The Flash 4x20

© as Team in „Therefore She Is“ (c) The CW
Nur wenige Episoden vor dem Finale der vierten Staffel von The Flash wagen die Macher hinter der The CW-Superheldenserie noch einmal ein kleines Experiment: In Therefore She Is richtet man den Fokus verstärkt auf Staffelbösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands) - zum einen, um dessen Motivation und Ziele zu veranschaulichen, zum anderen, um ihn als Charakter beziehungsweise Antagonist etwas nahbarer und vielleicht sogar nachvollziehbarer zu machen. Im Kontrast dazu arbeitet man sich an Beziehungsproblemen innerhalb von Team Flash ab, die von Cisco (Carlos Valdes) und Gypsy (Jessica Camacho) ausgehen. Gleichzeitig gilt es natürlich weiterhin auch, dem Thinker Einhalt zu gebieten. Ein sattes Programm, wie man sehen kann, mit dem die Verantwortlichen mitunter leider etwas überfordert sind.
Wenn man seinem zentralen Oberschurken so kurz vor der finalen Auflösung des Konflikts noch mehr Profil geben muss, um dessen Beweggründe besser verstehen zu können, ist dies dramaturgisch gesehen nie ein gutes Zeichen. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass die Autoren kurzfristig reagieren, als dass sie mit Weitsicht über einen längeren Zeitraum eine Figur kreiert haben, die eine substantielle Herausforderung für Team Flash darstellt. Somit haben die zahlreichen Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit von Clifford und Marlize DeVoe (Kim Engelbrecht) stets einen Beigeschmack von vermeidbarem Versäumnis, selbst wenn einige der Momentaufnahmen zwischen den beiden auf emotionaler Ebene für den einen oder anderen Zuschauer sicherlich passabel funktionieren.
Losing focus
Und weil man schon einmal bei problematischen Beziehungen ist, bietet sich wahrscheinlich auch ein Blick auf Gypsy und Cisco an, die vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Von einer möglichen Lösung für Harrys (Tom Cavanagh) schleichenden Intelligenzverfall mal abgesehen, verzweifelt das Team darüber hinaus daran, die Zusammenstellung einer monströsen Superwaffe zu verhindern, mit der der Thinker die Weltbevölkerung gezielt verdummen will. Gibt man all dies in einen Topf und rührt die Masse an unterschiedlichen Zutaten sorgfältig um, kommt letzten Endes das heraus: Eine Episode, die sich sehr viel vornimmt, sehr viel probiert und dabei sehr oft auf die Nase fliegt. Die extreme Sprunghaftigkeit und das allgemeine Verhalten einiger Charaktere stoßen einem da besonders übel auf.
Awakening
Das in meinen Augen größte Problem habe ich bereits erwähnt: die Vorgeschichte von Clifford DeVoe und seiner Frau Marlize. Man kann und sollte die Zuschauerschaft mit Informationen zu für den Plot derartig wichtigen Figuren versorgen, das Timing erscheint mir jedoch etwas eigenartig. Außerdem möchte ich den Sinn und Zweck dieser Entscheidung der Autoren hinterfragen: Ja, wir erfahren relevante Aspekte über das Wesen von Clifford DeVoe, was ihn antreibt und wie seine konkreten Ansichten aussehen. Im besten Fall sollte das Publikum jedoch irgendeine Form der Bindung zu dem Bösewicht aufbauen, weil er sonst als Charakter kein Gewicht hat. Was nach dieser Folge hängen bleibt, ist, dass Clifford DeVoe ein manischer, unsympathischer Egoist ist, im Grunde genommen genau das, was wir vorher auch schon wussten.
Warum sich also die Mühe machen, uns aufzuzeigen, dass er schon vor vielen Jahren nicht ganz knusper gewesen ist und seine kranken Gedankenspiele jetzt endlich in die Tat umsetzen kann? Schön und gut, dass wir jetzt wissen, wie DeVoe zur Menschheit und dem permanenten Streben nach höherer Technologisierung steht („kritisch“ ist eine krasse Untertreibung...) - Ciscos Beschreibung des Thinker als „Bond-Bösewicht“ - völlig fernab der Realität, egomanisch, herz- und skrupellos - trifft den Nagel aber auf dem Kopf. Und wie interessant ist so ein eindimensionaler Charakter wirklich? Kaum bis gar nicht, so zumindest meine bescheidene Meinung.
Hier kannst Du „The Flash: Staffel 4 Stream (OV)“ bei Amazon.de kaufen

The Age of Enlightenment
Lassen wir den Thinker für einen Moment Thinker sein und widmen wir uns dessen Frau Marlize aka The Mechanic, die ebenfalls eine recht prominente Rolle in Therefore She Is spielt. Der Episodentitel nimmt übrigens allem Anschein nach Bezug auf den berühmten Grundsatz „Ich denke, also bin ich.“ („Cogito ergo sum.“ beziehungsweise im Englischen „I think, therefore I am.“) des französischen Philosophen René Descartes. Dadurch unterstreicht man wiederum die Entwicklung am Ende der Folge, als Marlize zu sich selbst kommt, sich dem wahren Charakter ihres Gatten bewusst wird und sich deshalb von diesem löst. Sie ist selbst in der Lage, für sich zu denken und kann dementsprechend auch ohne den herrischen, übermütigen Clifford existieren. Eigentlich keine schlechte Idee, geschweige denn Szene, in der Marlize ihre Unabhängigkeit zurückerlangt und Clifford die Grenzen seiner Macht aufzeigt. Der Weg zu diesem Moment ist jedoch ein holpriger...
