The Flash 4x12

© ecile (Danielle Nicolet) und Joe (Jesse L. Martin) in „Honey, I Shrunk Team Flash“ (c) The CW
Team Flash muss in der Episode Honey, I Shrunk Team Flash weiterhin ohne seinen heldenhaften Anführer auskommen, der sich immer mehr in seiner neuen Umgebung einlebt. Während Barry (Grant Gustin) innige Knastfreundschaften schließt und seine eigene kleine Geschichte hinter Gittern durchlebt, versuchen seine Freunde, irgendwie einen Weg zurück zur Normalität zu finden, was jedoch einfacher gesagt als getan ist. Die Inhaftierung Barrys nagt an ihnen, momentan sind dem Team aber die Hände gebunden. Geduld ist gefragt. Also befasst man sich mit einem neuen mysteriösen Metahuman sowie einigen zwischenmenschlichen Themen, die die Charaktere beschäftigen.
In der letzten Episode zeigte ich mich eher ernüchtert, dass bei dem Fokus auf Ralph Dibny (Hartley Sawyer) letztlich doch sehr wenig herumgekommen ist. Generell finde ich es aber gut, dass die verschiedenen Nebenfiguren aktuell wieder mehr in den Vordergrund rücken. In „Honey, I Shrunk Team Flash“ geht es vor allem um Joe (Jesse L. Martin), Cecile (Danielle Nicolet) und deren Beziehung zueinander, die ein wenig auf die Probe gestellt wird, als sich bei Cecile plötzlich Metahumankräfte in Form von Telepathie manifestieren. Aber auch die Dynamik innerhalb des Teams ist ein Thema, ebenso wie die persönliche Geschichte des zu Unrecht verurteilten Hünen Dave (Bill Goldberg), dem Barry gerne helfen will.
Roadblock
Es menschelt gewaltig und an allen Fronten, doch im genau richtigen Maße und ohne, dass die unterschiedlichen Einzelgeschichten zu sehr ins aufgesetzte Melodrama abdriften. Eher im Gegenteil, man kann sich den vielen charmanten und herzlichen Szenen dieser Folge fast gar nicht entziehen. In Kombination mit den zahlreichen spaßigen Momentaufnahmen der Episode entwickelt sich „Honey, I Shrunk Team Flash“ schnell zu einer sehr kurzweiligen Erzählung, die mit Leichtigkeit und mit starken Charaktermomenten besticht. Diese funktionieren wiederum so hervorragend, weil uns die involvierten Figuren doch auf irgendeiner Art und Weise am Herzen liegen und wir uns gut in ihre Lage hineinversetzen können.
Dumb thoughts
Die Serie wandelt dabei auf alten Pfaden: Die Handlung geht wunderbar und lockerleicht von der Hand und zwischendurch werden immer wieder amüsante Augenblicke eingestreut, die oftmals eine gekonnte Einleitung für eher ernstere Szenen darstellen. Die Idee, Cecile mit telepathischen Fähigkeiten auszustatten, ist auf den ersten Blick unterhaltsam und fördert ein paar solide Lacher zu Tage. Letzten Endes nutzt man diese unerwartete Entwicklung - die medizinisch irgendwie mit Ceciles fortschreitender Schwangerschaft und restlicher, jetzt freigesetzter dunkler Materie in ihrem Körper erklärt wird - aber vor allem dazu, um einen intimen Einblick in das aktuelle Verhältnis zwischen der Staatsanwältin und Joe zu erhalten.
Dass Danielle Nicolet und Jesse L. Martin ein formidables Schauspielduo abgeben, ist hinlänglich bekannt. Und bisher hatte man auch den Eindruck, dass Cecile und Joe nach wie vor auf Wolke sieben schweben. Mit ihrem gemeinsamen Nachwuchs kommen aber Bedenken, über die sie als Paar reden müssen. Dadurch, dass Cecile plötzlich Joes Gedanken lesen kann, fühlt sich dieser etwas unsicher ob ihrer gemeinsamen Zukunft und wie er von ihr wahrgenommen wird. Ausnahmsweise gibt es mal kein Teenie-Herzschmerz oder das Drama einer jungen, zerbrechlichen Liebe zu sehen. Hier interagieren zwei erwachsene, reife Menschen miteinander, die in ihren Leben schon einiges erlebt haben: diverse Beziehungen, Hochzeiten, Scheidungen, Kinder. Doch es ist nie zu spät für ein neues Glück, welches einem aber mitnichten auf dem Silbertablett serviert wird. Für dieses muss man auch „arbeiten“.
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Bulbasaur!
