The Flash 4x19

© rant Gustin und Wentworth Miller (r.) in „Fury Rogue“ (c) The CW
Das tat weh: Team Flash wurde in der vorangegangenen Episode Lose Yourself von The Flash vom omnipotenten Thinker ordentlich die Leviten gelesen, inklusive dem schmerzhaften Verlust von Ralph (Hartley Sawyer), der von dem Oberbösewicht übernommen und ausgelöscht wurde. In Fury Rogue gilt es nun für die Freunde, mit dieser vernichtenden Niederlage umzugehen, Lehren daraus zu ziehen und sich abermals aufzurappeln, um vielleicht doch einen Weg zu finden, den Thinker aufzuhalten. Die Autoren schieben also eine vergleichsweise ruhige Episode zum Durchschnaufen ein, in der es dennoch die eine oder andere actionreiche Szene zu begutachten gibt. Der Fokus liegt aber ganz klar auf den emotionalen Wunden, die das Team von der letzten Auseinandersetzung mit Clifford DeVoe (Neil Sandilands) davongetragen hat, und wie oder geschweige denn ob man diese wieder flicken kann.
Man präsentiert uns eine Mischung aus einer klassischen Filler-Episode und einer eher charakterbezogenen Erzählung, die hier und da Bezug auf die fortwährende Haupthandlung der vierten Staffel von „The Flash“ nimmt, im Grunde genommen den direkten Konflikt mit dem Thinker aber etwas aufschiebt. So wird sich Zeit genommen, die zentralen Figuren mit ihren unterdrückten Gefühlen zu konfrontieren sowie deren persönlichen Probleme zu thematisieren, die sie aktuell beschäftigen. Es ist gut und wichtig, dass sich unsere Protagonisten, insbesondere Titelheld Barry (Grant Gustin), ihren Emotionen stellen. Die Erkenntnis für Barry am Ende dieses aufwühlenden Denkprozesses - Trauern ist wichtig und richtig! - ist nun wahrlich nicht neu und wurde in „The Flash“ bereits mehrfach vorgetragen. Dieses zutiefst menschliche Verhalten stellt aber einen guten Kontrast zum kühlen Thinker dar, der mittlerweile jeden Funken von Menschlichkeit und Emotionalität verloren hat.
Cooldown
Über Gaststar Wentworth Miller - gewohnt theatralisch und unterhaltsam, wenn auch arg übertrieben in seiner Darbietung - implementiert man eine Art Therapeuten in dieser Episode, den Barry, aber zum Beispiel auch Caitlin (Danielle Panabaker) für ihr angeknackstes Seelenheil gerade bitter nötig haben. Citizen Cold wird so zu einem Werkzeug gemacht, der mit einem offenen Ohr für alle vorstellbaren Probleme und durch universelle Weisheiten aus seinem reichen Erfahrungsschatz den Sorgenkindern von Team Flash mit Rat und Tat zur Seite steht. Ein wenig konstruiert erscheint einem dieser Plot schon. Doch man hat auch eine weitere Verwendung für Citizen Cold, der auf seiner Heimaterde Earth-X die Rebellion gegen das dortige Nazi-Regime zum Erfolg geführt hat und kurz vor seiner Hochzeit mit seinem Partner Ray Terrill steht.
Zugegeben, Neil Borman aka Fallout (Ryan Alexander McDonald) war mir fast schon wieder komplett entfleucht, denn dieser wurde im Gegensatz zu den anderen Bus-Metahumans noch nicht vom Thinker geschnappt und befindet sich zu weiteren Untersuchungen in Keystone City, wo man an einer Lösung arbeitet, um dessen extreme radioaktive Strahlung einzudämmen. Borman wird nun zur Zielscheibe des Fieslings, also ist Team Flash gefragt, die wandelnde Atombombe zu beschützen. Citizen Cold stellt bei diesem Unterfangen eine Art Notfallplan dar, denn mit seiner speziellen Eiswaffe kann er Fallout im Fall der Fälle runterkühlen. Als man Citizen Cold mal fix nach Earth-1 transportiert, schleppt man blöderweise Superschurkin Siren-X mit, die böse Earth-X-Doppelgängerin Black Canarys, die auf Rache aus ist und unerwartet zu einem Zünglein an der Waage im Kampf gegen den Thinker wird.
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Thirst for vengeance
Die Entscheidung, Katie Cassidy als Siren-X in die Handlung von Fury Rogue zu integrieren, mutet eigenartig, ja sogar etwas unnötig an. Diese hat zwar später unfreiwillig großen Anteil daran, dass Borman dem Thinker nicht in die Hände fällt. Ihre Motivation - pure Vergeltung für den Tod von Dark Arrow et cetera im Rahmen des Crossover-Events „Crisis On Earth-X“ - ist jedoch schrecklich banal. Siren-X ist eigentlich nur mit von der Partie, um für etwas Ärger zu sorgen und im entscheidenden Moment die richtige Reaktion aus Barry herauszukitzeln. Ein etwas plumper Einsatz von Cassidy und dem Charakter Siren-X, die im direkten Vergleich mit ihren bekannten Doppelgängern aus anderen Welten ein paar zusätzliche Fähigkeiten im petto hat, so zum Beispiel ein hochempfindliches Gehör, was ihr Kampf gewisse Vorteile verschafft.
