The Flash 4x22

© as Team in „Think Fast“ (c) The CW
Es war ein langer, nicht immer vollends zufriedenstellender, hier und da durchaus unterhaltsamer, in seiner Gänze aber eher wechselhafter Weg bis zu diesem Punkt der vierten Staffel von The Flash: Der große Abschluss der Geschichte um Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands) steht unmittelbar bevor - und die Macher des Superheldendramas werfen nun noch einmal alles in die Waagschale, was ihnen zur Verfügung steht. Die Episode Think Fast stellt dabei den ersten Teil der finalen Konfrontation von Team Flash und dem omnipotenten Superschurken dar, bevor man nächste Woche die Schleife um diese vierte Staffel macht.
Der Anfang vom Ende ist äußerst vielversprechend, hat „Think Fast“ doch all das zu bieten, was man in dieser entscheidenden Phase von „The Flash“ sehen will. Nachdem man den zentralen Plot bisweilen furchtbar breitgetreten hat und viel zu oft viel zu wenig Fortschritt in der Geschichte erzielen konnte, worunter wiederum das Pacing der Staffel gelitten hatte und immer wieder Langeweile aufgekommen war, schießt man nun aus allen Rohren. Vom Startblock weg lädt man die Zuschauer zu einer aufregenden, abwechslungsreichen Erzählung ein, die an und für sich vielleicht ein wenig überladen ist, insgesamt aber vor allem ein essentielles Ziel erfüllt: „Think Fast“ macht verdammt viel Spaß.
Running out of time
Darüber hinaus ist das Drama mehr als greifbar, während sich der Cast geschlossen in sehr guter Form präsentiert. So schnürt man letztlich ein rundes Gesamtpaket, das sich durchweg extrem unterhaltsam und teilweise überraschend facettenreich gestaltet. Und hier liegt wohl auch die große Stärke dieser Folge: Die bunte Mischung an unterschiedlichen Aspekten - ob nun eher actionlastigere Szenen, humorvolle Einlagen oder vergleichsweise sehr ehrliche, emotionale Charaktermomente - ist Trumpf. „The Flash“ hat in der Vergangenheit bewiesen, dass man derartig ambitionierten Herausforderungen gewachsen ist, für viele Zuschauer ist diese Fähigkeit, eine kurzweilige Kombination von verschiedensten Facetten zu erzeugen, indes einer der Gründe, dem Format die Treue zu halten. Es freut mich, dass dies den Verantwortlichen nach längerer Zeit in „Think Fast“ mal wieder richtig gut gelingt.
Let there be light
Allein der Auftakt der Episode ist verheißungsvoll, stürzt man sich doch ohne weitere Umwege direkt in die Handlung - und wie. Clifford DeVoe will um jeden Preis an Neil Borman aka Fallout ran, um dessen nukleare Energie für seine Zwecke zu nutzen. Also infiltriert er getarnt als John Diggle (Gastdarsteller David Ramsey, der wenig später auch seinen bekannten Running Gag zum Besten gibt, wenn seine Figur denn mal in „The Flash“ zu sehen ist...) eine geheime A.R.G.U.S.-Einrichtung, in der er die ansässigen Sicherheitskräfte dann zu klassischer Musik komplett auseinandernimmt. Die Sequenz ist wie ein schreckliches Medley der Metahuman-Kräfte des übermächtigen DeVoe, der sich kaltblütig seinen Weg durch eine Ansammlung von bemitleidenswerten Fußsoldaten bahnt.
Zum einen ergibt sich ein beängstigendes Bild von dem verrückten Professor, der die Welt nach seiner Vorstellung formen will und keine Gnade kennt. Zum anderen ist all dies ein inszenatorisches Sahnestück von Regisseur Viet Nguyen, im wahrsten Sinne hervorragend orchestriert und vollends mitreißend. Die Szene funktioniert schon fast wie eine Art Wachmacher gleich zu Beginn der Folge, um uns deutlich zu machen, dass es nun wirklich ans Eingemachte geht und das ganze Hin und Her aus den Vorwochen passé ist. Jetzt gilt es. Und eindrucksvoller kann man diese Aussage wohl nicht unterstreichen.
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Storming the castle
Von da an geht es in Think Fast munter weiter, nehmen die Serienmacher doch nur selten den Fuß vom Gaspedal. Und wenn, dann, um uns gute bis sehr gute Momente zwischen den verschiedenen Charakteren zu präsentieren, die in der aktuellen Notsituation schon einmal ein wenig aneinandergeraten. Das Team teilt sich zunächst auf: Barry (Grant Gustin), Cisco (Carlos Valdes) und Caitlin (Danielle Panabaker) arbeiten an einer Lösung, um DeVoe direkt aufzuhalten, bevor dieser seine nukleare „Metahuman-Batterie“ Neil Borman vollständig aufgeladen hat und seinen fiesen Masterplan, die Menschheit komplett zu verdummen, in die Tat umsetzen kann. Iris (Candice Patton) und Harry (Tom Cavanagh) verfolgen indes Plan B: Sie glauben, dass Marlize der Schlüssel zum Erfolg sein könnte. Diese hat sich zuletzt von ihrem Mann distanziert, ist möglicherweise aber nach wie vor die größte Schwachstelle, die Clifford DeVoe hat.
