The Flash 5x19

The Flash 5x19

Snow Pack ist eine starke Episode, deren einziger wirklicher Makel ist, dass sich die ausufernde Erzählung stellenweise selbst etwas im Weg steht. Ein klar erkennbarer roter Faden, nachvollziehbares Charakterdrama und überzeugende Schauspielleistungen heben die Folge jedoch auf ein überdurchschnittliches Niveau.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Snow Pack, die aktuelle The Flash-Episode, stimmt mich fast ein wenig verärgert. Nicht, weil der Trend nach der letzten sehenswerten Folge Godspeed nach unten zeigt und man als Zuschauer erneut qualitative Abstriche machen muss. Ganz im Gegenteil. „Snow Pack“ ist eine Episode, die sehr gut sein könnte, dieses Prädikat jedoch letztlich um Haaresbreite verpasst. Und das ist eben ärgerlich. Denn diese Folge hält so gut wie alles für uns bereit, was man sich von „The Flash“ wünscht. Dieses „Alles“ wird letzten Endes aber zu einem kleinen Problem. Hier und da entsteht nämlich der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen leider ein klein wenig übernehmen und viel zu viele Ideen in eine Folge packen wollen, die sowohl emotional ansprechend als auch unterhaltsam ist.

Nachdem es zuletzt zu einem Bruch innerhalb der Familie West-Allen gekommen war und Barry (Grant Gustin) seine Tochter Nora (Jessica Parker Kennedy) aufgrund deren Verrat an dem Team zurück in ihre Zeit verfrachtet hat, widmet man sich nun den Konsequenzen dieser schwierigen Entscheidung unserer Titelfigur. Dabei verschwendet man keine Zeit und steigt direkt mit einer hervorragenden Szene zwischen Barry und Iris (Candice Patton) ein, in der die Fetzen fliegen. Und wie. Patton und Gustin spielen sich die Seele aus dem Leib, wodurch die sehr unterschiedlichen Positionen ihrer beiden Charaktere absolut greifbar werden. Als Außenstehender kann man sich problemlos in Barry sowie Iris hineinversetzen, beide führen in dieser hitzigen Diskussion um Nora Argumente ins Feld, die nachvollziehbar sind. Und die Zuschauer, die mit den Charakteren, deren Werdegang und Motive vertraut sind, finden sich schnell in der Situation wieder, dass man sowohl Barry als auch Iris zustimmen beziehungsweise widersprechen möchte.

Looking in the mirror

Es zahlt sich aus, dass beide Figuren so klar etabliert und definiert sind, erst dadurch kann der Konflikt zwischen ihnen so eine Wucht entfalten. Barry und Iris folgen ihren Emotionen, dahingehend ist keine/-r von ihnen besser als die/der andere. Wir können ihre Reaktion und ihr Verhalten verstehen und mir persönlich fällt es ungemein schwer, Partei für eine der beiden Seiten in der Diskussion über Nora zu ergreifen. Sowohl der Standpunkt von Iris, die nach vielen Rückschlägen endlich eine Beziehung zu ihrer Tochter aufgebaut hat, als auch der Standpunkt von Barry, der die Zusammenarbeit seiner Tochter mit dem Mörder seiner Mutter nicht gutheißen kann, ergeben Sinn. Und dieses wunderbare Dilemma könnte kein besserer Auftakt für eine Folge sein, in der das Thema Familiendrama groß geschrieben wird und die verschiedenen Charaktere sich immer wieder aneinander abarbeiten, da ihr Verhältnis zueinander extrem auf die Probe gestellt wird.

Neben der Uneinigkeit im Hause West-Allen geht es in „Snow Pack“ zum Beispiel auch um die episodentitelgebende Familie Snow um Caitlin (Danielle Panabaker), ihre Mutter Carla (Susan Walters) und ihren Vater Thomas (Kyle Secor), der mittlerweile komplett von seiner Eis-Persona Icicle kontrolliert wird. Und wer noch nicht genug von all dem zwischenmenschlichen Drama hat, das sich hier entspinnt, die/der kann sich selbst ein paar Szenen zwischen den verschiedenen Mitgliedern von Team Flash - ein Konstrukt, das im Grunde genommen auch einer Familie ähnelt - herauspicken, in denen Beziehungen zueinander hinterfragt und neu bewertet werden (siehe Sherloque). Das ist eine der großen Stärken vieler Folgen - dieser rote Faden, zu dem die Zuschauer sehr einfach einen persönlichen Zugang finden. So wird eine treibende Kraft der Erzählung etabliert und eben nicht irgendein simpler Plot, der die Figuren von A nach B aufgrund von Gegenstand X bringt.

