The Flash 5x14

The Flash 5x14

Und täglich grüßt Cicada: In Cause and XS findet sich Nora in einer unschönen Zeitschleife wieder, an deren Ende Team Flash Mal für Mal einen herben Verlust hinnehmen muss. Die bis dato kürzeste The-Flash-Episode holt einiges aus dem eigenwilligen Konzept heraus und gestaltet sich sehr kurzweilig.

„The Flash“
„The Flash“
© ??The Flash“

Moment mal. Eine Laufzeit von 35 Minuten? Hat The CW da ein paar Takes vergessen, bevor man die Folge Cause and XS an die Partner für die internationale Ausstrahlung der Superheldenserie geschickt hat? Nein, denn tatsächlich handelt es sich bei dem neuesten Kaptiel von The Flash um die kürzeste Episode, die die Verantwortlichen in mehr als 100 Folgen auf die Beine gestellt haben. Doch das ist bei weitem nicht die einzige Besonderheit von „Cause and XS“. Man präsentiert uns auch ein ungewöhnliches Konzept samt spezieller Erzählstruktur, erlebt Nora (Jessica Parker Kennedy) doch ihren ganz persönlichen Horrortag wieder und wieder und wieder...

Während Barry (Grant Gustin) sich um die Fertigstellung des Heilmittels für Metahumans kümmert und dafür eine Stunde lang in der Speedforce seine Runden dreht, hat Nora als dessen Vertretung ausnahmsweise die Speedster-Hosen an. Sie fürchtet sich etwas vor dieser großen Verantwortung, aber ganz ehrlich, was soll schon in 60 Minuten passieren? Eine ganze Menge, wie sich herausstellt - und nicht wenig davon treibt Nora an den Rand der Verzweiflung, erlebt sie doch mehrfach mit, wie Oberschurke Cicada (Chris Klein) die einzelnen Mitglieder von Team Flash aus dem Leben tilgt. Um dieses Gräueltaten ungeschehen zu machen und Cicadas Angriffe zu verhindern, springt Nora immer wieder zurück in der Zeit. Doch eine Lösung des Problems ist für lange Zeit nicht in Sicht...

No time like the present

Schaut man sich „Cause and XS“ an, dann kommt man nicht umher, sogleich an den Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ („Groundhog Day“) mit Bill Murray in der Hauptrolle zu denken, der als grantiger TV-Wetterfrosch wiederholt den gleichen Tag in seinem Leben bestreiten muss. Aber auch die gerade erst auf Netflix gestartete, sehr sehenswerte Dramedy Russian Doll von und mit Natasha Lyonne, in der die Hauptfigur immer wieder das Zeitliche segnet, nur um wenig später wieder unter den Lebenden zu weilen und ihre Tagesroutine erneut zu beginnen, schießt dem geneigten Serienjunkie in den Kopf. Und selbst im „Arrowverse“ hat man dieses Konzept schon aufgegriffen und zwar in der sehr unterhaltsamen Legends of Tomorrow-Episode Here I Go Again, in der eine der Hauptfiguren sich in einer nervigen Zeitschleife wiederfindet, die jedes Mal mit der Zerstörung des Raumschiffes der „Legends“ endet.

The do-over

Auch „Cause and XS“ (der Titel ist sehr wahrscheinlich eine kleine Referenz an die Star Trek: The Next Generation-Episode Cause and Effect, in der sich das fatale Schicksal der Crew der USS Enterprise ebenfalls mehrfach wiederholt) probiert sich nun also an dieser kurzweiligen, oft sehr launigen Prämisse, wenngleich die Erzählung phasenweise auch sehr dramatische und tragische Züge annimmt. Trotz der Tatsache, dass die Charaktere mehrfach das Zeitliche segnen und Nora zwischendurch völlig am Boden zerstört ist, zeichnet die Episode doch eine angenehme Leichtigkeit aus. „Cause and XS“, so bitter Noras Dilemma auch ist, macht Spaß. Und nicht wenig Anteil daran hat eben auch die sehr schlanke Laufzeit von 35 Minuten, weil die Erzählung dadurch passenderweise noch viel temporeicher erscheint - ohne, dass der Eindruck entsteht, man würde durch die Handlung hetzen.

