The Flash 5x01

© ??The Flash“ (c) The CW
Am Ende der vierten Staffel von The Flash, kurz nachdem es dem Team gelungen war, den wahnsinnigen Thinker aufzuhalten, haben die Serienmacher die Katze aus dem Sack gelassen und das bestätigt, was sich viele Zuschauer bereits längere Zeit gedacht hatten: Das von Jessica Parker Kennedy gespielte „Mystery Girl" - so die offizielle Rollenbeschreibung für den Charakter in der letzten Staffel - entpuppte sich doch tatsächlich als Nora West-Allen, die Tochter von Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton). In der Zukunft sorgt Nora, benannt nach Barrys Mutter, als Speedster XS für Recht und Ordnung, ist sie doch in die großen Fußstapfen ihres legendären Vaters getreten, um Central City vor allerlei Übel zu beschützen.
Zu Beginn der neuen Staffel und der Episode Nora lässt man uns glauben, dass Nora in der Zeit ihrer jungen Eltern feststeckt und schnellstmöglich zurück in die Zukunft („Marty!“) muss, bevor durch ihre Anwesenheit die Zeitlinie korrumpiert und irreparabel verändert wird. Wie sich im Verlauf der Episode jedoch zeigt, hat es die junge Superheldin aber aus einem anderen Grund in die Vergangenheit beziehungsweise Gegenwart verschlagen. Und zwar, um herauszufinden und womöglich auch zu verhindern, warum The Flash in der nicht allzu weit entfernten Zukunft eines Tages komplett von der Bildfläche verschwunden ist und in der Folge für 25 Jahre nicht mehr gesehen wurde...
How bizarre!
Somit ist der erste größere, übergeordnete Handlungsstrang dieser neuen Staffel etabliert, mit dem wiederum ein paar klassische Erzählmechanismen einhergehen. Zum einen, dass Barry sein zukünftiges Verschwinden für mehr als 20 Jahre zunächst vor seinem Team geheimhält - ein mittlerweile mehr als typisches Verhalten unseres Protagonisten, der es inzwischen eigentlich besser wissen sollte... Doch die Autoren wollen offensichtlich diesen Konflikt und dass Barry sich in absehbarer Zeit, nachdem er sich erst einmal allein den Kopf über dieses Mysterium zerbrochen und seine Liebsten von sich ferngehalten hat, Iris und Co öffnet, mit der Wahrheit herausrückt und das Team gemeinsam nach Antworten sucht.
In diesem Fall könnte das F in Schema F doch tatsächlich für „Flash" stehen, denn besonders neu oder originell ist diese Idee der Macher nicht. Auch der Einfall, aus Nora die Schülerin von Barry zu machen, der sich abermals als Mentor beweisen darf, ist etwas ausgelutscht. Es spricht rein logisch nichts dagegen, diesen Weg zu gehen, es bietet sich ja nahezu perfekt an. Doch als langjähriger Zuschauer ist man mit all diesen Entwicklungen bestens vertraut, so sehr sogar, dass es ein Stück weit ermüdend sein kann, wenn sich die Verantwortlichen bei ihren Plots im Grunde genommen einfach nur wiederholen. Die handelnden Charaktere werden eben ausgetauscht, an der Formel ändert sich jedoch leider nicht sehr viel, wenn überhaupt etwas.
Doch vielleicht kann das Thema eigene Familie ja ein paar neue, frische Aspekte freisetzen, ist es doch eine nie dagewesene Situation, die sich zu Beginn dieser Staffel ergibt. Der Faktor Nora, die mit ihrem Wissen aus der Zukunft für reichlich Scherereien sorgen könnte, ist nicht zu unterschätzen. Sowohl mit Blick auf die Entwicklung der Geschichte als auch hinsichtlich der emotionalen Effekte, die ihre Präsenz auslöst. Für Iris und Barry ist das Aufeinandertreffen mit ihrer erwachsenen Tochter Segen und Fluch zugleich. Natürlich ist es für sie schön zu sehen, dass sie diesen Menschen in die Welt gesetzt haben, stolze Elterngefühle lassen sich da kaum unterdrücken. Es ist aber auch eine schwierige Herausforderung, richtig mit diesem unverhofften Familientreffen umzugehen.

Spoiler alert!
In Nora widmet man sich ausgiebig dieser Problematik, was eine Handvoll sympathischer Charaktermomente zur Folge hat, in denen die Figuren abwägen, welche Vor- und Nachteile der Besuch von Nora hat. Hier zeigt The Flash, dass man nach wie vor das Herz am rechten Fleck hat. Auch wenn man sich regelmäßig an der Grenze zur Melodramatik bewegt (und daran wird sich sehr wahrscheinlich auch nicht mehr viel ändern), hört man Candice Patton und Grant Gustin doch gerne zu, wie sie Einblicke in die komplexe Gefühlswelt ihrer beiden Charaktere geben. Erneut könnte man das Argument anbringen, dass sie inzwischen weiser sein sollten, nach all den Dingen, die ihnen bereits widerfahren sind. Doch, dass sie von ihrer Emotionen überwältigt werden, ist durchaus verständlich, immerhin handelt es sich um ihre Tochter, die hier leibhaftig vor ihnen steht.
