The Flash 6x01

The Flash 6x01

Mit Into the Void legt The Flash einen soliden, wenngleich inhaltlich doch eher unspektakulären Start in die nunmehr sechste Staffel der Superheldenserie hin. Zwar bekommt es das Team mit einem äußerst bedrohlichen Phänomen zu tun, große Spannung kommt aber mitnichten auf.

The Flash (c) The CW
The Flash (c) The CW
© he Flash (c) The CW

Team Flash dreht wieder seine Runden: Die The CW-Serie feierte am gestrigen Dienstag die Premiere ihrer sechsten Staffel, in der sich zu neuen Heldentaten aufgeschwungen wird, bevor es später im Jahr zu dem Großereignis schlechthin kommt, das alles im geteilten „Arrowverse“ für immer verändern wird: „Crisis on Infinite Earths“. Doch vor dem pompösen Crossover-Event, das auch kurz in der Auftaktfolge Into the Void thematisiert wird, ist nach dem allen voran für Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) sehr emotionalen und schmerzhaften Ende der fünften Staffel von The Flash, in dem die beiden Eheleute Abschied von Nora, ihrer Tochter aus der Zukunft, nehmen mussten.

Dieser „Verlust“ - sie können ja nach wie vor eine Tochter namens Nora bekommen, doch diese wird eben nicht die Nora sein, die ihnen so sehr ans Herz gewachsen ist - wiegt zu Beginn der neuen Staffel schwer. Sowohl Barry als auch Iris wollen sich jedoch lange Zeit nicht eingestehen, wie schwer es ihnen fällt, sich mental wieder aufzurichten. Während Barry einen ganzen Sommer lang den überengagierten Helden von Central City gab, werkelte Iris unermüdlich an ihrem Magazin The Central City Citizen, das sich mittlerweile großer Beliebtheit erfreut. Beide sind jetzt jedoch lang genug vor ihren Gefühlen und Schmerzen davongelaufen und schaffen es letztlich zum Ende der Episode, den Blick nach vorne zu richten. Zumindest für einen kurzen Moment, denn Mar Novu aka The Monitor (LaMonica Garrett) hat gleich die nächste Hiobsbotschaft parat, die erst einmal verdaut werden muss...

Doch der Reihe nach. Die „Arrowverse“ umspannende Krise beginnt erst Anfang Dezember. Im Hier und Jetzt von Team Flash ist rein äußerlich betrachtet erst einmal wieder ein wenig Routine eingekehrt. Barry hat zuletzt einige mysteriöse Godspeed-Kopien dingfest gemacht, deren rätselhaftes Auftreten sicherlich noch im späteren Verlauf der Staffel aufgeklärt wird, während Cisco (Carlos Valdes) und Caitlin (Danielle Panabaker) dem scharlachroten Speedster gewohnt aus der Ferne zur Seite stehen. Ersterer hat sein Superheldendasein als Vibe ein für alle Mal hinter sich gelassen und erfreut sich einer gesunden Beziehung zu seiner Freundin Kamilla (Victoria Park). Caitlin hat indes ein bisschen mit ihren eisigen Superkräften zu kämpfen, was wiederum damit zusammenhängt, dass sich ihr Alias Killer Frost nun daran gewöhnen muss, ein vollwertiger Teil ihrer Persönlichkeit und nicht mehr nur eine gefährliche Metahuman-Anomalie zu sein. Eventuell kann ja Ralph Dibny (Hartley Sawyer), gerade erst von einem wichtigen Auftrag zurück (Stichwort Sue Dearbon, die Ehefrau von Ralph aka Elongated Man in der Comicvorlage), Abhilfe schaffen.

King of the impossible

Die Freundesgruppe ist also wie gewohnt ganz gut mit sich selbst beschäftigt, bekommt es in „Into the Void“ jedoch sogleich mit einem Fall zu tun, bei dem das Wohl und Wehe der gesamten Stadt auf dem Spiel steht. Ein leicht verrückter Wissenschaftler namens Chester P. Runk (Brandon McKnight) hat nämlich bei einem Experiment, über das er Kontakt zu außerirdischem Leben aufnehmen wollte, ein schwarzes Loch erzeugt. Und zu allem Überfluss ist auch noch Chesters Bewusstsein direkt mit dem schwarzen Loch verbunden, was die Aufgabe für Team Flash nicht gerade einfacher macht. Denn: Sie möchten nicht nur dem schrulligen Bastler helfen, der nach diesem Vorfall in einen katatonischen Zustand verfallen ist, sie wollen selbstverständlich auch das schwarze Loch schließen beziehungsweise dieses zur Implosion bringen, um den Tag zu retten.

Das geschieht letztlich auch nach dem „The Flash“-Lehrbuch, indem man auf ein bisschen Technologie zurückgreift, die Nora einst aus der Zukunft mitgebracht hat, und gleichzeitig eine neue Superkammer - die „Mental Augmentation Chamber“, über die Barry zukünftig Szenarien berechnen können soll, bevor sie eintreten - umfunktioniert, in der Chester wieder Leben eingehaucht wird. Ein Gefühl der unmittelbaren Bedrohung macht sich nicht wirklich breit, das ganze Prozedere hinterlässt vielmehr den Eindruck eines klassischen Routineeinsatzes, der ohne große Zwischenfälle unspektakulär über die Bühne gebracht wird. Ja, man präsentiert uns zwar ein schwarzes Loch über Central City, was durchaus außergewöhnlich ist. Wahrlich mitreißend ist diese Erzählung jedoch nicht. Da fällt der gelungene Musikeinsatz (sehr passend: „Flash“ von Queen, auch wenn es in dem Lied nicht um den DC-Helden, sondern um Flash Gordon, den wahren Retter des Universums geht), als Barry in Aktion tritt, definitiv am positivsten auf.

