The Flash 5x16

The Flash 5x16

In der The-Flash-Episode Failure Is an Orphan kommt es zu einer überraschenden Wendung im Kampf von Team Flash gegen Cicada, wodurch die Karten neu gemischt werden. Was es mit dieser Entwicklung genau auf sich hat, bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für die Frage, ob sich die Serie damit einen Gefallen tut.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Es ist so weit: Nach etlichen feigen Anschlägen auf die Metahumans von Central City, nach zahlreichen Duellen zwischen Team Flash und Oberschurke Cicada (Chris Klein), der Barry (Gustin Grant) und seinen Freunden immer wieder ein Schnippchen schlagen konnte, ist der Tag (beziehungsweise die Episode) gekommen: Unseren Helden gelingt es, den Metahumanserienkiller namens Orlin Dwyer zu schnappen und diesem mit ihrem revolutionären Metahumanheilmittel zu helfen. Na ja. Fast. Denn in dem Moment, als Orlin auf dem OP-Tisch liegt und ihm seine Kräfte entzogen werden, platzt ein neuer Cicada herein, der mit dem Team ordentlich den Boden aufwischt. Oder besser gesagt: die. Denn bei dem neuen Cicada handelt es sich um die erwachsene Grace (Sarah Carter), Orlins einst komatöse Nichte, die im Zuge ihrer Kopfverletzung und dem Einfluss von dunkler Materie eigene Metahumankräfte entwickelt hat und eine formidable Widersacherin darstellt.

Dass es sich bei dem neuen Cicada um Grace handelt, dürfte niemanden überraschen, denkt man sich dies doch sofort. Zu frisch sind die Erinnerungen an die Episode Memorabilia, in der wir bereits eine Version der erwachsenen Grace als Cicada gesehen hatten, und zu verräterisch ist das Bewegungsmuster der unerwarteten Antagonistin. Was wiederum überrascht, ist die Entscheidung der Macher, diesen Weg einzuschlagen und in gewisser Weise eine neue alte Schurkenfigur einzuführen, deren Motive zu erahnen sind und in nächster Zeit mit Sicherheit noch deutlich ausformuliert werden. Wie es die ältere Grace geschafft hat, nun auf den Plan zu treten, dürfte relativ einfach (Zeitreisekram, mit dem eventuell sogar Eobard Thawne aka der inhaftierte Reverse-Flash aus der weit entfernten Zukunft zu tun hat) zu erklären sein. Es stellt sich vielmehr die Frage nach dem Warum - sowohl, was die Motivation der Figur angeht, als auch mit Blick auf die Pläne der Serienmacher.

Final target

Cicada ist bisher ein deutlicher Schwachpunkt der fünften Staffel von The Flash gewesen, das wird in „Failure Is an Orphan“ auch noch einmal dank der teils lachhaften Darbietung von Chris Klein deutlich untermauert. Doch es ist bis hierhin ja nicht einmal nur die eintönige Performance eines Schauspielers gewesen, die diesen Charakter so uninteressant gemacht hat. Die gesamte Figurenzeichnung hat zu wünschen übriggelassen und war so unzureichend, dass einem das persönliche Schicksal eines Orlin Dwyer herzlich egal gewesen ist. Jetzt scheint es so, als würde man ihn einfach mit seiner Nichte ersetzen wollen. Das dürfte ein wenig Abwechslung mit sich bringen (bereits in meiner Kritik zu „Memorabilia“ äußerte ich Interesse daran, lieber Grace als Cicada zu sehen), gleichzeitig entsteht aber auch der Eindruck, als würden die Verantwortlichen einen denkbar einfachen Trick vollführen wollen, der einigen Zuschauern - meine Wenigkeit inbegriffen - etwas billig vorkommen dürfte.

Handelt es sich um einen potentiellen Geniestreich? Oder bekommen wir jetzt mehr von dem, was wir schon lange nicht mehr sehen wollen? Ich bin ganz ehrlich: Wenn mir die Folge in Aussicht stellt, dass das Kapitel Cicada endlich zu einem Ende kommen könnte, richte ich bereits gespannt den Blick nach vorne. Haken dahinter, her mit der neuen, noch undefinierbaren Herausforderung, die bereits zu Beginn der Episode von Eobard Thawne (Tom Cavanagh) auf mysteriöse Weise als „something“ beziehungsweise „someone big“ angedeutet wird. Und auf einmal steht ein neuer Cicada auf der Matte. Eine etwas undankbare Aufgabe, möchte man meinen, ist der Charakter doch inzwischen vorbelastet. Kann man das Ruder jetzt so herumreißen, dass Grace in dieser Rolle besser funktioniert als Orlin? Die Dynamik verändert sich allemal, aber auch so entscheidend, dass die gesamte Handlung davon profitiert? Ich bin skeptisch, ungefähr so sehr wie Sherloque gegenüber Nora (Jessica Parker Kennedy), die sich ähnlich wie ich große Hoffnungen gemacht hat, Cicada ein für alle Mal hinter sich zu lassen...

