The Flash 5x18

The Flash 5x18

Nach mehrwöchiger Sendepause wird uns in The Flash nun die Ursprungsgeschichte von Nora West-Allen als Speedster präsentiert. Es kommt zu einigen dramatischen Enthüllungen, während der Perspektivwechsel für Abwechslung sowie ein paar eindringliche Charaktermomente sorgt.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Es wird Euch niemand übelnehmen, liebe The Flash-Fans, wenn Ihr zu Beginn der neuesten Episode des Superheldendramas noch einmal kurz innehalten müsst, um Euch daran zu erinnern, was zuletzt in der The CW-Produktion geschehen ist. Zwischen der Episode Time Bomb, die am 19. März ausgestrahlt wurde, und der aktuellen Folge Godspeed liegt immerhin ein knapper Monat. Und die jüngste Form von „The Flash“ war jetzt nicht wirklich so berauschend, dass einem die Serie völlig involvieren und nachhaltig begeistern hätte können. Vielmehr trat man in den letzten Wochen vor dieser fast vierwöchigen Sendepause etwas auf der Stelle, die Luft war nach dem ganzen Cicada-Handlungsstrang - der diese Woche eine Pause einlegt - irgendwie raus.

Jetzt startet man wiederum in den Endspurt der fünften Staffel. Und der Auftakt weiß durchaus zu gefallen. Wie bereits erwähnt, lässt man Cicada Cicada sein (nach dem Tod von Orlin wird dessen Nichte Grace noch früh genug wieder auf den Plan treten...) und konzentriert sich in dem verräterisch betitelten „Godspeed“ auf das große Beben innerhalb von Team Flash, das sich bereits seit längerem angekündigt hat: Nora (Jessica Parker Kennedy) wurde am Ende von „Time Bomb“ aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit Eobard Thawne (Tom Cavanagh) sowie des damit einhergehenden Verrats an ihrem Vater Barry (Grant Gustin) und dem Team weggesperrt. Jetzt gilt es, diesen Konflikt irgendwie beizulegen, die Wogen zu glätten, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen und Verständnis für die schwierige Situation zu zeigen, in der sich unsere junge Superheldin wiedergefunden hat.

Misplaced anger

Oder eben auch nicht. Zwischenzeitlich sieht es sehr danach aus, dass es in „The Flash“ mal wieder zu einer alles klärenden Familienaussprache kommt, an deren Ende es für sämtliche Beteiligten schon irgendwie gemeinsam weitergehen wird. Doch „Godspeed“ wartet mit einer anderen Entwicklung auf, die überraschend konsequent ist. Es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass es früher oder später zur Versöhnung zwischen Barry und seiner Tochter Nora kommen wird. Für den Moment trifft unser Protagonist aber eine recht harte Entscheidung, die sich unerwartet resolut anfühlt und emotional durchaus nachvollziehbar ist. Am Ende von „Godspeed“ kappt Barry nämlich sämtliche Verbindungen zu Nora, weil er ihr einfach nicht mehr vertrauen kann.

Second Chance

Diese Reaktion ist eventuell etwas überdramatisch, vor allem, weil uns in den gut 40 Minuten zuvor ein verständlicher Kontext für Noras Verhalten gegeben wird, wodurch wir ihr Handeln leichter einordnen können. Gleichzeitig ist allen langjährigen Zuschauern von „The Flash“ aber eben auch mehr als bewusst, wie tief der Hass in Barry für Eobard Thawne sitzt. Dieser hat Barrys Mutter auf dem Gewissen, ihm und seinem Vater Henry übel mitgespielt und jahrelang das Vertrauen des Speedster missbraucht. Uns werden anhand Nora und Barry die Sichtweisen von zwei Charakteren aufgezeigt, die jetzt ungebremst kollidieren (Barry war zuvor zumeist auf der Seite seiner Tochter, jetzt übernimmt Iris die Rolle als verständnisvolle Fürsprecherin) und in die man sich beide gut hineinversetzen kann. Und das macht „Godspeed“ sehenswert.

