The Flash 5x08

© ??The Flash“ (c) The CW
Am 7. Oktober 2014 flitzte der schnellste Mann der Welt, die DC-Ikone Barry Allen aka The Flash (Grant Gustin), erstmals über die TV-Bildschirme dieser Welt. An diesem Tag feierte das zu diesem Zeitpunkt zweite Format des heute als „Arrowverse“ bekannten, geteilten Superheldenuniversums von The CW seine US-Premiere. Seitdem sind etwas mehr als vier Jahre und mit der aktuellen Episode What's Past Is Prologue genau 100 Folgen vergangen. Es gab wunderbare Hochs sowie frustrierende Tiefs zu verzeichnen, an abwechslungsreichen Geschichten hat es jedoch selten gemangelt, selbst wenn die Erzählung um den scharlachroten Speedster und seine Mitstreiter zuletzt etwas an Tempo verloren hat und manchmal in die Jahre gekommen wirkt.
Wie auch immer man zu den Entwicklungen der letzten Zeit stehen mag, 100 Folgen einer Serie sind durchaus ein Anlass, um ein solches Jubiläum gebührend zu feiern. Und das tun die Verantwortlichen um den aktuellen Showrunner Todd Helbing (der zusammen mit Lauren Certo als Ko-Autor für „What's Past Is Prologue“ gelistet ist), die den aktuellen, zentralen Handlungsstrang der fünften Staffel um Bösewicht Cicada (Chris Klein) mit einer Revue vergangener Heldentaten und Tiefschläge verknüpft, die Team Flash seit 2014 durchlebt haben. Dies ist ein cleverer Kniff, der sich anbietet, denn Zeitreisen sind bekanntermaßen ein wiederkehrendes Element in „The Flash“, wo man dieses Stilmittel nun effektiv nutzt, um Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft zu verbinden, während man gemeinsam mit den treuen Fans ein wenig in alten Erinnerungen schwelgt.
Back in time
Ein legitimer Ansatz, den ich als langjähriger Zuschauer, der früher sicherlich mehr Fan als Kritiker gewesen ist, nachvollziehen und in gewissen Maßen auch gutheißen kann. Ich persönlich kann die emotionale Verbindung zu dieser Serie, die ich für SERIENJUNKIES.DE® seit Beginn ihrer Ausstrahlung an betreue (Kollege Adam Arndt, der mich in den letzten zwei Wochen hervorragend vertreten hat, übernahm damals allerdings noch die Kritik zur Pilotepisode), nicht leugnen. Daher treffen Helbing, Certo und Regisseur Tom Cavanagh, der diese bedeutsame Aufgabe übernimmt und gleichzeitig auch schauspielerisch gefordert ist, in meinen Augen viele richtige Entscheidungen in „What's Past Is Prologue“, die mich bewegen, berühren oder schlichtweg ein wohliges, gutes Gefühl in mir auslösen, weil ich das Format eben seit seiner Premiere intensiv verfolge.
Auf der anderen Seite ist bei etwaigen Jubiläumsfolgen jedoch auch immer die Gefahr von zu viel Fanservice imminent. Und darüber hinaus darf man auch nicht vergessen, dass „The Flash“ seit einiger Zeit (manch einer würde behaupten, dass dies seit Staffel drei der Fall ist) seiner Form hinterherläuft und es zuletzt nur noch phasen-, wenn nicht sogar episodenweise geschafft hat, wirklich zu überzeugen und vollends mitzureißen. Das bringt uns unweigerlich zurück zu „What's Past Is Prologue“, das bei den vielen emotionalen Momenten und coolen bis hin zu bewegenden Flashbacks, hier und da auch schwächelt - insbesondere, wenn es um die aktuelle Erzählung geht, die Storyline rund um den Metahuman-Serienkiller Cicada.