Die Autoren bemühen sich aufzuzeigen, wie Clifford und Marlize einst zueinandergefunden haben, dass sie eigentlich grundverschiedene Ansichten vertreten, sich dennoch ergänzen und gemeinsam glücklich machen können. Bis Marlize eines Tages das wirre Manifest von Clifford in die Hände bekommt, in dem er den Abgesang der Menschen aufgrund immer neuerer Technologien heraufbeschwört. Ebenjene Menschen nutzen alles verändernde Erfindungen nicht zum Guten, sie missbrauchen sie und erzeugen damit Katastrophen, die in ihrer Summe die Welt zugrunde richten werden. Die Diskussion, dass es am Ende die Menschen selbst sein werden, die die Erde zerstören werden, ist sicherlich nicht ungerechtfertigt und die kann man durchaus führen. Cliffords Herangehensweise an das Thema klingt jedoch furchtbar radikal. Und das erkennt auch Marlize, die daraufhin die Trennung forciert.
Reboot
Marlize setzt ihr Wissen fortan ein, um Menschen in Not zu helfen, zum Beispiel in Kenia. Sie ist nach wie vor eine große Verfechterin davon, dass Technologie den Menschen hilft, besser zu werden und sich gegenseitig zu unterstützen - bis es zu einem tragischen Vorfall kommt, bei dem die Erfindungen der Menschheit missbraucht werden. Ein plötzlicher Sinneswandel durchfährt Marlize, die ihren Mann von jetzt auf gleich bei dem Erreichen seiner verrückten Ziele bedingungslos unterstützen will. Als Zuschauer fühle ich mich arg überrumpelt und zweifele stark an der 180-Grad-Kehrtwende, die Marlize vollführt. So eine Entwicklung kann man vorbereiten und über einen längeren Zeitraum etablieren. Einen Charakter innerhalb von 40 Minuten so schnell die Lager wechseln und Überzeugungen sogleich über Bord werfen zu lassen, mutet jedoch meinem Empfinden nach extrem und schlichtweg unglaubwürdig an.
All that remains
Ohnehin kommt die „Erleuchtung“ bei der Marlize der Gegenwart nun doch sehr abrupt. Nachdem sie zuvor mehrfach von Clifford mit dem Serum des Weeper gefügig gemacht wurde, scheint sie mittlerweile nicht mehr von ihrem Gatten unter Drogen gesetzt zu werden. Prompt hinterfragt sie dessen Handeln und Verhalten, was darin gipfelt, dass sie letztlich den Mord an Gypsy erfolgreich verhindern kann. Wie bereits erwähnt: Die Entwicklung von Marlize, die endlich klar und deutlich sieht, welche Person Clifford wirklich ist, finde ich gut. Aber auch hier entsteht der Eindruck, dass man kurz vor der Angst schnell noch auf die Tube drückt und diesen vermeintlichen game changer - die möglicherweise alles verändernde Trennung von Marlize und dem Thinker - noch fix unterbringen will, bevor es ans Eingemachte geht. Erneut hätte es die Möglichkeit gegeben, sich über mehrere Episoden ausführlich mit dem Thema zu beschäftigen, erneut entscheidet man sich für die eher schlagartigere Variante, die den Zuschauer nicht so recht involvieren kann.
Dies funktioniert wiederum an anderer Stelle in Therefore She Is besser, genauer gesagt in der Nebenhandlung um Cisco und Gypsy. Auch hier macht man plötzlich große Schritte vorwärts, doch die Entwicklung fühlt sich organischer und natürlicher an als im Falle von Clifford und Marlize DeVoe. Zuletzt wurde von den Machern angedeutet, dass Cisco das Team eventuell schon bald verlassen könnte, um in die Fußstapfen von Grummelkopf Breacher zu treten und somit mehr Zeit mit seiner Freundin Gypsy verbringen zu können. Nun wird recht emotional und vor allem nachvollziehbar über diese Fernbeziehung (einmal quer durchs Multiversum) diskutiert, die zu einem jähen Ende kommt, so schmerzhaft es für die beiden Beteiligten auch ist.

Back and forth
Zunächst einmal geht Barry (Grant Gustin) eindeutig zu weit, als er sich zu sehr in die Beziehung von Cisco und Gypsy einmischt. Iris (Candice Patton) muss ihren Ehegatten mal wieder ausbremsen, der schnellstmöglich eine Lösung für dieses Problem herbeiführen will, damit sich das Team wieder auf den Thinker konzentrieren kann. Ja, der Zeitpunkt für diese Beziehungskrise ist ungünstig, das Ganze schnell abzufrühstücken ist aber der falsche Weg. Und so kommen Gypsy und Cisco nach einer tränenreichen Aussprache zu dem Schluss, dass ihre gemeinsame Reise ein Ende gefunden hat. Es ist dabei von großem Vorteil, dass Carlos Valdes und Jessica Camacho ein starkes Duo abgeben, denen man die Last der Entscheidung ihrer beiden Charaktere absolut abnimmt.
