The Flash 5x10

The Flash 5x10

The Flash startet mit einer soliden, wenngleich auch etwas zahnlosen Episode ins neue Jahr und lässt den Titelhelden der The-CW-Serie einfach mal links liegen. Dafür rücken die Nebencharaktere in den Vordergrund und lernen dabei eine ganze Menge über sich selbst. Manche Lektion gestaltet sich jedoch arg altbacken...

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Von einem Vollsprint kann zu Beginn des neuen Jahres in The Flash keine Rede sein. Wir starten eher gemächlich in die zweite Hälfte der fünften Staffel des Superheldendramas, in dem das Team unverändert nach Mitteln und Wegen sucht, um Oberschurken Cicada das Handwerk zu legen. Nach dem gefälligen Crossover-Event „Elseworlds“ zum Jahresausklang kehren wir nun in The Flash & The Furious zu vertrauten Erzählmustern zurück. Dabei trägt Hauptfigur Barry Allen (Grant Gustin) nur marginal zur Episode bei, treten doch andere Charaktere ins Rampenlicht, so zum Beispiel seine Tochter Nora (Jessica Parker Kennedy) sowie Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes), die im Rahmen einer neuen Nebenhandlung ein wenig aneinandergeraten...

Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, auch mal gezielt auf die Tiefe seines Ensembles zu vertrauen, wobei dieses in „The Flash & The Furious“ von Beginn an dezimiert ist. Ralph (Hartley Sawyer) ist nicht anwesend - er besucht seine Mutter - und Joe (Jesse L. Martin) sucht gemeinsam mit seiner Tochter Jenna ebenfalls das Weite (seine Rückkehr ist nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Jesse L. Martin aber nur eine Frage der Zeit), da Central City mal wieder kein sicheres Pflaster ist. Das liegt nicht nur an dem momentan spurlos verschwundenen Cicada und der großen Bedrohung, die von dem Metahumanserienkiller ausgeht, sondern auch an ein paar weiteren Fieslingen, die die Stadt zuletzt bedroht haben und zeitnah zu einer waschechten Herausforderung für Team Flash werden könnten.

Take a chance on me

Konkret handelt es sich hier um Joslyn „Joss“ Jackam (die überzeugende Reina Hardesty), die zuletzt in ihrer Schurkenrolle als Weather Witch für reichlich Chaos gesorgt und zahlreiche Menschenleben - darunter das ihres kriminellen Vaters Mark Mardon aka Weather Wizard - in Gefahr gebracht hatte. Der jungen Joss wird nun der Prozess gemacht und Cecille (Danielle Nicolet) fungiert bei ihrer Rückkehr in den Gerichtssaal als Anklägerin. Der glasklare Fall gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn Cecilles Metahumankräfte verraten ihr, dass die fehlgeleitete Joss aufrichtig Reue zeigt und sich deshalb eine zweite Chance verdient hat. Aber nicht mit Nora, die als Ersatz für ihren Vater im Zeugenstand Platz nimmt und keine Gnade walten lassen will. Warum? Weil sie nicht daran glaubt, dass sich böse Menschen zum Besseren verändern können.

Waves of remorse

Das hat Nora schmerzvoll lernen müssen, nachdem ihr bewusst wurde, was Eobard Thawne (Tom Cavanagh) ihrem Vater angetan hat. Der Reverse-Flash, mit dem sie in der weit entfernten Zukunft des Jahres 2049 offensichtlich gemeinsame Sache gemacht hat, hat ihr Vertrauen missbraucht und dient als mahnendes Beispiel für sie. Doch Nora steigert sich in ihrer jugendlichen Naivität leider etwas zu sehr in ihren engstirnigen Standpunkt hinein, was ihre Geschichte in dieser Episode bisweilen etwas zäh und anstrengend macht. Natürlich fehlt ihr die Erfahrung, doch wie bereits so oft in vielen meiner Kritiken zu der fünften Staffel von „The Flash“ erwähnt, ist es mitunter ziemlich ermüdend, ihrer langsamen Entwicklung zu einer passablen Superheldin, die ihre Überzeugungen hinterfragt, andere Perspektiven einnimmt und ihren Horizont erweitert, beizuwohnen.

