The Flash 5x13

© ??The Flash“ (c) The CW
Die fünfte Staffel der Superheldenserie The Flash befindet sich momentan in einer interessanten, wenn auch eigenartigen Phase. Seit der Rückkehr aus der Winterpause habe ich den Eindruck, dass die Serie sich auf einem gleich bleibenden, nicht wirklich außerordentlich guten, aber eben auch nicht furchtbar schlechten Niveau bewegt. Es fehlt aktuell ein Stück weit an Spannung, die einen packt und nicht mehr loslässt, wenngleich die Verantwortlichen gekonnt ihren Stiefel runterspielen und sie sich in den letzten Episoden nicht allzu viele grobe Schnitzer zuschulden haben kommen lassen.
Goldfaced, die neueste Episode der The CW-Serie, passt ziemlich perfekt in dieses Bild, das die Macher von „The Flash“ zuletzt gezeichnet haben. Es gibt nicht genug Makel, um sich lauthals über das Format aufzuregen, ebenso verfällt man auch nicht in Jubelstürme, weil wahre Höhepunkte eher rar gesät sind. Was macht man also mit so einer Folge, die weder richtig gut noch richtig schlecht ist? Nun, man kann in ihr einfach das sehen, was sie ist: eine weitere solide Stunde leichter Superheldenunterhaltung, in der die beiden Drehbuchautoren Jonathan Butler und Gabriel Garza uns mehrere kleine Geschichtchen auftischen, was zweifellos zum Abwechslungsreichtum der Episode beiträgt.
Back in business
Während Barry (Grant Gustin) und Ralph (Hartley Sawyer) sich als skrupellose Gangster ausgeben und wenig später zu waschechten Actionhelden avancieren, bekommt Iris (Candice Patton) ihr eigenes kleines Detektiv-/Reporterabenteuer zugeschustert, das sie kurzzeitig in Teufels Küche bringt. Nora (Jessica Parker Kennedy) versucht derweil, Sherloque (Tom Cavanagh) abzulenken, damit dieser ihr nicht auf die Schliche kommt, und orchestriert mit der Hilfe von Eobard Thawne eine kleine Romanze für die unverbesserliche Spürnase. Action, Mystery, Liebe? Haben wir alles im Angebot. Allein die Frische der „Ware“ steht zur Debatte...
Play it safe
Ich finde es generell gut, wenn Serien, die wie The Flash einer klassischen Procedural-Erzählstruktur folgen, immer mal wieder ein paar Dinge auf den Kopf stellen. Es ist zum Beispiel eine durchaus interessante Entscheidung, Barry und Ralph in „Goldfaced“ auf eine gefährliche Mission zu schicken, bei der sie sich mal nicht auf ihre Superkräfte verlassen können... Iris' Entscheidung, auf eigene Faust im Trüben nach mehr Informationen zu Orlin Dwyer aka Cicada (Chris Klein) zu fischen, ist jetzt vielleicht nicht besonders clever, weil sie weiß, wie gefährlich dieser ist. Aber der Charakter kann sich so ein bisschen aus ihrer Rolle der letzten Folgen (vorwiegend: „besorgte Mutter“) lösen. Und wer hätte gedacht, dass Superhirn Sherloque tief in seinem Inneren mehr als ein besserwisserischer Detektiv ist - und zwar jemand, der gerne „einfach nur“ lieben würde, aber vielleicht dazu verdammt ist, für immer allein zu bleiben?
In „Goldfaced“ ist diese Vielseitigkeit an Themen, die unterschiedlichen Abenteuer der Charaktere und die kleinen Erkenntnisse, die sich den Zuschauern nebenbei erschließen, ein großer Vorzug. Was diesem wiederum gegenübersteht, sind ein paar fragwürdige Entscheidungen der Verantwortlichen, was die Art der Inszenierung betrifft, sowie das Problem, dass bestimmte Entwicklungen arg plötzlich vonstattengehen und es manchmal zur Eskalation einer Situation kommt, bevor diese eigentlich richtig etabliert wurde. Dadurch kommt es einem ab und zu so vor, als wäre alles ein wenig überstürzt, ja, vielleicht sogar unrund, was den Ablauf der verschiedenen Handlungsstränge angeht. Diesen Preis bezahlt man offensichtlich bereitwillig, um besagte Abwechslung zu gewährleisten.
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Dealing with the Devil
Im Rahmen der Einzelgeschichten in Goldfaced geht man wie so oft auf die besonderen Charaktereigenschaften unserer Protagonisten ein, von denen sich allen voran Barry in einer ungewohnten Situation wiederfindet. Um Orlin Dwyer seine Kräfte entziehen zu können, muss dieser für mindestens eine Minute irgendwie fixiert werden. Weil ein normales Betäubungsmittel wahrscheinlich zu einfach wäre, will man sich eine Art „Bio-EMP“ besorgen, mit dem man einen menschlichen Organismus einfach lahmlegen kann. Dafür muss sich Barry wiederum mit Ralph in die finsteren Schwarzmarktgefilde Central Citys begeben, wo sie es mit dem Schmuggler Goldface (Damion Poitier) zu tun bekommen. Für Barry stellt sich die Frage, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt, wovon Ralph anfangs noch fest überzeugt ist. Der Diebstahl eines besonderen 3D-Druckers, der künstliche Organe konstruieren (The Flash ist diese Woche sehr kreativ...) und somit Menschenleben retten kann, überzeugt dann aber auch Ralph, im Kampf gegen böse Mächte keine Kompromisse einzugehen.