Darüber hinaus zahlt sich die Entscheidung aus, sich endlich mal etwas genauer mit Nora zu beschäftigen und den Zuschauern Einblicke zu gewähren, woher sie eigentlich kommt und inwiefern ihre Aktionen der jüngeren Vergangenheit von etwaigen Vorfällen und Traumata in ihrem Leben beeinflusst wurden. Das Drehbuch von Judalina Neira und Kelly Wheeler fällt dahingehend positiv auf, dass Nora im Rahmen der Handlung in dem Central City des Jahres 2049 erst einmal grundlegend etabliert wird. Neben ihrer origin story, wie das im Superheldengenre so gerne genannt wird, lernen wir sie noch einmal neu kennen. Wir verbringen Zeit mir ihr und mit ihrer besten Freundin und Kollegin Lia (ein sehr dynamischer Gastauftritt von Kathryn Gallagher, die zuletzt in You zu sehen war) und wir sehen den Ursprung ihrer problematischen Beziehung zu Iris. Es ist fast so, als würde man den Charakter Nora West-Allen erstmals auch wirklich als Charakter wahrnehmen.

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The CW
The CW - © The CW

Run, Nora, run!

Dazu trägt auch die Inszenierung von Danielle Panabaker bei, die mit Godspeed ihre allererste Regiearbeit für Film und Fernsehen überhaupt abliefert und aus dem Stand ein hervorragendes Gefühl für Charakterdrama zeigt. Von ein paar kleineren Actionszenen zwischendurch und dem finalen Duell zwischen Nora und dem neuen Superschurken Godspeed (vertont von niemand Geringerem als BD Wong) mal abgesehen, gestaltet sich diese Episode eher dialoglastig. Und das ist gut so. Die sehr starke freundschaftliche Beziehung zwischen Nora und Lia wird so zum Beispiel exzellent greifbar. Generell ist auffällig, wie wie viele weibliche Figuren hier immer wieder miteinander interagieren, was ebenfalls eine erfrischende Abwechslung darstellt, gerade in der vermeintlichen Männerdomäne des Superheldengenres, die in den letzten Jahren immer mehr aufgebrochen wurde.

Die größte Stärke der Episode ist für mich persönlich, dass es der Erzählung gelingt, mein aufrichtiges Interesse für Nora zu wecken, was im Laufe der fünften Staffel von The Flash nicht immer der Fall war. Die Geschichte ist weniger plotgetrieben (auch wenn es letztlich um die Machenschaften eines neuen potentiellen Widersachers geht und wie man diesen aufhalten kann), sondern hangelt sich vielmehr an den Charakteren entlang, insbesondere an Nora. Dadurch entsteht Kontext, der emotionalen Szenen erst Gewicht und eine spürbare Fallhöhe gibt. Szenen, wie zum Beispiel das Gespräch mit ihrer Mutter Iris (ein paar graue Strähnen und schon ist Candice Patton mehr als 20 Jahre älter? Okay...), in denen Nora die Wahrheit über sich und ihre Fähigkeiten erfährt. Oder aber auch der finale Moment zwischen ihr und ihrem Vater, der sie gnadenlos abstraft.

Whatever it takes

Diesem großen Vorzug der Folge zum Trotz lassen sich aber natürlich auch ein paar Makel in „Godspeed“ finden. Man kann zum Beispiel kritisieren, dass der Plot letztlich doch einem sehr simplen Schema folgt und dabei leider auch ein paar ausgelutschte Tropen des Genres bedient. Den Tod von Lia, die mir in sehr kurzer Zeit überraschend schnell ans Herz gewachsen war, sieht man meilenweit auf einen zukommen - und irgendwie ist dieses schreckliche Ereignis ja auch extrem prägend und „wichtig“ für Nora. Aber warum muss es in der Welt der Superhelden immer der tragische Verlust eines Charakters sein, der der besagten Heldin oder dem besagten Helden nahesteht und diese/-n auf die nächste Entwicklungsstufe bringt?

