The Flash 5x21

© ??The Flash“ (c) The CW
Erfolg und Misserfolg liegen in der The CW-Superheldenserie The Flash stets sehr dicht beieinander. Zumeist gelingt es Team Flash kurz vor knapp, ein großes Übel abzuwenden, nur um kurze Zeit später von einer ganz anderen unerwarteten Entwicklung komplett auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Diese Formel hat sich in den letzten fünf Jahren immer wieder bewährt und sie kommt auch in The Girl with the Red Lightning, der vorletzten Episode der fünften Staffel von „The Flash“, zum Einsatz. Just in dem Moment, als man uns Zuschauern zeigt, wie unsere Freunde Cicada II (Sarah Carter) gerade so Einhalt gebieten können, erfolgt noch ein kleiner Twist, bei dem wenig überraschend Eobard Thawne aka The Reverse-Flash (Tom Cavanagh) eine zentrale Rolle spielt. Wer hätte das gedacht...
Die Auflösung zum Ende der Folge dürfte niemanden überraschen und ich möchte der Serie auch überhaupt nicht den Vorwurf machen, dass der eingeschlagene Weg zu vorhersehbar gewesen ist. Wie immer geht es in solchen Fällen vielmehr um die Frage nach dem „Wie“ als nach dem „Was“. Handwerklich gesehen hat man die gesamte Staffel über relativ geschickt und phasenweise mehr als deutlich aufgebaut, wohin die Reise in dem Handlungsstrang um den inhaftierten Eobard Thawne der Zukunft hingehen wird. Auch in dieser Episode wird zwischenzeitlich noch einmal sehr offensichtlich telegrafiert, dass Thawne irgendwelche Motive verfolgen muss, die sich Team Flash noch nicht erschlossen haben. Man darf den Fiesling, der immer mehrere Schritte vorausdenkt, schlichtweg niemals unterschätzen, geschweige denn abschreiben.
Legacy
Dementsprechend ist alles perfekt vorbereitet, um zum Abschluss der Episode die Katze beziehungsweise den Reverse-Flash aus dem Sack zu lassen und als das zu präsentieren, was er die ganze Zeit über in den Köpfen vieler Zuschauer längst gewesen ist: der eigentliche zentrale Schurke dieser Staffel. Damit kann ich leben. Zum einen, weil mir Tom Cavanagh in dieser Rolle ziemlich gut gefällt. Zum anderen, weil die Figur des Reverse-Flash so viel wunderbare „The Flash“-Historie und emotionalen Ballast für all die verschiedenen Figuren - allen voran Barry (Grant Gustin) - mit sich herumträgt, so dass ein Konflikt mit diesem rücksichtslosen, durchtriebenen, kalkulierenden Charakter eine spezielle Wertigkeit hat. Als Zuschauer fällt es mir da sehr einfach, mich in diese erneute Auseinandersetzung mit einem der kultigsten Schurkenfiguren der Flash-Comics sowie der Serie selbst zu involvieren.
Isn't it ironic?
Ihr ahnt es sicher schon: Es muss ein „Aber...“ folgen. Durch die (erwartbare) Enthüllung von Eobard Thawne als skrupellosen Strippenzieher im Hintergrund, der durch die Taten von Team Flash im Jahr 2019 letztlich seiner Todesstrafe im Jahr 2049 sehr wahrscheinlich entgehen kann, liefert das Autorenteam von „The Flash“ auch ein kleines Eingeständnis hinsichtlich der fleischgewordenen Nebelkerze Cicada ab. Dieser beziehungsweise diese, nachdem zwischendurch die erwachsene Grace aus der Zukunft in die blutigen Fußstapfen ihres Onkels getreten ist, diente letzten Endes auch nur als Marionette Thawnes. In dieser Funktion haben die verschiedenen Versionen von Cicada nie wirklich einen Reiz als eigenständige Figuren entwickeln können, so sehr die Macher auch versucht haben, Orlan (Chris Klein) und Grace zu komplexen Charakteren mit einer nachvollziehbaren Hintergrundgeschichte zu machen.