Diese simple Lehrstunde kommt wenig überraschend, weit unerwarteter ist da schon die mutige Entscheidung, Barry und Ralph zu einem lässigen Actionduo zu transformieren, das gekonnt mit dem kriminellen Abschaum aufräumt, der Goldface umgibt. Auch diesen, einen Metahuman, bestehend aus Gold, stecken sie letztlich in die Tasche, selbst wenn sie am Ende nicht viel gekonnt haben und keinen Schritt weitergekommen sind, um Cicada bewegungsunfähig zu machen. Aber man wollte anscheinend einfach ein wenig Spaß haben und ein wenig witzig ist es durchaus, wie Barry „The Chemist“ Allen (die Kette! Sein Outfit!) und Ralph „I knew that Red Dead would pay off“ Dibny sich Rücken an Rücken den Weg freiballern. Es ist jedoch auch etwas lächerlich und mitunter so unangenehm, dass man vor Fremdscham fast im Boden versinkt - welcher Rummelbudenbesitzer hat bitte die Musikauswahl zu verantworten? -, aber warum denn auch nicht...?
No comment
Warum Iris ein großes Risiko eingeht, von Orlin Dwyer aka Cicada um die Ecke gebracht zu werden, ist das schon ein größeres Rätsel für mich. An und für sich gefällt mir, dass Iris mit der Gründung ihrer neuen Zeitung wieder aktiver in diesem Bereich wird und so ein Stück weit zu ihrem alten Reporterleben zurückkehrt. Dass sie so schnell an Orlin rankommt, ist wiederum etwas komisch und sehr konstruiert, bei all den Inhalten dieser Folge gilt es aber, keine Zeit zu verlieren. Ihr kleines Tête-à-Tête mit Orlin sorgt bei mir persönlich jetzt nicht für Gänsehaut und wirklich erkenntnisreich ist es darüber hinaus leider auch nicht. Iris begibt sich in eine gefährliche Situation, kann aus dieser entkommen, Orlin nimmt die Beine in die Hand, fertig. Iris hat zwar noch einen neuen Geistesblitz, wie Team Flash Cicada besiegen kann. Davon gab es in letzter Zeit aber auch mehr als genug, stets ohne größere Erfolge. Man hätte das Gespräch zwischen Iris und Orlin auch nutzen können, um dem Antagonisten dieser Staffel ein klareres Profil zu geben. Das passiert nicht. Chance versäumt.
Happy ending
Am besten gefällt mir in „Goldfaced“ tatsächlich die Nebengeschichte um Nora und Sherloque, in der zunächst der Eindruck entsteht, dass Nora nur zum Ziel hat, Sherloque abzuwimmeln. Als sie jedoch miterlebt, wie hart die Exfrauen („The Council of Ex-Wives of Wells“) des Privatermittlers mit diesem umgehen, möchte ich meinen zu erkennen, dass Nora Sherloque wirklich aus ganzem Herzen helfen möchte. Sherloque selbst ist derweil mal mehr als nur ein Tüftler und Analyst, er offenbart ein paar emotionale Tiefen, was die Figur gleich etwas komplexer und interessanter macht. Und Tom Cavanaghs Rapport mit Gastdarstellerin Kimberly Williams-Paisley (According To Jim, Nashville), die sogleich in einer Mehrfachrolle auftreten darf, passt ebenfalls.
Renee Adler (ein charmanter Fingerzeig in Richtung der bekannten Buchfigur Irene Adler aus dem Werk von „Sherlock Holmes“-Urheber Sir Arthur Conan Doyle) ist anfangs eher angewidert von Sherloques viel zu analytischem Verhalten, doch die Wogen können später tatsächlich noch geglättet werden. Auch das geschieht recht fix, man hätte aus diesem Handlungsstrang wahrscheinlich viel mehr machen können, wodurch sich das Ganze nicht so gehetzt angefühlt hätte. So gibt es hier jedoch kaum Atempausen zwischen Sherloques Liebe auf den ersten Blick, Renees „Bleib' mir von der Pelle, du gruseliger Stalker!“, dem schmerzhaften Wiedersehen zwischen Sherloque und vier seiner fünf Exfrauen und der Versöhnung mit Renee am Ende der Folge. Nora freut sich darüber, dass Sherloque schlussendlich seine Chance auf Liebe wahren kann. Und obendrein verschafft sie sich und Thawne etwas Ruhe, denn Sherloque nimmt sogleich Cicada ins Visier, bevor dieser eventuell Renee etwas antut, wodurch seine Nachforschungen bezüglich Nora erst einmal nur noch Nebensache sind.
Fazit
Das Superheldendrama The Flash bleibt in Goldfaced sich und seiner Form der letzten Wochen treu, ohne besondere Ausreißer nach oben oder unten. Über ein paar interessante Kniffe bringt man etwas Abwechslung in die Erzählung rein, die letztlich aber dennoch recht linear verläuft und so für keine größeren Ahamomente sorgen kann. Die braucht es auch nicht immer, aber dennoch würde ich mich darüber freuen, wenn die Serie langsam mal wieder etwas an Fahrt aufnimmt. An grundsoliden, vergleichsweise harmlosen Episoden gibt es nicht viel auszusetzen. Zu viele davon hintereinander können jedoch zur Folge haben, dass ein gewisser Trott Einzug hält, was sich aktuell in der Serie phasenweise sehr bemerkbar macht.
Hier zum Abschluss noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Flash, „Cause and XS" (5x14):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 6. Februar 2019The Flash 5x13 Trailer
(The Flash 5x13)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?