Interessanterweise beinhaltet „Snow Pack“ zwar auch diese Komponente (die „Eismaschine“, die von Thomas geklaut wird und mit der er seine Frau verwandeln will), welche nebensächlicher aber nicht sein könnte. Es ist vielmehr ein Mittel zum Zweck, um eine Bühne zu errichten, auf der sich die Figuren und ihre Darstellerinnen und Darsteller dramatisch austoben können. Erst über das tragische Ende des Handlungsstrangs um die Familie Snow, der mit dem aufopferungsvollen, wenn auch leicht vorhersehbaren Tod von Thomas endet, wird Barry bewusst, was für ein Wert von einem familiären Band ausgeht. Wie wichtig es ist, auch in einer solchen Krisensituation, wenn man sich gegenseitig die Köpfe einschlägt, zusammenzuhalten und gemeinsam eine Lösung zu finden. Und dass man zusammen noch so hohe Hürden überwinden kann, selbst wenn die Lage ausweglos erscheint und jedwede Hoffnung verloren ist.

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The CW
The CW - © The CW

The dark side

Es mag ein wenig pathetisch anmuten, doch die Ausführung dieser Idee und das Verknüpfen der verschiedenen Storyelemente in Snow Pack funktioniert exzellent und ist dramaturgisch mehr als befriedigend. Was passiert, wenn man sich von diesen Idealen des Zusammenhalts entfernt oder gar von ihnen ausgeschlossen wird, zeigt indes die finstere Entwicklung von Nora, die plötzlich auf den Pfaden des Reverse-Flash wandelt. Sie gibt ihrem Zorn über die Verbannung durch ihren Vater nach und projiziert ihre Wut auf Iris, wodurch Noras dunkle Seite erst völlig freigelegt wird und sie die negative Speedforce von Eobard Thawne (Tom Cavanagh) betreten kann. Das klingt alles schon ein bisschen nach „Star Wars“ und nach der schrecklichen Versuchung, die von der dunklen Seite der Macht ausgeht. Aber es ist auch eine sehr interessante kleine Wendung, Nora jetzt als potentielle Antagonistin zu positionieren, deren Beweggründe ebenfalls nachvollziehbar sind.

Ein Vorwurf, den man der Serie machen kann: All dies passiert (mal wieder) im Schnelldurchgang. Ich sehne den Tag herbei, an dem The Flash seine Charakterdramen mal etwas länger ausspielt, über mehrere Folgen. Doch die Zeit drängt offensichtlich. Und so muss es letztlich am Ende der Episode zu einer (verdienten) Versöhnung zwischen Barry und Iris kommen. Und so muss auch Nora schlussendlich sich sehr schnell in eine dunkle Richtung entwickeln, ein Prozess, den man sicherlich noch etwas ausführlicher hätte beleuchten können. Das hohe Erzähltempo trägt zwar ohne Frage zum hohen Unterhaltungswert bei. Gleichzeitig frage ich mich aber auch mal wieder, wie „The Flash“ wohl aussehen würde, wenn man seinen Dramen und Figuren noch mehr Raum zur Entfaltung geben würde...

(N)Ice family

Ein anderes kleines Problem sehe ich im konkreten Fall von „Snow Pack“ auch darin, dass sich die Folge phasenweise etwas überladen anfühlt. Es passiert so viel in diesen knapp 40 Minuten Laufzeit und das an so vielen verschiedenen Orten. Diese Fülle kann einen erschlagen, so viele positive Aspekte sie ja durchaus auch mit sich bringt. Diese zwei Punkte sind es am Ende, die in „Snow Pack“ für mich persönlich noch am ehesten als Schwäche zu werten sind. Darüber hinaus gibt es kaum etwas zu beanstanden. Ja, die Geschichte um Caitlin und ihre Mutter, zu der die Wissenschaftlerin schon immer ein eher frostiges Verhältnis hatte (no pun intended), ist nicht besonders originell. Und dass es am Ende zum großen Schulterschluss kommt, überrascht ebenfalls überhaupt nicht. Dieser Teil der Episode fügt sich aber eben perfekt in die generelle Struktur der Erzählung ein.

