The Flash 4x11

The Flash 4x11

Während Barry in The Elongated Knight Rises im Kittchen sitzt, schlägt für den zotigen Schwerenöter Ralph Dibny seine große Stunde als Held. Die Mischung aus leichtem Gefängnisdrama und albernem Comicspaß will aber nicht so recht zünden. Vorsicht, erhöhte Fremdschamgefahr.

Ralph Dibny (Hartley Sawyer) in „The Elongated Knight Rises“ (c) The CW
Ralph Dibny (Hartley Sawyer) in „The Elongated Knight Rises“ (c) The CW
© alph Dibny (Hartley Sawyer) in „The Elongated Knight Rises“ (c) The CW

Mich würde es nicht verwundern, wenn The Elongated Knight Rises, die erste Episode in der vierten Staffel von The Flash nach der Inhaftierung Barrys (Grant Gustin), von den Zuschauern mit besonders harscher Kritik aufgenommen wird. Mit dem Titelhelden hinter schwedischen Gardinen ergibt sich für die Autoren nun die Gelegenheit, den anderen Mitgliedern von Team Flash mal wieder etwas mehr Raum zur Entfaltung zu geben. So entscheidet man sich hier, Neuling Ralph Dibny (Hartley Sawyer) eine weitere Chance zu geben, so dass er zu dem Helden aufsteigt, den Central City nach dem Abschied von The Flash braucht, aber wirklich nicht verdient hat.

Dibnys Entwicklung zu einem pflicht- und vor allem sich seiner selbst bewussten Charakter geht also weiter, seine Gegner heißen dieses Mal Alex Walker aka der Trickster (Devon Graye) und dessen Mutter Zoey Clark aka Prank (Corinne Bohrer) - er ist der Spross von „Ur-Trickster“ James Jesse (Mark Hamill), sie war lange Zeiten die Geliebte und Gehilfin des verrückten Terrorclowns. Was folgt, ist ein Handlungsstrang, der mehr als einmal unangenehm unwitzig ist und ohne Rücksicht auf (Zuschauer-)Verluste den Comicregler auf Anschlag dreht. Letzten Endes pendelt man sich irgendwo zwischen absurder Unterhaltung und schmerzhaftem Trash ein. Insgesamt gesehen hat man diese Mixtur aber schon weitaus besser hinbekommen.

Rise up

Die Episoden aus der Vergangenheit, in denen der Trickster im Zentrum der Handlung stand, sind stets Geschmackssache gewesen. In Mark Hamill hatte man jedoch jemanden, der mit voller Inbrunst seine Schurkenrolle aus der „The Flash“-Originalserie Anfang der 1990er Jahre wiederbelebte und dem man den Wahnsinn seines Charakters auch abnimmt. In „The Elongated Knight Rises“ hofft man, dass sich die Zuschauer erneut mit einem übertriebenen, irrsinnigen Plot arrangieren werden. Die Darbietungen der Antagonisten stellen das Publikum aber eher auf die Probe. So charmant die Besetzung von Zoey Clark aka Park mit Corinne Bohrer ist, die in der alten „Flash“-Serie genau diese Rolle spielte, so uninteressant ist leider die Geschichte um das Wiedersehen von Mutter und Sohn sowie deren neuerlichen Missetaten.

Child's play

Es verstecken sich zwar ein paar nette Referenzen in diesem Handlungsstrang (so zum Beispiel Fotoaufnahmen von Hamill und Bohrer von vor fast 30 Jahren oder aber „Kriegsgott“ Beebo, den einige eventuell aus Legends of Tomorrow kennen), am Ende lassen einen die Rückkehr von Prank und die perversen Spielchen, die sie gemeinsam mit Sohnemann Alex betreibt, ziemlich kalt. Doch nicht nur an ihnen hapert es in dieser Folge, auch die Erzählung um „Ersatzheld“ Ralph Dibny vermag es nicht, etwaige Schwächen zu kompensieren. Das Problem liegt dabei weniger an dem Charakter, der in früheren Episoden alles andere als einfach zu ertragen war, sondern daran, was mit diesem gemacht wird.

The Elongated Knight Rises“ soll abermals dazu dienen, um aufzeigen, was wirklich in Ralph steckt. Der selbstsüchtige, egozentrische Excop trägt ein gutes Herz in sich und kann durchaus über sich hinauswachsen. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Im Laufe der Folge erkennt er zunächst, dass er trotz seiner elastischen Fähigkeiten doch nicht vor Schaden und Schmerzen gefeit ist. Das verunsichert ihn, möchte er doch nur ungern das Zeitliche segnen. Deshalb will er lieber die Finger vom Heldendasein lassen. Ein paar aufmunternde und weise Worte von Jungmentor Barry überzeugen Ralph aber schließlich davon, Herr über seine Ängste zu werden und seine Talente einzusetzen, um anderen zu helfen. Der „Elongated Man“ ist geboren und rettet am Ende von The Elongated Knight Rises wie erwartet den Tag! Gut, eigentlich ist es Harrison Wells (Tom Cavanagh), aber wir wollen mal nicht so sein...

