The Flash 4x18

© eam Flash in „Lose Yourself“ (c) The CW
Mit Blick auf den bisherigen, wechselhaften Verlauf der vierten Staffel von The Flash hätte ich von den Verantwortlichen hinter der The CW-Superheldenserie erwartet, dass sie ihren großen Konflikt um den Oberfiesling The Thinker noch etwas weiter ausreizen würden. Zu meiner - wohlgemerkt positiven - Überraschung kommt es jedoch bereit jetzt in Lose Yourself, der 18. Episode von insgesamt 23 in dieser Staffel, zu einem satten Schuss vor den Bug für Barry (Grant Gustin) und seine Freunde. Wobei, vor den Bug ist dabei wohl sogar etwas untertrieben. Tatsächlich muss Team Flash einen äußerst schmerzhaften Volltreffer hinnehmen, der sie abermals aus der Bahn wirft, wenn nicht sogar mehr als jemals zuvor. Und die Geschichte selbst profitiert davon.
Auf der einen Seite kann man sich in „Lose Yourself“ zum wiederholten Male über die Leichtgläubigkeit und Naivität aufregen, die das Team an den Tag legt, werden Barry und Co doch wie so oft relativ einfach vom allmächtigen Thinker übertölpelt. Mittlerweile sollten sie es wirklich besser wissen... Und auch wenn ich es irgendwann nachvollziehen kann, dass der Thinker einfach nicht auszutricksen ist, schwingt ein fader Beigeschmack der Frustration und Langeweile mit, dass sich in dieser Staffel mal für mal das gleiche Prozedere abspielt, welches irgendwann seinen Effekt verliert. Auf der anderen Seite finden die Macher in dieser Episode jedoch in weiten Teilen zu der mitreißenden Dynamik zurück, die „The Flash“ stets so unterhaltsam gemacht hat.
Always another way
Anstatt die Konfrontation mit dem Thinker weiter aufzuschieben, kommt es zu einem Zwischenfinale, das einen letztendlich packen kann und klar kommuniziert, dass das Team nun endgültig mit dem Rücken zur Wand steht. Dabei geht es bisweilen ganz schön finster und fatalistisch zu, gerade zum Ende hin, als Team Flash einen herben Rückschlag nach dem anderen verkraften muss. Zuvor meandert man in eher vertrauten Gefilden herum. Anfangs geht es zum Beispiel vor allem darum, den letzten Bus-Metahuman namens Edwin Gauss (Arturo del Puerto) aufzuspüren, bevor der Thinker zuschlagen kann. Edwin ist ein tiefenentspannter Hippietyp, dessen besondere Fähigkeit dem Team die Chance ermöglicht, einmal die Oberhand über den Thinker zu gewinnen: Edwin kann nämlich Tore zu „pocket dimensions“ öffnen - kleine, in sich geschlossene Dimensionen, in denen sich auch Clifford DeVoe rumtreibt und versteckt hält.
Namaste, hermano!
Diesen könnte man so im richtigen Moment überraschen, hinzu kommt eine neue Erfindung oder Gerätschaft von Harrison Wells (Tom Cavanagh), die dem Thinker großen Schaden zufügen könnte: Eine gute alte analoge, wenn auch futuristisch anmutende Stimmgabel - erzittert vor dem Sonic Scepter! -, mit deren Schallwellen dem Fiesling Einhalt geboten werden kann. Wenn man das so liest, scheint dieses Mal einiges für Team Flash zu sprechen, das mental absolut bereit für die Auseinandersetzung ist und seine Hausaufgaben gemacht hat. Doch ehe sie ihren gewagten Plan in die Tat umsetzen können, braucht es eine weitere Aussprache zwischen Barry und Ralph (Hartley Sawyer), die aufgrund ihrer unterschiedlichen Philosophien mal wieder aneinandergeraten.
Die wichtigste Lektion im Heldsein fehlt dem elastischen Lehrling von Barry nämlich noch: Superhelden töten nicht, egal, was passiert oder wie aussichtslos die Situation auch erscheint. Für Ralph ist dies unverständlich, kann sich der Thinker gegen Team Flash doch immer wieder durchsetzen, weil er eben so skrupel- und gnadenlos ist. Dementsprechend sollte man einfach mit den gleichen Waffen zurückfeuern. Doch Barrys bisherige Erfahrungen als Superheld haben ihn gelehrt, dass es kein Zurück gibt, wenn man ein Menschenleben nimmt. Dies verändert einen für immer, und zwar nicht zum Guten, weshalb es stets einen anderen Weg zu finden gilt, als sich seiner Wut hinzugeben und jemanden zu töten - so gefährlich diese Person auch sein mag.