Barry, Cisco und Caitlin gehört der Löwenanteil der Folge, von Erfolg gekrönt ist ihr Vorhaben aber nicht wirklich. Zunächst möchte das Trio gemeinsam Barrys Kräfte und die Speed Force nutzen, um DeVoe, der mehrere Geiseln genommen hat, ein Schnippchen zu schlagen. Der Plan ist jedoch äußerst riskant, was Barry mal wieder daran zweifeln lässt, ob er es verantworten kann, seine Freunde in Lebensgefahr zu bringen. Cisco liest ihm jedoch gehörig die Leviten: Barry ist nicht der einzige, der herbe Verluste hat hinnehmen müssen. Als Mentor von Ralph hatte er natürlich eine besondere Beziehung zu diesem. Aber auch jedes andere Mitglied von Team Flash, ob Cisco, Caitlin oder wer auch immer, hat Opfer erbracht und leiden müssen. Und es ist eben auch nicht Barrys alleinige Entscheidung, ob sie nun in den Kampf gegen den Thinker ziehen oder nicht. Das entscheiden seine Freunde aus freien Stücken und sind sich völlig im Klaren darüber, welche Konsequenzen all dies haben könnte.
Boost
Es ist nicht das einzige Mal, dass The Flash in dieser Folge äußerst pathetische Töne anstimmt, aber es funktioniert. Der Gemeinschaftsgedanke von Team Flash, dass alle in dem gleichen Boot sitzen und zusammen triumphieren oder eben untergehen werden, entfaltet eine besondere Kraft, die sich auf den Zuschauer überträgt. Bedingt wird dies natürlich durch den scheinbar nicht zu stoppenden Widersacher und dass sich demnächst wirklich alles entscheiden wird. Es entsteht definitiv der Eindruck, dass etwas auf dem Spiel steht, was die Erzählung mitreißend und Ciscos flammende Ansprache so effizient macht. Das Team ist an Bord, ebenso wie das Publikum vor der Mattscheibe.
The key
Auch hier zeigt sich: Man setzt auf die unbestrittenen Stärken des Formats - den Cast, das hervorragende Zusammenspiel der Darsteller und das Team innerhalb der Serie, das seine Kraft aus der familiären Einheit zieht, die man ist. Trotz der letzten Tiefschläge und aktuellen Schwächungen trägt jeder seinen Teil dazu bei, die Hoffnung am Leben zu erhalten. Das beste Beispiel dafür ist Harrison Wells, der sich gezwungenermaßen neu erfinden muss und nun aus einem anderen Blickwinkel nach Lösungsansätzen sucht. Seine neu entdeckte Empathie und das Verständnis für andere Menschen sorgen dafür, dass Iris letztlich einen Zugang zu der verbitterten, desillusionierten Marlize (Kim Engelbrecht) bekommt. Das Motiv der letzten Wochen wiederholt sich: In der Fähigkeit, menschlich und empathisch sein, Gefühle zeigen zu können sowie optimistisch an die Menschheit und ihr gewaltiges Potential zu glauben, liegt die richtige Antwort auf die fatalistischen, kalten und skrupellosen Ansichten von Clifford DeVoe.
Am Ende der Episode, als Iris und Harry Marlize davon überzeugen wollen, dass sie doch mal jemand anderes war und sie nach wie vor diese Person ist, die an die Menschheit glaubt und von Clifford korrumpiert wurde, wird es ein weiteres Mal recht pathetisch. Erneut geht die Rechnung aber auf, auch, weil Szenen wie diese in „Think Fast“ wohldosiert und über die Handlung clever verteilt sind. Darüber hinaus hilft es, dass man sich auch immer wieder eine Auszeit von diesen emotional schweren Momentaufnahmen nimmt, indem man sich zum Beispiel in eher amüsantere Gefilde „flüchtet“. Diese dienen wiederum an den genau richtigen Stelle als gekonnte Auflockerung und tragen zur generellen Leichtigkeit sowie dem Optimismus bei, den die Serie stets ausgezeichnet hat.
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Blank slate
Beispiel Harry: Seine Geschichte zum Ende der vierten Staffel von The Flash ist furchtbar tragisch, wird sein geistiger Verfall doch immer schlimmer. Doch man findet ihn diesem Drama auch eine Art positive Seite, mit seiner neuen Entwicklung als Charakter. Dabei präsentiert er sich mehrfach sehr drollig und heimst einige wunderbare Lacher ein („We can have tea!“). Zwar kann man darüber diskutieren, ob man seine Senilität dadurch etwas ins Lächerliche zieht. Die Intention hinter den witzigen Szenen mit ihm erscheint mir jedoch genuin und eher herzlich, als würde man schamlos Profit aus seiner Leidensgeschichte schlagen wollen. Harry ist ein neuer Mensch. Er wird nicht stigmatisiert, er blüht in gewisser Weise sogar auf.
