The Flash 4x23

© rant Gustin in „We Are the Flash“ (c) The CW
Es war ein wunderbar unterhaltsamer Aufgalopp in Richtung Finale, den man uns mit Think Fast, der 22. Episode der vierten Staffel von The Flash, in der letzten Woche präsentierte. Die Hoffnung war groß, dass man das unerwartete Momentum und den Schwung aus dieser Folge erfolgreich mit in die Finalepisode We Are the Flash nehmen könnte. Leider muss man aber festhalten, dass dies den Serienmachern nicht so recht gelungen ist. Man probiert sich an einem wahrlich gewaltigen Schlussakt, bei dem das Wohl und Wehe der gesamten Weltbevölkerung auf dem Spiel steht.
Das sind in der Tat ungewohnt hohe Einsätze für eine Serie wie „The Flash“, in der zwar in der Vergangenheit auch um Dinge wie die Kontrolle über Zeit, Raum und das Multiversum gerungen wurde. Jedoch macht sich am Ende der vierten Staffel des Superheldendramas erneut eine Diskrepanz bemerkbar, zwischen dem, was die Serie so gern sein will, und dem, was letztlich zu Buche steht. Einen großen Anteil an diesem Ungleichgewicht und der teils seltsamen Eigenwahrnehmung hängt mit dem diesjährigen Staffelbösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands) zusammen. Anfangs klang die Idee, das Team mit einem Schurken zu konfrontieren, der mal kein Speedster ist und über andere Fähigkeiten als unser Titelheld verfügt, verlockend.
Purple haze
Doch die Autoren haben nur selten einen richtigen Zugang zu der bekannten Comicfigur gefunden, die nun am Ende dieser Staffel kurz davor steht, die komplette Menschheit zu unterjochen, nachdem er das Gehirn jedes einzelnen Erdenbewohners platt gemacht und neu aufgesetzt hat. Aber hat sich diese monströse Bedrohung je wirklich real und greifbar angefühlt? Leider nein. Viel zu oft präsentierte sich der zentrale Bösewicht dieser Staffel wie ein fades Nebenprodukt, wodurch man als Zuschauer gleich viel weniger angesprochen und involviert wurde. Das war bei Kandidaten wie dem Reverse-Flash, Zoom und in Teilen auch Savitar anders, selbst wenn in diesen Geschichten mit der Zeit einige Abnutzungserscheinungen zu erkennen waren. Nun macht man also einen Haken hinter DeVoe, und ich bin sicherlich nicht der einzige, der das gut findet. Dieses Experiment hatte seine Höhen und Tiefen, den Versuch, etwas Neues zu wagen, rechne ich dem Autorenteam jedoch hoch an, selbst wenn am Ende nicht alles so verlaufen ist, wie man es sich wahrscheinlich erhofft hatte.
In your head
Was nun in „We Are the Flash“ folgt, ist das Ende des Thinker, der nach einem langwierigen Konflikt von Team Flash unter fleißiger Mithilfe von DeVoes Ehefrau Marlize (Kim Engelbrecht) besiegt werden kann. Ein erwartbares Ende, was aber keine Kritik sein soll. Das Finale muss sich jedoch ankreiden lassen, dass der Plot bisweilen furchtbar unfokussiert riesige Sprünge macht. So entsteht mehr als einmal der Eindruck eines äußerst wirren Abschlusses dieser Erzählung, in der vieles am Ende genau so passt, wie es für die Fortführung der Serie gerade am besten ist. Auch das ist völlig legitim, jedoch ist es „The Flash“ schon weitaus eleganter gelungen, ein Staffelfinale zu bestreiten und die Schleife um eine Staffel zu machen.
Um DeVoe, der kurz vor der Vollendung seines Masterplans und dem Beginn des neuen „Zeitalters der Aufklärung“ steht, aufzuhalten, kann das Team nun auf die Unterstützung von Marlize DeVoe bauen. Ihre Idee: Barry (Grant Gustin) taucht in den Geist von Clifford DeVoe ein (die „Inception“-Anspielung übernimmt Cisco höchstpersönlich), in dem er nach dem letzten Rest des „guten“ Clifford suchen soll, der von seiner bösen Seite und der dunklen Materie korrumpiert wurde. Entscheidend bei diesem Plan ist die hochschwangere Cecile (Danielle Nicolet), denn dank deren telepathischer Fähigkeiten kann Barry erst in das Bewusstsein des Thinker entsendet werden. Sobald Cecille jedoch ihre Tochter gebärt, droht Barry im Kopf des Thinker festzustecken, da sie dann ihre Metahumankräfte verliert. Wir erinnern uns: Erst durch ihre Schwangerschaft wurden diese freigesetzt. Und weil das Team noch nicht genug Zeitdruck hat, tickt im Hintergrund natürlich auch der Countdown, mit dessen Ende die komplette Verdummung der Menschheit besiegelt wird.
