The Flash 5x11

The Flash 5x11

In Seeing Red wird der schnellste Mann der Welt schwer auf die Probe gestellt, sich nicht von seinen eigenen Ängsten und seiner Wut korrumpieren zu lassen. Die Episode plädiert für Verständnis und das Gute in den Menschen. Eine lobenswerte Botschaft, doch es gibt auch einige Schattenseiten...

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Barry Allen (Grant Gustin) ist ein guter Typ. Er ist es immer gewesen, er wird es sehr wahrscheinlich immer sein. Die Titelfigur von The Flash wurde in der Vergangenheit Mal für Mal getestet, ob er sich denn wirklich seinen von Grund auf guten, aufrichtigen Charakter im Angesicht unmenschlicher Prüfungen bewahren kann. Der Tod seiner Mutter, die ungerechte Inhaftierung seines Vaters, Angriffe auf seine besten Freunde, das Drama um seine geliebte Iris (Candice Patton), die von Savitar umgebracht worden wäre, hätte Team Flash nicht eine Möglichkeit gefunden, den Schurken aufzuhalten - es gab bisher viele Momente im Leben von Barry Allen, die ihn auf einen sehr dunklen Pfad hätten führen können. Einige Male haben wir sogar gesehen, dass Barry kurzzeitig vom Weg abgekommen war, seiner Trauer und Wut freien Lauf gelassen hat, nur um wenig später zu erkennen, dass dies keine Lösung ist.

The Flash“ stößt mit diesem Storyelement in ein bekanntes Horn: Superhelden sind nicht super, weil sie Superkräfte haben. Ihre eigentliche Stärke ist es, sich nicht von den schrecklichen Dingen, denen sie regelmäßig ausgesetzt sind, den skrupellosen Fieslingen und erschütternden Tragödien, die auf deren Kappe gehen, verändern, beeinflussen und korrumpieren zu lassen. Es ist ein Motiv so alt wie das Genre selbst, ob in Comics, Filmen oder Serien. Und die neueste Episode Seeing Red der The CW-Serie erinnert uns nun mal wieder daran und das auf durchaus überzeugende Art und Weise. Barrys schwierige Position ist in dieser Folge nachvollziehbar, während über die verschiedenen Nebenhandlungen ein roter Faden gesponnen wird, der die unterschiedlichen Einzelteile der Episode sehr ordentlich miteinander verbindet.

Back to work

Überschwängliches Lob verdient man sich zwar nicht, da hier und da doch ein paar zu vertraute Töne angestimmt werden. Doch „Seeing Red“ entpuppt sich letztlich als ein grundsolides Kapitel des Superheldendramas, das eine wichtige Botschaft gekonnt verpackt und sich nur wenige klare Aussetzer leistet. Diese müssen jedoch deutlich beim Namen genannt werden: Cicada. Der Fiesling kehrt zurück auf die Bildfläche und beginnt eine neue Mordreihe an Metahumans, was Team Flash nicht tatenlos geschehen lassen kann. Doch selbst, wenn Cicada eine große Gefahr darstellt, als Zuschauer fällt es einem unverändert schwer, ihn als Bedrohung ernst zu nehmen. Seine furchtbaren Taten sprechen für sich und machen deutlich, wie unberechenbar und allem Anschein nach auch unaufhaltsam er ist. Doch der Funke mag einfach nicht überspringen.

Killing spree

Ein großer Faktor im Fall von Cicada ist die Präsentation des Charakters. Auch in „Seeing Red“ grunzt sich Orlin Dwyer als vermummter Metahumanserienkiller durch Central City, ohne dass er wirklich nachhaltig Eindruck hinterlässt. Das mag eventuell auch an seinen Opfern liegen, die für uns größtenteils namenlose Exknackis sind, zu denen man nicht wirklich eine Beziehung aufgebaut hat. Erst, als die Angriffe von Cicada persönlich werden (er sorgt mit einem gezielten Faustschlag dafür, dass Nora kurzzeitig von der Hüfte abwärts gelähmt ist), entsteht ein wenig Anspannung, weil Cicadas Taten spürbare Konsequenzen haben - für die Handlung und die Charaktere. Unverändert problematisch ist an dem Schurken derweil ebenfalls, dass die Darbietung von Chris Klein weiterhin erschreckend schwach und monoton ist. Die finsteren Einzeiler, die ihm das Drehbuch gibt, sowie Kleins Schauspiel ziehen die Figur eher ins Lächerliche, als dass man vor dieser erzittert.