Dieser Handlungsbogen ist meiner Meinung nach alles andere als verkehrt aus den Startlöchern gekommen, seit zwei Episoden stellt er jedoch einen eklatanten Schwachpunkt dar, was nicht zu knapp an der inzwischen sehr befremdlichen Darbietung von Darsteller Chris Klein liegt. Sieht man mal von diesem Aspekt der Folge ab, dann kann man mit „What's Past Is Prologue“ aber eine ganz wunderbare Zeit verbringen. Wichtig ist dabei jedoch, dass man nicht zu sehr versuchen sollte, die verkopfte und komplizierte Zeitreiseproblematik sowie den recht konstruierten Plan des Teams zu durchsteigen. All das ist reines Mittel zum Zweck. Und damit kann man durchaus leben.
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Time hack
Es wäre nicht das erste Mal, dass das eingefleischte The Flash-Publikum sich frühzeitig in einer Episode mit der Tatsache arrangieren muss, dass unsere Protagonisten irgendeinen verzwickten Masterplan auskochen, der wirre Zeitreisen und wenig nachvollziehbares Technikgeblubber beinhaltet. Irgendwie wird das schon alles Sinn ergeben, dass Team Flash Folgendes aus der Explosion des Teilchenbeschleunigers der S.T.A.R. Labs benötigt: ein Stück von Savitars altem Metallanzug, Zooms Speed-Force-Transmitter und generierte gute alte dunkle Materie generiert. Und all das, um eine Waffe gegen Cicada zu schmieden, damit jener seinen gefährlichen Superdolch nicht einsetzen kann.
Wenn ich ganz ehrlich bin, sausen all die pseudowissenschaftlichen Erklärungen in dieser Folge geradewegs an mir vorbei. Wirklich relevant ist es aber nicht, ob man jeden einzelnen Schritt des Team versteht oder nicht. Vielleicht handelt es sich hier aber auch um einen ungewollten, selbstreferentiellen Metakommentar der Macher zum 100. Folgenjubiläum. Ist erst einmal etabliert, warum Barry gemeinsam mit seiner Tochter Nora (Jessica Kennedy Parker) zurück in die Vergangenheit zu den großen Momenten der Serie reisen muss, verläuft die Handlung wie am Schnürchen. Der Trip, der passenderweise von Ralph (Hartley Sawyer) mit „Back in Time“ von Huey Lewis and the News („Back to the Future“, natürlich) eingeleitet wird, dient aber nicht nur als abwechslungsreiche Schnitzeljagd nach verschiedenen Artefakten. Über diese Zeitreise wird Nora auch ein anderer Blickwinkel auf ihren Vater gegeben, den sie nie zuvor bekommen hatte. Irgendwelche Tafeln im Flash-Museum der Zukunft sind halt nicht vergleichbar mit der oftmals tragischen, alles anderen als glorreichen Realität.
Follow my lead
Nachdem Nora nun ein weitaus besseres Verhältnis zu ihrer Mutter Iris (Candice Patton) hat, bekommt sie jetzt ebenfalls ein ganz neues Verständnis von dem Leben, dem Wirken und dem Charakter ihres Vaters. Barry wollte seine Tochter zuvor vor diesen gefährlichen Einblicken bewahren, doch eine herzerwärmende Szene zwischen den beiden zeigt, dass es richtig war, die Wahrheit nicht weiter versteckt zu halten und Nora etwas zu geben, das sie nach dem rätselhaften Verschwinden ihres Vaters in der Zukunft nie erhalten hatte. So emotional nachvollziehbar und befriedigend diese Momente sind, so oft meldet sich aber auch eine kleine Stimme in meinem Kopf, die mich unentwegt darauf hinweist, was jeder Kenner der Serie nur zu gut weiß: Egal, welche Einschränkungen auch gemacht werden, Zeitreisen haben immer Konsequenzen und gehen nie gut aus. Eine Faustregel, die man uns über Jahre eingebläut hat und die von den handelnden Charakteren nur zu gerne ignoriert wurde, um ein noch schlimmeres Übel abzuwenden.