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Attack of the clones
Wenn man sich nur anschaut, was die Macher in den ersten zwei Dritteln der Episode für Verrenkungen unternehmen und wie viel Plot man zusammenquetscht, um die Geschichte um den wahnsinnigen Clifford DeVoe zu einem Ende zu bringen, dann kommt man nicht umher festzustellen, dass sich die Verantwortlichen eine ganze Menge vorgenommen haben. Oder anders gesagt: zu viel. Und das schlägt sich auf die allgemeine Qualität der Folge nieder, die teils unfassbar chaotisch erscheint und alles zusammenwirft, was sich gerade so am Ende der vierten Staffel von The Flash noch so finden lässt, um sich dem Problem Clifford DeVoe zu entledigen. Als Zuschauer kann ich all den wirren Auswüchsen zwar irgendwie folgen, es überfordert einen aber auch. Da wäre mir eine geradlinigere und vor allem fokussiertere Auflösung wesentlich lieber gewesen.
Aber gut, man hat sich für ein wildes, wechselhaftes Finale entschieden, in dem Barry es schließlich mit einer ganze Horde von Clifford DeVoes zu tun bekommt, der wiederum Team Flash ganz bewusst so gesteuert hat, dass sie ihm Barry auf dem Silbertablett servieren. Sollte dieser nämlich nicht aus dem Bewusstsein DeVoes entkommen können, dann wird er - wie schon so viele andere Metahumans vor ihm - einfach assimiliert. Doch hier liegt auch eine Schwachstelle des Thinker: In seinem Geist lebt zum Beispiel auch Ralph Dibny (Hartley Sawyer) weiter. Sollte diesem wiederum die Flucht gelingen, dann würde Clifford DeVoe in sich zusammenfallen, da es erst Dibnys Fähigkeiten gewesen sind, die ihm Stabilität gegeben haben. Gesagt, getan. Und so sehen wir eine letzten Endes doch recht einfach anmutende Lösung für den ganzen Ärger, den Clifford DeVoe uns und Team Flash beschert hat.
Heal the world
Gelinde gesagt lässt mich persönlich all dies aber schrecklich kalt. Selbst als Clifford noch einmal wiederaufersteht, in Form eines Hologramms, und Marlize dann höchstpersönlich den Stecker zieht, mag sich nicht so recht eine Emotion in mir regen. Für die Bedrohung, die der Thinker dargestellt hat, vor allem in den letzten Episoden, als sein fieser Plan nicht mehr so vage wie zuvor war, ist sein Ende erschreckend banal. Ja, das Team hat gemeinsam triumphiert und wie erwartet seine Kraft aus dem starken, emotionalen Band gezogen, das sie alle miteinander verknüpft. Das ist eine grundsolide Botschaft, passend zur der Philosophie, die „The Flash“ von Beginn an vertreten hat. Wenn die Serienmacher aber erwarten haben, dass man am Ende völlig mitgerissen und mit großen Augen den Sieg von Team Flash über Clifford DeVoe miterlebt, dann muss ich sie leider enttäuschen.
Finding the good
Während der Plot um den Thinker also eher weniger überzeugt und Marlize sich kurz und knapp von dem Team verabschiedet, um wieder ihren Überzeugungen aus der Vergangenheit zu folgen, lohnt es sich in We Are The Flash weitaus mehr, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die zwischen den arrivierten Charakteren vorfallen. Das Wiedersehen zwischen Barry und seinem „Lehrling“ Ralph (nur die wenigsten haben wohl geglaubt, dass dieser wirklich tot ist) ist nett, wenn auch im Stile einer „Deus Ex Machina“ - genau zum richtigen Zeitpunkt und äußerst passend, um dem Thinker Einhalt zu gebieten. Ein persönliches Highlight stellt derweil die sehr berührenden Szenen zwischen Cisco (Carlos Valdes) und Harry (Tom Cavanagh) dar, welche schlichtwegs unter die Haut gehen. Von Harry ist mental nicht mehr viel übrig und interessanterweise kritzelt er nun die gleichen Symbole an die Tafel, die auch Barry wie wild aufgezeichnet hat, nachdem er aus der Speed Force zurückgekehrt ist. Darüber hinaus spricht Harry in ähnlichen wirren Zungen, woraus man schließen kann, dass die mysteriöse Speed Force einen größeren Einfluss hat, als bisher angenommen.
Neben dieser wertvollen Informationen ist es aber allen voran das emotionale Zusammenspiel von Tom Cavanagh und Carlos Valdes, das hier heraussticht. Man merkt Cisco seine Machtlosigkeit ob des Intelligenzverlustes seines Freundes an, was dem Ganzen einen äußerst tragischen Unterton gibt. Umso ergreifender ist dann der Moment, als Harry „wiederhergestellt“ werden kann und Cisco gegenüber seine Dankbarkeit ausdrückt, ihn nicht aufgegeben zu haben. Zunächst war ich etwas skeptisch, denn dank einer kleinen Gerätschaft von Marlize soll es möglich sein, Harry zu heilen. Ist seine interessante Entwicklung zu einem „neuen Harry“ also umsonst gewesen? Nein, denn die Macher versetzen ihn nicht zurück in seinen Urzustand zu, sie halten seinen Verfall nur auf und heben ihn auf ein durchschnittliches, geistiges Niveau. So bleibt uns ein Harry erhalten, der eine neue Facette von sich ergründet hat und dieser nun besondere Aufmerksamkeit schenkt.

