The Flash 4x15

The Flash 4x15

Enter Flashtime gehört zu den bisher besten Episoden der vierten Staffel von The Flash und stellt den Titelhelden vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Knackiges ErzĂ€hltempo trifft auf ergreifendes Familiendrama. Dabei spĂŒrt man, dass es in der Serie endlich mal wieder um etwas geht.

Barry (Grant Gustin) und Jesse Quick (Violett Beane) in „Enter Flashtime“ (c) The CW
Barry (Grant Gustin) und Jesse Quick (Violett Beane) in „Enter Flashtime“ (c) The CW
© arry (Grant Gustin) und Jesse Quick (Violett Beane) in „Enter Flashtime“ (c) The CW

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine der besten Episoden der bisherigen vierten Staffel von The Flash her. Nachdem ich zuletzt meinen Unmut ĂŒber die eher enttĂ€uschende Entwicklung des Superheldendramas lautstark kundgetan habe, zaubern die Verantwortlichen hinter der The CW-Produktion mit Enter Flashtime plötzlich eine extrem kurzweilige, packende und emotionale Folge aus dem Ärmel. Etwas unerwartet erzĂ€hlt man eine turbulente, augenscheinlich von der Haupthandlung der Staffel losgelöste Geschichte, die den Zuschauern keine Atempause gönnt.

Es ist genau die richtige Art der Ablenkung zum richtigen Zeitpunkt, möchte man fast sagen, denn „Enter Flashtime“ weist eben das Tempo und den Schwung auf, den die Serie zuletzt so sehr hatte vermissen lassen. Durch eine einfache Ausgangssituation - eine Atombombe droht, Central City zu zerstören und nur The Flash (Grant Gustin) kann dies verhindern - entschlackt man die aktuelle ErzĂ€hlung rund um den Thinker und seine Bus-Metahumans, wĂ€hrend man sich gleichzeitig auf die Grundlagen des Formats konzentriert. Das Resultat ist eine unterhaltsame Gimmickfolge, die neben epischen Momentaufnahmen und hochemotionalen Szenen ein Drama zu bieten hat, das uns als Zuschauer komplett einspannt und bis zum Schluss mitfiebern lĂ€sst.

Taking a breather

Wie so oft können wir uns denken, dass mit sehr großer Wahrscheinlichkeit am Ende der Episode eine Lösung fĂŒr das lange Zeit unlösbare Problem gefunden sein wird. „Enter Flashtime“ ist jedoch so geschickt und aufregend erzĂ€hlt, dass man zwischenzeitlich tatsĂ€chlich den Eindruck bekommt, als wĂ€re das Ende aller Tage erreicht. Die Verzweiflung, die von Barry ob seiner Macht- und Ratlosigkeit in dieser prekĂ€ren Notsituation ausgeht, ist absolut greifbar. Prompt wird man selbst in dieses intensive Dilemma involviert und fragt sich, was unser Held und seine Freunde noch alles tun können, um eine nukleare Katastrophe abzuwenden. Und, wenn ĂŒberhaupt, zu welchem Preis?

8 minutes, 49 seconds ago

Ironischerweise beginnt die Folge abermals mit einem unfreiwilligen, indirekten EingestĂ€ndnis der Macher, dass es aktuell vielleicht mal an der Zeit wĂ€re, ein bisschen was an ihrer Serie zu verĂ€ndern - auch wenn es nur fĂŒr eine Episode ist. Barry trainiert wie besessen, um noch schneller zu werden und so in DeVoes geheime Zwischenwelt (eine „pocket dimension“, wie wir letzte Woche erfahren haben) einzudringen, von der aus der Fiesling seine Strippen zieht. Mit seinem ungesunden Ehrgeiz geht er jedoch dem Team auf den Geist, allen voran Cisco (Carlos Valdes), der irgendwann mal eine Pause braucht. Damit ist dieser aber nicht allein. Iris (Candice Patton) plĂ€diert dafĂŒr, dass sie alle, Barry inbegriffen, mal eine Pause von dem Thinker machen und auf andere, angenehmere Gedanken kommen sollten. WĂ€hrend ich einen kleinen Jubelschrei von mir gebe, planen Barry und Iris schon einen entspannten Abend zu zweit, den sie sich redlich verdient haben.