Neben dem familiären Element der Episode, bei dem man bisweilen ein Auge zudrücken muss und sich nicht zu sehr daran aufreiben sollte, dass Herz über Verstand triumphiert, präsentiert man uns dann ganz klassisch noch einen Metahuman der Woche, genauer gesagt den Superschurken Gridlock, den es aufzuhalten gilt. Im Endeffekt dient dieser Subplot dazu, um Nora mit ins Boot zu holen und sie als Lehrling von Papa Barry zu positionieren. Die große Actionsequenz um ein abstürzendes Flugzeug, dass die drei Speedster The Flash, Kid Flash und XS gerade noch so durch ein paar Gebäude phasen können, ist recht kurzweilig, wenn auch ein wenig quatschig, überlegt man doch nur einmal ein bisschen genauer, wie genau der Plan von Fiesling Gridlock letztlich ausgesehen hat. Aber durch seine Fähigkeiten - er kann kinetische Energie absorbieren und speist daraus seine Superkraft - wäre ihm bei dem Absturz des Fliegers bestimmt nichts passiert.
So weit, so gewöhnlich. Zusätzlich hat man noch ein wenig Spaß, Ralph (Hartley Sawyer) die grenzenlosen Möglichkeiten von Zeitreisen ergründen zu lassen. Sollte dies tatsächlich möglich sein, dann ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht mal so gering, dass es auch andere Versionen der Realität gibt, ja sogar viele verschiedene Welten und Erden, auf denen alles anders ist. Wie verrückt wäre denn die Existenz eines sogenannten Manyverse? Welch revolutionäres Gedankenspiel! Und was für ein alter Hut für den Rest des Teams, die natürlich schon lange im Bilde sind. Eine einführende, alles erklärende Broschüre, wenn man Team Flash beitritt, wäre vielleicht wirklich keine schlechte Idee...
Part of something greater
Was bereits am Ende der letzten Staffel immer wieder ein Thema gewesen ist und auch hier erneut aufgewärmt wird, ist Caitlins (Caitlin Panabaker) duale Persönlichkeit und der Ursprung ihrer anderen Hälfte, der eiskalten Killer Frost. Dieser Nebenhandlungsstrang hat nach wie vor Potential und wird die Charaktere aller Voraussicht nach weiterhin begleiten. Ein erster Anhaltspunkt stellt Caitlins Vater dar, der womöglich gar nicht verstorben ist und ihr eine Antwort auf die Frage geben könnte, wie aus ihr Killer Frost geworden ist, trägt sie die Metahuman-Facette doch bereits seit Kindesbeinen in ihr. Diese Geschichte weckt durchaus mein Interesse, es bleibt jedoch abzuwarten, ob man nicht zu stiefmütterlich und oberflächlich an das Thema herangeht, wie es in Staffel vier leider immer wieder der Fall gewesen war.
Auf keinen Fall vergessen dürfen die Macher dann auch nicht ihren zentralen Bösewicht der Staffel, namentlich Cicada, der von Chris Klein gespielt wird. In den Comics hört Cicada auf den bürgerlichen Namen David Hersch und, nachdem dieser von einem Blitz getroffen wurde, besitzt er die Fähigkeiten, anderen Menschen die Lebenskraft auszusaugen und selbst davon zu zehren, wodurch er praktisch unsterblich ist. Rein optisch hinterlässt er jetzt mit seinem schlichten Outfit und zwei blitzförmigen Dolchen einen soliden ersten Eindruck, wenngleich das Erscheinungsbild etwas gewöhnlich daherkommt. Cicada hat es offensichtlich auf Metahumans abgesehen (armer Gridlock...), will diese austilgen und stellt somit eine neue Art der Bedrohung für Team Flash dar. Okay. Schauen wir mal.
Fazit
Insgesamt startet The Flash eher verhalten und weder richtig gut noch richtig schlecht in seine fünfte Staffel. Jessica Kennedy Parker fügt sich als leicht verpeiltes, herzensgutes Energiebündel Nora gut ins Ensemble ein, das sich wie gewohnt gekonnt die Bälle zuspielt. Über den neuen Anzug von Barry lässt sich derweil durchaus streiten (der übrigens von Ryan Choi entworfen wurde, ein Schüler von Ray Palmer, der später zum Superhelden The Atom wurde), während es an der Superschurkenfront vergleichsweise ruhig losgeht. Einzig die eklatante Formelhaftigkeit der Serie raubt dem Staffelauftakt eine ganze Menge Energie, wodurch sich viele Szenen etwas leer und trivial anfühlen. Hoffen wir in dieser Hinsicht auf Besserung.
Trailer zur „The Flash"-Episode 5x02, „Blocked":
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 10. Oktober 2018The Flash 5x01 Trailer
(The Flash 5x01)
Schauspieler in der Episode The Flash 5x01
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