The Flash 5x12

The Flash 5x12

In Memorabilia tauchen wir in die Erinnerungen verschiedener Charaktere ein, was mit einigen kniffligen Wendungen verbunden ist, die die Geschichte erfolgreich auflockern. Es geht derweil stellenweise sehr melodramatisch zu, wenngleich ein paar charmante Momente durchaus gegeben sind.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Nach etlichen Versuchen, Metahuman-Serienkiller Cicada (Chris Klein) endlich das Handwerk zu legen, die sich allerdings allesamt wenig erfolgreich gestaltet haben, hat Team Flash in der letzten Episode (Seeing Red) eine neue Idee aus dem Hut gezaubert, über die man Orlin Dwyer besänftigen und seinem mörderischen Treiben Einhalt gebieten will. Der Schlüssel zum Erfolg ist dessen Nichte Grace (Islie Hirvonen), die sich nach wie vor in einem komatösen Zustand befindet. Kann man ihr helfen, ist womöglich auch Orlin geholfen, denn das tragische Schicksal seiner Nichte ist seine große Motivation, ununterbrochen für Angst und Schrecken in Central City zu sorgen, indem er sich auf die Jagd nach Metahumans macht. Diese haben seiner Ansicht nach immerhin Schuld an Grace' misslicher Lage und ihrem besorgniserregenden Gesundheitszustand.

Vorweg: Barry (Grant Gustin) und seinen Freunden gelingt es auch in Memorabilia nicht, der Lösung des Problems Cicada wirklich näherzukommen. Der Plan mit Grace ist solide, doch unsere Protagonisten werden auf dem falschen Fuß erwischt, als sie sich daran probieren, das kleine Mädchen aus ihrem Koma aufzuwecken. Denn dieses ist bei weitem nicht so unschuldig, wie man anfangs vielleicht noch gedacht hatte. Nein, Grace ist mit voller Überzeugung auf der Seite ihres gescholtenen Onkels, dem sie im Kampf gegen alle Metahumans dieser Welt unterstützen will. Und so findet sich Nora (Jessica Parker Kennedy), die sich aus Angst um ihre eigenen Geheimnisse im Alleingang auf den Weg in Grace' Bewusstsein macht, schnell in einer lebensbedrohlichen Situation wieder. Barry und Iris (Candice Patton) wollen ihre Tochter derweil natürlich retten und landen dabei selbst ins Teufels Küche, tauchen sie doch aus Versehen in die Erinnerungen von Nora ein, in denen ebenfalls Gefahr lauert.

Memoryception!

Das Konzept dieser Folge ist ein wenig verkopft, stellenweise fühlt man sich an die verschiedenen Traumebenen und die Manipulation dieser aus dem Film „Inception“ von Christopher Nolan erinnert. Die Macher von The Flash probieren sich an ihrem eigenen Konstrukt dieser Art und lassen Charaktere in die Erinnerungen eines Charakters schlüpfen, der sich gerade selbst in den Erinnerungen einer weiteren Figur befindet. Das Resultat ist ein wenig wild, aber durchaus unterhaltsam. Vor allem der kleine Twist bezüglich Grace, die sich im Laufe der Episode als gruseliges Horrorbalg herausstellt, gibt „Memorabilia“ eine sehr kurzweilige Note. Mit einem gezielten visuellen Kniff (unterschiedliche Farbgebung) illustriert man die verschiedenen Erinnerungen und schickt die Figuren in diesen auf eine launige Schnitzeljagd, was für „The Flash“-Verhältnisse jedoch fast schon wieder gewöhnlich ist.

Secrets and lies

Die außergewöhnlichen Umstände dieser Erzählung helfen aber dabei, dass sich die Episode frisch anfühlt und zwischendurch wenig Längen entstehen. Wenn ich groß etwas zu beanstanden habe, dann ist es wohl die Art und Weise, wie man die Geschichten von Nora und Grace emotional miteinander verknüpfen will. Man wühlt in deren Erinnerungen herum und kramt ein paar prägende Schlüsselmomente ihres Daseins hervor, mit denen ein gewisser emotionaler Ballast verbunden ist. Für erzählerische Feinheiten ist hier nicht viel Platz, vielmehr werden die Probleme, Ängste und Sorgen der Charaktere in aller Deutlichkeit ausformuliert, wodurch man als Zuschauer nicht wirklich gefordert ist, sich mit den eigentlich komplexen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Figuren auseinanderzusetzen.