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The CW
The CW - © The CW

Chose your legacy

Ganz abgesehen von diesen Zweifeln, ob der neu eingeschlagene Weg von The Flash sich letztlich auszahlen wird, handelt es sich bei Failure is an Orphan jedoch um eine mehr als solide Episode der Superheldenserie, in der sich ein ganze Menge an schönen, zwischenmenschlichen Momentaufnahmen finden lassen. Der Titel nimmt Bezug auf die englischsprachige Redensart „Success has many fathers, failure is an orphan“, sinngemäß übersetzt also, dass viele Menschen sich für einen Erfolg feiern lassen, während nur die wenigsten bereit dazu sind, für einen Misserfolg die Verantwortung zu übernehmen. So richtig wie die Faust aufs Auge passt der Titel zu den neuesten Entwicklungen innerhalb der Serie zwar nicht, im weitesten Sinne könnte man aber durchaus festhalten, dass Team Flash sich nun den Konsequenzen ihres Handelns, das Erfolg und Misserfolg zugleich herbeigeführt hat, stellen muss. Aber wann müssen das unsere Helden auch mal nicht?

Mir persönlich gefällt indes der Ansatz, dass Barry auf eine sehr menschliche, gefühlvolle Weise versuchen will, Orlin davon zu überzeugen, dass das Team ihm und seiner Nichte helfen kann. Als Flash ist er das absolute Feindbild von Cicada, also will er es von Vater zu Vater versuchen. Wobei: Orlin ist ja bekanntermaßen der Onkel von Grace, so sehr er auch eine Vaterrolle für diese übernimmt. Manchmal kann es ein wenig irritieren, wie die Verwandtschaftsgrade durcheinandergebracht werden, so dass der Eindruck entsteht, die Charaktere wüssten zwischenzeitlich selbst nicht mehr so richtig, was Orlin jetzt eigentlich für Grace ist. Vater? Onkel? Egal, er ist eine wichtige Bezugsperson für sie und sie bedeutet ihm alles. Barry kann diese Gefühle bestens nachvollziehen, aufgrund der innigen Beziehung zu seiner Tochter Nora. Diese Gemeinsamkeit ist mit ausschlaggebend dafür, dass Orlin ihm Gehör schenkt.

The end of a journey

Auch der Umstand, dass sich Grace selbst zu einem Metahuman verwandelt und Orlin derjenige ist, der Metahumans reihenweise umgebracht hat, lässt den Schurken seinen Standpunkt überdenken. Vielleicht gibt es ja wirklich Hoffnung für ihn und für Grace. Während Barry einen Zugang zu Orlin findet, fungiert Nora als eine Art Coach für ihren Vater, der in der Vergangenheit bereits so einige finstere Gestalten davon überzeugt hat, ihre Lebensweise zu hinterfragen. Nora selbst möchte natürlich nicht, dass sich das Team die Chance durch die Lappen gehen lässt, um Cicada zu schnappen und das Verschwinden ihres Vaters in der Zukunft zu verhindern. Dabei vernachlässigt die junge Superheldin aber ein wenig den Moment, in dem sie gerade lebt, und somit auch ihre eigene Mutter Iris (Candice Patton), die etwas wehmütig dem baldigen Abschied ihrer Tochter entgegenblickt... Es menschelt heftigst, diese Szenen fühlen sich jedoch nicht aufgesetzt, sondern herzlich und aufrichtig an.

Da das Ende der gemeinsamen Mission ja tatsächlich bevorstehen könnte, geht von diesen scheinbar letzten Familienmomenten doch noch einmal ein gewisser Charme aus. Ebenfalls charmant gestaltet sich die Nebenhandlung der Woche, in der Joe (Jesse L. Martin) und Cecille (Danielle Nicolet) ein eigentümliches Ermittlerduo bilden und sich in dieser Funktion erst einmal aneinander gewöhnen müssen. So ist es letztlich mal Barry, der seinem Ziehvater mit gutem Rat zur Seite steht und ihm aufzeigt, dass Joe und Cecille nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Sie ergänzen sich viel eher auf wunderbare Art und Weise gegenseitig, wie dann auch das Verhör der Ärztin zeigt, die mit Orlin gemeinsame Sache gemacht hat. Auch hier baut man erfolgreich auf das natürliche Charisma der Darsteller und das gute Zusammenspiel dieser, wodurch die Geschichte etwas geerdet werden kann. Das ist hier und da bitter nötig, denn an anderen Stellen ist „Failure Is an Orphan“ etwas zu übertrieben und nur schwer ernst zu nehmen. Mit der richtigen Balance kann man einem solchen Problem aber geschickt entgegenwirken, wenngleich am Ende die Frage bestehen bleibt, ob der neueste Streich der Serienmacher auch wirklich aufgehen wird.

Fazit

In Failure Is an Orphan ziehen die Verantwortlichen um den am Ende der Staffel scheidenden Showrunner Todd Helbing (alles neu macht das „Arrowverse“?) einen Schlussstrich, ohne wirklich einen Schlussstrich zu ziehen. Klingt verwirrend, ist aber kaum besser zu beschreiben. Denn, auch wenn man die Geschichte um Cicada in gewisser Weise abschließt, beginnt sogleich eine neue Erzählung über die Schurkenfigur, nur eben in einem anderen Gewand. Ob dieser Plan von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Auf der anderen Seite ist das Thema Cicada dermaßen verbraucht, was wiederum zu einem großen Problem werden könnte, wenn es nicht gelingt, neue Ansätze zu finden, um diesem Storyelement Leben einzuhauchen. Wir werden sehen, ob das Autorenteam dieser Herausforderung gewachsen sein wird.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, Time Bomb (5x17):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 13. März 2019

The Flash 5x16 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 16
(The Flash 5x16)
Deutscher Titel der Episode
Ein neuer Cicada
Titel der Episode im Original
Failure Is an Orphan
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. März 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 25. Juli 2019
Autor
Zack Stentz
Regisseur
Viet Nguyen

Schauspieler in der Episode The Flash 5x16

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