Das Verbrechen macht jedoch keine Ferien oder in diesem Fall eine Reservierung in einem schicken Restaurant. Die Umweltaktivistin Veronica Dale (Bernadette Saquibal) ĂŒberfĂ€llt im Namen der Gruppierung Eden Corps einen Transport von A.R.G.U.S., in dem sich eine Atombombe befindet. Ihre Motivation: den Menschen zeigen, wo sie die Nutzung von Kernkraft als Energieversorgung eines Tages hinfĂŒhren wird. Und Team Flash, das von Jesse Quick (Violett Beane) unterstĂŒtzt wird, kommt zu spĂ€t. Dale drĂŒckt den Auslöser und die Bombe droht hochzugehen. Eine letzte Chance gibt es aber noch: Barry beschleunigt auf wahnsinnige, verzeiht, extrem hohe Geschwindigkeit und bringt die Zeit so fast zum kompletten Stillstand. Das haben wir bereits wĂ€hrend seiner Gerichtsverhandlung im Fall um den Tod von Clifford DeVoe gesehen. Innerhalb dieser „Flashtime“ tickt nun die Uhr fĂŒr den jungen Helden...

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The CW
The CW - © The CW

New tricks

Enter Flashtime macht keinen Hehl aus seinem „High Concept“-Ansatz und vertraut darauf, dass wir einige Zweckdienlichkeiten im Sinne des Unterhaltungswertes ignorieren. Und wer setzt sich schon gerne mit der Logik hinter Barrys recht neuer, sehr praktischen FĂ€higkeit geschweige denn anderweitiger, halbgarer wissenschaftlicher ErklĂ€rungen in dieser Folge auseinander, wenn man sich von dem erfrischend einfachen, geradlinigen Plot so gut mitreißen lassen kann? Barry klappert im Eiltempo sĂ€mtliche Möglichkeiten ab, die Detonation einzudĂ€mmen, fĂŒr alles andere ist der Zug lĂ€ngst abgefahren. Weder Ciscos FĂ€higkeiten noch Killer Frosts EiskrĂ€fte schaffen Abhilfe. Es liegt an Barry und seinen Speedster-Freunden Jesse sowie Jay Garrick (John Wesley Shipp), die Stadt und ihre Bewohner zu retten.

Es geht Schlag auf Schlag, was sich nicht nur in der flotten Handlung, sondern auch in der dynamischen Inszenierung von Gregory Smith widerspiegelt. Dieser hat bereits bei anderen „Arrowverse“-Serien wie Supergirl, Arrow und Legends of Tomorrow auf dem Regiestuhl Platz genommen und ĂŒbermittelt durch die dynamischen, oftmals gewollt hektischen Aufnahmen dieser Folge eine packende Dringlichkeit. So ĂŒbertrĂ€gt sich ein authentisches GefĂŒhl der Besorgnis und unheilvollen BefĂŒrchtung auf das Publikum - etwas, das in dem Superheldendrama zuletzt weniger gegeben war. Es ist einem schlichtweg nicht egal, was passiert, man folgt der Geschichte gespannt und aufmerksam und stellt eventuell sogar seine eigenen Überlegungen an, wie das alles enden könnte.

