The Flash 5x22

The Flash 5x22

The Flash präsentiert uns im Finale seiner fünften Staffel eine gehörige Ladung an Twists, wodurch man den Bogen beinahe überspannt. Doch inmitten dieser wilden, abwechslungsreichen und mit vielen Überraschungen gespickten Erzählung lassen sich auch zahlreiche rührende Momente finden, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Legacy, die Finalepisode der fünften Staffel von The Flash, macht es mir zu Beginn alles andere als einfach. Es ist ja schon länger bekannt, dass ich nicht der allergrößte Fan des Handlungsbogens um Superschurke Cicada gewesen bin - ob nun in Person von Orlan Dwyer (Chris Klein) oder seiner erwachsenen Nichte Grace (Sarah Carter) aus der Zukunft. Daher war ich nach der letzten Episode, The Girl with the Red Lighnting, trotz meiner erneuten Frustration über dieses langatmige, uninteressante Storyelement doch recht froh, dass wir anscheinend einen Haken hinter Cicada gemacht haben. Damit lag ich jedoch falsch. Anstatt sich in der letzten Folge dieser Staffel komplett Eobard Thawne (Tom Cavanagh) in seiner Rolle als zentraler Widersacher für Team Flash zu widmen, geht der Eiertanz um Cicada auch in „Legacy“ weiter.

Das fühlt sich für mich gleich zum Auftakt der Episode wie ein kleiner Rückschlag an. Warum das so ist, habe ich oft genug niedergeschrieben. Ich verstehe nach wie vor die Idee hinter Cicada II beziehungsweise der fehlgeleiteten Grace. Und in dieser Folge wird auch noch einmal mehr als deutlich, dass die Macher eine Art Gleichnis zwischen dieser Figur und Nora (Jessica Parker Kennedy) aufziehen wollen, die beide auf den ersten Blick so unterschiedlich sind, jedoch durchaus über Gemeinsamkeiten verfügen. Die eine konnte sich letzten Endes der verlockenden Dunkelheit entziehen und hat sich nicht von ihrer Wut korrumpieren lassen. Die andere ist fest verwurzelt in ihrem Hass, genährt durch eine zentrale Bezugsperson, die selbst viel zu spät eingesehen hat, dass dies der falsche Weg ist. Diese Charakterkonstellation hat Potential. Ausgespielt wurde ebenjenes Potential aber leider nur selten und wenn, dann oft sehr halbgar und ohne eine wirkliche Bereitschaft, in spannende Grauzonen vorzudringen.

To be a hero

Cicada II ist und bleibt am Ende einfach nur böse. Und selbst, wenn man die junge Grace mit der Hilfe des „guten“ Orlans (der Doppelauftritt von Chris Klein führt uns abermals hervorragend vor Augen, wie unglaublich überspielt seine Performance als Cicada gewesen ist) schlussendlich vom dunklen Weg abbringen kann, fühlt sich diese Auflösung alles andere als verdient und mehr nach einer simplen Notwendigkeit an, um eine nette Schleife um diese Geschichte zu schnüren. Aber gut, der mich persönlich nicht sehr zufriedenstellende Handlungsstrang um diesen Gegner nimmt glücklicherweise nur einen Teil dieser Episode ein, die sich in ihrem weiteren Verlauf selbst aus dem Cicada-Loch zieht und zahlreiche Entwicklungen anstößt, von denen nicht wenige etwas überraschend kommen und durchaus große Emotionen wecken.

In „The Flash“ hat man zum Abschluss einer Staffel schon immer gerne die eine oder andere unerwartete Wendung aus dem Hut gezaubert, was sich auch im Fall von „Legacy“ bestätigt. Hier nimmt diese Methodik jedoch phasenweise schon Überhand, was zweifelsohne für eine sehr aufregende und mitunter extrem mitreißende Erzählung sorgt. Gleichzeitig stellt man sich zwischendurch aber auch die Frage, mit wie vielen Schnörkeln und Twists das alles enden soll. Wie bereits gedacht kann sich Eobard Thawne aka The Reverse-Flash nach der Zerstörung von Cicadas Dolch aus seiner Inhaftierung befreien. Zunächst muss das Team, welches dank des aufopferungsvollen Ralphs (Hartley Sawyer) Thawne auf die Schliche gekommen ist, jedoch abwägen, wen sie von den beiden großen Bedrohungen aufhalten wollen: Barrys Erzfeind, der mit absoluter Sicherheit bereits seine nächste Missetat geplant hat? Oder Cicada II, die in die Vergangenheit zurückreisen und tausende Metahumans töten will, noch bevor diese Schaden anrichten können?

