The Flash 5x17

The Flash 5x17

Team Flash muss sich in der Episode Time Bomb nicht nur mit einer äußerst mächtigen, neuen Bedrohung, sondern auch mit einem schockierenden Geheimnis auseinandersetzen, das Nora vor ihren Nächsten verborgen gehalten hat. Überraschend ist nichts von alledem, die Darstellerriege legt sich jedoch ordentlich ins Zeug.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Jetzt geht es in The Flash auf einmal Schlag auf Schlag: Nachdem in der letzten Episode der neue alte Superschurke Cicada vorgestellt wurde - nicht mehr Orlin Dwyer (Chris Klein), sondern jetzt seine Nichte Grace (Sarah Carter) aus der Zukunft -, gehen die Verantwortlichen in Time Bomb ein weiteres großes Plotelement neben dem zentralen Bösewicht der Staffel an: Noras großes Geheimnis vor ihrer Familie und ihren Freunden. Im Laufe der fünften Staffel der Superheldenserie wurde den Zuschauern offenbart, dass Nora (Jessica Parker Kennedy) im Jahr 2049 gemeinsame Sache mit dem inhaftierten Eobard Thawne aka The Reverse-Flash (Tom Cavanagh) macht, um das Verschwinden ihres Vaters Barry Allen (Grant Gustin) in absehbarer Zeit zu verhindern. Nora hatte bisher jedoch niemandem davon erzählt und so tickte diese Zeitbombe (hust hust) seit einigen Episoden munter vor sich hin. Eine gewaltige Detonation dieser schien unvermeidbar und siehe da, nun ist der Zeitpunkt doch tatsächlich gekommen, an dem Team Flash von dieser schrecklichen Wahrheit in seinen Grundfesten erschüttert wird.

Im Rahmen einer etwas anderen „Metahuman der Woche“-Erzählung, bei der sehr grobschlächtig eine Parallele zwischen Noras Dilemma und der Geschichte einer Frau aufgezogen wird, die ihrer Familie nie von ihren Metahuman-Kräften erzählt hat, predigt man den erfahrenen Zuschauern von The Flash genau das, was wir bereits seit Jahren wissen: Geheimnisse sind niemals gut! Vor allem, wenn man diese vor den Personen geheim hält, denen man sich problemlos anvertrauen kann, weil sie einen lieben und unterstützen. In der Vergangenheit dieser Serie ist so etwas nie gut ausgegangen, und deshalb überrascht es auch nicht wirklich, dass Nora am Ende der Episode in eine Metahuman-Zelle gesperrt wird. Der Moment an sich birgt jedoch einiges an dramatischem Potential und wird überzeugend von allen Beteiligten getragen, die rundum zutiefst enttäuscht von Nora sind, weil sie ihre Familie, ihre Freunde, ihr Team verraten hat. Allen voran Grant Gustin setzt einen vielsagenden, elterlichen Blick voller Enttäuschung auf, als er Nora inhaftiert, was ihm aufgrund der Liebe für seine eigene Tochter sichtlich schwer fällt.

Kill them all

Auffällig an der Episode „Time Bomb“ ist, dass es zahlreiche Szenen gibt, die sich extrem vorhersehbar gestalten und letztlich immer genau so ablaufen, wie man es sich als Zuschauer vorab gedacht hatte. Das Drehbuch bietet uns keine ungewöhnlichen Ideen, geschweige denn eine originelle Umsetzung eben solcher an, sondern konzipiert eine grundsätzlich sehr einfache Erzählung. Das ist wiederum gelegentlich ein wenig öde, doch man findet auch Möglichkeiten, über andere Mittel zu überzeugen und das Publikum in das Geschehen zu involvieren. Der durchschaubare Plot ist schnell zweitrangig, viel ergiebiger ist es da, sich mit den verschiedenen Charakteren zu beschäftigen und ihre teils fragilen Beziehungen zueinander zu bewerten. So geht nicht nur Drama von Nora, der Enthüllung durch Spürnase Sherloque (seine Nachforschungen laufen fast schon zu einfach ab) und der Reaktion von Team Flash aus. Auch zwischen dem angeschlagenen Orlin Dwyer und seiner extrem gefährlichen, erwachsenen Nichte Grace entspinnt sich ein interessanter Handlungsstrang, der sich mehr der Motivation der Figuren als ihren Zielen widmet.