Genau das ist jetzt auch hier der Fall, denn Cicada ist nun einmal der vermeintliche Endgegner (was man gar nicht so recht glauben kann), „the one who got away“, wie es der Harrison Wells aus der Vergangenheit beziehungsweise Eobard Thawne so treffend formuliert. Und so lässt sich Barry auf einen Deal mit dem Teufel ein, sein Erzfeind Nummer eins, der Reverse-Flash, der nach langer Zeit mit sehr viel Freude am Bösesein abermals von Tom Cavanagh zum Besten gegeben wird. Dieses erneute Aufeinandertreffen bringt einige unschöne Erinnerungen hoch, gleichzeitig spürt man als Zuschauer augenblicklich, dass Thawne nicht so wie Savitar oder Zoom (der mal wieder von einem Time Wraith dahingerafft wird) nur für einen kurzen Moment auftritt, sondern eine größere Bedeutung für den gesamten Plot hat. Und das nimmt man als Beobachter gerne an, war die Geschichte um den Reverse-Flash, den als Harrison Wells getarnten Eobard Thawne, doch auch am stärksten.
Wir werden zurück in diese Zeit katapultiert und das alte Gefühl von diesem intensiven Katz-und-Maus-Spiel zwischen Schüler und Mentor, zwischen Barry und Wells beziehungsweise Thawne, zwischen Gut und Böse keimt sogleich wieder auf. Das funktioniert exzellent für mich, zeigt aber auch eklatant auf, dass es den Machern seit dem Reverse-Flash nicht wirklich wieder gelungen ist, einen Schurken von diesem Format zu kreieren. Und wenn man nun den Blick in Richtung Cicada schweifen lässt, also denjenigen, den Barry nie zu fassen bekommen hat, dann kann diese Figur eigentlich nur verlieren und von mir als Zuschauer nur schwer als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen werden.

The best and the worst of times
Es ist eine Art Wechselwirkung zu beobachten, die man sich so sicherlich nicht erhofft hatte: Die Rückkehr des Reverse-Flash macht nur noch umso mehr deutlich, wie schwach der aktuelle Bösewicht doch ist - sofern es sich überhaupt um den großen big bad der fünften Staffel von The Flash handelt. Wie gut man hier in den alten, teilweise sehr schmerzhaften Erinnerungen zur Serie kramt, zeigt zum Beispiel die Rückkehr zu dem Tag, an dem der Teilchenbeschleuniger explodierte und das Drama seinen Lauf nahm. Eine kleine Szene zwischen Wells und Cisco (Carlos Valdes), in der ersterer seine Wertschätzung für den jungen Wissenschaftler zum Ausdruck bringt und seinen Arm auf ganz bestimmte Weise ausstreckt, versetzt uns sofort zurück in die erste Staffel, genauer in die Folge Out of Time.
Fast schon überschwänglich war ich im März 2015 ganz begeistert von dieser hervorragenden Episode, die uns einen der derbsten Tiefschläge der gesamten Serie beschert hat. Und all das kommt in diesem Moment zurück, die volle Bandbreite an Emotionen. Das muss man erst einmal hinbekommen und das rechne ich den Machern hoch an, so schamlos sie mich in dieser Szene auch emotional manipulieren... Doch damit kann ich leben, denn es fühlt sich verdient und durchdacht an, als würden die Spielsteine genau so fallen, wie es von langer Hand bereits geplant gewesen ist. All dies steht stellvertretend für viele kleine bis mittelgroße gefühlvolle Momentaufnahmen, denen man das Gewicht der Vergangenheit anmerkt und die man ähnlich wie Nora nun nach all den Jahren vielleicht sogar in einem ganz anderen Licht sieht, weil sich der Kontext verändert hat.