Es ist ja gar keine schlechte Idee, den Handlungsstrang um den überraschenden Rückkehrer Eobard Thawne mit einem klassischen „Fall der Woche“ zu verknüpfen. Doch die Macher überschätzen mal wieder die Rolle von Nora, von der aktuell bis auf ihre undurchsichtige Verbindung zu Thawne leider nur wenig Reiz ausgeht. Dass sie von jetzt auf gleich nicht ein vollkommen etablierter, vollwertiger Charakter sein kann, verstehe ich. Es wäre jedoch schön, wenn man neue Wege erschließen würde, eine solche Figur zu entwickeln und nicht mal wieder all das abhakt, was so viele unerfahrene Superhelden und Superheldinnen in spe innerhalb dieser Serie lange vor ihr haben durchmachen müssen. Es fehlt schlichtweg die Frische - und das macht sich nun einmal extrem bemerkbar.

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The CW
The CW - © The CW

Young Rogues

Während The Flash & The Furious in dieser Hinsicht eher Federn lässt, wissen die restlichen Nebengeschichten der Episode durchaus zu gefallen. In Person der ehemaligen Air Force-Pilotin Raya Van Zandt aka Silver Ghost (in den DC-Comics ist Raphael Van Zandt ein Bösewicht auf Earth-X, in der Serie spielt Gabrielle Walsh eine weibliche Version des Charakters) bahnt sich neuer Ärger an. Und das in Form der „Young Rogues“, eine neue Gruppierung an jungen Kriminellen mit Superkräften oder Waffen basierend auf gefährlicher Metatechnologie, mit denen sicherlich nicht gut Kirschen essen ist. Raya rekrutiert unter anderem Joss (und auch Spencer Young aus der Episode News Flash scheint auf ihrer Liste zu stehen), bei der man aber interessanterweise sieht, dass sie eigentlich überhaupt nicht mehr in kriminellen Machenschaften verwickelt sein will.

Das Verwehren einer zweiten Chance (Nora weist Joss rüde ab) bringt sie jedoch zurück auf den dunklen Pfad, auch wenn sie letztlich verhindert, dass Nora von Raya über den Haufen gefahren wird. Während Barry aufgrund seiner destabilisierten Zellstruktur - sprich: permanentes Phasing - in einer Anti-Metahuman-Zelle hockt und die Zeit nutzt, um Mick Rorys romantischen Debütroman „Uncaged Desire“ zu verschlingen, fällt Nora die Aufgabe zu, Raya Einhalt zu gebieten. Diese entwendet wiederum ein mit Wayne Tech ausgestattetes Superauto von A.R.G.U.S. Raya selbst kann dank eines von Meta-Tech-durchsetzten Autoschlüssels jede motorisierte Gerätschaft kontrollieren. Ihre neueste Errungenschaft, ein schnittiges Muscle-Car mit Unterbodenbeleuchtung und einem Tablet, über das man via putziger Icons allerlei Spielereien veranstalten kann, wirkt ein wenig lächerlich auf mich, aber irgendwo muss ja die Anspielung auf die „The Fast & The Furious“-Reihe auch herkommen.

Joyride

Joss rettet Nora letztlich, verschwindet dann aber gemeinsam mit Raya vom Ort des Fastverbrechens. Ein baldiges Wiedersehen erscheint mir nicht unwahrscheinlich und dann ist es gut denkbar, dass Joss sich in ihrer Rolle als unheilbringende Weather Witch erneut hinterfragen wird. Es ist doch mehr als deutlich geworden, dass sie so ein Leben als Bösewicht nicht führen möchte und allein die Wut über ihren Vater, der sie und ihre Mutter für eine Karriere als Krimineller verlassen hatte, sie auf den falschen Pfad geführt hat. Die Suche nach dem richtigen Weg bestimmt indes auch eine Handvoll Szenen zwischen Cisco und Caitlin beziehungsweise Killer Frost, die sich kurzzeitig übel zerstreiten. Der Grund: Cisco hat eine Idee, wie er ein Heilmittel für Metahumans entwickeln könnte (dank ein paar Bruchstücken aus dem Dolch von Cicada, mit dem der Schurke anderen Menschen die dunkle Materie in ihnen komplett entziehen kann). Caitlin hat derweil gerade ihren Frieden mit Killer Frost geschlossen und eine neue Balance zwischen ihrer menschlichen und Metahumanseite gefunden.