The CW
The CW - © The CW

Dealbreaker

Es ist leider ziemlich enttäuschend, wie abgedroschen sich diese „Heldengeschichte“ gestaltet. Ich kann verstehen, dass es alles andere als einfach ist, einen originellen Ansatz zu finden, um Ralph als neuestes Mitglied innerhalb von Team Flash weiterzuentwickeln. Die Lektionen, die dieser aber in letzter Zeit durchlebt, sind furchtbar kalter Kaffee. Das mag ja alles stimmen, was ihm gesagt wird: dass er an sich selbst glauben und Verantwortung übernehmen muss, dass er sich verändern und zu einem vollwertigen Teammitglied werden kann. Als Zuschauer kann ich das alles aber getrost ausblenden. Man verpasst inhaltlich überhaupt nichts, weil dieses Prozedere in der Serie schon mehrfach durchexerziert wurde und der Ausgang total vorhersehbar ist.

Es mag unfair klingen, aber die Art und Weise, wie Ralph Dibny gezeichnet wird, den Weg, den sich die Macher für ihn ausgedacht haben, das alles ist extrem langweilig, weil generisch und bekannt. Vielleicht wäre es anders, wenn Dibny per se ein interessanter Charakter wäre, der einem etwas mehr bedeutet. Und irgendwie versucht man ja tatsächlich, die Figur komplexer zu machen, ihr Ecken, Kanten und ungeahnte Qualitäten zu geben, die den Wert eines Ralph Dibny für die Erzählung steigern. Nach wie vor vertrete ich jedoch die Ansicht, dass Team Flash auch ohne ihn auskommen würde. Der Charakter gibt einfach nicht allzu viel her. Und als Stellvertreter Barrys könnten genauso gut Cisco (Carlos Valdes) oder Caitlin beziehungsweise Killer Frost (Danielle Panabaker) agieren.

Tricked

Man bekommt fast den Eindruck, als wäre Dibny ein persönliches Experiment des restlichen Teams, um zu beweisen, dass ein eigennütziger, egomanischer Charakter tatsächlich eine Drehung um 180 Grad vollziehen und unter den richtigen Umständen zu einem besseren Mensch werden kann. Löblich, dass sich das Team dieses Falles annimmt. Auf der anderen Seite aber auch ein Stück weit gönnerhaft der Serienmacher sowie gemein dem Charakter Ralph Dibny gegenüber, der im Grunde genommen ein besseres Versuchskaninchen ist. Ein Versuchskaninchen, das jetzt einen neuen, formschönen Anzug verpasst bekommt und sein Spannbettlaken einmotten kann. Aber nach wie vor ein Versuchskaninchen, dessen Wesen zweitrangig ist, solange es Ergebnisse erzielt.

Wheel of misfortune

Ich freue mich ja darüber, dass die Figuren abseits von Barry jetzt wieder etwas mehr in den Fokus rücken. Es ist aber ärgerlich, dass man diese Chance so verplempert und eine halbgare Episode wie „The Elongated Knight Rises“ dabei herumkommt, die bis auf ein paar wenige ordentliche Gags und einen soliden Nebenplot um Knastbruder Barry ziemlich schwach auf der Brust ist. Die Haupthandlung plätschert dermaßen vor sich hin, dass man den vermeintlichen Höhepunkt - Cisco und Caitlin bangen kurzzeitig um ihre Leben - fast schon verpasst, was aber auch nicht weiter schlimm ist, da man sich eh denken kann, wie die Geschichte ausgeht. Der Quatsch nimmt zu sehr Überhand, die Gefahr verflüchtigt sich relativ schnell, Langeweile macht sich breit.

Außer man ist natürlich ein Fan dieser Art Gimmick-Episoden. Aber, wie bereits erwähnt, versucht man vielmehr, eine billige Kopie der Folgen um den alten Trickster zu sein, als auf eigenen Beinen zu stehen. Dass Corinne Bohrer und Devon Graye offenbar ihren Spaß haben, ist nicht abzustreiten. Im Großen und Ganzen haben wir all das aber schon wesentlich besser und kurzweiliger gesehen. So krankt nicht nur Dibnys Figurenzeichnung daran, dass alte Themen aus The Flash uninspiriert aufgewärmt werden. Auch die austauschbaren Schurken der Woche leiden unter diesem Problem.