Auch wenn dieses Verhältnis nicht so prominent wie andere Aspekte beleuchtet wurde: Man spürt die besondere emotionale Bindung der beiden zueinander, weshalb ihre Trennung nur noch umso schmerzhafter ist. Aber sie gehen damit eben auch wie erwachsene Menschen um. Cisco will das eine, Gypsy das andere. Wobei, weiß letztere überhaupt, was sie eigentlich will? Liebe beziehungsweise das Pflegen einer Beziehung ist alles andere als einfach und als Zuschauer können wir uns gut in die Position der beiden hineinversetzen und mitfühlen, wie sie um das kämpfen, von dem sie glauben, dass es sie erfüllt. Vielleicht liegt es an Cisco, den man über mehrere Staffeln ins Herz geschlossen hat, warum man sich hier angesprochen und abgeholt fühlt. Vielleicht liegt es aber einfach nur daran, dass die Beziehung zwischen ihm und Gypsy trotz ihrer Nebensächlichkeit einen besonderen Wert hat und tatsächlich greifbar ist. Das fehlt wiederum den DeVoes.
Still here
Neben den vielen Szenen, die sich rund um die verschiedensten Beziehungen in The Flash drehen, erhalten wir darüber hinaus die Information, dass Caitlin (Danielle Panabaker) ihre „bessere Hälfte“ Killer Frost nicht aufgegeben hat und diese irgendwie wiedererwecken will. Im Moment ist dies aber eher eine Randnotiz, gibt es offensichtlich doch wichtigere Themen. So zum Beispiel Harrys Intelligenzschwund, für den es nun eine Lösung zu geben scheint: die hochschwangere Cecile (Danielle Nicolet). Diese kann nämlich Harrys Gedanken für eine Lösung seines aktuellen Zustands zu Papier oder eben auf die Tafel bringen, bevor sie im Nichts verpuffen. Harry kann also sein Wissen doch irgendwie nutzen, bevor es komplett verfällt. Eine nette Idee, um Cecile mal wieder mit ins Boot zu holen und Harry etwas aufzumuntern. Das neue Traumduo wartet übrigens auch gleich mit wertvollen Informationen auf, was der Thinker wirklich im Schilde führt.
Precious time
So klaubt der Fiesling nämlich diverse Einzelteile zusammen, um über mehrere Satelliten die gesamte Erde mit konzentrierter dunkler Materie zu bestrahlen. Dadurch werden die Menschen aus der Ferne hirntot gemacht, kurz: Projekt Massenlobotomie ist in vollem Gange. Der Thinker will damit natürlich den Verfall der menschlichen Spezies aufgrund des permanenten technologischen Fortschrittes aufhalten und das wahre Zeitalter der Aufklärung einläuten. Aus seiner Sicht bestimmt eine noble Tat. Alle anderen haben dazu aber wohl eine andere Meinung. Inwiefern der Metahuman Fallout bei diesen ganzen Überlegungen eine Rolle spielen wird - möglicherweise als Notnagel, um aus den schnöden Satelliten eine nukleare Massenvernichtungswaffe zu machen - wird sich noch zeigen. Clifford DeVoe spricht immerhin immer wieder von einer Art „Reboot“, den er vornehmen will. Ob „soft“ oder „hard“, bleibt abzuwarten.
Zum Abschluss der Episode Therefore She Is befeuert man dann nach längerer Zeit mal wieder die Theorien zum sogenannten „Mystery Girl“ (Jessica Parker Kennedy). Die junge Frau stattet dem Team während der Babyparty von Cecile einen kleinen Besuch ab und lässt dabei deutlich durchscheinen, dass es eine besondere, möglicherweise familiäre Verbindung zwischen ihr und dem West/Allen-Familienclan gibt. Obendrein ist sie auch noch ein Speedster, was das Ganze untermauert. Hinzu kommen die Farben ihrer Lichtblitze, gelb und lila, die wiederum die gleichen Farben sind, die die Lichtblitze von Barry und Iris haben. Somit verdichten sich die Anzeichen, dass es sich tatsächlich um eine Nachfahrin von Barry und Iris handelt, genauer: ihre gemeinsame Tochter (in den Comics Dawn Allen) oder Enkelin (in den Comics Jenni Ognats). Die Zukunft scheint nicht allzu rosig auszusehen - hat die geheimnisvolle Frau eine Warnung für das Team? Antworten soll es im Staffelfinale in drei Wochen geben, in dem laut Hauptdarsteller Grant Gustin über das besagte „Mystery Girl“ auch der Schurke in der kommenden fünften Staffel angekündigt werden soll.
Trailer zur „The Flash“-Episode 4x21, „Harry and the Harrisons“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 2. Mai 2018The Flash 4x20 Trailer
(The Flash 4x20)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?