Auch Citizen Cold präsentiert sich alles andere als subtil, doch das ist in der Tat nichts Neues. Immer wieder kommt es zu Gesprächen zwischen ihm und Barry, der sich einredet, dass er den Verlust von Ralph schon irgendwie wegstecken wird, während er gleichzeitig die Flucht nach vorne sucht. Es kommt zu mehreren gelungenen Szenen zwischen Wentworth Miller und Grant Gustin, in denen vor allem letzterer zum Ende hin sein dramatisches Repertoire abruft, als Barry sich eingesteht, dass Ralphs Tod eben doch nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Die Auseinandersetzung mit Trauer und schmerzvollen Verlusten von Personen, die einem viel bedeutet haben, ist nicht nur ungemein wichtig, es macht Barry auch zu dem Menschen, der er ist. Diese „Fähigkeit“, verletzlich zu sein, Emotionen freien Lauf zu lassen und noch so unschöne Gefühle reflektiert zu konfrontieren, unterscheidet ihn von seinen Widersachern, so zum Beispiel auch Clifford DeVoe.
Frozen
Dieser driftet indes immer mehr in Richtung wahnsinniges Genie ab, wenn es denn überhaupt eine Steigerung zu dem geistigen Zustand gibt, in dem er sich gerade befindet. Während seine Frau Marlize (Kim Engelbrecht) die Hoffnung hegt, dass sie als wiedervereintes Paar nun an alte Zeiten der Zuneigung und Intimität anknüpfen können, brettert Clifford unaufhaltsam voran, das Ziel der „großen Aufklärung“ für die Menschheit fest im Blick. Dabei verhält er sich wiederum sehr beleidigend und herablassend seiner besseren Hälfe gegenüber, die wiederum erkennt, dass sie ihren Mann langsam, aber sicher verloren hat. Eine durchaus tragische Note, die zum Ende der Folge untergebracht wird. Nun fragt man sich aber, an wie viel von dieser Entwicklung sich Marlize wirklich erinnern wird, sollte Clifford erneut zu den Tränen des Weepers greifen, um seine Ehefrau zu manipulieren und gefügig zu machen.
Two guys, one cap
Während der Thinker immer mehr Wissen anhäuft und durch die Übernahme von Ralphs Körper seinem fleischlichen Verfall einen Riegel vorgeschoben hat (die elastischen Zellen egalisieren die immensen Kräfte der dunklen Materie), befindet sich Harrison Wells (Tom Cavanagh) in einer schweren Krise. Auch er hat an seiner Gedankenkraft und Intelligenz rumgedoktert, zahlt dafür jetzt aber einen hohen Preis: Seine Experimente mit der „thinking cap“ und der dunklen Materie haben scheinbar irreparable Gehirnschäden bei ihm verursacht, was zur Folge hat, dass er Stück für Stück seine Intelligenz verlieren wird. Das behält er zunächst für sich. Als Cisco (Carlos Valdes) jedoch ebenfalls seine Synapsen via „thinking cap“ auf Hochtouren bringen will, kann Wells nicht zulassen, dass sein guter Freund ähnliche Schäden davonträgt.
Nach einer kleinen Sabotage an einer weiteren „thinking cap“ wird Klartext gesprochen: Wells hat alles gegeben, um für das Team eine Möglichkeit zu finden, dem Thinker Einhalt zu bieten. Dabei hat er seine wertvollste Ressource - seinen Intellekt - aufs Spiel gesetzt und verloren. Es zeigt sich, wie unsicher Wells doch eigentlich ist, denn er bangt um seine Position innerhalb des Teams, wenn er seine Intelligenz einbüßt und letztlich nichts mehr zu bieten hätte, was der Gruppe hilft. Cisco erinnert ihn jedoch in einer emotionalen Szene daran, dass Harry mehr als nur ein gigantisches Supergehirn mit tollen Ideen und genialen Einfällen ist. Es sind seine menschliche Qualitäten als Freund und als Vater, die ihn unersetzlich machen. Gemeinsam werden sie eine Lösung finden, Harrys Intelligenz zu retten. Entscheidend ist wie so oft, dass er seinen Freunden vertraut und ihnen die Wahrheit sagt.

