The Flash 4x16

© ris (Candice Patton) in „Run, Iris, Run“ (c) The CW
Den Ansatz, den die Autoren von The Flash für die Episode Run, Iris, Run wählen, ist auf dem Papier betrachtet nicht verkehrt: Man kombiniert die persönliche Geschichte einer der Hauptfiguren aus dem Team mit dem übergeordneten Plot um Staffelbösewicht The Thinker, der zwar erneut mit Abwesenheit glänzt, dessen Machenschaften jedoch ein steter Begleiter für unsere Heldentruppe sind. Und eigentlich greifen die unterschiedlichen Zahnräder auch sehr ordentlich ineinander - würde sich der Konflikt, der den Stein in der Episode erst ins Rollen bringt, nicht so extrem erzwungen anfühlen.
In „Run, Iris, Run“ übernimmt Iris (Candice Patton) nach der Berührung durch einen der noch drei übrigen Bus-Metahumans die Superkräfte von ihrem Gatten Barry (Grant Gustin) und avanciert plötzlich selbst zum Speedster. Das kommt wie gerufen, befindet sich die designierte Anführerin von Team Flash doch in einer kleinen Sinnkrise. Grund dafür ist das unfaire, bockige Verhalten von Ralph Dibny (Hartley Sawyer), der sich zuletzt vermehrt Sorgen um sein eigenes Wohlergehen gemacht hatte und Iris angreift, dass diese ja leicht reden hat, weil sie sich nie wirklich in Gefahr begibt. Mit den besonderen Fähigkeiten Barrys kann sie nun aber den Beweis antreten, dass sie sich von irgendwelchen tief verwurzelten Ängsten nicht ausbremsen lässt und im Angesicht der Gefahr genau so ihre Frau stehen kann wie jedes andere Teammitglied auch.
Getting in your head
Die Geschichte ist denkbar einfach und unkompliziert strukturiert. Während Harry (Tom Cavanagh) an einer neuen Teufelsmaschine schraubt, um seinen Intelligenzquotienten zu erhöhen und es so dem Thinker gleichzutun, erfährt Iris, was es bedeutet, eine Superheldin zu sein. Das ist wiederum alles andere als einfach und gleichzeitig wird deutlich, dass auch nicht jede/-r ihre Aufgabe innerhalb des Teams als Entscheiderin und „Dirigentin“ übernehmen kann. Die Lektion der Woche ist furchtbar simpel: Iris hat einen nicht zu ermessenden Wert für Team Flash, selbst wenn sie zumeist in der Kommandozentrale sitzt und die Aktionen der Gruppe koordiniert. Sie muss sich nicht beweisen, sie macht es nämlich tagtäglich auf ihre Weise und so, wie sie dem Team am besten helfen kann.
Watch me run
Eine nachvollziehbare, wenn auch nicht wirklich weltbewegende Moral - doch zu diesem Zeitpunkt eigentlich ziemlich unnötig, weil man als Zuschauer nie wirklich den Eindruck bekommen hat, dass Iris eine unbedeutende Rolle im Gesamtkonstrukt Team Flash einnimmt. Wie aus dem Nichts wird ein Problem geschaffen, das überhaupt keins ist. Der Grund, warum sich Iris hinterfragt, ist, wenn man ganz ehrlich ist, einzig und allein Ralph, der aus persönlicher Angst und Selbsterhaltungstrieb verbal um sich schlägt. Die Vorwürfe Iris gegenüber sind meines Erachtens jedoch haltlos, hat sie doch selbst schon in dieser vierten Staffel mehrfach bewiesen, dass sie unerschrocken der Gefahr ins Auge blickt und nicht davor zurückschreckt, ins Auge eines noch so großes Sturmes zu treten. Das ist das größte Problem an „Run, Iris, Run“: Es gibt gar keine Notwendigkeit, Iris anzuzählen, wodurch die eine oder andere Entwicklung nicht nur arg gewollt wirkt, auch ein paar der Charaktere verhalten sich folglich eigenartig. An und für sich begrüße ich es, dass man nach etwas längerer Zeit wieder einmal Iris in den Mittelpunkt der Erzählung rückt und ihre große Stunde als Heldin schlägt, was durchaus unterhaltsam mit anzusehen ist. Wie man diese Geschichte jedoch anstößt, ist für mein Empfinden viel zu konstruiert.
