The Flash 4x21

© aitlin (Danielle Panabaker) und The Flash (Grant Gustin) in „The Flash“ (c) The CW
Es gibt eine, nein, eigentlich gleich mehrere Szenen in der aktuellen The Flash-Episode Harry and the Harrisons, in denen die Charaktere kurz in sich gehen und zu der Erkenntnis kommen, dass sie den Problemen, die sie gerade beschäftigen, vielleicht mal aus einer ganz anderen Richtung begegnen sollten. Ob jetzt Harrison Wells (Tom Cavanagh), der seinem Intelligenzschwund Einhalt gebieten will, ob Caitlin (Danielle Panabaker), die Killer Frost nach wie vor nicht aufgegeben hat, oder ob das gesamte Team Flash, das sich den Kopf darüber zerbricht, was die Schwachstelle ihres Feindes sein könnte - allesamt haben bis hierhin sehr geradlinig nach Lösungen gesucht. Möglicherweise ist es aber ratsam, mal ein wenig um die Ecke zu denken und einen Weg einzuschlagen, mit dem niemand rechnet.
Ganz ähnlich scheint das Credo des Autorenteams für diese Folge von „The Flash“ gewesen zu sein, in der viele Dinge ein wenig anders ablaufen, als man es als Zuschauer eventuell erwartet hätte. Für den Mut, so kurz vor dem Staffelfinale die allgemeine Anspannung deutlich herunterzuregeln und uns im Gegenzug eine größtenteils unterhaltsame Geschichte zu präsentieren, hat man sich Respekt verdient. Natürlich nimmt man auch Bezug auf die fatalen Konsequenzen, die der Masterplan des Thinker haben könnte. Insgesamt gestaltet sich die Episode aber deutlich eher leichtfüßig denn schwerfällig, was an ein paar Darbietungen sowie eher klamaukigen Momentaufnahmen liegt.
Turning the tide
Aber genau hier liegt wiederum ein Problem, das nicht gerade wenige Zuschauer mit der Episode haben werden: Ist dies der richtige Zeitpunkt, um outside the box zu denken? Passt das Ganze zu dem generellen Ton, den man in den letzten Wochen angestimmt hat? Dieser war immerhin im Gegensatz dazu recht finster und pessimistisch... Auf der einen Seite geht der Kniff der Autoren, nun mal wieder verstärkt auf Spaß zu setzen, nicht komplett auf. Konkret der „Rat der Harrisons“ ist mir persönlich ein kleines Dorn im Auge. Auf der anderen Seite gefällt mir diese gefühlte Gegenbewegung im Vergleich zum Trübsal der letzten Wochen. Man zockt ein wenig und versucht sich an einer riskanten Balance, eine Geschichte irgendwo zwischen Ernsthaftigkeit (die Bedrohung durch Clifford DeVoe) und altbewährter Kurzweiligkeit zu erzählen. Ob dies gelingt, ist - rein objektiv betrachtet - aber natürlich extrem schwer einzuschätzen.
Simple Harry
Man kann „The Flash“ auf diesen letzten Metern der vierten Staffel durchaus den Vorwurf machen, dass einfach keine richtige Spannung aufkommen will, dass der gesamten Handlung die Dringlichkeit fehlt und dass man schlichtweg nicht wirklich abgeholt wird, um mit dem Team zu zittern, ob und wie man den Thinker aufhalten kann. Das ist ein hausgemachtes Problem, dem man weitaus früher hätte entgegenwirken müssen. Kurz vor der großen Auflösung kann man da leider nicht mehr viel tun. Die Verantwortlichen suchen nun aber die Flucht nach vorne, zur Seite oder eben in eine Richtung, die etwas überraschend kommt.
So gibt es zum Beispiel ein Wiedersehen mit diversen Doppelgängern von Harrison Wells, was bereits beim ersten Auftritt des „Rat der Wells'“ gemischte Reaktionen hervorgerufen hatte. Abermals ist es unterhaltsam, wie sich Tom Cavanagh austoben darf, abermals kommt man nicht umher festzustellen, dass das alles doch schrecklich albern ist. Als Zuschauer bin ich in diesem Moment etwas überfordert: Zum einen soll ich betroffen sein und dem Finale entgegenfiebern, zum anderen serviert man mir einen ulkigen Nebenplot, der der gegenwärtigen Lage jedwede Schwere nimmt. Missglücktes Kalkül oder ein cleverer Schachzug? Bisweilen glaubt man, dass es die Serienmacher selbst nicht wirklich wissen. Doch so seltsam und vielleicht sogar unpassend die Rückkehr der Wells-Doppelgänger ist, man bekommt irgendwie die Kurve - was ich persönlich nicht erwartet hätte.