Und so tauschen sich Joe und Cecile im Laufe von Honey ehrlich und offen aus, teilen ihre Ängste und Sorgen und avancieren zum Fels in der Brandung für den jeweils anderen. All ihre Szenen strahlen eine Art Wärme aus, selbst wenn es zwischenzeitlich ein wenig kriselt. Insgesamt wächst aber die Beziehung zwischen ihnen und nimmt eine neue, gefestigte Form an. Wir sind indirekt Teil dieses intimen Prozesses zwischen zwei Menschen, die wir beide in ihren Gedankengängen verstehen und nachvollziehen können. Ceciles Superkraft wird da fast schon zur Nebensache, wenn auch zu einer sehr unterhaltsamen, ist es doch recht putzig, wie begeistert sie anfangs ist, dass sie von allen die Gedanken lesen kann. Im Zentrum steht aber das starke, besondere Band, das Joe und Cecile mittlerweile geknüpft haben und das für das Publikum absolut greifbar ist.
Es ist ein bisschen erstaunlich, wie viel man emotional aus dieser Episode herausholen kann, die, wie der Titel (eine nette Hommage an den Kultfilm „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“) suggeriert, oft sehr komödiantische Züge annimmt. Im Kampf gegen den kriminellen Metahuman Sylbert Rundine aka Dwarfstar (Derek Mears), der alles und jeden verkleinern kann, werden Cisco (Carlos Valdes) und Ralph auf Spielfigurengröße geschrumpft. Was folgt, sind ein paar nette Gags und lustige Kommentare, doch bereits vor diesem Vorfall zahlt sich die exzellente Chemie unter der Darstellerriege aus, die sich gekonnt die Bälle zuspielt und herrlich miteinander harmonieren. Wobei man darüber streiten kann, ob Bisasam wirklich das süßeste Pokémon von allen ist...
Nowhere
Inmitten dieser unterhaltsamen Szenen sticht dann aber auf einmal Harrison Wells (Tom Cavanagh) heraus, der sich sein eigenes Leben schwer macht und aufgrund Barrys Verurteilung sowie seiner Machtlosigkeit gegenüber dem diabolischen Thinker sichtlich frustriert ist. Dieser Charakter hat in den letzten Episoden eher zurückgesteckt, jetzt sehen wir ein paar Momente, die effektiv beleuchten, was in dem talentierten Wissenschaftler emotional vorgeht. Er hat eigentlich immer eine Lösung für jedes Problem parat. Nur eben nicht dieses Mal. Ein wenig überrascht bin ich schon, wie rasend Wells reagiert, dass das Team keine Fortschritte macht. Ähnlich wie Barry bürdet er sich viel zu viel auf, weil er glaubt, dass es seine alleinige Verantwortung ist, den Tag zu retten.
Easy victory
Dieser selbstauferlegte Druck führt schließlich dazu, dass er Cisco und Ralph in Lebensgefahr bringt und daher unbedingt geerdet werden muss. Dass Cisco seinen Freund und Kollegen wieder etwas auf den Boden der Tatsache zurückholt, ist ein altbekanntes Lied. Dennoch ist es interessant, dass wir auch einen Einblick in Harrison Wells bekommen, der sicherlich seine Macken und verschrobenen Eigenheiten hat, dem aber offensichtlich auch unglaublich viel an seinen Freunden liegt. Das zeigt er zwar nicht sehr oft und wenn, dann auf seine spezielle Art. Aber die aktuelle Situation beschäftigt auch ihn immens, so ungern er diese „Schwäche“ zugeben möchte. Innerhalb von Team Flash kann er jedoch ehrlich zu sich und seinen Mitmenschen sein, die ihm vertrauen und für ihn da sind, wie er sie braucht.
Der Teamgedanke und die Aufopferungsbereitschaft füreinander werden unterschwellig thematisiert, was sich zum Beispiel auch in dem Handlungsstrang um Barry zeigt, der sich selbst hinter schwedischen Gardinen auf seine Freunde verlassen kann. Über diese möchte er nämlich Knastbruder Dave helfen, der eine Strafe für ein Verbrechen absitzt, das er niemals begangen hat. Auch in dieser Folge erscheinen mir ein paar der Gefängnisszenen etwas klischeehaft. Dass Barry jedoch mit seiner grundsätzlich optimistischen und zuversichtlichen Art etwas Licht an diesen finsteren Ort bringt, spricht mich an. So sehr sogar, dass mir die Geschichte des unschuldigen Dave, der zum Schluss der Folge von Barry auf freien Fuß gesetzt wird und so sein persönliches Filmende bekommt, überraschend nahegeht.

