The Flash 5x20

© ??The Flash“ (c) The CW
Ach The Flash. In den letzten Wochen zeigte ich mich sehr angetan davon, in welche Richtung sich die Superheldenserie von The CW auf den letzten Metern ihrer fünften Staffel entwickelt hat. Ein wenig überraschend machte man Nora (Jessica Parker Kennedy) zur potentiellen Widersacherin von Team Flash, zusammen mit Barrys Erzfeind Eobard Thawne (Tom Cavanagh) in einer undurchsichtigen Rolle im Hintergrund. Von dieser unerwarteten Konstellation ging Spannung aus, der Konflikt war persönlich und gleichzeitig gut nachvollziehbar, nachdem es zu unüberbrückbaren Differenzen zwischen Barry (Grant Gustin) und seiner Tochter gekommen war. Anstelle sich einer eher weniger überzeugenden Schurkenfigur zu widmen, fand man in den Unstimmigkeiten innerhalb des Teams und der Familie West-Allen einen vielversprechenden Antrieb für die Erzählung.
Und jetzt geht man anscheinend wieder voll auf die Eisen. Denn was interessant und durchaus packend aufgebaut wurde, wird nun auf eine Art und Weise aufgelöst, wie man es eigentlich nicht anders von der Serie erwartet hätte. Und dennoch keimte in mir die Hoffnung auf, dass es dieses Mal ein wenig anders ablaufen könnte... Eine gewisse Chance, dass uns noch eine kleine Überraschung erwartet, existiert auch nach wie vor. Grundsätzlich geht man mit den neuesten Entwicklungen in der Folge Gone Rogue jedoch auf Nummer sicher. Dadurch verpasst man wiederum die wunderbare Gelegenheit, mit der eigenen Formel zu brechen, was für frischen Wind gesorgt hätte und angenehm anders als gewohnt gewesen wäre.
Trust takes time
Auf der anderen Seite stellt „The Flash“ hier aber auch eine Stärke unter Beweis, die die Serie schon immer ausgemacht hatte: eine sehr positive Grundausrichtung, in deren Rahmen die Charaktere auch in ihrer dunkelsten Stunde den Mächten der Finsternis trotzen und Halt in ihrer Gemeinschaft und in dem Vertrauen zueinander finden. Was möchte ich als Zuschauer nun sehen? Dass „The Flash“ sich neu erfindet und Dinge wagt, die uns bisher verwehrt geblieben sind? Absolut! Nur so kann ein Format mit der Zeit gehen, Grenzen überschreiten und sich weiterentwickeln. Ich weiß aber auch, warum ich „The Flash“ schaue: Eben, weil die Serie nie vergisst, was sie ausmacht. So zum Beispiel der Rückhalt, den sich die Figuren immer wieder geben und der Umstand, dass es nicht nötig ist, durchweg dunkle und hoffnungslose Geschichten mit uns zu teilen, die einen nur herunterziehen.
„The Flash“ steht für Optimismus, für Leichtigkeit und die Kraft des positiven Denkens, was sich so ausformuliert zunächst recht lahm anhört. Aber das Muster hat sich bewährt. Die Charaktere werden Mal für Mal vor extrem schwierige Herausforderungen gestellt, treffen letztlich aber stets eine gute, oft selbstlose Entscheidung, um diese zu bewältigen. Gemeinsam. „Gone Rogue“ unterstreicht diesen Aspekt der Serie, indem man anhand der „Young Rogues“ aufzeigt, wie toxisch eine Gruppe aus Egoisten und Opportunisten für einen selbst sein kann. Gleichzeitig werden die Vorzüge von Familie und Freunden hervorgehoben, mit denen man sich auch mal streitet, die aber letztlich für einen da sind, wenn es darauf ankommt.
Ich bin ehrlich: Es ärgert mich, dass man Noras Rolle als Gegenspielerin von Team Flash - eine Gruppe von Menschen, die sie eigentlich lieben - nicht weiter ausgereizt hat und man kurz vor dem Staffelfinale wieder auf die Abfahrt in Richtung Cicada II abgebogen ist. Das Potential einer emotional mitreißenden Geschichte war greifbar. Doch die Macher entscheiden sich nun eben für die Versöhnung der zerstrittenen Parteien und lassen Barry an seine Tochter glauben, auch wenn sie gemeinsame Sache mit Thawne gemacht hat. Dieses Verhalten von Barry ergibt tatsächlich Sinn, denn sein Hass für Thawne wird von seiner Liebe für Nora überwältigt. Es mag sich vielleicht nicht so anfühlen, aber es ist natürlich stimmig.
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Runaways
Gone Rogue macht es einem nicht einfach. Es handelt sich um eine grundsolide Episode, in der sich einige Szenen zwischen den Charakteren etwas übertrieben melodramatisch gestalten, während man in anderen Momenten dem herzlichen sowie amüsanten Zusammenspiel der Figuren viel abgewinnen kann. Mit Brie Larvan aka Bug-Eyed Bandit (Emily Kinney), Joss Mardon aka Weather Witch (Joss Mardon) und Peter Merkel aka Rag Doll (Troy James, nach wie vor großartig schauerlich) baut man auf drei Figuren aus der Schurkengalerie von The Flash, die unter der Leitung von Nora eine abwechslungsreiche Gruppierung darstellen.