Ziel sollte es sein, diesen Makel schnellstmöglich zu beheben, und vielleicht kommt in dieser Hinsicht ja tatsächlich etwas mehr Spannung auf, wenn Cicada wieder gezielt auf die Personen losgelassen wird, die Barry am nächsten stehen. An Kleins fragwürdiger Performance, der ich, ehrlich zugegeben, zu Beginn der Staffel noch etwas abgewinnen konnte - bis er dann zum ersten Mal den Mund aufmachte -, wird sich wohl aber leider nicht mehr viel ändern. Möglicherweise wird das Kapitel Cicada aber auch früher beendet sein als erwartet, wenn es Barry und seinem Team gelingen sollte, Orlins Nichte Grace (Team Flash glaubt noch, dass es sich um dessen Tochter handelt) aus ihrem Koma zu erwecken und ihr zu helfen, damit Grace wieder gesund wird. Kann dieser Akt der Güte und Nächstenliebe den grimmigen Killer vielleicht besänftigen?

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The CW
The CW - © The CW

Broken

Eigentlich keine schlechte Idee - und sie passt auch ganz hervorragend in diese Episode, in der es eine Art übergreifendes Thema ist, wie man mit einem herben Rückschlag und persönlichen Ängsten umgeht. Wir sehen Barry zum Beispiel von einer sehr feurigen, zornigen Seite, macht ihm die schwere Verletzung von Nora (Jessica Parker Kennedy) doch extrem zu schaffen. Er erreicht den Punkt, an dem er Cicada nicht mehr nur fassen, sondern sogar töten will. Während Nora nur langsam zu Kräften kommt, da ihre Metahumankräfte nach einem Angriff von Cicada mit dessen Dolch geschwächt sind, befindet sich ihr Vater auf dem Kriegspfad. Natürlich möchte er den Metahumans helfen, die auf einer Todesliste stehen, welche Cicada zugespielt wurde und die dieser abarbeitet. Barry sinnt aber vor allem auf Vergeltung und ist zu allem bereit, selbst, wenn es ihn für immer verändern wird. Es ist ein neues Gefühl für ihn, die große Sorge um seinen eigenen Nachwuchs, dem er noch nicht so recht gewachsen ist.

Andere wiederum schon, wie zum Beispiel Cecille (Danielle Nicolet, aktuell mein persönlicher MVP), eine zweifache Mutter, die genau weiß, was Barry und Iris aktuell durchmachen. Normalerweise ist es Joes Aufgabe, seinen Adoptivsohn wieder zu erden, in dessen Abwesenheit schlüpft Cecille jedoch in die Rolle des weisen Elternteils, das Rat weiß. Sie erklärt Barry, dass Furcht der Pfad zur dunklen Seite ist: Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid. Das sind nicht ganz ihre Worte, aber man fühlt sich schon etwas an den kleinen grünen Jedi-Meister aus der „Star Wars“-Reihe erinnert. Und es stimmt ja auch. Barry darf nicht einknicken, er darf sich von seinem Zorn nicht verführen und verderben lassen, auch wenn Cicada Nora attackiert hat, welche er über alles liebt. Es ist eine einfache Lektion, die in Zeiten wie diesen aber nicht oft genug wiederholt werden kann...

Inside job

Untermauert wird diese durch Nebenfiguren, wie zum Beispiel der verräterische Officer Jones (Klarc Wilson), der sich für die Taten von Spencer Young (in der Episode News Flash, in der Jonesy von Spencer zur Marionette gemacht wurde und fast ein Bombenattentat verübt hätte) an allen Metahumans rächen will. Der Maulwurf im Polizeirevier wird überführt und erfährt seine gerechte Strafe. Auf der anderen Seite sehen wir wiederum in „Schlangenauge“ Norvock eine Person, die sich aus Furcht kriminellen Energien hingegeben hat, nun aber das Gute in sich entdeckt und dafür mit Anerkennung und Respekt entlohnt wird. Das ist vielleicht alles etwas dick aufgetragen (und Mark Sweatman spielt dazu leider auch ähnlich unterirdisch wie Chris Klein auf...), aber es wird eben auch gut aufgezeigt, dass jeder die Chance hat, das Richtige zu tun und sich düsteren Einflüssen zu erwehren. Das ist nicht immer einfach, aber weitaus lohnenswerter, als andere zu verletzen.