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Misguided
Wie nobel und wie weise von unserer Titelfigur, deren Auffassung und Lebenseinstellung absolut nachvollziehbar sind, haben wir als Zuschauer doch seine Entwicklung zum ehrenhaften Superhelden hautnah miterlebt. Ralph wiederum mimt mal wieder die Rolle des bockigen Padawans, der sich nicht von der dunklen Seite der Macht korrumpieren lassen sollte und seinem Lehrmeister ordentlich Kontra gibt. Zunächst finden wir uns in der altbekannten Dynamik zwischen dem Duo wieder, doch die Autoren finden einen überraschend emotionalen Ausweg aus diesem mittlerweile klassischen Konflikt zwischen Veteran Barry und Neuling Ralph. Letzterer will DeVoe nämlich weder aus Hass noch aus Selbstschutz um die Ecke bringen, sondern vor allem deshalb, weil dies die einzige Möglichkeit zu sein scheint, seine neu gewonnenen Freunde zu beschützen.
Dadurch wird auch Ralphs sture Haltung nachvollziehbar, weil es ihm eben nicht um sich selbst geht. Barry und die Gruppe haben Ralph aufgezeigt, welch erfüllendes Leben er haben kann dank Freunden, die immer für ihn da sind und ihm in schwierigen Situationen stets zur Seite stehen. Das will er um keinen Preis verlieren, selbst, wenn er dafür ein Stückchen seiner eigenen Menschlichkeit einbüßen muss. Diese ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und die im Genre beliebte Diskussion darüber, was eine Heldenfigur wirklich auszeichnet, funktioniert erstaunlich gut. So gut, dass ich mich ein wenig darüber ärgere, wie nebensächlich und uninteressant doch viele solcher Lektionen für Ralph vorher gewesen sind, weil man zu diesen oft keine emotionale Bindung hatte aufbauen können. Anders hier. Kurz gesagt: Es geht doch, The Flash!
Tough call
Darüber hinaus trumpft man ebenfalls mit der kleinen Nebengeschichte um Harry auf, der nun deutliche Anzeichen einer handfesten, besorgniserregenden Sucht aufzeigt. Er kann einfach nicht mehr ohne sein „thinking cap“, das Gerät, das seine Intelligenz verstärkt, erhöht, ihn in neuen Sphären denken lässt. Doch wie eine Droge verändert die dunkle Materie ihn, dessen Abhängigkeit unkontrollierbare Aggression auslöst, die er an den Menschen auslässt, die ihm am nächsten stehen. Schade um das mühevoll zusammengebastelte Modell der USS Enterprise, doch was hier auf dem Spiel steht, sind die Beziehungen von Harry zu seinen Freunden wie Cisco (Carlos Valdes) oder Joe (Jesse L. Martin). Gerade Joe hat mit eigenen Augen miterlebt, was eine Sucht mit seiner verstorbenen Ehefrau gemacht hat. All die Szenen um Harrison Wells und sein manisches Verhalten schlagen einen durchaus düsteren Ton an, was zu der Entwicklung der Episode hin zu ihrem niederschlagenden Finale durchaus passt.
Divided
Nach einem kleinen Faustkampf zwischen Barry und Ralph und deren beider Versöhnung geht es dann Schlag auf Schlag. Während man in der ersten Hälfte der Episode noch ein wenig den Fuß auf der Bremse hat, spürt man in der zweiten Hälfte förmlich, wie sich eine Art Blockade löst, das Tempo anzieht und die Geschichte aufdreht. Das Team geht in die Offensive über und wird im gleichen Atemzug eiskalt überrumpelt. Denn wie man es sich bereits gedacht hat, der Thinker hat mal wieder jeden seiner Schritte und die seiner Feinde prognostiziert, wodurch er sich in eine vorteilhafte Lage bringt, den Spieß (der eigentlich nie wirklich umgedreht wurde) zu seinen Gunsten umdreht und direkt die S.T.A.R. Labs attackiert.
Wie bereits erwähnt ist dies alles etwas absehbar und irgendwann verliert dieser Aufbau seinen dramatischen Effekt, da man den Zuschauer nur selten mit dem gleichen Trick fesseln und überraschen kann. So unerwartet der Gegenangriff vom Thinker kommt, so turbulent gestaltet sich dieser jedoch. Denn auch wenn dieser „Trick“ mittlerweile ein alter Hut ist, die Umsetzung ist durchaus kurzweilig, schwungvoll und packend. Das Autorenteam macht nämlich keine Gefangenen und bietet uns ein paar unangenehme Konsequenzen an, die Charaktere betreffen, die uns tatsächlich etwas bedeuten. So wird man wiederum emotional gleich viel mehr in das Geschehen involviert, das einem kaum eine Atempause gönnt.

Use the fork!
Ganz davon abgesehen, dass hier plötzlich doch einiges auf dem Spiel steht, stimmt auch die Inszenierung im letzten Akt von Lose Yourself. Während Barry, Cisco und Caitlin als Killer Frost (dank einer Adrenalinspritze kann sie ihr zweites, frostiges Ich nun auf Abruf freisetzen) den Sprung ins Versteck des Thinker machen, wechselt dieser prompt ins Labor über, in dem sich Iris, Joe, Harry und Ralph mit dem Schurken abmühen müssen. Joe misst sich dabei mit einem der Samuroids (wie gerne hätte ich mehr von Jesse L. Martin gesehen, der sich mit Pistole und Samurai-Schwert bewaffnet in den Kampf stürzt) und Iris duelliert sich in einem coolen Kampf mit Marlize, die furios ihre Klinge schwingt. Mit viel Tempo, schnellen Schnitten und dynamischen Wechseln zwischen den Szenen entsteht eine kleine Achterbahnfahrt, bei der man nur allzu gerne Passagier ist.