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Be kind and rewind
Die zweite Garde (wenn überhaupt...) an Harrisons - bestehend aus einem französischen Poeten, einem lässigen Schaumschläger aus New Jersey und dem bereits bekannten Playboy - bringt den verzweifelten Harrison Wells nämlich auf die richtige Fährte, die sich bereits in den letzten Episoden ein wenig angedeutet hatte. Team Flash sollte nicht versuchen, den Thinker mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, sprich: mit tollen Plänen, basierend auf exorbitanter Gedankenkraft. Die Lösung liegt in einer Fähigkeit, die dem Thinker abgeht: Empathie. Die Herzlosigkeit von Clifford DeVoe ist dessen große Schwäche und zuletzt wurde immer wieder deutlich gemacht, dass Emotionalität und Empathie generell innerhalb von Team Flash der Schlüssel zum Erfolg sein könnten, um den Thinker zu besiegen.
Dies ist an und für sich ein schöner kleiner Twist, auch wenn unsere Freunde eine ganze Weile gebraucht haben, um darauf zu kommen, was sie auszeichnet und wodurch sie schon so viele Herausforderungen gemeinsam bewältigt haben. Für Harry persönlich ist dies ebenfalls eine wunderbare Erkenntnis, reduziert er sich doch selbst viel zu sehr auf seinen Intellekt. Auch in ihm schlummert ein großes Herz, wodurch er ein integrales Mitglied des Teams ist. Es braucht aber erst eine bunte Bande an Freigeistern, um ihn und den anderen die Augen zu öffnen. Erst so wird sich Team Flash bewusst, wie sie den Thinker attackieren können und was ihn aktuell davon abhält, seine Superwaffe auf die Menschheit zu richten: die gescheiterte Ehe mit seiner Frau Marlize - ein Umstand, mit dem der Thinker emotional sehr wahrscheinlich nicht umgehen kann.
Open your heart
Man zieht aus dieser doch eher komischen Nebenhandlung also eine wertvolle Lektion. Doch nicht nur die Szenen um Harry, seine Doppelgänger und Cisco (Carlos Valdes) dienen als Auflockerung in dieser Episode. Selbst die vermeintliche Hauptgeschichte, die sich der ehemaligen Schwarzmarkthändlerin Amunet Black widmet, driftet oft in Gefilde ab, die weniger ernsthaft anmuten. Aber auch hier baut man schlussendlich ein paar interessante Entwicklungen ein - insbesondere mit Blick auf Caitlins (Danielle Panabaker) aktuelles Dilemma -, die anfangs nicht absehbar sind. Aber der Reihe nach. Gastdarstellerin Katee Sackhoff ist eine Goldgrube der Schrulligkeit und legt so viel Elan in den speziellen Charakter von Amunet Black, dass ich mir ein breites Grinsen einfach nicht verkneifen kann. Die Figur bewegt sich aber auch oft hart an der Grenze, den Bogen komplett zu überspannen.
Open your mind
Wieder fragt man sich, ob zu viel Spaß in Anbetracht der Situation eventuell problematisch ist. Andererseits bringt Amunet Black etwas frischen Wind in die muffigen S.T.A.R. Labs, nachdem sich das Team auf Anraten von Caitlin dazu entschieden hat, die Fähigkeiten von Black zu nutzen, um die Satelliten des Thinker zu zerstören. Der „Schrotteimer“ von Amunet Black erscheint mir nach wie vor ziemlich lächerlich, doch es handelt sich ja nicht um irgendeinen Schrott. Das besondere Material, welches von Black munter manipuliert wird, ist die perfekte Antwort auf die Pläne des allmächtigen Thinker, der jede andere Art der Gegenwehr aufgrund seiner kumulierten Metahuman-Kräfte abschmettern kann. Man geht das Problem erneut von einer anderen Seite an und wappnet sich erfolgreich für die baldige Auseinandersetzung.
Der erneute Auftritt von Amunet Black mag ein wenig aus dem Nichts kommen, darüber hinaus wirkt der ganze Ärger um ihren ehemaligen Handlanger Norvock (Mark Sweatman) - dessen Metahuman-Fähigkeit ich weiterhin schlichtweg lachhaft finde - ziemlich aufgesetzt. Aber gut, bis zu diesem Zeitpunkt hat man etliche Möglichkeiten abgeklappert, um den Thinker aufzuhalten, in der Not wird man eben erfinderisch und klopft Optionen ab, die man zuvor nicht Erwägung gezogen, geschweige denn überhaupt im Sinn gehabt hätte. Das passiert zwar alles sehr plötzlich und am Ende fügt sich die Geschichte in Vorbereitung auf die Auflösung des Konflikts mit DeVoe ganz hervorragend zusammen. Irgendetwas muss sich das (Autoren-)Team jedoch einfallen lassen. Und dass Amunet Black wenig Lust darauf hat, ebenfalls verdummt zu werden, ist durchaus nachvollziehbar.