Speeding up

Was passiert zum Beispiel, wenn man die Atombombe tatsĂ€chlich in der mĂ€chtigen Speedforce „entsorgt“? Man wĂŒrde sie wohl damit zerstören, wie Jay Garrick erklĂ€rt, was zur Folge hĂ€tte, dass alle Speedster des Multiversums ihre KrĂ€fte verlieren wĂŒrden. Und könnte das Multiversum ĂŒberhaupt noch existieren, wenn es die Speedforce nicht mehr gibt? Wer hĂ€tte außerdem etwas davon, wenn es so weit kommt? Steckt erneut ĂŒber mehrere Ecken der Thinker dahinter? Alles AbwĂ€gen und RĂ€tseln bringt nichts, denn die Zeit lĂ€uft ausnahmsweise mal Barry weg und nicht umgekehrt. Als Zuschauer merken wir diese Anspannung wiederum in jeder einzelnen Szene, wodurch The Flash endlich wieder mehr Relevanz erhĂ€lt.

Slowing down

Ein cleverer Trick der Autoren, um fĂŒr einen kurzen Moment die Probleme der Staffel vergessen zu machen - aber auch, um eine in sich geschlossene Geschichte zu erzĂ€hlen, die ĂŒber die Facette „Spannung dank Zeitdruck“ hinausgeht und Einblicke in ein paar Charaktere gewĂ€hrt, die in dieser Extremsituation aufeinander bauen oder gar erst zueinander finden. Die problematische Beziehung zwischen Harrison Wells (Tom Cavanagh) und seiner Tochter Jesse sticht dabei am meisten heraus und dĂŒrfte vielen extrem zu Herzen gehen. Auch ich merke vor allem in den letzten Augenblicken der Episode, wie ergreifend und kraftvoll die abschließende Szene zwischen den beiden ist, als sich Harry gegenĂŒber Jesse öffnet, ihr einen intimen Einblick in sein Innenleben gibt und Jesse zeigt, was ihm ihre Mutter wirklich bedeutet hat.

Dieser Moment funktioniert ausgesprochen gut. Er sollte es aber eigentlich gar nicht. Warum? Weil der ganze Konflikt zwischen Harry und Jesse bis dato viel zur sehr im Hintergrund stattfand und wir als Zuschauer eigentlich gar keine richtige Vorstellung davon haben, was zwischen ihnen vorgefallen ist, wer Harrys Frau wirklich war und warum genau es zum Streit zwischen Vater und Tochter kam. In „The Flash“ war bisher einfach nicht die Zeit dafĂŒr, eine Grundlage fĂŒr dieses Familiendrama zu schaffen, das zumeist auf ein paar NebensĂ€tze und kurze Szenen reduziert worden war. In Subject 9 gab es den plumpen Versuch, ĂŒber Cecile eine BrĂŒcke zu diesem Thema zu bauen. Wirklich gefruchtet hat dies aber nicht. Jetzt tauchen wir komplett und fast schon ein wenig unvorbereitet in diese schwierige Vater-Tochter-Beziehung ab. Und dennoch: Es funktioniert.

The CW
The CW - © The CW

Just listen

Man setzt auf EmotionalitĂ€t anstelle etablierten Dramas, wĂ€hrend man sich gleichzeitig auf zwei sehr gute Schauspieler verlassen kann, die gerade zum Ende von Enter Flashtime weit mehr mit ihren Blicken als mit Worten sagen. Violett Beane und Tom Cavanagh geben ein exzellentes Vater-Tochter-Gespann ab, beiden merkt man den Ballast ihrer tragischen Vorgeschichte an, so vage diese auch gehalten wird. Wie sie letztlich wieder zueinanderfinden, ist ein wunderschönes Bild. All dies bildet ein wichtiges Gegengewicht zum rasanten Plot, ganz Ă€hnlich wie die Szene zwischen Barry und Iris, als ersterer keine Hoffnung mehr hat, jedoch durch ein etwas seltsam klingendes Kompliment („You're my lightning rod...“) Iris auf die rettende Idee bringt.

