Douglas Sills

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