Different direction
Ein spannendes Nebenprodukt dieses Handlungsstranges sind derweil mal wieder Caitlins Bemühungen, die tief in ihr verborgene Killer Frost wiederzuerwecken. Sie hat zunächst die gewagte Idee, gemeinsame Sache mit Amunet Black zu machen - die Person wohlgemerkt, die Caitlin in der Vergangenheit übel mitgespielt hat. Caitlins Motivation ist jedoch eher egoistischer Natur, da sie sich von der Kooperation mit Amunet Black erhofft, an eine Gerätschaft zu kommen, mit der sie Killer Frost hervorrufen kann. Sicherlich kann man zwei Fliegen mit einer Klappen schlagen, da Amunet Black im Kampf gegen den Thinker von großer Hilfe sein könnte sowie möglicherweise eine Lösung für Caitlins persönliches Problem in petto hat. Man merkt Caitlin aber an, dass sie sich scheinbar gerade mehr den Kopf darüber zerbricht, wie sie Killer Frost zurückbekommt, als darüber, den Thinker zu schlagen.
Letztlich ist es aber alles reine Kopfsache, denn Caitlin braucht keine tolle Erfindung, um irgendetwas in ihrem Körper auszulösen. Sie allein ist in der Lage, Killer Frost zurückzuholen. Auch wenn man sich in Harry and the Harrisons mal wieder etwas intensiver mit dieser Thematik beschäftigt, hätte man meiner Ansicht nach zuletzt mehr aus Caitlins Geschichte machen können. Ich finde es aber gut, dass man an dieser Front am Ball bleibt und der schwierigen Situation für Caitlin Raum gibt, weiter zu existieren und sich weiter zu entfalten. Danielle Panabakers Schauspiel macht indes mehr als deutlich, was dem Charakter an seiner anderen, frostigeren Seite liegt. Dies sorgt für überraschend nachdenkliche Momente und einen netten Bonus für die Zuschauer.
On the same page
Einen Bonus beziehungsweise einen Vorteil erhält zum Ende der Episode dann noch Team Flash, nachdem ein Artikel von Iris (Candice Patton) unerwartete Folgen nach sich zieht. Iris wird von ihrer alten Leidenschaft gepackt und möchte in bester Reporter-Manier die Pläne des Thinker publik machen, um die Menschen vor der bevorstehenden, weltweiten Verdummung zu warnen. Barry (Grant Gustin) sieht darin wiederum ein Risiko, könnte dies doch zum Beispiel eine gefährliche Massenpanik nach sich ziehen. Beide Standpunkte sind nachvollziehbar, der kleine Konflikt zwischen den Eheleuten gestaltet sich letztlich aber unspektakulär und dient vor allem dazu, zu unterstreichen, dass das Duo stets an einem Strang ziehen wird, egal, wie viel Druck auf seinen Schultern lastet.
Iris veröffentlicht schließlich ihren Artikel und, siehe da, das Vertrauen in die Bevölkerung von Central City zahlt sich aus: Es trudeln diverse Hinweise ein, wo sich DeVoe aufhält, wodurch er sich nicht mehr so leicht verstecken kann. Es ist eine nette Idee, dass es am Ende womöglich das große Kollektiv ist, das über den wahnsinnigen Egomanen triumphieren wird. Etwas eigenartig ist das alles aber schon, denn DeVoe wird sich doch auf andere Art und Weise (außerhalb von Central City zum Beispiel) verstecken können oder etwa nicht? Und wenn man ganz ehrlich ist, dann klingt Iris' Blogartikel - verrückter Superschurke will Menschheit verdummen und nutzt dafür Satelliten, die aus dem Weltraum die Erde mit dunkler Materie bestrahlen - wie eine wilde Verschwörungstheorie, die plötzlich jeder für bare Münze nimmt. Diese Fragen müssen am Ende von Harry and the Harrisons erlaubt sein - eine Folge, die in ihrer Gänze nicht richtig zu greifen ist, dafür aber erstaunlich gut funktioniert.
Trailer zur „The Flash“-Episode 4x22, „Think Fast“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 9. Mai 2018The Flash 4x21 Trailer
(The Flash 4x21)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x21
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