Es braucht auf dieser wilden Achterbahnfahrt eben auch diese Momente, die die Geschichte erden und uns Zuschauern klar vor Augen fĂŒhren, was ĂŒberhaupt auf dem Spiel steht. Diese Mischung gelingt dem sehr erfahrenen Autorenduo Sterling Gates und Todd Helbing (der seit der zweiten Staffel auch ein ausfĂŒhrender Produzent der Serie ist) ausgesprochen gut. Letztlich nutzt Barry in einer sehr coolen, episch anmutenden und hochwertig produzierten Actionsequenz die Energie der Speedforce, um die Explosion der Atombombe zu verhindern. Das Momentum nimmt perfekt Fahrt auf und die aufgebaute Spannung entlĂ€dt sich blitzartig. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen.

Critical mass

Nun bleiben am Ende aber auch ein paar Fragen ungeklĂ€rt, ĂŒber die man munter spekulieren kann. ZunĂ€chst ist es eventuell wirklich nicht allzu weit hergeholt, dass der Thinker abermals seine Finger mit im Spiel hatte, um Barry vor die nĂ€chste schwierige Entscheidung zu stellen. Zwar wurde die Speedforce nicht zerstört, dafĂŒr hat Barry aber die SphĂ€re entnommen, die sich bei ihm statt im mĂ€chtigen Energiefeld befand. Ohne diese „Speed-Kugel“ mĂŒsste die Speedforce eigentlich wieder instabil werden, immerhin fehlt Barry als „Gefangener“. Das könnte wiederum Konsequenzen fĂŒr Team Flash und ihre Welt haben - womöglich genau das, was der Thinker möchte.

Meeting new people

Ebenfalls interessant ist, dass nun der in die Jahre gekommene Jay Garrick seinen Metallhut an den Nagel hĂ€ngen will. Der letzte Einsatz hat offenbart, dass der „Crimson Comet“ die Fackel vielleicht besser an jemand JĂŒngeres weiterreichen sollte. Er hat da auch schon jemanden im Blick, eine „sie“, um genau zu sein. Machen wir also schon bald Bekanntschaft mit einem neuen weiblichen Speedster? In den Comics von DC gibt es zahlreiche Kandidatinnen, von Wally Wests Tochter Iris West, die zu Kid Flash wurde, ĂŒber Patty Spivot (die in der Serie bereits von Shantel VanSanten verkörpert wurde) als Ms. Flash bis hin zu Jenni Ognats aus der fernen Zukunft, die Enkelin von Barry und Iris.

Der letzte Name kommt Euch bekannt vor? Das liegt daran, weil dieser schon mal in einem frĂŒheren Review gefallen war, und zwar im Zusammenhang mit der Frage, wer das „Mystery Girl“ ist, das von Jessica Parker Kennedy gespielt wird und am Ende von Enter Flashtime erneut einen Auftritt hat. Wie passt sie in das Gesamtbild? Die Theorie, dass sie aus der Zukunft stammt, um ihre Großeltern zu warnen oder ihnen zu helfen, gefĂ€llt mir besser, als dass sie ein junger, unerfahrener Speedster von Earth-3 ist, der sich aus irgendwelchen GrĂŒnden auf Earth-1 rumtreibt und eigentlich noch etwas Training benötigt. Wir werden frĂŒh genug eine Antwort erhalten, die mysteriöse Frau nĂ€hert sich dem Team immer mehr, wie auch immer ihre Absichten konkret aussehen. Ganz nebenbei bemerkt können wir uns ĂŒbrigens wohl darauf einstellen, dass Caitlin (Danielle Panabaker) demnĂ€chst mal wieder etwas mehr zu tun bekommt, wogegen ich nichts einzuwenden habe.

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x16, „Run, Iris, Run“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 7. MÀrz 2018

The Flash 4x15 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 15
(The Flash 4x15)
Deutscher Titel der Episode
Eine Frage der Zeit
Titel der Episode im Original
Enter Flashtime
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 6. MĂ€rz 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 2. August 2018
Autoren
Todd Helbing, Sterling Gates
Regisseur
Gregory Smith

Schauspieler in der Episode The Flash 4x15

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