Und so fühlt sich „The Girl with the Red Lightning“ in dieser Hinsicht nach einem simplen Abhaken und Abheften eines sehr prominenten Handlungsstranges dieser Staffel an - und das eher unbefriedigend, als dass man wirklich etwas mit dieser Geschichte erreicht hätte. Cicada II bastelt noch schnell eine verheerende Bombe mitsamt tödlichen Virus gegen alle Metahumans der Stadt, nein, sogar des gesamten Landes zusammen, darf mit Team Flash noch einmal den Boden aufwischen, wird dann jedoch punktgenau aufgehalten, womit das Thema wohl auch gegessen sein dürfte. Das alles mag ganz kurzweilig orchestriert sein, ich persönlich nehme all dies jedoch eher gleichgültig und mit einem kleinen, müden Gähnen zur Kenntnis. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass sich die Serie im konkreten Fall von Cicada auch immer wieder munter im Kreis gedreht hat.
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Straight from the heart
Aber nicht nur an dieser Front macht man ein sich immer wiederholendes Element der Staffel aus. Auch bezüglich Nora (Jessica Parker Kennedy), ihrer Rolle im Team und der Beziehung zu ihren Eltern Barry und Iris (Candice Patton) komme ich mir bei der Sichtung von The Girl with the Red Lightning ein wenig so vor, als hätten wir in der jüngeren Vergangenheit bereits an diesem Punkt gestanden. Man möchte Noras Handlungsbogen zu einem stimmigen Abschluss bringen und so endet ihre Ausbildung als Superheldin und das Ausloten ihres nicht immer einfachen Verhältnisses zu Barry und Iris mit einem nachvollziehbaren Appell an ihre Eltern: Glaubt an mich. Gebt mir eure Unterstützung und euer Vertrauen, um über mich hinauswachsen. Das passt, auf diesen Moment hat die junge Familie unterbewusst hingearbeitet. Außerdem gefällt mir, wie Nora es gelingt, sich selbst zu beherrschen und sich nicht von der gefährlichen Wut, die Grace komplett korrumpiert hat, anstecken zu lassen.
Das ständige Hin und Her im Vorfeld sowie das manchmal sehr naive und engstirnige Verhalten der Figur machen es mir aber schwer, diesen sehr bedeutsamen Schritt für den Charakter anzuerkennen. Ganz ähnlich geht es mir mit Blick auf die Beziehung Noras zu ihren Eltern. Die Idee war, uns über eine ganze Staffel zu zeigen, wie Vater, Mutter und Tochter inmitten extrem schwieriger Umstände zueinanderfinden können. Das hat zwischenzeitlich sehr gut funktioniert. Gelegentlich gestaltete sich dies aber eben auch sehr konstruiert und unnötig kompliziert. Und jetzt fällt es mir alles andere als leicht, ein vorläufiges Fazit zu ziehen, ob der Plan der Macher letztlich zufriedenstellend aufgegangen ist oder ob man sich nicht selbst zu oft im Weg gestanden hat. So richtig am Ende sind wir ja auch noch nicht, bleibt uns doch noch eine Folge, in der Thawne wohl sein wahres Gesicht zeigen wird und die Beziehung zwischen Barry, Iris und Nora folglich ordentlich durchgewirbelt werden könnte.
Only time will tell
Wie es letztlich kommen wird und ob das die ganze Staffel über vorgetragene Familiendrama der West-Allens schlussendlich überzeugen kann, bleibt wie immer abzuwarten. Mich beschleicht aktuell nur das Gefühl, dass vieles umsonst war, was einfach schade wäre. Ganz abgesehen von diesem höchst subjektiven Eindruck möchte ich aber auch ein paar sehr charmante zwischenmenschliche Momente aus dieser Episode hervorheben, in denen die Darstellerriege ein wenig aufblühen und ihre gute Chemie untereinander unter Beweis stellen kann. Die Szenen um Sherloque und Renee sind schön mit anzusehen, wenngleich ihr Abschied noch etwas effektiver gewesen wäre, wenn man diesem Duo und ihrer Zuneigung zueinander mehr Spielraum gegeben hätte. Ich hatte zum Beispiel nicht mal mehr auf dem Schirm, dass Renee über Metahumankräfte verfügt. Wirklich präsent war diese Figur also nicht, doch Cavanagh und Kimberly Williams-Paisley können diesen Makel über ihr stimmiges Zusammenspiel ein wenig vergessen machen.