Die Folge: Man lässt sich von den vielen vermeintlich gefühlvollen Momentaufnahmen eher berieseln, als dass sie einem wirklich zu Herzen gehen. Dabei hilft es auch nicht, dass viele Aspekte aus vorangegangenen Episoden wiedergekäut werden und ein Hang zur Melodramatik spürbar ist. Nun ist uns allen aber auch bewusst, dass „The Flash“ in dieser Hinsicht nicht die höchsten Ansprüche verfolgt, dementsprechend sollte man eventuell ein wenig Gnade walten lassen. Aber es ist eben auch so, dass ich mich persönlich momentan emotional kaum involviert fühle, auch wenn ich meinen Spaß mit diesem kleinen Abenteuer habe, das sich in verschiedenen Erinnerungen abspielt. In diesen setzt das Bewusstsein der Person, in dessen Rübe man sich aufhält, fiese Verteidigungsmechanismen ein, um sich der unerwünschten Eindringlinge zu erwehren.

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The CW
The CW - © The CW

Trapped

Noras Trip in Grace' Bewusstsein stellt sich schnell als eine unerwartete Möglichkeit für Barry und vor allem für Iris heraus, um die nicht immer ganz einfache Beziehung zu ihrer erwachsenen Tochter aus der Zukunft aufzupolieren. Diese hält unverändert mit ihrem großen Geheimnis - die Zusammenarbeit mit Eobard Thawne - hinterm Berg und nimmt am Ende der Folge sogar die gefährliche Lektion mit, dass es gut ist, Geheimnisse für sich zu behalten, deren Auflösung den Personen, die einem viel bedeuten, schaden könnte. Das kann man so sehen. Doch es wird sicherlich auch keinen verwundern, wenn Nora eines Tages von dieser Entscheidung eingeholt wird und die darauffolgende Katastrophe weitaus größer ist, als wenn sie von Anfang an die Wahrheit gesagt hätte. Die Autoren lieben aber dieses vorhersehbare Drama, also bleibt es ein Teil der Geschichte.

Die kleine Überraschung, dass Grace kein liebes Mädchen ist, gefällt, wie bereits erwähnt, ziemlich gut. Die Jungdarstellerin Islie Hirvonen mag jetzt vielleicht kein Jahrhunderttalent sein, aber sie hinterlässt durchaus Eindruck. Und woran auch immer es liegen mag: Das erwachsene Ich von Grace als Cicada sieht ebenfalls cool aus und ist eine nette Abwechslung zu Chris Kleins Inkarnation des Charakters. Während Nora es also mit Grace zu tun bekommt und in deren Bewusstsein gefangen ist beziehungsweise gefangen gehalten wird (ein mit dunkler Materie durchsetztes Satellitenbruchstück in Grace' Kopf hat sie korrumpiert), werden Barry und Iris via „Memory Machine“ (Sherloque hat diese Gerätschaft bereits erfolgreich auf Earth-221 eingesetzt, unter anderem gegen den DC-Schurken Mad Hatter) in Noras Erinnerungen transferiert. Hier nutzten die Verantwortlichen die Gelegenheit, einen Blick in die nicht allzu weit entfernte Zukunft zu werfen und über den Besuch im „Flash Museum“ obendrein ein paar charmante Comicreferenzen unterzubringen.

Bad timing

Ein Comic namens „The Cult of Cicada“ dient zum Beispiel als spannendes Foreshadowing (neben Cicada ist hier die Superschurkin Magenta als dessen Handlangerin zu sehen, die in der sehenswerten Episode Magenta aus Staffel drei wiederum von Joey King gespielt wurde - kommt da vielleicht noch was?). Darüber hinaus gibt es auch weitere kleine Details (Red Death wird unter anderem erwähnt - ein Bösewicht, der eine Mischung aus Batman und The Flash darstellt), die vor allem Kenner der Materie erfreuen dürfte. Barry muss sich dann noch mit dem Reverse-Flash beziehungsweise dem Kostüm des Superschurken - Noras interner Schutzmechanismus - messen, was eventuell zeitnah wieder Realität werden könnte, je nachdem, was der Reverse-Flash aus der Zukunft (Tom Cavanagh) wirklich im Schilde führt... Letztlich nutzt man diesen „Ausflug“ aber vor allem auch dazu, um Iris ihre Sorgen zu nehmen, was für eine schreckliche Mutter sie in der Zukunft doch sein wird.

