The Flash 5x09

© ??Elseworlds“ (c) The CW
Alle Jahre wieder: Vom 9. bis 11. Dezember präsentiert The CW ein neues Crossover-Event der „Arrowverse“-Serien The Flash, Arrow und Supergirl, in dem die verschiedenen DC-Helden und -Heldinnen des US-amerikanischen Networks zusammenkommen, um sich gemeinsam einer nie dagewesenen Herausforderung zu stellen. Das hat mittlerweile ja schon Tradition - nach Eventprogrammierungen wie zum Beispiel einem Special rund um die Legends of Tomorrow und rund um den Superschurken Vandal Savage (2015), einem verheerenden Alienangriff in „Invasion!“ (2016) oder dem vierteiligen „Crisis on Earth-X“-Abenteuer aus dem letzten Jahr. In diesem Jahr sind es nun „nur“ der schnellste Mann der Welt, der grimmige Bogenschütze aus Star City und die beispiellose Maid aus Stahl, die sich die Ehre geben und eine aus den Fugen geratene Welt wieder in die richtige Bahn lenken müssen.
„Elseworlds“ schenkt wie bereits viele Crossover-Events zuvor der aktuellen Handlung der beteiligten Serien wenig bis gar keine Beachtung und konzentriert sich voll und ganz auf eine losgelöste Geschichte, in der Earth-1, wie wir sie kennen, eine drastische Veränderung erfährt, die sehr wahrscheinlich erst der Anfang einer gewaltigen Katastrophe ist... Verantwortlich dafür ist ein ominöser Schurke namens The Monitor (LaMonica Garrett) - oder auch Mar Novu -, der sich bereits eindrucksvoll im Teaser zu „Elseworlds“ angekündigt und mit zahlreichen Heldenfiguren des DC-Kosmos den Boden aufgewischt hatte. Hier übergibt er bereits früh ein geheimnisvolles Buch und offensichtlich sehr mächtiges Artefakt an den Psychologieprofessor Dr. John Deegan (Jeremy Davies), der mit diesem Schmöker die Welt nach seinem Gutdünken formen und verändern kann. Die Folge: ein klein wenig Chaos - und zwar nicht zu knapp.
Think big
Wer von dem ersten Teil von „Elseworlds“ sogleich klare Antworten erwartet, warum, wieso und weshalb The Monitor diese gefährliche Waffe in die Hände von Deegan gibt und was überhaupt die Beweggründe des Fremden sind, Earth-1 zu attackieren, der wird enttäuscht. Die Motive des Bösewichts bleiben zunächst ungeklärt, doch das ist gar nicht weiter wild, baut man dadurch doch relativ klassisch ein wenig Spannung auf. Was im Auftakt dieses neuen Crossover-Events zählt, ist der hohe Unterhaltungswert und das gewohnt stimmige Zusammenspiel der Darsteller und Darstellerinnen aus den unterschiedlichen Formaten. Man hat nicht nur eine Menge Spaß daran, die Dynamik unter den verschiedenen Figuren zu ergründen, große Freude bereitet es den Verantwortlichen auch, ihre eingespielte Superheldenwelt ein wenig durchzuwirbeln und bekannte Umstände komplett auf den Kopf zu stellen.
So sehen wir in „Elseworlds“ nämlich einen Rollentausch zwischen Oliver Queen (Stephen Amell) und Barry Allen (Grant Gustin), die plötzlich das Leben des jeweils anderen führen, während für die Menschen um sie herum alles so wie immer ist. Einzig Oliver und Barry sind sich dieser großen Veränderung bewusst und versuchen nicht nur dahinterzukommen, wie diese passieren konnte, sie wollen natürlich auch schnellstmöglich den alten Status quo wiederherstellen. Doch das Böse macht keine Pause und so muss das Duo kurzfristig in die Rolle des jeweils anderen schlüpfen, um einem mörderischen Kampfroboter (der „DC-Ultron" Amazo) das Handwerk zu legen, der in Central City sein Unwesen treibt und einfach mal so die Superkräfte seiner Widersacher scannen und dank Mirakuru-Hybrid-Mischung kopieren kann. Eine gefährliche Erfindung, die von der Geheimorganisation A.R.G.U.S. in Auftrag gegeben wurde, und binnen kürzester Zeit zu einem deftigen Problem wird.
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Overkill much?