Ich muss zugeben, dass sich Orlins 180-Grad-Wendung (er war mal böse, aber nach seiner Heilung ist das nicht mehr so und er will jetzt nur das Beste für Grace) sich durchaus abrupt anfühlt, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass dieser Charakter ohne jegliche Nuancen ausgestattet ist und stets ein absolutes Extrem dargestellt hat. Ein kompletter Sinneswandel mutet da schon etwas komisch an, aber man kann ihn ein Stück weit nachvollziehen. Orlin wurde aufgezeigt, dass es tatsächlich eine realistische Chance gibt, die kleine Grace zu heilen. Und das treibt ihn nun einmal hauptsächlich an. Neben seinem abgrundtiefen Hass für Metahumans - wohlgemerkt, dessen furchtbare Auswüchse ihm nun mehr als deutlich vor Augen geführt werden, als er erkennt, wie verdorben, blut- und rachsüchtig sein kleiner Engel Grace ist. Die erwachsene Grace ist wie besessenen von ihrer Mission, sämtliche Metahumans zu töten. Und Orlin kann nicht glauben, was für ein Monster er geschaffen und wie seine brutale Doktrin die kleine Grace nachträglich geprägt hat.

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The CW
The CW - © The CW

Let it go

Auch die ans Krankenbett gefesselte, komatöse Grace hat in dieser Hinsicht eine Art Zeitbombe (der Episodentitel ist wahrlich nicht subtil, aber sei's drum) dargestellt, die von Orlins radikalem Gedankengut immer wieder gefüttert wurde. Das erschreckende Resultat sehen wir jetzt: Grace verfolgt gnadenlos eine Frau, die für den Tod ihrer Eltern verantwortlich war. Jedoch hat es sich hierbei um einen tragischen Unfall gehandelt und nicht um einen eiskalten Mord durch einen Metahuman (eine weitere „Zeitbombe“ in dieser Folge), wie wir und das Team später erfahren. Doch Grace ist in ihrer Rachsucht nicht zu stoppen, selbst der geläuterte Orlin kann sie nicht aufhalten. Das Ende vom Lied: Sie tötet ihren eigenen Onkel, der sogar noch einen kleinen Heldentod stirbt und eine letzte Bitte an Barry richtet: „Rettet Grace.

Das Ende von Orlin Dwyer kündigt sich mehr als deutlich an, doch es funktioniert durchaus auf emotionaler Ebene, weil man zuvor Zeit in die spezielle Dynamik zwischen Orlin und seiner erwachsenen Nichte investiert hat. Ich persönlich hätte am liebsten sogar noch mehr Interaktion zwischen den beiden gesehen, um ein noch besseres Verständnis für sie zu entwickeln. So fühlt sich alles ein klein wenig gehetzt an, was eine bekannte Schwäche des Formats ist. Ich bin aber auch erfreut darüber, dass Orlin mal ausnahmsweise nicht in seiner monotonen Stimmlage herumgrummelt, sondern eine andere Seite von sich zeigt. Diese wurde zuvor viel zu stiefmütterlich behandelt, was letztlich zur Folge hatte, dass sich der Antagonist nie wirklich als vollwertiger, komplexer Charakter hatte entfalten können.

Dass Grace nun in die Fußstapfen Cicadas tritt, bringt ein wenig Abwechslung in den Laden, doch die Sorge besteht, dass sie ähnlich oberflächlich beleuchtet wird, wie Orlin Dwyer vor ihr. Es ist aber zumindest etwas Bewegung ins „Schurkenkarussell“ von The Flash gekommen, auch mit Blick auf Noras Allianz mit Eobard Thawne. Dieser gibt sich im Jahr 2049 recht hoffnungslos und niedergeschlagen, nachdem sein Plan nicht aufgegangen ist (obendrein ist auch ein mysteriöser Countdown fast abgelaufen). Doch die Zuschauer von „The Flash“ haben schon zu viel gesehen, um wirklich zu glauben, dass der meisterhafte Puppenspieler Thawne einfach so aufgibt. Ich glaube zumindest nicht wirklich daran - und jetzt, da das Team im Bilde ist, scheint es mir umso wahrscheinlicher, dass der große und in den Augen vieler vermutlich bisher beste Gegenspieler des schnellsten Mannes der Welt alsbald erneut prominent in Erscheinung treten könnte.