White Lightning

Ebenfalls etwas irritierend ist der Kurzauftritt von Antagonist Godspeed, ein beliebter Flash-Widersacher aus den DC Comics. Sein Outfit macht durchaus Eindruck, wenngleich ich aus irgendwelchen Gründen an den weißen Power Ranger denken muss... Insgesamt fühlt sich diese Figur aber wie eine Art Nebelkerze an. Denn Godspeed, der seine Schnelligkeit durch die Injektion von Zooms Supermittel Velocity 9 erhalten hat, wird relativ schnell abgehakt und von Nora in die Schranken gewiesen. War es das etwa schon wieder? Oder kommt da noch was? Godspeeds Alter Ego Angus Heart wird zumindest kurz eingeführt und in BD Wong hat man ja einen prominenten Namen für die Sprecherrolle gewinnen können. Ich kann mir eigentlich nur schwer vorstellen, dass Godspeed schon wieder Geschichte ist. Auf der anderen Seite kann ich der Idee Respekt abgewinnen, dass man uns mit diesem großen Schurkennamen nur gelockt hat und letztlich einen anderen Weg gegangen ist.

Es muss nicht immer ein großes Übel sein, das den Ton angibt. Man kann diese Aufgabe ja auch den Charakteren aufbürden, die den Kern der Geschichte ausmachen. Apropos großes Übel: In gewisser Weise stellt ja nach wie vor Eobard Thawne einen dementsprechenden roten Faden in „The Flash“ dar und ich muss zugeben, dass es mir schon eine kleine Freude bereitet, Tom Cavanagh dabei zu beobachten, wie er völlig in seinem Element aufgeht. Die Szenen zwischen Thawne und Nora haben ganz deutlich einen „Das Schweigen der Lämmer“-Flair, was visuell auch sehr geschickt transportiert wird. Wie bei Hannibal Lecter sollte man bei Eobard Thawne meiner Meinung nach weiterhin Vorsicht walten lassen. Er avanciert zwar zu Noras Lehrmeister und die Dynamik zwischen den beiden, als Nora ihre Kräfte erstmals richtig wahrnimmt, ist auf jeden Fall elektrisierend. Barrys Generalverdacht ist aber eben auch nicht gerade unbegründet. Was, wenn Godspeed zum Beispiel auf die gleiche Idee wie Nora kommt und den Rat eines alten Speedster sucht? Ein paar Minuten hat Thawne ja noch. Und Zeit ist in „The Flash“ bekanntlich relativ...

Fazit

Godspeed ist eine gute Episode von The Flash, die einige Zuschauer mit ihrem Titel zunächst in die Irre führen dürfte und sich dann als eine überzeugende, auf einen Charakter zentrierte Erzählung herausstellt, in der Nora endlich mal so im Mittelpunkt steht, wie es längst überfällig war. Letztlich bietet man uns eine sehr bunte Mischung an: Viele herzliche, dramatische Momente zwischen den Figuren, rasante Speedster-Action, finsteres Foreshadowing und sogar eine wunderbare Prise Konsequenz kann man in „Godspeed“ finden - eine Folge, die von diesem Abwechslungsreichtum nur profitiert. Am positivsten fällt aber die Hingabe zu den Charakteren auf, wodurch die gesamte Geschichte schlussendlich erst so gut funktioniert und die Zuschauer emotional abgeholt werden können.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, Snow Pack (5x19):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 17. April 2019

The Flash 5x18 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 18
(The Flash 5x18)
Deutscher Titel der Episode
Ein Phantom namens Godspeed
Titel der Episode im Original
Godspeed
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. April 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. August 2019
Autoren
Judalina Neira, Kelly Wheeler
Regisseur
Danielle Panabaker

Schauspieler in der Episode The Flash 5x18

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