Wrong place, wrong time
Dabei gibt es auf dem Weg dahin einige Stolpersteine. Dass Sylbert Rundine genau der Übeltäter ist, für den Dave einst zu Unrecht in den Bau eingewandert ist, stellt einen seltsamen Zufall dar. Aber: Im Kampf gegen den Thinker gibt es wohlgemerkt keine Zufälle. Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass diese Gerede à la „Alles hat einen Grund, alles ist miteinander verbunden, nichts passiert zufällig...“ so langsam ziemlich eintönig und uninteressant ist. Der dubiose Masterplan des Thinker, den das Team entschlüsseln will, ist bei Weitem nicht so spannend, wie er von den Autoren der Serie gerade gemacht wird. Darüber hinaus kann man sicherlich auch über den Gefängnisplot an sich diskutieren, denn bei all den Genretropen, die hier bedient werden, sind die Abstecher in diesen Mikrokosmos doch mit einigen Aspekten gespickt, die wenig Sinn ergeben.
Welches Gefängnis dieser Welt wird bitte so betrieben wie das Iron Heights in Central City? Aber nun gut, wir ignorieren einfach mal diese Makel. Was dann übrigbleibt, ist eine schöne kleine Geschichte über einen eigentlich gutherzigen Muskelberg, der sich mit seinem tristen Schicksal abgefunden hat und dann doch wieder Hoffnung schöpft, als er von einem jungen Springinsfeld daran erinnert wird, wie gut es doch tut, wenn man an etwas glaubt. Natürlich kann man dabei auch schrecklich auf die Nase fallen und sich mit falschen Hoffnungen das eigene Leben schwer machen. Dave nimmt aber deutlich sichtbar neue Kräfte aus seiner Begegnung mit Barry mit, auch wenn sein Fall am Ende doch nicht neu aufgerollt wird, weil Rundine kein Geständnis ablegen wird.
Just another guy
Der Moment, als Barry dann Dave an seinen Traumort, ein kleines Kloster irgendwo in China, befördert, zaubert mir ein breites, zufriedenes Lächeln auf die Lippen. Es mag zwar nicht legal sein, aber Barry weiß, dass sich sein neuer Freund dieses Ende verdient hat. Barry kann auch an diesem Ort ein Held sein und seinen Mitmenschen helfen. Als moralische Stütze oder eben mit seinen Fähigkeiten, wenn er sieht, dass jemandem großes Unrecht widerfahren ist. Das Ganze trieft zwar letztendlich ordentlich vor Gefängnisromantik bar jeder Logik, insgesamt kann man sich mit dieser im Kern sehr herzlichen Erzählung mitsamt Happy End (vermutlich?) aber hervorragend arrangieren. Und Bill Goldberg präsentiert sich ebenfalls sehr passabel.
Monsters
Passabel gestaltet sich auch das actionreiche Finale, in dem „Dwarfstar“ wie wild mit geschrumpften Autos und Hubschraubern um sich wirft, die dann wieder ihre Normalgröße annehmen und Team Flash vor eine explosive Herausforderung stellen. Das Bild von Cisco und Ralph, die auf einer Drohne an dem Kampf teilnehmen, hat schon was, beide können schließlich gerettet und wieder vergrößert werden. Auch der diebische Sylbert Rundine wird gefasst - Ende gut, alles gut. Durch das „Schrumpfgimmick“ kann man sich ein wenig austoben und zieht so ein paar gelungene Witze sowie unterhaltsame Actionsequenzen aus dem Hut. Als unkomplizierte Abwechslung zu den eher auf Charaktere bezogenen Handlungsbögen in Honey, I Shrunk Team Flash passt dieser „Metahuman der Woche“-Fall sehr ordentlich in die Episode rein.
Diese liefert uns zum Abschluss dann noch eine kleine Überraschung, denn, wie sich herausstellt, ist Gefängnischef Wolfe (Richard Brooks) im Bunde mit Schwarzmarkthändlerin Amunet Black (Katee Sackhoff), für die der korrupte Aufseher ein verlockendes Angebot hat. Wer würde nicht gerne den schnellsten Mann der Welt und strahlenden Helden von Central City besitzen? Auch hier muss man im Sinne des Twists ignorieren, dass Wolfe in seinem Gefängnis anscheinend machen kann, was er will und er sich für das Verschwinden seines aktuell prominentesten Insassen sicherlich irgendeine fadenscheinige Erklärung einfallen lassen wird. Für Team Flash könnte sich indes eine neue Möglichkeit auftun, Barry zu befreien, auch wenn dieser jetzt wahrscheinlich erst einmal in den Besitz von Amunet Black übergehen wird. Was auch immer passieren wird, der Thinker hat sicherlich seine Finger mit im Spiel.
Trailer zur „The Flash“-Episode „True Colors“ (4x13):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 31. Januar 2018The Flash 4x12 Trailer
(The Flash 4x12)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x12
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