Die Macher von „The Flash“ unterstreichen darüber hinaus ihre Experimentierfreudigkeit, die man zuletzt mehrfach in der Serie beobachten konnte. Zwar pendelten sich die jüngsten Episoden allesamt auf einem dramaturgisch „nur“ soliden Niveau ein, aber man kann den Verantwortlichen nicht vorwerfen, sie würden nicht zumindest neue Dinge ausprobieren. Siehe den „Inception“-mäßigen Aufbau von Memorabilia, der Verzicht auf Superkräfte in Goldfaced oder halt auch ihre ganze eigene „Und täglich grüßt der Metahuman-Serienkiller“-Geschichte in „Cause and XS“. Wenn schon nicht das Drama besonders originell ist, dann geht eben zumindest von der Grundidee und kreativen Umsetzung etwas Frisches aus.

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The CW
The CW - © The CW

Unfixable

Das ist insgesamt durchaus eine spannende Entwicklung der letzten Wochen in The Flash und ich würde mir wünschen, dass man diese Probierlaune und Risikobereitschaft noch etwas länger beibehält, bevor wir zurück in altbekannte (für manch einen bewährte, für andere wiederum etwas ausgelutschte) Muster zurückfallen. Dass es anders geht, zeigt eben Cause and XS eindrucksvoll auf, eine Folge, die an und für sich bis auf ihr zentrales Gimmick eigentlich recht simpel abläuft und wie die Faust aufs Auge in eine Serie passt, in der superschnelle Superhelden das Raum-Zeit-Kontinuum mal fix komplett auf den Kopf stellen können.

Am Ende der Folge hagelt es noch eine kleine Moralpredigt von Barry gegenüber seiner jugendlichen Tochter, die aus noblen Gründen Schabernack mit der Integrität des gesamten Universums gespielt hat. Aber sind wir mal ehrlich: Dieser Zug ist eh schon lange abgefahren. Es wurde in „The Flash“ schon so viel an Raum und Zeit rumgepfuscht, für uns Zuschauer spielen etwaige Manipulationen, wie sie Nora vornimmt, eigentlich keine Rolle mehr. Es wird mit Sicherheit Konsequenzen haben, dass Nora über 50 Mal die Zeit zurückgedreht hat. Und vielleicht trägt sie sogar eine Mitschuld am späteren Tod ihres Vaters zu Händen von Cicada, was sie verhindern will und wofür sie mit Eobard Thawne (Tom Cavanagh) gemeinsame Sache macht. Aber wenn man das Raum-Zeit-Kontinuum in die eine Richtung manipulieren kann, dann auch in die andere. Die Sorgen der Protagonisten um die Stabilität ihrer Existenz und ihres Lebens, wie wir es kennen, nimmt man schon länger nicht mehr für voll. Zu oft haben die Charaktere gegen ihre eigenen Restriktionen verstoßen, zu lapidar und salopp war ihr Umgang mit dem fragilen Zeitgebilde, um den jeweiligen Tag zu retten...

Déjà vu

Und das ist auch eigentlich gar nicht schlimm. Dadurch erzeugt man ja auch Spannungsfelder, Konflikte und Probleme, die das Team beschäftigen. Recht störend und langweilig ist es nur, wenn die Figuren immer wieder in dieselben Fallen tappen und sich ganze Geschichten einfach nur wiederholen. Diesem Risiko kann man dann durch konzeptionelle Abwechslung entgegenwirken, siehe „Cause and XS“, das neben seiner launigen Prämisse auch den Charakteren etwas Zeit einräumt, um sich zu profilieren. Die unsichere Nora steht im Zentrum des Geschehens, doch auch Cisco übernimmt eine wichtige Rolle, nachdem er zuletzt eher weniger in Erscheinung getreten ist. Und das Drehbuch von Showrunner Todd Helbing und Jeff Hersh bietet unter Leitung der erfahrenen Regisseurin Rachel Talalay (Sherlock, Doctor Who, Chilling Adventures of Sabrina) viele schöne kleine Szenen, die die Stärken der Serie hinsichtlich ihrer zwischenmenschlichen Elemente und speziell mit Blick auf Carlos Valdes wunderbar unterstreichen.