Doch, bevor unsere Superfreunde sich dieser gnadenlosen Maschine in den Weg stellen, geht es im ersten Teil von „Elseworlds“ vor allem sehr beschwingt zu. Wie erwartet, ist es durchaus amüsant zu beobachten, wie sich Oliver respektive Barry in der Position des jeweils anderen schlagen. Während der eine ganz begeistert von seinen „neuen“, körperlichen Fähigkeiten ist, die er im direkten Faustkampf mit Sparringspartner John Diggle (David Ramsey) erproben kann, wird der andere gänzlich auf dem falschen Fuß erwischt. Nicht nur, weil die abnormale Geschwindigkeit für Oliver sehr ungewohnt ist. Nein, auch, weil das empathische Gebaren seiner Teammitglieder in den S.T.A.R. Labs völliges Neuland für das sonst so eigenbrötlerische, bierernste Alphatier Oliver Queen ist.
Aus dieser „Freaky Friday“- beziehungsweise Quantum Leap-Prämisse ziehen die beiden Autoren Eric Wallace und Sam Chalsen reichlich unterhaltsame Szenen, während Stephen Amell und Grant Gustin sichtlich Spaß daran haben, eine andere Art Charakter zu spielen und im weiteren Verlauf die unterschiedlichen Aspekte ihrer angestammten Rollen mit neuen Facetten zu kombinieren. Für die meiste Zeit geht die Rechnung hinter dieser charmanten „Body Swap“-Geschichte um zwei grundverschiedene Superhelden - sowohl, was ihre Talente betrifft, als auch, wenn es um ihre Persönlichkeiten geht - sehr gut auf. Den beiden dienstältesten Recken der Superhelden im „Arrowverse“ bleibt irgendwann gar nichts anderes mehr übrig, als die Perspektive des anderen einzunehmen, die eigenen Methoden zu hinterfragen und vielleicht auch die Dinge als eine Stärke wahrzunehmen, die sie dem jeweils anderen immer als einen offensichtlichen Schwachpunkt ausgelegt haben.
Stranger things
Barrys Empathie und Teamfähigkeit sind solche Sachen, die sicherlich nicht zu Oliver passen, welcher in diesen Bereichen nun mal eher wenig glänzt. Doch mit der Zeit und aufgrund diesen Rollentausches erkennt er auch, dass es große Vorteile haben kann, sich blind auf andere verlassen zu können, die immer für einen da sind und denen man sich emotional anvertrauen kann. Barry ist wiederum jemand, dem die konsequente, kühle Entscheidungsfindung eines Oliver Queen ab und zu mal ganz guttun würde. Vor allem, wenn es brenzlig wird und jemand Verantwortung übernehmen muss, bevor eine Situation endgültig eskaliert. Bereits in vergangenen Crossover-Events, speziell im allerersten von vor vier Jahren („The Flash vs. Arrow“), war es den Machern ein großes Anliegen, auf die Unterschiede zwischen Oliver und Barry hinzuweisen, die gänzlich verschieden vorgehen, aber eben auch eine ganze Menge voneinander lernen können.
Act the part
In dieser Hinsicht wärmt „Elseworlds“ ein paar alte Kamellen aus der Vergangenheit auf, denn mittlerweile dürfte es jedem Zuschauer mehr als bewusst sein, was einen Oliver Queen oder einen Barry Allen ausmacht, wo sie ihre Stärken und Schwächen haben und dass sie trotz großer Gegensätze ein starkes Team bilden können. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird aber noch einmal schön durch den erzwungenen Rollenwechsel illustriert. Und zwar nicht nur durch die vielen humoristischen Momentaufnahmen (es kommt unter anderem zum Rückspiel im Duell zwischen Flash und Green Arrow), sondern auch, wenn die Charaktere mal Klartext sprechen. So zum Beispiel, als Oliver Barry offenbart, dass er seine Stärke aus den vielen schmerzhaften Erinnerungen seiner Vergangenheit zieht, während Barry bei der Ausübung seiner Superkräfte stets vor Augen hat, was vor ihm liegt und für wen er in den scharlachroten Spandexanzug steigt.
Das Aufzeigen dieser Kontraste bereichert die Folge, in der man sich aber auch stets über die Eigenheiten von The Flash und Arrow bewusst und sich nicht zu schade dafür ist, sich selbst durch den Kakao zu ziehen. Von den harmonischen, fast schon viel zu kuscheligen Beziehungen innerhalb von Team Flash bis hin zur überdramatischen, tiefen Intonation von Oliver in seiner Rolle als Green Arrow lassen sich einige Dinge finden, über die man mit einem kleinen Augenzwinkern (Ihr werdet es nicht glauben: Es gibt tatsächlich Toiletten in den unmenschlichen Metahuman-Gefängniszellen der S.T.A.R. Labs - ein beliebter Kritikpunkt von vielen Fans in den letzten Jahren...) auf die eigenen Macken der unterschiedlichen Serien hinweist. Und das macht das Ganze wiederum sympathisch und locker, wodurch ein angenehmer Erzählfluss entsteht und man selten den Eindruck hat, die Beteiligten würden sich selbst zu ernst nehmen.