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She can move
Sieht man mal von diesem relativ großen Grundproblem in Run, Iris, Run ab, gestaltet sich die Episode durchaus solide und hat ein paar nette Höhepunkte zu bieten. Der Rollenwechsel von Barry und Iris bedingt zum Beispiel, dass beide ein besseres Verständnis davon bekommen, welche Verantwortung auf den Schultern des jeweils anderen lastet. Da sich das Duo aber ohnehin permanent austauscht und ein sehr inniges, ehrliches Verhältnis pflegt, dürfte es weder Iris noch Barry überraschen, wie schwierig es ist, für einen Tag die Aufgaben der jeweils besseren Hälfte zu übernehmen.
Aber wie dem auch sei, es kommt zumindest etwas Abwechslung in den Laden, als Iris plötzlich als pfeilschnelle Retterin in der Not gefragt ist und Barry schlichtweg überfordert wird, sein Team aus der Ferne zu lenken und im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf der einen Seite ist es ansprechend, dass Iris die Hauptrolle übernimmt und eindrucksvoll zeigt, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Dass sie gewisse Fertigkeiten innerhalb kürzester Zeit meistert, was Barry sich über Jahre via Training und Erfahrung angeeignet hat, ist ein wenig seltsam, aber gut, der Gedanke zählt. Auf der anderen Seite macht man Iris jedoch auch irgendwie kleiner, als sie es eigentlich ist, denn es entsteht der Eindruck, dass sie ohne ihre neuen Kräfte niemals ihr Leben riskieren würde.
Warming up
Aber genau das ist es ja: Sie würde es. So haben wir Iris kennengelernt, als starke, selbständige und selbstbestimmte Frau, die sich eben nicht so leicht verunsichern lässt und sehr gut ihre eigenen Stärken einschätzen kann. Deswegen ist es wahrscheinlich für mich auch so eigenartig zu beobachten, wie sie von jetzt auf gleich extreme Selbstzweifel entwickelt, nur, weil Ralph Dibny - wenn auch nicht komplett zu Unrecht, jedoch sehr übertrieben - die Hosen voll hat und Iris ins Visier nimmt. Ohnehin, was erlaubt sich Ralph eigentlich nach seinen paar Wochen an der Seite von Team Flash? Ich kann verstehen, dass er sich Gedanken über sein Überleben macht, gerade jetzt, wo der Thinker immer aggressiver vorgeht. Die Figurenzeichnung von Ralph ist aber schrecklich eindimensional und verändert sich so, wie der Wind gerade weht.
The fire within
Oder eben, wie es die Autoren gerade brauchen. Deshalb tritt er in dieser Folge auch als eine Art Antagonist auf, der am Ende aber verständnisvoll erkennt, dass jeder im Team eine wichtige Aufgabe übernimmt und niemand aus irgendeiner Laune heraus beschuldigt werden sollte, nicht seinen Anteil zu leisten. Von diesen lauwarmen, teils sehr plump vorgetragenen Botschaften gibt es so einige in „Run, Iris, Run“. Wirklich erleuchtend oder neu sind diese nicht, und in manchen Fällen treibt man es gar ein wenig zu sehr auf die Spitze, so zum Beispiel in der schmalzigen Schlussszene zwischen Barry und Iris, als letztere erkennt, wie sie andere Menschen inspirieren kann.
Während Barry seine Heldentaten verbringt, kann Iris mit der Kraft der Wörter Hoffnung in den Menschen entfachen. Ist das nicht wunderbar? Warum hat sie eigentlich überhaupt mit ihrer Tätigkeit als Journalistin oder Bloggerin aufgehört? Zwischen „speed demon“ Savitar und Hochzeitsplänen blieb wohl einfach keine Zeit für ihre wahre Leidenschaft, zu der sie nun zurückkehrt. „You go, girl!“, um Caitlin (Danielle Panabaker) zu zitieren. Weshalb jetzt aber so getan wird, als würde Iris endlich ihr Erwachen als unabhängiger, gefestigter Frauencharakter feiern, erschließt sich mir nicht. Der Reiz an der Figur lag stets darin, dass sie nie ein anderer Typ Mensch war und sie sich stets durchgesetzt hat. Ihre neuerlichen Selbstzweifel werden für meinen Geschmack viel zu sehr und allen voran künstlich aufgebauscht, um ein bisschen Drama zu generieren.

