The Flash 4x17

The Flash 4x17

Regisseur Kevin Smith hat mit Null and Annoyed eine lockerleichte, kurzweilige Episode der Superheldenserie The Flash im Visier. Letztlich kommt jedoch eine eher halbgare Erzählung dabei herum, die sich oft im Kreis dreht und nur mit ein paar netten Ideen überzeugen kann.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Nach einer mehrwöchigen Sendepause hatte ich ein wenig die Hoffnung, dass die vierte Staffel von The Flash nun mit neuer Energie auf ihre Zielgerade einbiegen würde. Leider bleibt in Null and Annoyed der große Aufschwung aber aus. Vielmehr verstrickt man sich in der mittlerweile recht ermüdenden Charakterdynamik zwischen Barry (Grant Gustin) und „Lehrling“ Ralph (Hartley Sawyer), die wenig Neues geschweige denn Interessantes zu bieten hat. Während der „Metahumanfall der Woche“ Potential hat, in seiner Gänze aber eher stiefmütterlich und beiläufig behandelt wird, geht der größte Reiz in „Null and Annoyed“ doch tatsächlich von den mehr oder minder großen Nebenhandlungssträngen um Cisco (Carlos Valdes) sowie Marlize (Kim Engelbrecht) in den Fängen des Thinker aus.

Das qualitative Ungleichgewicht, welches sich zwischen den unterschiedlichen Plots ergibt, hat insgesamt jedoch einen lähmenden Effekt. Gastregisseur Kevin Smith, der für „The Flash“ bereits zwei Folgen (Killer Frost und The Runaway Dinosaur) inszeniert hat und den Zuschauern dabei jeweils eine sehr gelungene Mischung aus mitreißender Emotionalität und hohen Unterhaltungswert präsentierte, will auch im Fall von „Null and Annoyed“ der Geschichte seinen distinktiven Stempel aufdrücken. Doch irgendwie stottert die Maschine und es gelingt weder Smith noch der Darstellerriege, im richtigen Moment einen Gang hochzuschalten. Das Drama wird eher „verwaltet“, und so plätschert das Geschehen in vielen Szenen einfach nur so vor sich hin.

Stay on point

Am störendsten, ja fast schon anstrengendsten, gestaltet sich hier konkret der zentrale Handlungsstrang um Barry und Ralph, die sich wieder einmal nicht einig sind und aneinandergeraten. Wie viele von diesen Geschichten und erzwungenen Konflikten kann man uns noch auftischen? Diese Woche ist es Ralphs unbekümmerte Art, auch im Angesicht großer Gefahr stets einen Witz auf den Lippen zu haben, die Barry den letzten Nerv raubt. Von der ersten Minute an wissen wir als Zuschauer, wohin die Reise geht, dass es kurzzeitig zwischen Lehrmeister und Schüler krachen, zu einer semiemotionalen Aussprache kommen und am Ende abermals im Teamverbund der Tag gerettet wird.

Outside the box

Es ist nicht einmal diese Vorhersehbarkeit, die sich wie ein roter Faden durch die vierte Staffel und im Speziellen durch das Verhältnis zwischen Barry und Ralph zieht, die mich verärgert. Es ist die plumpe Art und Weise, wie man zwischen den beiden immer wieder einen kleinlichen Konflikt nach dem anderen aufbauscht. Das Schema hat sich ratzfatz abgenutzt und die Figuren machen in ihrer Entwicklung und der Beziehung, die Ralph und Barry allmählich zueinander aufgebaut haben, minimale Fortschritte. Wenn überhaupt, denn zumeist sind die Lektionen, wenn man sie denn auf das Wesentliche herunterbricht, identisch. Als Zuschauer werde ich kaum involviert, kurz: Ich langweile mich ungemein. Wenn dann noch das Verhalten der Charaktere zur Herausforderung wird, hat das Format plötzlich einen ganz schweren Stand.

In „Null and Annoyed“ fällt der „wandelnde Fart Joke“ Ralph mit kindischen Witzchen noch und nöcher auf, wodurch ich mich schnell auf der Seite Barrys wiederfinde, der völlig zu Recht die Nerven verliert, weil Ralph mit seiner Art eben extrem kontraproduktiv für das Team ist. Ralphs unreifes Verhalten wird später dann wiederum damit entschuldigt, weil sein nicht besonders guter Humor schon von früh an wie ein Schutzschild für ihn war. Rechtfertigt dies sein egozentrisches, kurzsichtiges und anderen Menschen gegenüber respektloses Verhalten? Offensichtlich! Barry ist mal wieder der Buhmann, wird von Iris (Candice patton) getadelt und erleuchtet, und zeigt am Ende Verständnis für Superheldenneuling Ralph. Das Übliche eben.

