The Flash 4x14

The Flash 4x14

Während Staffelbösewicht Clifford DeVoe von Episode zu Episode mächtiger wird, macht das Team in Subject 9 nur schleppend Fortschritte, um ihn aufzuhalten. Was hier aber vor allem fehlt, ist etwas, das uns mit den Figuren mitfiebern lässt. Das Momentum fehlt weiterhin.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

The Flash steckt weiterhin in einem kleinen Trott fest. Nach einer zweiwöchigen Sendepause aufgrund der olympischen Winterspiele in Pyeongchang traut sich das Superheldendrama mit der Episode Subject 9 wieder aus den Startlöchern - eine Trendwende bleibt jedoch aus. Zwischenzeitlich ist es der vierten Staffel hier und da immer wieder gelungen, den alten Flair des Formats aufleben zu lassen und relevante Geschichten über die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander zu erzählen. Auch manch Metahuman-Fall-der-Woche sowie einige der Auseinandersetzungen mit Fiesling Clifford DeVoe aka The Tinker konnten für Aufregung sorgen.

Insgesamt läuft man aber deutlich der Musik hinterher. Und das größte Problem dabei ist, dass man als Zuschauer von der Handlung viel zu selten noch richtig erreicht wird. Weiterhin macht man zahlreiche klitzekleine Trippelschritte, um in der Erzählung um den Kampf gegen den Thinker voranzukommen, was zur Folge hat, dass sich gewisse Erzählelemente wiederholen und die Spannung wiederum eher abfällt, als dass sie sich sukzessive aufbaut. „Subject 9“ stellt sich letztlich als eine solide Folge heraus, in der weder die Darstellerriege sich grobe Schnitzer leistet noch andere Aspekte - ob nun die technische Umsetzung oder das grobe Plotting der Episode - furchtbar negativ auffallen.

Giddy up

Dieser Stiefel wird jedoch derartig unspektakulär und gewöhnlich heruntergespielt, dass man sich durchaus dabei erwischt, wie man etwas angestrengt auf die Uhr blickt. Zwar versuchen die beiden Autoren Mike Alber und Gabe Snyder, ein paar emotionale Momente unterzubringen, im Großen und Ganzen lässt einen die Geschichte aber extrem kalt. Und daran krankt die vierte Staffel von „The Flash“ eben ziemlich heftig, dass das alles zwar ganz nett mit anzusehen ist, aber schlussendlich auch recht egal und austauschbar wirkt. Im Moment triumphiert Routine gegenüber Leidenschaft, was „The Flash“ mitunter zu einer sehr drögen und nichtssagenden Angelegenheit macht.

Back on the force

Nachdem der Thinker bis auf Ralph (Hartley Sawyer) alle bisherigen Bus-Metahumans um ihre Kräfte erleichtert hat und in den Körper von Becky (Sugar Lyn Beard) geschlüpft ist, geht es nun anscheinend ans Eingemachte: Vier Menschen mit Superkräften, die für die Pläne des Schurken immens wichtig sind, gilt es noch aufzuspüren. Diese will Team Flash um jeden Preis beschützen, während nebenbei weiter nach Möglichkeiten gesucht wird, um DeVoe zu besiegen. Das kommt uns doch bekannt vor, oder? Ja, auf diese Formel hat man sich mittlerweile eingeschossen, leider zeigt sie längst Abnutzungserscheinungen. In „Subject 9“ tritt, wie der Titel es verrät, der neunte Bus-Metahuman in Erscheinung, die junge Countrymusikerin Izzy Bowen (Miranda MacDougall), die über die Fähigkeit verfügt, zerstörerische Schallwellen von sich zu geben.

Neuer Metahuman, altes Spiel. Barry (Grant Gustin) geht dieses Mal jedoch etwas proaktiver als noch zuvor zu Werke und will Izzy sogleich unter seine Fittiche nehmen, um sie auf den Kampf gegen den Thinker vorzubereiten. Wie sich nämlich herausstellt, kann sie mit ihren Fähigkeiten tatsächlich Schaden anrichten und den Fiesling im Körper von Becky von den Beinen holen. Während Ralph flugs Gefühle für die Musikantin entwickelt, treibt es Barry (mittlerweile ist es auch eigentlich komplett egal, wem er alles seine Geheimidentität offenbart) jedoch zu wild, verlangt er doch auf Anhieb zu viel von Izzy. Das kann nur nach hinten losgehen. So landet diese letztlich in den Händen des Thinkers, der ihren Körper übernimmt - die akkumulierten Metahuman-Kräfte zehren an seiner gebrechlichen Hülle, weshalb ein steter Austausch dieser notwendig zu sein scheint - und Team Flash abermals aussticht.