A normal life

Was für den einen ein Segen ist, ist für den anderen ein Fluch. Der Konflikt zwischen den beiden funktioniert, weil sowohl Cisco als auch Caitlin einen triftigen Grund haben, ihre gegensätzlichen Standpunkte zu vertreten. Cisco denkt an seine Zukunft und daran, wie oft er nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, seitdem er über Metahumankräfte verfügt. Er genießt es aktuell, mal nicht nur Vibe zu sein und ist sich sicher, dass viele andere Metahumans auch wieder „normal“ sein wollen. Aber was ist schon „normal“? Kann man sich anmaßen zu entscheiden, was für andere das Beste ist? Caitlin ist das Paradebeispiel, dass ein Leben mit außergewöhnlichen Kräften nicht nur möglich, sondern auch sehr ertragreich und wertvoll sein kann. Viele andere Metahumans können mit ihren Kräften Gutes bewirken, man darf nicht nur auf die faulen Äpfel schauen (übergreifendes Thema: zweite Chancen).

Diese kleine Auseinandersetzung unter Freunden hat Substanz und bietet einen guten, nachvollziehbaren Einblick in das aktuelle Befinden von Cisco und Caitlin. Letztendlich wissen beide ihre Freundschaft zu schätzen, sie können aufeinander bauen, vertrauen einander und respektieren sich. Daher ergibt es auch Sinn, dass sie sich gemeinsam der Erforschung eines potentiellen Heilmittels widmen werden und an einer Option arbeiten wollen, um Metahumans zu helfen, die Hilfe benötigen, ohne jemandem etwas aufzwingen zu wollen.

Abseits davon beschäftigt sich übrigens Sherloque (Tom Cavanagh) mit den seltsamen Schriftzeichen aus der Speed Force, die sich in Noras Aufzeichnungen finden lassen. Dieses Mysterium lässt der Spürnase keine Ruhe, und, wie es aussieht, hat Nora Vorkehrungen getroffen, damit der geheimnisvolle Code unentschlüsselt bleibt. Aber warum? Ihre Zusammenarbeit mit Eobard Thawne, dem sie nun auch eine zweite Chance geben wird (Lektion gelernt!), spielt hier mit Bestimmtheit eine große Rolle. Ob es wirklich eine gute Idee ist, sich erneut auf den Reverse-Flash einzulassen, dessen Zeit aus noch unerfindlichen Gründen abläuft, darf bezweifelt werden. Schön, dass Nora etwas Neues gelernt hat und ihr Verhalten verbessern will. Im Fall von Eobard Thawne, der immer noch ein Ass im Ärmel hat, wäre ich jedoch mehr als vorsichtig...

Fazit

Mit The Flash & The Furious liefern die Verantwortlichen sicherlich keine Highlight-Folge ab, sondern vielmehr ein ordentliches Kapitel der Superheldenserie, in dem sowohl gute, nachvollziehbare Charaktermomente als auch ein paar öde Passagen zu finden sind. Der Erzählung fehlt ein Stück weit die Balance, richtig grobe Schnitzer leistet man sich jedoch auch wiederum nicht. Wer Spaß daran hat, wie Nora weiter Fehler macht und am Ende jeder Folge die Kurve kriegt, kommt auf seine Kosten. Wem dies nicht mehr ausreicht, der kann „The Flash and the Furious“ auch als eine Episode sehen, in der vielerorts Vorbereitungen für die Auflösung einiger Mysterien sowie den Beginn neuer Konflikte in der unmittelbaren Zukunft getroffen werden. Noch eine kleine Information am Rande: Eigentlich war ursprünglich eine andere Episode (Titel: „Spin out“) zum Jahresauftakt von The Flash geplant, doch diese wurde aus unbekannten Gründen verschoben. Es ist nicht wirklich klar, wann oder ob diese überhaupt noch ausgestrahlt wird.

Hier der Trailer zur nächsten Episode von „The Flash":

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 16. Januar 2019

The Flash 5x10 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 10
(The Flash 5x10)
Deutscher Titel der Episode
The Flash and the Furious
Titel der Episode im Original
The Flash & The Furious
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 15. Januar 2019 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 13. Juni 2019
Autoren
Kelly Wheeler, Sterling Gates
Regisseur
David McWhirter

Schauspieler in der Episode The Flash 5x10

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