Two worlds

Neben diesen zentralen, neuen Entwicklungen für die Handlung der Staffel, lassen sich in Time Bomb darüber hinaus ein paar Nebengeräusche finden, die mal mehr und mal weniger gut gefallen. Eine kleine „Shazam“-Referenz (der Kinofilm über den eigentümlichen DC-Helden feiert Anfang April seine Premiere) nehmen wir gerne mit, ebenso wie Ralphs (Hartley Sawyer) etliche Querverweise auf „Spider-Man“, Marvels junger Superheld, der lustigerweise auch in der aktuellen „Arrow"-Episode Erwähnung findet. Die kleine Geschichte um Cisco (Carlos Valdes) und seine neue feste Freundin Kamilla (Victoria Park) ist inhaltlich durchaus mehr als solide, nachvollziehbar und passt sich gut dem großen, übergreifenden Thema der Episode an, dass es kein gutes Ende nehmen kann, wenn man vor den Personen, die man liebt, Geheimnisse über sich selbst bewahrt.

Wenn Cisco es wirklich ernst mit Kamilla meint, dann muss er sie eines Tages einweihen. Und wenn er wirklich ein normales Leben möchte, dann muss er Team Flash hinter sich lassen. Die neuerlichen Überlegungen des Charakters passen übrigens zu den jüngsten Meldungen, dass sich einige der langjährigen Hauptdarsteller der Serie in absehbarer Zeit verabschieden könnten. Darunter auch Carlos Valdes. Was mir rein strukturell an „Time Bomb“ missfällt, sind die ersten 15 Minuten der Folge, in der Team Flash herausfinden muss, was es mit dem neuen Cicada auf sich hat. Ein altbekanntes Problem: Wir Zuschauer sind schon längst viel schlauer als die Figuren, die scheinbar nur sehr langsam auf den Trichter kommen, weshalb deren Suche nach Informationen einfach ziemlich langweilig ist. Das kann man anders lösen. Gleiches gilt für die plötzliche Fähigkeit Noras, genau das sehen zu können, was die erwachsene Grace sieht. Nach den Vorfällen in der Folge Memorabilia sind sie scheinbar miteinander verbunden. Ein äußerst zweckdienliches Plotelement, das den Verantwortlichen vieles ganz schnell einfacher macht.

Fazit

Cicada ist tot, lang lebe Cicada: In Time Bomb werden die Karten neu gemischt, doch ob das Blatt letzten Endes auch etwas wert sein wird, bleibt abzuwarten. Die Episode strotzt nicht gerade vor erzählerischem Einfallsreichtum, weiß aber in den zahlreichen zwischenmenschlichen Momentaufnahmen durchaus zu gefallen. Verschiedene Familiendramen, die leicht nachvollziehbar sind, geben dabei den Ton an, während ein paar charmante Szenen zwischendurch für ein angenehmes Gegengewicht sorgen. Vieles in „Time Bomb“ wird mit dem Holzhammer serviert, doch eine dramatische Fallhöhe ist durchaus gegeben und auch spürbar. Team Flash steht nun vor einer neuen internen Krise, die einige spannende Fragen mit sich bringt.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, Godspeed (5x18):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 20. März 2019
Episode
Staffel 5, Episode 17
(The Flash 5x17)
Deutscher Titel der Episode
Zeitbombe
Titel der Episode im Original
Time Bomb
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. März 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. August 2019
Autoren
Kristen Kim, Sterling Gates
Regisseur
Rob J. Greenlea

Schauspieler in der Episode The Flash 5x17

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