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The CW
The CW - © The CW

Benched

Unseren Titelhelden möchte ich aber keineswegs komplett in Schutz nehmen. Zwar kann ich Barrys Handeln noch am ehesten nachvollziehen, doch aktuell kennt dieser Charakter auch nur ein Extrem - und zwar immer das möglichst krasseste Gegenteil von dem zu sein, was Ralph ist. Dieses Hin und Her zwischen den beiden erscheint mir sehr eindimensional, auch wenn man versucht, mit ein paar tiefgründigen Momentaufnahmen zwischendurch Kontext und Charaktermotivation zu schaffen. Grundsätzlich ändert sich aber nie etwas an dieser mittlerweile staubigen Formel, was sehr schade ist. Ein aufgedrehter Jesse L. Martin (Ralph verwandelt sich fix in Joe, um an wichtige Informationen zu kommen) ruft ebenfalls eher nur ein müdes Lächeln hervor. So muss man konstatieren, dass auch einem Kevin Smith keine Frischzellenkur gelingt, die langsam bitter nötig wäre...

Smith übernimmt in Null and Annoyed übrigens auch eine kleine Gastrolle als „Bob the Security Guard“ - und zwar an der Seite seines alten Freundes und Kupferstechers Jason Mewes (der in „The Runaway Dinosaur“ auch schon einen Gastauftritt hatte), hier zu sehen als „Jay the Security Guard“. Eine nette Anspielung für alle Fans von Smiths filmischem Schaffen, genauer gesagt „Clerks“, „Mallrats“ oder auch „Jay and Silent Bob Strike back“, über die die beiden als Jay und Silent Bob Kultstatus erlangten. An ihrem großen schauspielerischen Talent lag das aber definitiv nicht...

Fall from grace

Inzwischen arbeitet das Duo für eine Sicherheitsfirma in Central City, für diesen Job gibt es jedoch deutlich bessere Kandidaten. Aber gut, gegenüber eines Metahuman wie Janet Petty aka Null (Bethany Brown), die über eine Berührung die Dichte von Zellen verringert und dadurch alles und jeden in die Höhe schweben lassen kann, sieht fast jeder schlecht aus. Eigentlich ist der vorletzte Busmetahuman gar nicht mal so uninteressant, insgesamt wird Null aber ziemlich fix abgefrühstückt und einzig und allein dazu genutzt, um Ralph aufzubauen. Der kann mit seiner unkonventionellen Denke endlich glänzen und rettet Barry nach seiner Transformation in ein übergroßes Furzkissen das Leben. Null hat er zuvor mit besonderen Handschellen dingfest gemacht, die ihre Kräfte unterdrücken. Die gleichen Handschellen kann die Schurkin zuvor noch mit Leichtigkeit knacken, wenn sie auf The Flash trifft. Wahrscheinlich hatte sie dieses Mal einfach keine Büroklammer zur Hand.

Retired

Wie bereits erwähnt sollte man sich in „Null and Annoyed“ vielleicht mehr an die verschiedenen Nebengeschichten der Episoden klammern, so zum Beispiel an das Wiedersehen zwischen Cisco und seinem Schwiegervater in spe, dem grummeligen Breacher. Auch Danny Trejo glänzt jetzt nicht mit außergewöhnlich gutem Schauspiel, was er jedoch mit seiner Hingabe ein Stück weit ausgleichen kann. Diese kleine Erzählung ist letztlich eine recht charmante Anspielung auf die Performanceprobleme, denen sich viele Herren in einem gewissen Alter früher oder später ausgesetzt sehen. Breacher, der schon seit langer Zeit im Geschäft ist, hat einfach seinen Zenit erreicht. Dementsprechend hapert es an der Ausübung seiner Tätigkeit und speziellen Fähigkeiten. Da helfen auch keine blauen oder eben rosa Pillen, um die einst so mächtigen Metahumankräfte zu revitalisieren.

Die spaßigen Doppeldeutigkeiten machen diesen Plot durchaus unterhaltsam, auch wenn man aufgrund Trejos eigenwilliger Darbietung und dem kurzen Abstecher in eine Welt, in der der Obervampir Lord Crucifer (ein nettes easter egg für alle Comickenner) herrscht, arg den Trashfaktor hochschraubt. Am Ende wird es dann noch einmal besonders interessant, da sich Cisco die Chance bietet, Breacher zu beerben, wodurch er wiederum mehr Zeit mit dessen Tochter Gypsy verbringen könnte. Nun steht Cisco vor einer schwierigen Entscheidung: Bleibt er Team Flash treu oder wagt er einen neuen Schritt, um mit seiner großen Liebe Gypsy zusammenarbeiten zu können?