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The CW
The CW - © The CW

I know what I want and I want it now

Die Geschichte kann man in der Tat erschreckend einfach auf das Nötigste herunterbrechen, großartige Überraschungen bleiben ebenfalls aus. Eine frische Idee würde dieser Formel definitiv guttun, von der nur zu hoffen ist, dass sie sich bei den noch verbleibenden drei Bus-Metahuman nicht ein weiteres Mal wiederholt. Mit dieser Plotstruktur gewinnt man aktuell in The Flash keinen Blumentopf, auch wenn ich ein wenig schmunzeln muss, als sich Ralph in einem Anflug von augenzwinkernder Selbstreferentialität zu einer inspirierenden Anrede gegenüber Izzy aufschwingt. Vorher muss er sich aber noch bei seinen Kollegen versichern, ob er diese Aufgabe übernehmen soll oder doch erst noch Strohhalme gezogen werden müssen, wem die Ehre zuteil wird.

Man gesteht sich fast schon selbst auf charmante Weise ein, woran es in der Serie gerade hapert, dass sich viele Szenen kaum voneinander unterscheiden und man sich als Zuschauer in einer Art Endlosschleife befindet, die viel zu selten durchbrochen wird. „The Flash“ ist und bleibt ein klassisches Superhelden-Procedural, in dem es pro Staffel zumeist einen großen Widersacher zu bekämpfen gibt, dessen Geschichte in einem übergeordneten Plot langsam vorangetrieben wird. Momentan wird aber deutlicher als jemals zuvor (die dritte Staffel hatte ähnliche Probleme), dass es neue Ideen benötigt, um nicht da zu enden, wo zum Beispiel gerade ein Arrow in seiner sechsten Staffel herumkrebst.

Big break

Die Aussicht auf einen Antagonisten, der mal nicht über die gleichen Fähigkeiten wie unser Titelheld verfügt, waren verlockend. Nach etwas mehr als der Hälfte der vierten Staffel ist das Zwischenfazit aber eher ernüchternd, weil man aus der neuen Prämisse zu wenig gemacht und diese dermaßen formalisiert hat, dass die Handlung um den Thinker oftmals das Uninteressanteste in einer ganzen Episode ist. Also kann man nur auf die unterschiedlichen Nebengeschichten hoffen, deren Effektivität aber auch extrem von verschiedenen Faktoren abhängt. Zum Beispiel, wie gut die Dynamik zwischen den Darstellern ist oder auch, wie relevant die zwischenmenschlichen Szenen für das Gesamtbild sind.

Borderline sweet

Werfen wir einen Blick auf Cecile und Harry, die sich in Subject 9 einen Nebenplot teilen. Danielle Nicolet und Tom Cavanagh sind zwei gute Schauspieler, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie mit ihren Darbietungen ganze Szenen tragen können. Ihr Zusammenspiel geht auch in Ordnung, jedoch fragt man sich schon, woher auf einmal die Idee kommt, dieses Duo gemeinsam auftreten zu lassen. Im Autorenraum hat man sich wahrscheinlich gedacht, dass dieses Pärchen bisher am wenigsten interagiert hat. Also ändert man das. Harry kann Cecile bei der Eindämmung ihrer telepathischen Fähigkeiten helfen, die sie fast in den Wahnsinn treiben, und Cecile kann den nörgligen, frustrierten Harry vielleicht mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Gleichzeitig entwickelt man eine Gerätschaft, den „cerebral inhibitor“, mit dem man den Thinker eventuell etwas schwächen kann. Gelingt dies? Die vorläufige Antwort: Nein, denn der Fiesling wehrt diesen Angriff mit Leichtigkeit ab, was sich das Team hätte denken können. Möglicherweise spielt Harrys Erfindung aber noch im späteren Verlauf eine wichtige Rolle, nicht umsonst wurde sie bereits in der letzten Staffel erwähnt. Aber zurück zu Harry und Cecile: So sehr ich beide Charaktere mag, ihre gemeinsamen Szenen wirken seltsam und ein Stück weit erzwungen auf mich. Zu oft stelle ich mir hier die Frage, warum man uns das alles zeigt.