A new balance
Abgesehen von der extrem charmanten Momentaufnahme zwischen Harry und Cisco inklusive Spock-Zitat aus „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ (ganz knapp daneben, liebe Iris...), kann man jetzt natürlich auch spekulieren, wie es mit dem Charakter von Tom Cavanagh weitergehen wird, entsteht hier doch der Eindruck, dass er sich für längere Zeit verabschieden könnte, um Zeit mit seiner Tochter auf Earth-Two zu verbringen. Showrunner Todd Helbing hat aber bereits verlauten lassen, dass Harrison Wells auch in der fünften Staffel von The Flash mit von der Partie sein wird, dann aber in einer anderen Form, als wir ihn bisher gesehen haben. Wir können wohl davon ausgehen, dass Wells' neues Wesen und seine empathischere Lebensart eine zentrale Rolle dabei spielen wird.
Das letzte Drittel der Episode We Are The Flash wird ohnehin dafür genutzt, um schon einmal eine kleine Brücke zur kommenden Staffel zu bauen sowie den verschiedenen Charakteren ein paar nette Momente zu geben, die in gewisser Weise als Fanservice durchgehen. Cecille und Joe (Jesse L. Martin) - der im direkten Duell mit dem Thinker übrigens eindrucksvoll seine Willenskraft bewiesen hat, alles für seine Familie zu opfern - sind nun zum Beispiel glückliche Eltern einer kleinen Tochter namens Jenna Marie West. Auch Wally stattet dem neuen Familienmitglied einen Besuch ab und führt ein sehr interessantes Gespräch mit seinem Vater, wie wohl er sich doch im Kreise der Legends of Tomorrow fühlt, bei denen er endlich er selbst sein kann.
One of a kind
Vielleicht interpretiere ich zu viel in diesen Dialog hinein, doch Keiynan Lonsdale hatte als Wally West nie wirklich seinen richtigen Platz in „The Flash“ gefunden. Der Wechsel zu „Legends of Tomorrow“, in dem er in der sehenswerten dritten Staffel immer wieder zu sehen war, hat ihm gutgetan. Möglicherweise steckt aber noch mehr hinter der Aussage des offen bisexuellen Schauspielers, der mittlerweile in einer Serie mitwirkt, die in ihrer dritten Staffel zu einem unerwarteten Sprachrohr der LGBT-Gemeinde geworden ist.
Family matters
Familie wird großgeschrieben in diesen letzten Zügen dieser Folge, und so ist schon fast etwas zu verräterisch, wie ein erneuter Auftritt des „Mystery Girl“ - gespielt von Jessica Parker Kennedy - vorbereitet wird. Jene hatte Barry zuvor bei der Zerstörung eines abstürzenden Satelliten über Central City entscheidend unter die Arme gegriffen (und offensichtlich für einen Moment auch die Zeit zurückgedreht) und stellt sich dem verdutzten Team nun als Nora West-Allen vor - die zukünftige Tochter von Barry und Iris (Candice Patton). Diese Enthüllung ist wenig überraschend, einzig die Frage, um welchen Grad der Verwandtschaft es sich zwischen Barry, Iris und Nora gehandelt hat, musste noch geklärt werden. Nora verrät der versammelten Mannschaft nun, dass sie einen großen Fehler begangen hat und Hilfe braucht, diesen wieder geradezurücken.
Möglich, dass es sich „nur“ um die Manipulation der Zeit handelt, als sie ihrem Vater bei der Zerstörung des Satelliten geholfen hat, was wiederum das ganze Raum-Zeit-Gefüge gestört haben könnte. Wir wissen ja: Mit der Zeit spielt man nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Problem größerer Natur ist, immerhin ist Nora immer wieder im Laufe der vierten Staffel zu sehen gewesen und nicht nur am Ende. Es ist denkbar, dass es sich um ein generelles Problem handelt, das auf das beliebte Thema Zeitreisen zurückgeht. Bereits jetzt könnte man ein Fass aufmachen, ob Nora überhaupt je existieren wird, nachdem Barry und Iris nun wissen, dass sie eine Tochter haben werden. Wird dieses Wissen ihre Entscheidung, Kinder zu haben, beeinflussen? Zeitreise-Chaos, ick hör dir schon trapsen... Doch das heben wir uns besser für die fünfte Staffel von The Flash auf. Am Ende von We Are the Flash hat man irgendwie einen Schlussstrich unter dem Kapitel The Thinker gezogen, uns noch ein paar herzerwärmende Charaktermomente serviert sowie die verzwickte Fortsetzung der Serie angedeutet.
Wie haben Euch das Finale und die vierte Staffel von „The Flash“ im Allgemeinen gefallen?
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 23. Mai 2018The Flash 4x23 Trailer
(The Flash 4x23)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x23
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