Big guns
Und das ist wichtig. Denn am Ende handelt es sich wieder einmal um ein verrücktes Superheldenabenteuer, das vor allem eine Funktion erfüllen muss: Die Zuschauer sollen Spaß haben. Und das trifft zu. Von dem launigen Zusammenspiel zwischen Amell und Gustin ganz abgesehen, ist auch wie immer Zeit für ein paar gut platzierte Running Gags (Diggle wird in einer Crossover-Folge mit erhöhter Geschwindigkeit von A nach B transportiert und muss sich danach sofort übergeben - check) und nette Anspielungen auf andere DC-Charaktere oder popkulturelle Inhalte. Neben Supergirl (Melissa Benoist), die mit ihrer Art hervorragend als Vermittlerin zwischen Barry und Oliver funktioniert, gibt es darüber hinaus auch ein Wiedersehen mit ihrem Cousin, der obendrein seine Flamme Lois Lane im Schlepptau hat.
Viel Screentime hat Elizabeth Tulloch als rasende Reporterin nicht, doch es reicht völlig aus, um aufzuzeigen, wie viel sie Clark beziehungsweise Kal-El bedeutet. Auch das innige Verhältnis zwischen Kara - die zuletzt vor die schwierige Entscheidung gestellt wurde, ihre Geheimidentität zu enthüllen oder ihre Arbeit für die DEO aufzugeben - und ihrem Cousin wird sehr gut greifbar, selbst wenn Tyler Hoechlins letzter Auftritt in Supergirl schon wieder eine ganze Weile her ist. Es steht und fällt bei solchen Ensemble-Produktionen eben auch eine ganze Menge mit dem Cast, doch in dieser Hinsicht kann sich das „Arrowverse“ nicht allzu viel vorwerfen lassen. Man hat vielleicht nicht immer die qualitativ besten Darsteller und Darstellerinnen zur Verfügung, bei der Kompatibilität der verschiedenen Schauspieler trifft man zumeist jedoch mitten ins Schwarze. Und das ist wiederum sehr viel wert.
Have you tried turning it off?
Wenn man den ersten Teil von „Elseworlds“ einen kleinen Vorwurf machen kann, dann vielleicht, dass hier alles vielleicht zu eingespielt wirkt. Von einem ganz großen Drama merkt man hier letztlich noch nicht allzu viel, doch es spricht auch nichts dagegen, vergleichsweise sicher in dieses große Abenteuer zu starten und zum Auftakt auf die bekannten Stärken von diesem gefestigten Serienuniversum zu setzen. Wenn dann zum Ende der Folge The Flash, Green Arrow, Superman und Supergirl ihre Kräfte vereinen und als Team Robo-Fiesling Amazo das Handwerk legen, dann wird man als einfacher Fan durchaus mitgerissen. Die Formel bis zu diesem Moment war denkbar einfach: Zwei arrivierte Charaktere werden zu Beginn aus ihrer Komfortzone gerissen, müssen sich anpassen und den jeweils anderen besser verstehen lernen. Es gilt, ihre ungewohnten Talente richtig einzusetzen und trotzdem eine vernünftige Balance zwischen ihrem neuen und alten Ich zu finden. Gemeinsam können sie am Ende den Tag retten.
„Elseworlds“ setzt keine revolutionäre Idee um, doch das muss man auch gar nicht, wenn die gelungene Ausführung einer klassischen Superheldenprämisse so schnörkellos und kurzweilig von der Hand geht. Nach diesem sehr spielerischen, witzigen, manchmal sogar auch ein klein wenig emotionalen (Iris' Sorge um Barry, der seinen Optimismus nie verlieren darf) Aufgalopp wird man nun sehen, ob man der großen Bedrohung in diesem Crossover-Event ein passendes Gesicht geben kann und sich ein Plot entspinnen wird, der uns auf dramatische Weise mitreißt. Dass das „Arrowverse“ Spiel und Spaß beherrscht, ist hinlänglich bekannt. Jetzt muss zusätzlich zu diesem Aspekt etwas Neues angeboten werden, das die Zuschauer an den Rand ihrer Sitzplätze bringt. Dafür geht es nun nach Gotham City, wo des Rätsels Lösung um Dr. Deegan liegen könnte. Und wo eine gewisse Fledermaus-Frau mit harter Hand für Recht und Ordnung sorgt...
Trailer zum Crossover-Event „Elseworlds":
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 10. Dezember 2018(The Flash 5x09)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x09
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