Born to die

Ein spannendes Dilemma, das der Episode das nötige Tempo gibt und Anteil daran hat, dass von der Erzählung eine Art Dringlichkeit und ein „Alles-oder-nichts“-Charakter ausgeht. Team Flash entscheidet sich schließlich für einen Mittelweg - die junge Grace von dem Metahuman-Heilmittel überzeugen, Cicada II somit den Zahn ziehen und dann erst den Dolch zerstören -, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt ist. Die dunkle Materie der verhängnisvollen Klinge ist zu stark, erst durch die Zerstörung des Dolches kann Cicada II aufgehalten werden. Und dadurch setzt man wiederum auch in der weit entfernten Zukunft Eobard Thawne auf freien Fuß, der von Anfang an genau diesen Plan verfolgt hat...

Barry (Grant Gustin) und Nora rasen jedoch sogleich in die Zukunft, um Thawne vor Ort zu stellen. Dieser kaut dem Vater-Tochter-Gespann genüsslich vor, dass er sie die ganze Zeit über manipuliert und wie eine Fidel gespielt hat. Es handelt sich hier um eine etwas abgedroschene Szene, in der der Bösewicht siegessicher über seinen Masterplan schwafelt. Tom Cavanagh geht in dieser Rolle aber wie gewohnt auf und so stimmt zumindest der Unterhaltungswert. Nach einer flotten Actionsequenz, an deren Ende Team Flash eindrucksvoll aufzeigt, wie viel es doch wert ist, wenn man sich im Angesicht eines scheinbar übermächtigen Gegenübers aufeinander verlassen kann (das nenne ich mal ein Vermächtnis!), erwartet uns die nächste faustdicke Überraschung: Noras Zeit ist abgelaufen. Oder anders: Nach der Zerstörung von Cicadas Dolch hat sich eine neue Zeitlinie gebildet, was zur Folge hat, dass sich Nora auflöst.

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The CW
The CW - © The CW

I don't feel so good, mom and dad...

Nein, es ist nicht das saloppe Schnippen mit den Fingern eines lilafarbenen Oberfieslings, das zu einem tragischen Ende der Geschichte führt. Es sind wie schon in der Vergangenheit von The Flash die Komplikationen, die mit der Manipulation des Raum-Zeit-Gefüges einhergehen, welche unsere Heldinnen und Helden mal wieder einholen. Doch Nora ist bereit, sich diesen Konsequenzen zu stellen. Es gäbe eine Möglichkeit, sie zu retten, doch damit würde sich Nora der dunklen Macht der negativen Speedforce Thawnes hingeben. Nein, sie trifft eine konsequente Entscheidung und steht ihre Frau - und das ist gut. Die Serie wirbelt erneut einige ihrer Elemente durcheinander und so ist es letztlich nicht Barry aka The Flash, der irgendwann in der Zukunft plötzlich verschwunden ist, sondern Nora, deren Dasein nun ein Ende hat, obwohl es rein theoretisch in der Jetztzeit noch nicht einmal begonnen hat.

Mein erster, zugegeben etwas herzloser Gedanke war, dass Nora ja nach wie vor existieren kann, wenn sie in der Gegenwart als Tochter von Barry und Iris (Candice Patton) zur Welt kommt. Doch diese Nora würde nicht die Nora sein, die in der fünften Staffel von „The Flash“ aus der Zukunft zurück in die Vergangenheit gereist ist, um nicht nur ihren Vater zu retten, sondern auch, um eine vollwertige Beziehung zu ihren Eltern aufzubauen. Etwas, das ihr als junge Frau in ihrer Zeit nie gewährt wurde. Und so zeichnet all diese tragischen Szenen um Nora sowie Barry und Iris, die diese Situation nicht wahrhaben wollen, eine schreckliche, bittersüße Note aus, deren Effekt nicht spurlos an mir vorbeigeht. Bei all den verpassten Möglichkeiten oder unnötig komplizierten Familiendramen der West-Allens ist dieser Moment dann eben doch sehr bewegend.

Quite a journey

Das liegt an der geschickten, sich sukzessive zuspitzenden Inszenierung, an den glaubhaften Darbietungen der Schauspieler sowie an dem cleveren Einfall der Autoren, das Schicksal von Vater und Tochter ein Stück weit zu vertauschen. Somit bietet man uns eine Überraschung, die auf einem emotional nachvollziehbaren Fundament steht und nicht nur Schockwert hat. Ohnehin trifft man in diesem Staffelabschluss mehrfach die genau richtigen Töne, wenn es um gefühlvolle Charaktermomente geht. Als sich zum Beispiel Cisco (Carlos Valdes) von seinen Metahuman-Kräften und somit auch von seinem Leben als Vibe verabschiedet, geht einem das Herz auf. Da braucht es keine große Ansprache gegenüber seiner sehr guten Freundin Caitlin (Danielle Panabaker). Die große Wertigkeit ihrer Beziehung zueinander und die erstaunliche Strecke, die sie gemeinsam zurückgelegt haben, das alles zeigt sich allein durch die vielsagenden Blicke, die die beiden austauschen.