Death wish
Zu einem großen Drama kommt es auch zwischen Harry und Cisco (Carlos Valdes), die sich bei dem weiteren Vorgehen gegen den Thinker uneinig sind. Harry möchte eine ähnliche Kopfbedeckung wie DeVoe entwickeln, um seine Gehirnaktivität zu erhöhen und ähnliche analytische Meisterleistungen zu verbringen wie der Fiesling. Cisco sieht darin jedoch ein gewaltiges Risiko, da Harry sich großen Mengen an schwarzer Materie aussetzen will, was ungeahnte Folgen für seine Gesundheit nach sich ziehen könnte. Wir Zuschauer haben ja bereits mit eigenen Augen gesehen, dass der Thinker aktuell etwas angeschlagen ist, vermutlich, weil er mit Kräften spielt, die selbst sein enormer Verstand nicht vollends nachvollziehen kann. Oder vielleicht doch und er ignoriert es einfach nur.
Was mich an dieser Nebenhandlung etwas verwirrt, ist, dass sich das gesamte Team gegen Cisco wendet, der als einziger völlig berechtigte Zweifel an der gefährlichen Erfindung hegt. Klar, alle wollen den Thinker schnappen, aktuell ist man ratlos und sitzt in einer Sackgasse fest. Aber rechtfertigt diese aussichtslose Lage, das Leben eines Freundes aufs Spiel zu setzen? Ich persönlich finde mich da schon eher auf Ciscos Seite wieder, doch dieses Problem muss gar nicht wirklich ausdiskutiert werden, weil es scheinbar einen überraschend einfachen Mittelweg gibt. Letztlich hilft Cisco Harry bei seinem Experiment, sorgt aber dafür, dass es sicher abläuft (so ist zum Beispiel gar keine dunkle Materie nötig) und Harry nicht über die Stränge schlägt.
Mad science
Das Resultat: keine bemerkbaren Schäden bei Harry (vorerst...) und die Namen der beiden letzten Bus-Metahumans. Das ist ein großer Vorteil. Aber warum wird zuvor so ein Aufriss gemacht, wenn der Plot schlussendlich so simpel aufgelöst wird? Abermals wird ein Konflikt geschaffen, der irgendwie doch kein richtiger ist. Apropos Bus-Metahuman: In dem Notfallsanitäter Matthew Kim (gespielt von Leonardo Nam, den einige vielleicht aus der ersten Staffel von Westworld kennen) findet Team Flash am Ende einen wertvollen Verbündeten im Kampf gegen den Thinker. Matthew kann Metahumankräfte via Berührung aufsaugen und auf andere Menschen übertragen. Man stelle sich nur vor, was DeVoe mit diesem Talent alles anstellen könnte...
Melting point
Matthew ist aber kein klassischer Schurke, er ist ein guter Samariter, der seinen Mitmenschen nichts Böses will. Vielmehr möchte er helfen, sorgt dabei aber ungewollt für ordentlich Chaos. Die Person, der Matthew aus Versehen feurige Superkräfte gegeben hat (und die ein feuerbezogenes Wortspiel nach dem anderen von sich gibt, dass selbst ein Mick Rory neidisch werden würde), startet nämlich ein flammendes Inferno in Central City. Der gigantische Feuerwirbel kann aber problemlos von Iris gelöscht werden, die in einer schmissigen Actionsequenz eine gezielte, konzentrierte Flutwelle heraufbeschwört, um das Feuer zu löschen. Zum Glück hat Harry seine revolutionäre Haube aufgesetzt, um auf die Idee zu kommen, dass ganz viel Wasser unheimlich praktisch wäre, um den Feuerteufel zu bekämpfen! Da wäre man ja im Leben nicht draufgekommen!
Ihr merkt schon, ein wenig häufen sich doch die eher seltsamen Momente in der Episode Run, Iris, Run und so gerne man hier mit den Gewohnheiten der Serie brechen möchte, wirklich sinnvoll erscheinen viele Entscheidungen der Macher von The Flash nicht. Einigermaßen kurzweilig ist das Ganze allemal, wie man dieses solide Niveau an Unterhaltung erreicht, ist jedoch eine andere Frage. Eine Geschichte über Iris als Superheldin und wie sie erkennt, dass sie keinen schicken Spandexanzug braucht, um Einfluss zu nehmen und andere Menschen zu erreichen, ist absolut vertretbar. Bei der Ausführung wundert man sich aber mehr als einmal, welche Wege dafür eingeschlagen werden.
Trailer zur „The Flash“-Episode 4x17, „Null and Annoyed“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 14. März 2018The Flash 4x16 Trailer
(The Flash 4x16)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?