Ralph steht indes vor seiner schwersten Aufgabe: der Thinker selbst. Zunächst muss sich Ralph erneut dem Klappergestell des T-Rex stellen, das er schon einmal in die Schranken gewiesen hat. Die Effektarbeit sieht zwar wie gewohnt etwas befremdlich aus, Ralph weist aber nach, dass er sich weiterentwickelt hat - und bringt dabei indirekt auch eine kleine Spitze gegen das aktuelle „Jurassic World“-Franchise unter, die mich ein wenig zum Schmunzeln bringt. Letztlich bringt dies dem Thinker aber genug Zeit, um alle Bus-Metahumans in sich zu vereinen, bis auf Ralph, der dank Harrys mächtiger Stimmgabel kurz die Oberhand gewinnt - über den Thinker sowie über sich selbst, denn er kann dem Drang widerstehen, dem Schurken das Leben zu nehmen. Was folgt, ist dann jedoch etwas ärgerlich, weil vermeidbar: Der Thinker, nun im Körper von Edwin, kann durch seine Kilg%re-Kräfte seine Handschellen problemlos lösen. Der herbeigeeilte Barry wird festgenagelt und muss mit ansehen, wie sich DeVoe auch noch Ralph einverleibt.
Hard choice
Der Thinker ist nun komplett und wischt mit Team Flash den Boden auf. Ein kleiner Einwurf an dieser Stelle: Hartley Sawyer macht sich gar nicht mal so schlecht als eiskalter Bösewicht. Die Freunde sehen kein Land und stecken mächtig ein. Abseits des Kampfes übertreibt es Harrison Wells mit seiner „thinking cap“ und knockt sich mit einer Überdosis an dunkler Materie selbst aus. Iris (Candice Patton) wird verwundet und Caitlin (Danielle Panabaker) verliert ihre andere Hälfte Killer Frost, nachdem sie vom Thinker berührt wurde. Dieser hat ihr die dunkle Materie genommen, die in ihr weilte und aus der sich Killer Frost gespeist hat. Die coole Antiheldin wurde ausradiert, was einen kleinen, unerwartet sentimentalen Moment zur Folge hat, als Caitlin bewusst wird, was eigentlich passiert ist. Anfangs wollte sie Killer Frost unbedingt loswerden, dann ist sie zu einem Teil von ihr geworden, sie führten einen gemeinsames Leben und haben miteinander kommuniziert. Jetzt hat Caitlin einen wichtigen Bestandteil ihrer neuen Identität verloren, in Bruchteilen von Sekunden. Das geht nicht spurlos an ihr und ihren Freunden vorüber.
Hybris
Am härtesten trifft es jedoch Barry, der Ralph immer wieder versichert hat, dass er für ihn da sein und ihn beschützen wird - nur, um jetzt machtlos Zeuge davon zu werden, wie der Thinker Ralph übernimmt. Während Barry am Boden zerstört ist und irgendwie versucht, mit diesem Verlust zurechtzukommen, könnte es dem Thinker nicht besser gehen. Sein aktueller Körper wurde perfekt trainiert und ist immun gegen die Belastung durch die hohe Menge an dunkler Materie aller Bus-Metahumans, die durch ihn fließen. Darüber hinaus kann er sein äußerliches Erscheinungsbild so verformen, dass er wieder wie Clifford DeVoe (Neil Sandilands) aussieht. Sehr zur Freude seiner Frau Marlize (Kim Engelbrecht), die nach wie vor keinen Schimmer von dem Missbrauch durch ihren Gatten hat. Dieser ist derweil noch lange nicht am Ende angekommen: Bis hierhin ist sein Plan makellos aufgegangen. Nun will er das endgültige Aus für Team Flash einleiten und kündigt vollmundig den Weg zur Erleuchtung an, die durch eine weitere Erfindung und mehr dunkle Materie erreicht werden soll.
Wo uns dieser finstere Ausblick auch immer hinführen wird, für den Moment zählt hier das vernichtende Gefühl der Niederlage von Team Flash, das sich sehr gut auf die Zuschauer überträgt. Die Aufnahmen vom trauernden Barry, der seinem Freund Ralph die letzte Ehre erweist, muten ein wenig rührselig an, erzielen aber den gewünschten Effekt: Betroffenheit. Und der Eindruck, dass sämtliche Hoffnungen verloren sind. Es sieht wahrlich nicht gut aus, doch man hat noch ausreichend Episoden, um die Wende einzuleiten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Episode wie Lose Yourself wiederum genau richtig, da sie sowohl die Handlung als auch das Publikum ein Stück weit wachrüttelt. Und das war definitiv nötig.
Trailer zur „The Flash“-Episode 4x19, „Fury Rogue“:
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 20. April 2018The Flash 4x18 Trailer
(The Flash 4x18)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x18
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