Die „Young Rogues“ dienen, wie bereits erwähnt, als starker Kontrast, um Nora vor Augen zu führen, was sie vorher in Team Flash hatte. Es wird aber auch nachvollziehbar illustriert, warum Nora in dieser Runde an Fieslingen, die vom Leben, von ihren Eltern und persönlichen Bezugspersonen enttäuscht und verraten wurden, für kurze Zeit einen Platz, ja vielleicht sogar Zuflucht findet. Letztlich verfolgt Nora ein edles Ziel, allein die Mittel, um dieses zu erreichen, führen sie auf einen kriminellen Pfad. Sie ist längst nicht komplett in die dunklen Sphären eines Eobard Thawnes abgedriftet, auch wenn sie dessen negative Speed Force nutzt und von roten Blitzen umgeben wird, was generell kein gutes Zeichen ist. Aber sie nutzt diese Kräfte, um eine Waffe zu stibitzen, mit der Team Flash den mächtigen Dolch von Cicada II zerstören kann.
Nightmares
Nora ist nicht auf Kriegsfuß mit ihrem Vater. Sie will ihm beweisen, dass Thawnes Plan einen Wert hat und man ihr vertrauen kann. Barry mag vielleicht nicht daran glauben, dass Thawne sich tatsächlich gebessert hat und dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Aber er kann daran glauben, dass seine Tochter Gutes bewirken will und nur helfen möchte. Nora hat sich eine zweite Chance verdient. Iris (Candice Patton) und Joe (Jesse L. Martin) helfen Barry dabei, seinen Starrsinn zu überwinden und das zu tun, was er in dieser Situation tun muss: Er gibt seiner Tochter Vertrauen, er ist für sie da. Ob sich Thawne möglicherweise komplett gewandelt hat oder ob alles Teil eines großen Plans ist, werden wir früh genug erfahren. Wie es auch kommen wird: Die Verantwortlichen hinter „The Flash“ entscheiden sich jetzt in „Gone Rogue“ dafür, die Wogen zu glätten und Familie West-Allen wieder Familie West-Allen sein zu lassen.
Das ist in Ordnung, wenngleich etwas risikoarm und gewöhnlich. Im gleichen Atemzug richtet man den Fokus erneut auf Cicada II (Sarah Carter), die nun im Besitz eines tödlichen Virus ist, mit dem sie allen metahumans von Central City den Garaus machen will. Inwiefern Grace' Onkel Orlan (Chris Klein), der hier überraschend auf den Plan tritt, womöglich nur ein Hirngespinst der fehlgeleiteten Cicada II ist, wird sich zeigen. Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass das Finale der fünften Staffel von „The Flash“ noch einen kleinen Haken schlagen wird, in welcher Form auch immer. Es ist sehr naheliegend, dass noch längst nicht das letzte Wörtchen hinsichtlich des Thawne-Mysteriums und der wechselhaften Beziehung zwischen Nora, Barry und Iris, die sich kurzzeitig erneut zwischen diesen beiden Polen wiederfindet, gesprochen ist.
Aber „Gone Rogue“ wirft auch anderweitig Fragen auf, so zum Beispiel, inwiefern Cisco (Carlos Valdes) seine Handschuhe als Vibe an den Nagel hängt, für ein ruhigeres Leben abseits des Superheldendaseins, zusammen mit seiner neuen Liebe Kamilla. Auch Sherloque wird seine Position innerhalb des Teams und seine Beziehung zu Renee Adler überdenken müssen. Zwischen Caitlin (Danielle Panabaker) und Ralph (Hartley Sawyer) spart man sich glücklicherweise eine potentielle Romanze (und das auf durchaus humorvolle Art), doch auch in diesen beiden Charaktere rumort es aktuell gewaltig. Man darf gespannt sein, wie all diese offenen Enden in den letzten beiden Folgen der Staffel angegangen werden. Die zentrale Ausgangslage - Team Flash gegen Cicada II - ist wiederhergestellt. Das gesamte Drumherum bleibt letztendlich jedoch wesentlich spannender als dieser dementsprechend aufgebaute, vermeintliche Showdown selbst.
Fazit
Gone Rogue hat zunächst wirklich für einen großen Frustmoment bei mir gesorgt, da man mit der Versöhnung von Barry, Iris und Nora meiner Ansicht nach extrem wertvolles Konfliktpotential verschenkt hat, welches man stark aufgebaut hatte und das sich im Staffelfinale einfach hervorragend hätte entladen können. Irgendwie muss man aber wohl den Handlungsstrang um Cicada beenden, also macht man daher nun einen Zwischenschritt, um das Team wiederzuvereinigen. Diese Entscheidung ist leider etwas konservativ, wenngleich nach wie vor die Chance besteht, zum Abschluss der Staffel mit den Erwartungen der Zuschauerinnen und Zuschauer zu spielen und doch noch ein Wagnis einzugehen. Es wäre wünschenswert.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, The Girl with the Red Lightning (5x21):
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 2. Mai 2019The Flash 5x20 Trailer
(The Flash 5x20)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?