The art of love

Cisco, der, was sein Liebesleben angeht, zuletzt einen deftigen Rückschlag hinnehmen musste, bekommt seinen eigenen kleinen Handlungsbogen, hat er doch eine (oder besser gesagt mehrere) Verabredungen mit der charismatischen Kamilla Hwang (Victoria Park), die wir vor wenigen Folgen kurz kennengelernt haben. Ciscos Nebengeschichte ist charmant, wenn die offensichtliche Chemie zwischen ihm und Kamilla zur Entfaltung kommt, ein klein wenig unangenehm (auf witzige Weise), wenn er sich seinem Date gegenüber verstellt, und auch amüsant, wenn sich die diversen Running Gags („It's not Stephen. It's Stephaaaan!“) wiederholen. Es handelt sich um ein sympathisches, kleines Abenteuer am Rande, dessen Hauptdarsteller man nur das Beste wünscht, weil Cisco nach wie vor ein guter, aber in Sachen Liebe eben etwas glückloser Typ ist. Um sein Glück zu finden, darf er sich nicht verstellen und muss an sich selbst glauben (Überraschung!) - eine Erkenntnis, die er auch mit Nora teilt, die mit diesem Ratschlag sofort etwas anfangen kann. Es ist einfach, aber es funktioniert.

Wenn mich nur eine Sache in „Cause and XS“ ein klein wenig stört, dann wohl, dass Nora ziemlich lange braucht, um ihre Freunde in ihr Dilemma einzuweihen und um deren Mithilfe bei der Bewältigung dieses Problems zu bitten. Der Einfall, dass man einfach die gesammelten Daten von Noras vorherigen Versuchen, Cicada aufzuhalten, benutzt, um eine erfolgreiche Strategie gegen den Fiesling zu entwickeln, ist jetzt auch nicht so revolutionär und bahnbrechend, wie er uns verkauft wird. Um des Dramas willen wird die offensichtlichste Lösung etwas aufgeschoben, um Nora noch mehr in die Bredouille zu bringen. Dadurch verhält sie sich nicht immer sehr logisch (es braucht wirklich 52 Anläufe, bis sie den anderen endlich sagt, was Sache ist?), aber daran sollte man sich besser gar nicht zu sehr klammern. Denn „Cause and XS“ fühlt sich so flott und frisch an, dass vermeintliche Schwächen kaum ins Gewicht fallen.

Fazit

Cause and XS ist ein schönes kleines Experiment der The Flash-Macher, die sich einer geläufigen High-Concept-Prämisse bedienen und mithilfe dieser eine sehr kurzweilige Geschichte kreieren, die durchweg gute Laune bereitet - selbst wenn die Charaktere teilweise extrem auf die Probe gestellt werden. Die Kürze der Episode hat darüber hinaus einen angenehmen Nebeneffekt und die charmanten Charaktermomente zwischendurch sorgen für eine gute Balance zwischen Zeitreiseaction und den Sequenzen, in denen es mal etwas mehr menschelt und der Blick zielgerichtet auf Figuren wie Nora oder Cisco gelenkt wird. Cicada hat erneut die Flucht angetreten, das Metahuman-Heilmittel ist fertig und Sherloque scheint Noras codierte Notizen entschlüsselt zu haben. Obendrein machen sich bei der Tochter von Barry und Iris Zweifel breit, ob ihre Zusammenarbeit mit Eobard Thawne die beste Idee gewesen ist... Es herrscht also volles Programm in „The Flash“. Schauen wir mal, was daraus gemacht wird, wenn die Serie nach einer kleinen Sendepause am 5. März zurückkehrt - und zwar mit der Folge King Shark vs. Gorilla Grodd. Halleluja!

Hier ist der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, „King Shark vs. Gorilla Grodd" (5x15):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 13. Februar 2019

The Flash 5x14 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 14
(The Flash 5x14)
Deutscher Titel der Episode
Versuch und Irrtum
Titel der Episode im Original
Cause and XS
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. Februar 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 11. Juli 2019
Autoren
Todd Helbing, Jeff Hersh
Regisseur
Rachel Talalay

Schauspieler in der Episode The Flash 5x14

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