The CW
The CW - © The CW

Under attack

Ist der „Fall der Woche“ in Into the Void erst einmal abgearbeitet, bleibt uns noch eine Handvoll ordentliche Charaktermomente sowie ein kleiner Vorgeschmack auf den ersten großen Fiesling der sechsten Staffel von The Flash, der voraussichtlich in den nächsten Folgen den Ton angeben wird: Bloodwork. Noch ist dieser Name nicht gefallen, doch Dr. Ramsey Rosso ist eine bekannte Figur aus dem DC-Kanon und feiert hier, verkörpert von Sendhil Ramamurthy (Heroes), seinen ersten Auftritt. Es handelt sich bei ihm um einen alten Bekannten von Caitlin, der gerade erst seine Mutter verloren hat. Diese ist an einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH) verstorben, eine akute Erkrankung des Immunsystems, unter der auch Ramsey selbst leidet.

Mithilfe dunkler Materie will Ramsey nun das Voranschreiten von HLH nicht nur eindämmen, sondern die Krankheit sogar komplett besiegen. Nachdem Caitlin sich weigert, ihre Kontakte als Angestellte der S.T.A.R. Labs spielen zu lassen, versorgt sich Ramsey selbst mit Metahuman-Stoff, was schwerwiegende Folgen hat. Zwar geht seine Erkrankung zurück, doch er nimmt postwendend eine neue Gestalt an. Geboren ist ein Superschurke, dessen origin story leider ein wenig dröge ist und so oder so ähnlich schon etliche Male durchgekaut wurde. Man sollte zwar nicht verfrüht urteilen, denn die Serienmacher könnten die Geschichte um Ramsey Rosso aka Bloodwork ein wenig anders aufziehen, als man es erwartet. Doch der erste Eindruck von diesem neuen Charakter ist eher schal und löst nicht gerade überdurchschnittlich große Vorfreude aus.

Man hat viel eher das Gefühl, dass dieser Aspekt der Geschichte jetzt schon zu einer Art Lückenfüller verkommen könnte, bis im Dezember dann die eigentlichen, schweren Geschütze aufgefahren werden. Und das ist natürlich alles andere als günstig, wenn man als Zuschauer bereits so früh zu der Einschätzung kommt, dass eine prominente Schurkenfigur nicht mehr als ein x-beliebiger, austauschbarer Platzhalter ist. Bleibt nur zu hoffen, dass man sich täuscht und die Verantwortlichen im weiteren Verlauf der ersten Staffelhälfte in der Lage dazu sind, einen wertigen Handlungsbogen rund um Ramsey Rosso zu entwerfen, der einen vom Gegenteil überzeugt.

Work-life balance

Etwas interessanter gestaltet sich Caitlins beziehungsweise Killer Frosts aktuelles Dilemma, die zum ersten Mal in ihrem Leben die Chance bekommt, ein eigenes Leben zu führen. Caitlin und Killer Frost haben in der fünften Staffel eine nicht immer einfache Entwicklung durchgemacht und befinden sich nun an einem neuen, ungewohnten Punkt. Gerade für Killer Frost ist vieles neu und Caitlin ist wenig überraschend absolut bereit dazu, ihrer kühleren Hälfte die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten und eine Identität zu formen, die über ihr Dasein als Metahuman hinausgeht. Es wird spannend zu beobachten sein, wie diese beiden grundverschiedenen Charaktere in einem Körper leben, sich weiterhin ergänzen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später auch vehement widersprechen werden. Die Autoren präsentieren uns hier abermals ein spannendes Gedankenexperiment, das in unterschiedliche Richtungen gehen kann.

In welche Richtung es derweil für Barry geht, ist laut Mar Novu glasklar: Richtung Grube. Denn, um zu gewährleisten, dass Milliarden von Menschen nicht einfach so über den Jordan gehen, wird The Flash den Löffel abgeben müssen. Ob die Superfreunde bis dahin nicht noch einen Alternativplan ausgekocht haben, um das Ende aller Tage zu verhindern, bleibt abzuwarten. Stand jetzt schweben diese finsteren Aussichten erst einmal wie dunkle Wolken über Team Flash, welches in den nächsten Wochen sich mit großer Sicherheit immer mal wieder den Kopf darüber zerbrechen wird, wie man das vermeintliche Ende von Barry Allen abwenden kann.

Hier noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, A Flash of the Lightning (6x02):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 9. Oktober 2019

The Flash 6x01 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 1
(The Flash 6x01)
Deutscher Titel der Episode
Ins schwarze Loch
Titel der Episode im Original
Into the Void
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. Oktober 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. März 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 30. März 2020
Autoren
Eric Wallace, Kelly Wheeler
Regisseur
Gregory Smith

Schauspieler in der Episode The Flash 6x01

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