Braindead

All diese Szenen um die kleine Nora und Iris' späte Erkenntnis, dass eben doch nicht alles in Stein gemeißelt und die Zukunft veränderbar ist, sind mitunter etwas übertrieben. Man möchte das Drama und die großen Emotionen ein Stück weit zu sehr erzwingen, wodurch sich die Szenen aufgesetzt anfühlen. Um einen richtig üblen Fehltritt handelt es sich aber ebenfalls nicht, also verbucht man das Ganze als eine weitere kleine Episode der komplizierten Eltern-Kind-Beziehung, die zwischen Nora, Barry und Iris existiert. Die Moral der Geschichte ist letztlich ja ganz nett, gewohnt hoffnungsvoll spricht Barry seiner Frau Mut und Vertrauen zu, die nebenbei jetzt ihre eigene Zeitung - „The Central City Citizen“ - an den Start bringt. Somit ist alles erst mal wieder in Butter, wobei die Luft für Nora weiter dünner wird. Sherloque, am Rande bemerkt eine Koryphäe auf dem Eis, liefert sie wider Erwarten nicht ans Messer und sammelt weiter Hinweise, was Nora wiederum vor den anderen verbirgt. Möglicherweise möchte er ihr auch nur die Chance geben, selbst mit der Wahrheit rauszurücken, um den fragilen Familienfrieden der West-Allens nicht zu torpedieren.

Die Nebengeschichte der Woche, die sich um Ralph (Hartley Sawyer) und Cisco (Carlos Valdes) dreht, ist indes weniger der Rede wert, weil der Fokus klar auf Grace, Nora, Barry und Iris gerichtet ist. Die beiden Freunde verbringen in Memorabilia etwas Zeit miteinander, was allen voran von Ralph ausgeht, der mal wieder ein wenig Abwechslung und Spaß in seinem Leben braucht. Und es ist gut möglich, dass er auch Cisco mal auf andere Gedanken bringen will, der aktuell seine ganze Energie in das Unterfangen steckt, ein Heilmittel für Metahumans zu kreieren. Ralphs Plan geht auf: Von den vielen Damen in der Bar, die auch noch alle Lederjacken tragen (Typ Gypsy, Ciscos alte Flamme), ist es die charismatische Barkeeperin Kamilla (Victoria Park), die es Cisco angetan hat. Die Chemie zwischen Park und Valdes passt, daher kann man sich diesen love interest für den Wissenschaftler in den nächsten Folgen durchaus gut vorstellen.

Fazit

Erneut liefern die The Flash-Macher mit Memorabilia eine grundsolide Episode ab, die sich aufgrund ihrer „Inception“-mäßigen Grundidee und den damit einhergehenden, über die Folge verteilten smarten Twists ein paar Extrapunkte dazuverdient. Das ganze Familiendrama zwischen Barry, Iris und Nora fällt derweil leider etwas flach, weil es sich entweder sehr vertraut anfühlt oder aber einfach nicht der Funke übersprungen will und man die aktuelle Entwicklung nur registriert, anstatt sie wirklich zu erfahren und mitzuerleben. Die Jagd nach Cicada - der Schurke, nicht die Band „Sickada“! - verkommt indes zu einem kleinen Running Gag, kriegt das Team den Fiesling doch nicht zu fassen, egal, was sie auch probieren. Die nächste Idee: das Metahuman-Heilmittel von Cisco und Caitlin (Danielle Panabaker), das Barry gegen Orlin einsetzen will. Wie genau das funktionieren soll, erfahren wir wohl sehr wahrscheinlich in der nächsten Episode...

Trailer zur nächsten Episode (5x13) von The Flash:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 30. Januar 2019

The Flash 5x12 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 12
(The Flash 5x12)
Deutscher Titel der Episode
In Gedanken gefangen
Titel der Episode im Original
Memorabilia
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 29. Januar 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. Juni 2019
Autoren
Sam Chalsen, Kristen Kim
Regisseur
Rebecca Johnson

Schauspieler in der Episode The Flash 5x12

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