No matter what the future brings

Dass sich Carlos Valdes von der Serie verabschieden würde, war ein offenes Geheimnis. Wie man sich jetzt von dieser Figur trennt, ist hervorragend gelöst. Cisco darf zunächst nicht nur noch einmal seine Stärken als Vibe zur Schau stellen, es wird auch völlig nachvollziehbar aufgezeigt, warum er sich letztlich für die Injektion des Metahuman-Heilmittels und ein Leben als Cisco Ramon ohne doppelte Verpflichtung entscheidet. Besonders gut gefällt mir, wie man Kamilla (Victoria Park) in diesen Teil der Episode einbaut. Sie reagiert verständnisvoll auf Ciscos Geheimniskrämerei (die Sache mit den Comics ist charmant und herrlich selbstreferentiell zugleich) und ein künstliches Drama bleibt uns erspart. Vielmehr erkennen wir, dass Cisco in Kamilla jemanden gefunden hat, bei der er auch wirklich er selbst sein kann. Nicht nur jemand, der eventuell nur auf seine Superkräfte reduziert wird, wobei seine Freunde stets mehr in ihm als nur das gesehen haben.

Letztlich wird es in „The Flash“ noch einmal arg rührselig. Insbesondere in den Szenen um Iris und Barry, die um Nora trauern, drückt man gewaltig auf die Tränendrüse. Die beiden Eltern sind unfassbar stolz auf ihre Tochter, aber auch am Boden zerstört. Dieses einzigartige Vermächtnis hatte einen hohen Preis. Und ich habe Respekt davor, dass die Verantwortlichen bereit gewesen sind, diesen zu zahlen. Es folgt eine kleine Montage, die uns das Gefühl eines Happy Ends vermitteln soll: Sherloque kehrt zurück auf seine Erde zu Renee, Joe (Jesse L. Martin) wird zum Captain befördert (Apropos: Singh kennt natürlich Barrys Geheimnis), Caitlin beziehungsweise Killer Frost erhält ein kleines Abschiedsgeschenk von Cisco und Ralph, für den sich eine neue Liebe (Stichwort Dearbon) anbahnen könnte, hat gezeigt, was in ihm steckt. Die Stimmung ist aber schlussendlich doch eher gedämpft, ein Gefühl, das mit der abschließenden Videobotschaft von Nora für Barry und Iris noch einmal intensiviert wird. Ein passender Abschluss für eine wilde Finalfolge, in der sich die Ereignisse überschlagen, am Ende jedoch die Emotionen und die Beziehungen der Charaktere zueinander im Fokus stehen.

Fazit

Nach einer durchaus wechselhaften fünften Staffel bringen die Macher von The Flash ihre Geschichte mit einer turbulenten Finalepisode zu Ende. Diese hat so gut wie alles zu bieten, was man mit der Superheldenserie assoziiert - im positiven wie auch im negativen Sinne. Letztlich kann man aus den überzeugenden Darbietungen des Casts und den großen Emotionen dieser Folge aber eine beeindruckende Stärke ziehen. Zusätzlich bringt man mit Eobard Thawne aka The Reverse-Flash einen der prominentesten Schurken des Arrowverse in Position, damit dieser in naher Zukunft im Superheldenuniversum von The CW erneut entscheidend mitmischen kann. „See you in our next crisis.“ - mit diesen Worten verabschiedet sich Thawne von Barry, was ein deutlicher Hinweis auf das geplante Crossover-Event „Crisis on Infinite Earths“ ist, mit dem das Arrowverse später in diesem Jahr ordentlich auf den Kopf gestellt werden könnte. Ob The Flash dann wirklich verschwinden wird, wie es der ominöse Zeitungsartikel prophezeit, bleibt jedoch abzuwarten. In dieser Hinsicht hat wahrscheinlich noch ein geschätzter Kollege des schnellsten Mannes der Welt ein Wörtchen mitzureden...

Hier abschließend noch der Teasertrailer zum in diesem Jahr anstehenden The-CW-Superheldenserien-Crossover-Event „Crisis on Infinite Earths":

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 15. Mai 2019

The Flash 5x22 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 22
(The Flash 5x22)
Titel der Episode im Original
Legacy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. Mai 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. September 2019
Regisseur
Gregory Smith

Schauspieler in der Episode The Flash 5x22

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