Ebenfalls sehr erfrischend ist, dass zum Beispiel auch ein Carlos Valdes immer wieder seine komödiantische Ader unter Beweis stellen darf. Es sind vielleicht nur kurze Augenblicke, doch das reicht schon aus, um für den Zuschauer sowohl den Plot etwas nahbarer und weniger finster zu machen als auch die Interaktion der Charaktere natürlicher zu gestalten. Wenn man Think Fast etwas anlasten kann, dann, dass man zum Ende der Staffel natürlich noch einmal allen Charakteren eine Bühne geben will, selbst denen, die in letzter Zeit eher nebensächlich waren. Doch auch hier findet man einen guten Mittelweg, eine „Bankdrückerin“ wie die hochschwangere Cecile (Danielle Nicolet) in die Handlung einzubauen. Hinzu kommt, dass sie und Joe (Jesse L. Martin) unverändert ein sehr charmantes Paar abgeben und die häuslichen Szenen der beiden ihren Anteil daran haben, dass wir immer mal wieder von den fiesen Machenschaften des Thinker wegkommen.
Frostbite
Durch das Schwangerschaftshormon Relaxin ist Cecile nun so weit, dass sich ihre Metahuman-Kräfte verändern und sie nicht nur Gedanken lesen, sondern sogar komplette Persönlichkeiten übernehmen kann. Das hat durchaus amüsante Folgen (siehe der verpeilte Pizzabote oder auch das wandelnde Nervenbündel Joe), nimmt aber auch Einfluss auf eine andere Nebenhandlung der Folge. Nachdem Cecile nämlich kurz die Identität von Caitlin angenommen hat, rät sie ihr, sich dem zu stellen, was tief in ihr steckt und mit dem sie sich bisher nicht auseinandergesetzt hat. Bereits zuvor hat sich Caitlin in psychiatrische Behandlung begeben (die Haus- und Hoftherapeutin von Team Flash verdient sich anscheinend eine goldene Nase mit ihnen), um herauszufinden, wie sie Killer Frost wieder freilegen kann. Und siehe da, die gemeinsame Geschichte der beiden geht bis in die Kindheit von Caitlin zurück, die schon damals über ihre zweite Persönlichkeiten verfügt hatte, lange vor der Explosion des Teilchenbeschleunigers in Central City.
And it was good
Dies ist eine spannende Entwicklung für den Charakter, die man in der vierten Staffel ganz nebenbei mal mehr und mal weniger vorangetrieben hat. Wie zuletzt schon einmal geschrieben, fand ich das Vorgehen in diesem Handlungsstrang leider etwas unausgewogen, das Interesse an dieser sehr persönlichen Geschichte von Caitlin ist von meiner Seite aus aber definitiv vorhanden. Nun könnte ich mir vorstellen, dass man Caitlins Trauma und Rehabilitation beziehungsweise das langsame Wiederaufleben von Killer Frost mit in die fünfte Staffel nimmt. Caitlin durchläuft immerhin einen komplexen Prozess der Selbstevaluation und muss sich mit scheinbar traumatischen Vorfällen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, die sie lange unterdrückt hat. Das geht mal nicht eben im Vorbeigehen.
Vielleicht plant man aber auch schon mit Killer Frost im kommenden Staffelfinale (was ich persönlich nicht so gut finden würde, weil die Entwicklung dann viel zu rasant wäre), in dem unsere Freude noch einmal alles mobilisieren müssen, um DeVoe das Handwerk zu legen. Zwar kann man einen seiner Satelliten zerstören, doch DeVoe übernimmt wenig später mit Leichtigkeit den Satelliten von S.T.A.R. Labs und drückt den Reset-Knopf für die gesamte Weltbevölkerung. Weg mit den Emotionen, weg mit der Empathie, weg mit der Liebe. All das sind Dinge, die den Menschen zurückhalten und ausbremsen. Unter seiner Führung wird es einen Neustart für die menschliche Spezies geben, die ihm für diese zweite Chance dankbar sein sollte. Was Barry und sein Team jetzt noch tun können, bleibt abzuwarten. Wie auch immer der Plan aussieht, Marlize wird dabei sicherlich eine große Rolle spielen. Gewissheit gibt es in der nächsten Woche, wenn die Macher von The Flash versuchen werden, den mit der sehr gelungenen Episode Think Fast eingeleiteten Schlussakt erfolgreich zu vollenden.
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Trailer zur „The Flash“-Episode 4x23, „We Are the Flash“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 16. Mai 2018The Flash 4x22 Trailer
(The Flash 4x22)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x22
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