Pain and death
In dieser Hinsicht gefällt mir „What's Past Is Prologue, The Flash“ ausgesprochen gut, wodurch wiederum auch die eher schwache Handlung in der Gegenwart um Cicada ein wenig kaschiert werden kann. Tatsächlich kann das Team diesem für kurze Zeit das Handwerk legen, nur, um sich wenige Sekunden später erneut austricksen zu lassen (Warum teleportiert man den Dolch nicht einfach auf eine andere Erde?). Doch Killer Frost (Danielle Panabaker) rettet den Tag und könnte aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten, denen keine dunkle Materie als Grundlage dient, zum Zünglein an der Waage im Kampf gegen Cicada werden. Das alles ist mir ehrlich gesagt aber ziemlich egal, viel mehr interessiert mich da das auffällige Verhalten von Nora und ihre sonderbaren Aufzeichnungen, die auch Sherloques Aufmerksamkeit erregt haben.
Und siehe da, in guter alter The Flash-Manier erwartet uns noch ein kleiner Twist, den sich einige sicherlich im Laufe der Episode bereits haben denken können: Nora steckt allem Anschein nach mit Eobard Thawne unter einer Decke, der in der weit entfernten Zukunft im Kittchen sitzt. Warum sich Nora auf diese Zusammenarbeit eingelassen hat? Womöglich, um die gesamte Zeitlinie zu verändern und jede schreckliche Entwicklung zu verhindern, die sich jemals ereignet hat. Schenkt man nämlich ihren Notizen Glauben, dann ist die Zeitlinie eben doch klar bieg- und veränderbar. Will Nora also den großen Reset-Knopf drücken? Und, wenn ja, wo wird sie ansetzen? Vielleicht sogar bei ihren Großeltern, Nora und Henry Allen, bevor diesen ein schlimmes Schicksal widerfahren ist? Dass diese Gedankenspiele nur nach hinten losgehen können, dürfte uns allen klar sein. Das Autorenteam darf sich in dieser Richtung aber gerne ein wenig austoben, vor allem eine permanente Rückkehr von Thawne wäre nicht uninteressant. Vielleicht sogar als der eigentliche Staffelbösewicht...
Fazit
Die Verantwortlichen von The Flash wissen, was ihre Serie ausmacht und liefern mit der Jubiläumsfolge What's Past Is Prologue eine wunderbare Mixtur aus den Stärken des Superheldendramas ab. Große Emotionen, smarte Querverbindungen, eine Prise an popkulturellen Referenzen („clever girl...“) und ein paar charmante Anspielungen für Comicleser - die Mischung macht's, selbst, wenn der Plot um Bösewicht Cicada niemanden wirklich hinter dem Ofen hervorlocken kann und Chris Klein auf der Nicolas Cage-Skala des fragwürdigen Schauspiels tatsächlich weiterhin neue Höhen erklimmt. Kann man darüber jedoch hinwegsehen, dann trifft einen „What's Past Is Prologue“ mehrfach ganz hervorragend ins Herz. Der Ausflug zurück in die Vergangenheit hat sich gelohnt und markiert gleichzeitig ein gelungenes Midseason-Finale für die fünfte Staffel von The Flash.
Midseason-Finale? Rein theoretisch schon, denn eigentlich sind wir mit den regulären Episoden von „The Flash“ für dieses Jahr jetzt durch. Ein großer Programmpunkt ist aber noch offen: Das Crossover-Event „Elseworlds“, das über drei Tage vom 9. bis 11. Dezember in „The Flash“, Arrow und Supergirl auf The CW zu sehen sein wird. Auch am Ende von „What's Past Is Prologue“ gibt es den gleichen Teaser wie bereits zuvor in der „Arrow“-Folge Unmasked und in der „Supergirl“-Folge Bunker Hill zu sehen. Kollege Adam Arndt hat das Ganze hier noch einmal zusammengefasst. Zu finden ist dieser Teaser unter anderem hier. Auf SERIENJUNKIES.DE® wird es übrigens zum kompletten Crossover-Event „Elseworlds“ Reviews geben.
Der Trailer zum Arrowverse-Crossover-Event „Elseworlds":
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 5. Dezember 2018The Flash 5x08 Trailer
(The Flash 5x08)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x08
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