The CW
The CW - © The CW

Escape now

Die Aussicht auf eine derartige Veränderung innerhalb von Team Flash bringt doch tatsächlich etwas frischen Wind in den Laden, wobei man bei der ganzen Sache nicht zu voreilig sein sollte. Im Netz wird bereits munter gerätselt, ob Carlos Valdes zum Ende der Staffel seinen Hut nehmen und The Flash verlassen wird. Der Schauspieler selbst drückt aber auf die Bremse und mahnt zur Geduld, in welche Richtung sich diese neue, sehr persönliche Geschichte für den Charakter entwickeln könnte. Der allgemeinen Handlung tut dies so oder so gut, denn so erzeugt man Bewegung und etwas Abwechslung. Und das kann The Flash aktuell ganz gut gebrauchen, da man hier und da ordentlich auf der Stelle tritt und auf Zeit spielt. Was sich wiederum in dem erlahmten Erzähltempo des Formats widerspiegelt...

Aber auch an dieser Front deutet man an, dass es bald schon wieder zur Sache gehen könnte, plant der Thinker doch, wieder in das Geschehen einzugreifen. Zuvor werden wir aber noch Zeugen eines unheimlichen Dramas zwischen Marlize und ihrem Gatten, mittlerweile im Körper der Countrysängerin Izzy Bowin (Miranda MacDougall). Zuletzt benebelte der Thinker seine Frau mit den Tränen des Metahumans Weeper, wodurch Marlize plötzlich keine Zweifel mehr an ihm hatte und ihm sofort wieder verfallen war. Jetzt nimmt das Ganze eine gespenstische Wendung, denn Marlize kommt der heimlichen Drogendosis auf die Schliche und will Gegenmaßnahmen einleiten - nur, um dann schockiert festzustellen, dass sie das perverse Spiel des Thinker schon lange durchschaut hat, dieser aber immer wieder ihr Gedächtnis löscht.

Side effects

So arbeitet die manipulierte Marlize Schritt für Schritt an einer Modifikation für den Stuhl, um die schwache fleischliche Hülle des Thinker zu retten. Sie selbst ist aber eine Gefangene, für die es keinen Ausweg zu geben scheint. Dass das Verhältnis zwischen Clifford und Marlize DeVoe irgendwann eskalieren musste, war abzusehen. Die Umsetzung gelingt nun sehr gut, die Geschichte erinnert an einen tragischen Fall von häuslicher Gewalt, aber eben auf einem extrem perfiden, skrupellosen Level. Während Marlizes Menschlichkeit sie zu einer Person macht, die noch nicht hoffnungslos verloren ist, wurde Clifford von seinen mächtigen Fähigkeiten nun komplett korrumpiert. So sehr, dass er die Liebe seines Lebens unter den Einfluss einer gefährlichen Droge setzt, sie rücksichtslos ausnutzt und Marlize womöglich, sobald sie ihre Arbeit erledigt hat, auch noch ohne zu zögern „entsorgen“ wird.

Eine erschreckende Entwicklung, die unter die Haut geht und dadurch mehr nachhallt als viele andere Szenen dieser Episode. Für die Verschwörungstheoretiker unter uns hat Null and Annoyed dann zum Abschluss noch eine dubiose Momentaufnahme zu bieten, in deren Zentrum Harrison Wells (Tom Cavanagh) steht. Diesem könnte die Nutzung seines Intelligenzverstärkers wie bereits vermutet im wahrsten Sinne zu Kopf steigen. Die gesamte Episode über wirkt er ruhelos, leicht reizbar und so, als würde er allmählich in eine eigene Welt abdriften. Als er am Ende das ehemalige Geheimversteck von Eobard Thawne (als sich dieser im Körper von Harrison Wells befand) aufsucht, entsteht sofort der Verdacht, dass Wells nichts Gutes im Schilde führt. Hat die Nutzung seiner Maschine irgendetwas in ihm ausgelöst, wodurch er nun zu einer Gefahr für das Team wird? Oder handelt es sich um eine falsche Fährte? Möglicherweise hat Wells auch nur eine Idee, wie man DeVoe aufhalten kann, wofür er wiederum auf alte Hilfsmittel zurückgreifen muss. Wir werden es früh genug erfahren...

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x18, „Lose Yourself“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 11. April 2018

The Flash 4x17 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 17
(The Flash 4x17)
Deutscher Titel der Episode
Null und nervig
Titel der Episode im Original
Null and Annoyed
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. April 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. August 2018
Autoren
Lauren Certo, Kristen Kim
Regisseur
Kevin Smith

Schauspieler in der Episode The Flash 4x17

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