Lessons on loss
Mit jeder Einzelgeschichte um die verschiedenen Mitglieder von Team Flash erschließt sich im Laufe von Fury Rogue allmählich ein interessantes Gesamtbild, das einen Vorgeschmack darauf gibt, wie man letzten Endes vielleicht über den Thinker triumphieren wird: über die Fähigkeit, zu fühlen und über die simplen Tugenden der Menschlichkeit. Caitlin findet mithilfe Citizen Colds ebenfalls zu sich und setzt sich mit ihrem persönlichen Verlust von Killer Frost auseinander, die ihr durch eine Berührung des Thinker genommen worden war. Wie sich herausstellt, ist Caitlins Metahuman-Ich noch irgendwo in ihrer DNA vorhanden und kann womöglich irgendwie wieder hervorgeholt werden. Für den Moment ist aber auch für die Wissenschaftlerin wichtig, ihre Gefühle zu konfrontieren und festzustellen, dass sie nicht allein über Killer Frost, sondern über die Summe all ihrer Facetten als Person definiert wird, zu der aber auch ihr eisiges Alter Ego gehört.
Die Autoren von The Flash, im Fall von „Fury Rogue“ Jeff Hersh und Josh Gilbert, geben den Charakteren mal wieder etwas mehr Raum zur Entfaltung und Selbstreflexion, was an diesem Punkt der Geschichte gut passt. Wie bereits erwähnt, durchlaufen die Figuren keinen komplett neuen Prozess - alle von ihnen haben bereits zahlreiche Tiefschläge und niederschmetternde Erfahrungen hinnehmen müssen. Die Botschaft, die man uns hier anbietet, mag also einfach sein. Sie ist aber eben nun mal auch wahr und für viele Zuschauer sicherlich mit Leichtigkeit nachzuvollziehen, da ein jeder bereits mit dem komplexen Konzept von Trauer konfrontiert wurde oder eben eines Tages vor dieser Herausforderung stehen wird, die am Ende für jeden unterschiedlich zu bewältigen ist. „Fury Rogue“ zieht seine Stärken aus vielen (zwischen-)menschlichen Momenten, was gleichzeitig dabei hilft, einige Unstimmigkeiten der Episode vergessen zu machen.
Contained
Konkret ist damit der Plot um Fallout, Siren-X und Citizen Cold gemeint, der wahrlich so konzipiert ist, dass alles ganz wunderbar zueinanderpasst, selbst wenn es nur bedingt Sinn ergibt. Die Daseinsberechtigung von Siren-X ist die eine Sache, dass es einzig und allein Citizen Colds Eiswaffe ist, ohne die Team Flash die Katastrophe nicht verhindern kann, die andere. Meistens kann man doch recht fix eine tolle Gerätschaft aus dem Ärmel zaubern, im späteren Verlauf der Folge gibt es sogar zwei Froststrahler, mit denen man Fallout runterkühlt. Warum also überhaupt Citizen Cold nach Earth-1 einladen? Weil Wentworth Miller doch recht beliebt ist und sein Charakter den Seelsorger spielen muss. Und das macht er mit viel Spaß und Hingabe, so dass ihm seine saftigen Dialogzeilen förmlich von den Lippen fliegen. Das gefällt einem als Zuschauer - oder eben nicht.
Outside the box
Zwischendurch greift man wiederum auf ein paar praktische Erfindungen zurück, die gewisse Logiklöcher stopfen sollen, so zum Beispiel Fallouts Strahlenanzug sowie Caitlins „Schnellimpfung“ gegen radiokative Strahlung, um das Team für eine gewisse Zeit zu schützen. Besonders hygienisch scheint mir der Einsatz dieser kleinen Erfindung jedoch nicht. Insgesamt hat man aber den Eindruck, dass den Verantwortlichen um Regisseurin Rachel Talalay in Fury Rogue weniger an der allgemeinen Handlung und der Strecke von A nach B, sondern vielmehr an den Figuren und ihren teils sehr bewegenden Einzelschicksalen liegt.
Insbesondere bei Barry entlädt sich in den finalen Zügen noch einmal eine ganze Menge an emotionaler Last, als er sich an seine kurze, aber sehr intensive Freundschaft mit Ralph zurückerinnert. Nicht nur, dass er Ralph als Lehrmeister so einiges mit auf den Weg gegeben hat. Auch er selbst wurde entlohnt. Mit der unbezahlbaren Erfahrung, einen zwar oft eigenwilligen und nicht sehr einfachen, letztlich aber warmherzigen und aufopferungsvollen Ralph Dibny seinen Freund nennen zu dürfen. Oh weh, der Schmalz! Es sei The Flash in diesem Fall mehr als verziehen. Barry wird sich seiner Verantwortung für Ralph noch einmal bewusst und könnte dies wiederum als Treibstoff für die kommenden Herausforderungen nutzen, die ihn erwarten.
Trailer zur „The Flash“-Episode 4x20, „Therefore She Is“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. April 2018The Flash 4x19 Trailer
(The Flash 4x19)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x19
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