The Gifted 1x13

© ??The Gifted“ (c) FOX
Die erste Staffel der Comicadaption The Gifted aus dem „X-Men“-Universum ist beendet. Mit der zweiten Staffel in trockenen Tüchern schauen wir uns die erste Season der Serie noch einmal genau an. Im Staffelfinale selbst mussten die Mitglieder des Mutant Underground einen Frontalangriff auf ihr Versteck mit großen Konsequenzen abwehren, während ein Teil der Gruppe damit beschäftigt war, Dr. Campbell (Garret Dillahunt) und dem Hound-Projekt Einhalt zu gebieten.
Was geschieht in der ersten Staffel?
Als Reed (Stephen Moyer) und Kate Strucker (Amy Acker) feststellen, dass ihre Kinder Andy (Percy Hynes White) und Lauren (Natalie Alyn Lind) das X-Gen in ausgeprägter Form in sich tragen, bleibt ihnen kaum Zeit, den Kräften des Sentinel Service unter der Leitung von Agent Jace Turner (Coby Bell) zu entkommen, bevor dieser die beiden in Gewahrsam nehmen kann. Glücklicherweise erhalten sie bei ihrer Flucht die Unterstützung des Mutant Underground, einer von den „X-Men“ gegründeten Bewegung, die Mutanten aus prekären Situationen rettet und ihnen Schutz gewährt.
Die Struckers werden zunehmend in den Kampf involviert und werden nach und nach Teil der Organisation, die sich der Sicherheit ihrer Kinder verschrieben hat. Während Lauren und Andy allerdings feststellen, dass sie vor allem gemeinsam alles andere als schutzlos sind, machen Thunderbird (Blair Redford) und seine Freunde bei der Rettung ihrer Freundin Lorna/Polaris (Emma Dumont) die unangenehme Bekanntschaft eines Geheimprojekts namens Hound, welches gefügig gemachte Mutanten als Waffen gegen ihre einstigen Verbündeten einsetzt.
Nachdem Andy, Lauren, Dreamer (Elena Satine) und Blink (Jamie Chung) in die Hände des gewissenlosen Projektleiters Campbell geraten, begeben sich Thunderbird, Lorna und Eclipse (Sean Teale) gemeinsam mit Neuankömmling Esme (Skyler Samuels) auf eine Rettungsmission. Nach dem Verlust von Dreamer scheint ihr Plan zunächst aufzugehen, doch Esme verfolgt ihren eigenen Plan, um ihre Zwillingsschwestern Phoebe und Sophie aus dem Gefangenentransport zu befreien. Sie schert sich dabei herzlich wenig, ob dabei der eine oder andere Agent des Sentinel Service ins Gras beißt.
Das spaltet die Gruppe auch im Finale, denn Telepathin Esme gehört zum sogenannten Hellfire Club, einer Organisation, die im Namen der Mutanten rustikaler und gewalttätiger vorgeht als der Mutant Underground und sich präventiv und schlagfertig zur Wehr setzt. Nachdem das Vorhaben, sich Campbell zu schnappen, fehlschlägt, mutiert die Aktion von einer Entführung zu einem Attentat. Für dieses kann sie Lorna gewinnen, die schon immer ein offenes Ohr für grobere Methoden und Statements hatte. Andy und Lauren vaporisieren derweil als letzten Ausweg das Versteck des Mutant Underground, um den vorrückenden Kräften des Sentinel Service Einhalt zu gebieten. Anschließend vollendet Esme die Spaltung der Gruppierung, indem sie einen Teil der Mitglieder vor den Augen der anderen rekrutiert.