Creative differences

Cecilles Idee mit einer Art Metahuman-Schutzprogramm trägt letzten Endes Früchte, Ralph (Hartley Sawyer) ist bei der Rettungsaktion behilflich und Barry kann gemeinsam mit Killer Frost (Danielle Panabaker) Cicada (mal wieder) in die Schranken weisen. Killer Frost beziehungsweise Caitlin nimmt darüber hinaus eine weitere wichtige Rolle in der Episode ein - und das nicht nur, weil sie große Fortschritte bei der Erforschung eines potentiellen Heilmittels für Metahumans erzielt. Das Dilemma von Killer Frost, die sich Sorgen macht, dass sie einfach ausgelöscht werden und dann nicht mehr Caitlin beschützen könnte, passt ebenfalls hervorragend in diese Folge, in der die Angst vor unvollendeten Tatsachen zum Hindernis wird. Killer Frost muss Vertrauen haben, ebenso wie Verständnis, dass Caitlin denjenigen helfen möchte, die Hilfe wollen. Ralph dient hier ein wenig als Stimme des Gewissens (Carlos Valdes' Cisco setzt diese Woche mal aus) und als Vermittler zwischen den beiden Seiten Caitlins.

Am Ende dient diese Nebenhandlung als schöne Zusammenfassung dafür, was man erreichen kann, wenn man sich in die Position des jeweils anderen versetzt, wenn man versucht, Ängste und Sorgen von anderen nachzuvollziehen und wenn man auf die eigene Furcht nicht mit extremen Mitteln reagiert. So schnürt man über die verschiedenen Handlungsstränge ein gutes Gesamtpaket, das uns vielleicht nicht viel Neues erzählt, aber alte, universelle Weisheiten zurück ins Gedächtnis ruft. Nebenbei treibt übrigens Sherloque (Tom Cavanagh) seine Ermittlungen bezüglich Nora voran, bei denen er etwas Gegenwind von Iris erfährt, die ihre Tochter sogleich in ihren mütterlichen Schutz nimmt. Diese Nebengeschichte ist bisher nicht mehr als eine Randerscheinung und hält das Mysterium um Nora weiter leicht am Köcheln. Sherloque ist nun zumindest schon einmal schlauer, dass noch eine weitere Person hinter den Aufzeichnungen in Noras Notizbuch steckt, das vermeintliche „Mastermind“. Es ist wohl naheliegend, dass es sich um den Reverse-Flash handelt und Team Flash bald diese unschöne Entdeckung machen könnte. Oder aber man zaubert noch jemand ganz anderes aus dem Hut...

Fazit

In Seeing Red sieht The Flash rot und lässt sich infolgedessen fast zu einer schrecklichen Tat hinreißen, die ihn für immer verändern würde. Doch Barry besinnt sich mit der Hilfe seiner Freunde auf sein altes Credo, was die Serie nach längerer Zeit mal wieder verständlich und authentisch illustrieren kann. Man zielt dabei auf eine einfache, aber immens wichtige Botschaft ab und schafft es, in den unterschiedlichen Geschichten immer wieder Bezug auf diese zu nehmen. Daher gestaltet sich die Episode im Großen und Ganzen auch sehr stimmig und clever strukturiert, wenngleich Bösewicht Cicada nach wie vor ein Dorn, wenn nicht sogar ein Dolch im Auge ist... Es bleibt zu hoffen, dass hier alsbald Besserung eintritt. Noch kann man über ein paar der Charaktere und ein smartes Erzählkonzept Schwächen wie diese aufwiegen. Doch irgendwann wird es brenzlig...

Hier der Trailer zur nächsten Episode von „The Flash":

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 23. Januar 2019

The Flash 5x11 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 11
(The Flash 5x11)
Deutscher Titel der Episode
Ein Held sieht rot
Titel der Episode im Original
Seeing Red
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 22. Januar 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. Juni 2019
Autoren
Judalina Neira, Thomas Pound
Regisseur
Marcus Stokes

Schauspieler in der Episode The Flash 5x11

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