Side effects
Fast schon ein wenig selbstreferentiell mutet indes Joes (Jesse L. Martin) Nebengeschichte an, der als Vertreter von Captain Singh (Patrick Sabongui) Verantwortung übernehmen und die Verteilung des Metahumanheilmittels organisieren muss, bevor Cicada II zuschlagen kann. Ich kann mir ein Schmunzeln nur schwer verkneifen, als Cecille (Danielle Nicolet) doch tatsächlich ganz klar sagt, dass Joes moralischer Kompass ihn stets in die richtige Richtung geführt hat und er für so viele Menschen in seinem Leben bereits eine wichtige Stütze gewesen ist. Es ist vielleicht nicht besonders subtil gelöst, aber mir gefällt die Idee, dass man Joe in eine schwierige Situation bringt, in der auch er mal über sich hinauswachsen muss. Und das gerade mit der Hilfe einer Person wie Cecille, die Joe gekonnt Mut zuredet und Selbstvertrauen gibt. Man tauscht hier ein wenig die Rollen und verpackt diesen Teilaspekt der Episode in ein durchaus herzliches Gewand.
Letztlich mangelt es der Folge dann vielleicht noch ein wenig an Konsequenz, denn wie bereits erwähnt kann man Cicada II doch relativ einfach das Handwerk legen. Cisco (Carlos Valdes) nutzt dabei eher seine grauen Zellen als seine Superkräfte (der „Entschärfungsprozess“ der Bombe ist jedoch eher lachhaft), was als deutlicher Hinweis verstanden werden kann, dass seine Zeit als Vibe womöglich ein Ende hat. Für einen kurzen Moment hätte ich den Verantwortlichen sogar einen sehr tragischen Abschied von Cisco zugetraut, doch der Charakter hat es sich durchaus verdient, auf positive Art und Weise zu neuen Ufern aufzubrechen. Am Ende bleibt uns dann noch der Blick auf Thawne (Ralph hat es die ganze Zeit gespürt, wurde jedoch deutlich von Barry abgewatscht), der in der Zukunft mit dem Dolch von Cicada in Schach gehalten wird. Dieser Dolch soll jetzt auch sein Ende herbeiführen, doch, wenn die Waffe in der Vergangenheit zerstört wird, dann existiert sie auch nicht mehr in der Zukunft. Ergo: Thawne, der zu guter Letzt sein markantes, finsteres Grinsen aufsetzt, kann sich befreien. Er liebt es einfach, wenn ein Plan funktioniert...
Fazit
Die The Flash-Episode The Girl with the Red Lightning liefert zwar auf dem Papier einige große Momente, der gewünschte Effekt bleibt jedoch leider viel zu oft aus. Es handelt sich hier um eine durchaus turbulente und kurzweilige Folge, die viele charmante Momentaufnahmen und ein spannendes Schlussbild zu bieten hat. Gleichzeitig werden jedoch auch reichlich Fragen hinsichtlich des Sinns hinter einigen Figuren und Entwicklungen aufgeworfen, die eine ganze Staffel lang vorangetrieben worden waren. „The Flash“ möchte mit „The Girl with the Red Lightning“ etwas bei seiner Zuschauerschaft auslösen, das gelingt jedoch nur mit Abstrichen. Nun liegt es an dem Staffelfinale, die eigentliche Ernte einzuholen - fraglich ist also vor allem, ob diese üppig oder doch eher mager ausfällt.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, Legacy (5x22):
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 9. Mai 2019The Flash 5x21 Trailer
(The Flash 5x21)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?