Strucker punched
Nach einem vielversprechenden Start fuhr The Gifted eine Geschichte auf, die sich im wesentlichen um moralische Dilemma und Familienangelegenheiten drehte. Ein viel diskutierter und wichtiger Eckpfeiler davon ist die Frage, wie weit die Mutanten gehen wollen und dürfen, um sich und ihre Gefährten zu beschützen beziehungsweise zu verteidigen. Die Struckers ringen dabei immer wieder damit, in den Konflikt hineingezogen zu werden, bis sie schließlich einsehen müssen, dass ihre Kinder und dadurch auch sie selbst längst Teil davon geworden sind. Doch gerade, als sie sowohl ihre neu gewonnenen Freunde als auch ihre neue, erweiterte Familie akzeptieren, werden sie von Andys Entscheidung wieder aufgespalten, was für sie trotz einiger Andeutungen in diese Richtung als ein überraschender Schlag kommt, von dem sie sich so schnell nicht erholen werden.
Lorna und Marcos wurden als baldige Familie vom Konflikt ihrer Ideale geplagt. Während Marcos speziell aufgrund seiner Zeit im Kartell ein Blutvergießen und eine Befeuerung des Konflikts um jeden Preis zu vermeiden sucht, ist Lorna bereit, sich den menschen- und mutantenverachtenden Methoden von Trask und Campbell anzupassen. Sie möchte Feuer mit Feuer bekämpfen, ganz egal, ob dabei ein Waldbrand entsteht, dessen Feuerwalze womöglich nicht mehr aufzuhalten ist.
Agent Turner (Coby Bell) gerät dabei auf tragische Weise zwischen die Mühlen, denn aus jemandem, der trotz seiner Verbitterung an seinen moralischen Prinzipien festhielt, ist nun jemand geworden, der seine Verluste und diese Verbitterung in die Jagd stecken wird. Im Grunde gab es stellenweise vier Camps: die friedlichen beziehungsweise moderaten Mutanten unter der Führung von Thunderbird, die radikaleren Mutanten in Form des Hellfire Club sowie auf der anderen Seite der zunächst gemäßigte Agent Turner, der von einem gewissen- und kompromisslosen Campbell zunehmend beeinflusst wurde. Nun verschwimmen diese Grenzen vor allem in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung der Menschen weiterhin.
We tried to get out, but they pulled us back in
Obwohl The Gifted seine Charaktere stets interessant gestaltet, so ist es das moralische Dilemma, das zwar grundsätzlich spannend ist, aber auch Schuld daran trägt, dass sich die Figuren im mittleren Teil der Staffel zu oft im Kreis drehen: Das Ehepaar Strucker will eigentlich ständig abhauen und ist ständig mit einem Bein aus der Tür, bis verschiedene Ereignisse sie dann doch dazu zwingen zu bleiben. Lorna will stets mit dem Kopf durch die Wand, während Marcos an ihrer Seite versucht, sie wieder zu beruhigen. Blink sucht einen Ort, an dem sie sich zu Hause fühlt, während Thunderbird versucht, den ganzen Laden im Zuge der ständigen Streitereien zusammenzuhalten. Andy zweifelt gerne die Meinung seiner Eltern an und wird oftmals von seiner Schwester auf den Boden zurückgeholt.
Dieser repetitive Zyklus wiederholt sich ein wenig zu oft, so dass die Gewissenskonflikte innerhalb des Teams von einer Stärke gleichzeitig zur größten Schwäche der Staffel mutieren. Allerdings wird dadurch im Gegenzug aber vor allem auf das spannende Staffelfinale hingearbeitet, dessen Ereignisse genau deswegen schlüssig wirken. Denn all die so zahlreich dargestellten Charakteristika und die Gesinnung der Figuren geben Aufschluss über ihre Entscheidungen, die sie an diesem für sie schicksalhaften Scheideweg der Geschichte treffen.

Troubling Triplets
Es sind vor allem die Momente, in denen The Gifted aus seiner Struktur und dem inneren Konfliktkreisel ausbricht, die die Serie von ihrer spannendsten Seite zeigen. Die Auflösung beziehungsweise Wendung um Esme und ihre Schwestern lockert ebendieses Gefüge auf und erzeugt die Momente, in denen die unterschiedlichen Philosophien der Figuren eben nicht mehr nur verbal aufeinanderprallen. Im Zuge dessen gehört vor allem Lorna zu den facettenreichsten Mutanten und auch Andy wird durch seine Entscheidung wesentlich interessanter.
Grundsätzlich tat der Auftritt von Esme der Geschichte, die gerade im Begriff war, zu sehr zu stagnieren, besonders gut. Möglicherweise gehöre ich aber auch einfach zum Team Hellfire Club, denn ich bin sehr gespannt, was die frostigen Cuckoo-Schwestern, Magneto-Girl und der junge von Strucker gemeinsam in der nächsten Staffel alles anstellen werden.
Grundsätzlich ist es eine willkommene Abwechslung und ein Merkmal der Serie, dass Superkräfte hier nicht dazu beitragen, die Welt gegen andere mit Superkräften ausgestattete Gefahren zu retten, sondern, dass sie in einer Geschichte rund um Themen wie Unterdrückung und Kriminalisierung von Minderheiten als Werkzeug zum Überleben genutzt oder eben auch missbraucht werden. Davon abgesehen bleibt die von gelegentlicher Action durchzogene Gesamtmischung über weite Strecken ziemlich unterhaltsam.
Fazit
The Gifted lieferte mit seiner ersten Staffel einen guten Einstand ab. Zwar gibt es gelegentlich repetitive Phasen, doch ordentlich gestaltete Charaktere, regelmäßige Actionszenen und ein gelungener Plan, wohin die Geschichte letztendlich bis zum Staffelende führen sollte, sorgen dafür, dass man sich stets gut aufgehoben fühlt. Zudem sorgen viele sympathische Figuren dafür, dass man emotional mehr als ausreichend in die Geschehnisse eingebunden wird. Damit hat nun auch das „X-Men“-Universum eine Serie bekommen, auf die es in Zukunft bauen kann.

Der Trailer zum Staffelfinale von „The Gifted":
Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 16. Januar 2018(The Gifted 1x13)
Schauspieler in der Episode The Gifted 1x13
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