The CW
The CW - © The CW

New life

Bei all der Enttäuschung klammere ich mich in The Elongated Knight Rises umso mehr an Barrys Einzelgeschichte im Gefängnis Iron Heights. Diese passt tonal überhaupt nicht zum Rest der Episode und ist auch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Alles in allem hat sie aber emotional deutlich mehr zu bieten als der Hauptplot, was viel wert ist. Barry merkt man in seiner Zelle an, dass er eigentlich nicht die Füße still halten kann und will. Er sitzt gerade einmal eine Woche im Bau und zählt jetzt schon die Sekunden, bis er endlich wieder für wenige Minuten Iris sehen kann. Er könnte ruck, zuck draußen sein, was ihn aber nicht freisprechen würde. Also übt er sich widerwillig weiter in Geduld, unterbindet einen Gefängnisaufstand und macht sich neue Feinde sowie Freunde.

Warum es eine fiese Knastcrew genau auf Barry abgesehen hat, wird nicht weiter erklärt. Man bedient sich der altbekannten Tatsache, dass es im Gefängnis nun einmal so abläuft und man als Neuling keinen leichten Stand hat. Glücklicherweise kann sich Barry auf einen Häftling namens Big Sir - eigentlich Dave - verlassen, der von Gastdarsteller und Wrestler Bill Goldberg verkörpert wird. Papa Allen hat diesem einst das Leben gerettet, also ist der massive Dave jetzt auch für den Junior da. In dem muskelbepackten Hünen findet Barry einen starken Verbündeten, aber vor allem auch eine schöne Botschaft, die ihm Kraft gibt. Sein Vater wurde zu Unrecht verurteilt und weggesperrt und ist trotzdem nie vom rechten Pfad abgekommen. An diesem Beispiel kann sich Barry orientieren und Zuversicht schöpfen.

New normal

Dass unser junger Held mit sich ringt, wird mehr als deutlich, als er auf seine Frau Iris (Candice Patton) trifft. Beide haben mit dieser Situation zu kämpfen, strahlen angesichts dieser einzigartigen Herausforderung aber auch eine Art Stärke aus, die sie in dieser schwierigen Zeit brauchen. Die Szenen zwischen den beiden gestalten sich fast etwas zu rührselig, irgendwie bekommt man aber noch die Kurve, so dass ich mit dem jungen Ehepaar mitfühle und der kleine, intime Moment unter ihnen nachhallt. Der „Gefängnisplot“ ist in seiner Gänze zwar recht oberflächlich und mit Klischees durchzogen, dafür löst man aber immerhin eine emotionale Regung aus, wodurch man als Zuschauer involviert wird.

New face

Die ohne Frage spannendste Szene der gesamten Episode spielt sich jedoch am Ende von The Elongated Knight Rises ab. Es gibt nämlich ein Wiedersehen mit dem „Mystery Girl“ - so zumindest die Rollenbeschreibung des Charakters, der von Jessica Parker Kennedy (Black Sails, Colony) gespielt wird. Diese war im Crossover-Trubel um „Crisis on Earth-X“ etwas untergegangen, in dem sie bereits als Kellnerin auf der Hochzeit von Barry und Iris zu sehen war. Jetzt hilft sie Cisco und Ralph mit ein paar Dollar an der Kaffeetheke aus. Sie wirkt etwas sonderbar und aufgeregt, doch vor allem ihr Notizbuch weckt unsere Aufmerksamkeit. In diesem sehen wir nämlich reihenweise die gleichen Symbole, die der verwirrte Barry nach seiner Rückkehr aus der Speed Force wie im Wahn an die Wände gepinselt hatte.

Nun kann man spekulieren, wer das „Mystery Girl“ ist und welche Rolle sie in der Zukunft spielen wird. Stammt sie aus der Speed Force oder ist sie selbst ein Speedster, die dem Team helfen will? Im Netz wird bereits energisch theoretisiert, ob es sich bei Kennedys Charakter eventuell um die Comicfigur Jenni Ognats handelt, die in den Comics die Enkelin von Barry und Iris ist. Stammt das „Mystery Girl“ aus der Zukunft (oder einer Parallelwelt?) und ist sie in diese Zeit gekommen, um ihren Vorfahren unter die Arme zu greifen? Seit letzter Woche kursiert übrigens auch die Theorie, dass Barry nie die Speed Force verlassen hat, weshalb er so vernichtend von DeVoe geschlagen wurde, weil dies die ultimative Strafe für den Speedster wäre. Ich glaube nicht daran, aber sollte es so sein, dann könnte Kennedys Charakter vielleicht dafür sorgen, dass Barry sich dieser Illusion bewusst wird. Aber warum sucht sie dann zuerst den Kontakt mit Cisco und Ralph? Fragen über Fragen, vielleicht habt Ihr ja Antworten und Ideen.

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x12 „Honey, I Shrunk Team Flash“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 24. Januar 2018

The Flash 4x11 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 11
(The Flash 4x11)
Deutscher Titel der Episode
Superheld in Vertretung
Titel der Episode im Original
The Elongated Knight Rises
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. Januar 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Juli 2018
Autoren
Sterling Gates, Thomas Pound
Regisseur
Alexandra La Roche

Schauspieler in der Episode The Flash 4x11

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