Es ist eine clever platzierte Facette innerhalb einer Folge, die sich auf die Fahne geschrieben hat, uns aufzeigen, dass Familie zwar nicht einfach ist, es sich aber lohnt, Teil einer solchen zu sein und aneinander zu unterstützen. Das wird vielleicht nicht besonders subtil verpackt, dafür aber extrem effektiv und gefühlvoll dargestellt. Und ganz davon abgesehen: Diese Nebenhandlung bietet uns auch einen sehr coolen Showdown zwischen Killer Frost und Icicle - eine wunderbare Dosis Actionspektakel zum genau richtigen Zeitpunkt. Worauf ich hätte verzichten können, ist indes der Überraschungsauftritt von Cicada 2.0 (Sarah Carter), die die kleine Grace (also sich selbst) entführt hat, Thomas aus dem Leben tilgt und mit der Eis-Apparatur von Icicle irgendetwas im Schilde führt. Stichwort Überladung. Den Machern scheint es aber wichtig zu sein, dass wir unsere zentrale Schurkin nicht vergessen. Wenn es denn unbedingt sein muss...

Was wiederum sehr spannend zu beobachten ist, sind all die Szenen um Eobard Thawne, bei dem ich in einem Moment alles darauf setzen würde, dass sein großer, geheimer Masterplan kurz vor der Vollendung steht. Ihm ist es gelungen, Nora zu verführen, ohne sie direkt in diese Richtung zu drängen. Nichts anderes erwartet man von Thawne, dessen ambivalentes Lächeln (hervorragend gespielt von Cavanagh) für ein ungutes Gefühl bei mir sorgt. Jedoch liegt auch Iris nicht verkehrt, wenn sie sagt, dass Thawne etwas an Nora zu liegen scheint und dieser sie wie eine Art Ziehtochter wahrnimmt. Es könnte auf ein episches Finale hinauslaufen, in dem sich Nora nicht nur zwischen ihren beiden „Vätern“ Barry und Thawne entscheiden muss, sondern auch, was für ein Mensch beziehungsweise Speedster sie sein will. Mit all dem emotionalen Unterbau dieses potentiellen Konflikts blicke ich einer solchen Entwicklung weitaus gespannter entgegen als dem aktuellen Nebenkriegsschauplatz um Cicada 2.0.

Fazit

Snow Pack setzt den positiven Trend von The Flash fort und nimmt die Zuschauer mit auf eine abwechslungsreiche, emotionale Reise, auf der der Plot absolut zweitrangig ist und die Charaktere im Mittelpunkt stehen. Dadurch baut sich nicht nur eine besondere Stimmung, sondern auch eine gewisse Anspannung auf. Die vielen verschiedenen Konflikte sind persönlich und greifbar. Gleichzeitig bewegt man sich etwas von dem vergleichsweise leeren, trockenen Handlungsstrang um Cicada weg, um sich dem Innenleben von Team Flash, seinen Mitgliedern und allen voran von Barry, Iris und Nora zu widmen. Das zahlt sich aus, als Zuschauer versetzt man sich gerne in die unterschiedlichen Figuren und ihre Perspektiven, wodurch man fast schon selbst in das aktuelle Geschehen verwickelt wird. „The Flash“ hat momentan einfach einen Lauf.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, Gone Rogue (5x20):

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 25. April 2019

The Flash 5x19 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 19
(The Flash 5x19)
Deutscher Titel der Episode
Eine eiskalte Familie
Titel der Episode im Original
Snow Pack
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. April 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 15. August 2019
Autoren
Jonathan Butler, Gabriel Garza
Regisseur
Jeff Cassidy

Schauspieler in der Episode The Flash 5x19

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