The CW
The CW - © The CW

Push it real good

Natürlich, um zu verdeutlichen, dass sich beide trotz ihrer Verschiedenheiten und bisher überschaubarer Interaktion miteinander helfen können. Insgesamt erscheint mir diese Nebenhandlung aber zu plump konstruiert. Als hätte man sich verpflichtet gefühlt, diese beiden Figuren zusammen auftreten zu lassen, anstatt einen Weg zu finden, der sich natürlicher anfühlt. Hinzu kommt, dass auch hier eine gewisse Formelhaftigkeit zu erkennen ist, womit man aber mit Blick auf die verschiedenen Charaktermomente dieser Episode nicht allein auf weiter Flur steht. Nicht falsch verstehen: Ich kann eine Inszenierung nach einem bestimmten Schema akzeptieren und selbstverständlich ist mir klar, dass es nicht immer einfach ist, etwas Neues oder Unerwartetes aus dem Hut zu zaubern.

Wenn dann aber die Ausführung zum Problem wird, sprich gängige Motive der Serie stumpf wiedergekäut werden und sich kein Gefühl der Dringlichkeit oder gar Momentum entwickelt, das einen mitreißt - dann tut man sich selbst und seinem Publikum keinen Gefallen. Ich gehe ja sehr gerne gnädig mit dem Zusammenspiel von Iris (Candice Patton) und Barry um, deren kleines Gespräch, dass es Barry doch an sich besser wissen müsste, als dem Thinker in dessen Vorgehen nachzueifern, ist aber derartig öde und inhaltlich altbekannt, dass es eigentlich nicht weiter der Rede wert ist. Auch Dibnys Tête-à-tête mit Izzy gestaltet sich ein wenig fad. Wir kennen diese Dialoge eben viel zu sehr. Dass sich Ralph sofort in Izzy verguckt, was es für ihn persönlich nur umso schmerzhafter macht, als ihr Körper vom Thinker übernommen wird, gibt dem Ganzen zumindest noch etwas dramatische Würze.

Where is my mind?

Persönlich reizen mich von all diesen Nebengeräuschen am meisten die Streitigkeiten im Hause DeVoe, was jetzt zwar keine besonders originelle Entwicklung ist, aber der Beziehung zwischen dem immer instabileren Clifford und seiner Frau Marlize (Kim Engelbrecht), die den körperlichen und möglicherweise auch mentalen Verfall ihres Gatten hautnah miterlebt, Tiefe gibt. Hier baut sich etwas auf, das sich in der zweiten Hälfte der vierten Staffel von The Flash Schritt für Schritt entwickeln könnte. Sollte der interne Konflikt der DeVoes zunehmen, bin ich bestimmt nicht der einzige, der vermutet, welches Resultat dies zur Folge haben wird: der Tod von Marlize zu Händen ihres Mannes. Der Weg bis hin zu diesem schockierenden Moment muss nur spannend und nachvollziehbar ausstaffiert werden.

Fight back

Ein schöner „Rausschmeißer“ ist übrigens die letzte Szene zwischen Barry und Ralph, in der doch recht gut deutlich wird, dass sich zwischen ihnen innerhalb kürzester Zeit eine wertige Freundschaft entwickelt hat. Die „Causa Dibny“ ist zwar nach wie vor ein wöchentliches Hin und Her. Hier merkt man beiden Charakteren jedoch an, dass sie mittlerweile einander vertrauen und in schwierigen Momenten füreinander da sind. Dieser Augenblick fühlt sich verdient an. Abschließend verkneife ich mir ein allzu ausführliches Urteil über den Einsatz von Countrymusik in Subject 9. Es wird sicherlich Fans geben, meinen Musikgeschmack trifft es eher nicht. Gastdarstellerin Miranda MacDougall gefällt eigentlich ganz gut als zugegeben stereotypisches Südstaatenmädel, das sich sehr gut selbst verteidigen kann. Die Kombination ihrer Kräfte mit dem Musizieren auf einer Geige ist jedoch... gewöhnungsbedürftig. Und bei weitem nicht so melodisch, wie ich es mir vielleicht erhofft hätte.

Aber gut, The Flash hat aktuell größere Probleme als eine Lindsey Stirling-mäßige Powergeigerin. Die Macher müssen sich die Frage stellen, wie sie mit ihren Geschichten wieder relevanter werden und das Ruder herumreißen können. Ansonsten wird das Geschehen nur noch weiter vor sich hinplätschern, als dass man seine Zuschauer begeistern kann.

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x15 „Enter Flashtime“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 28. Februar 2018

The Flash 4x14 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 14
(The Flash 4x14)
Deutscher Titel der Episode
Meta Nummer 9
Titel der Episode im Original
Subject 9
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 27. Februar 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. August 2018
Autoren
Mike Alber, Gabe Snyder
Regisseur
Ralph Hemecker

Schauspieler in der Episode The Flash 4x14

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