The Flash 4x10

The Flash 4x10

In The Trial of The Flash sieht sich Barry einer Anklage ausgesetzt, die eine für ihn aussichtslose Gerichtsverhandlung nach sich zieht. Neben solidem Court Drama besticht die Episode auch mit vielen ruhigen Charaktermomenten. Der Nebenplot hat indes einen radioaktiven Metahuman zu bieten.

Cecile (Danielle Nicolet) und Barry (Grant Gustin) in „The Trial of The Flash“ (c) The CW
Cecile (Danielle Nicolet) und Barry (Grant Gustin) in „The Trial of The Flash“ (c) The CW
© ecile (Danielle Nicolet) und Barry (Grant Gustin) in „The Trial of The Flash“ (c) The CW

Selbst der schnellste Mann der Welt ist nicht vor der Gnadenlosigkeit des amerikanischen Rechtssystems gefeit, ob unschuldig oder nicht. Nachdem das Winterfinale Don't Run der vierten Staffel von The Flash damit endete, dass Barry (Grant Gustin) für den Mord an Clifford DeVoe (Neil Sandilands) verantwortlich gemacht und folglich von den Behörden in Gewahrsam genommen wurde, rasen wir nun in der Episode The Trial of The Flash durch die Gerichtsverhandlung zu diesem Mordfall, bei der sich der Angeklagte keine großen Hoffnungen machen sollte, freigesprochen zu werden. Verständlicherweise, ist die Beweislast doch erdrückend und Barrys vermeintlicher Vorsatz, nachdem er DeVoe und seiner Frau Marlize immer wieder auf die Pelle gerückt ist, mehr als etabliert.

Wir bekommen zwar auch eine kleine „Metahuman der Woche“-Geschichte aufgetischt, die beinahe ein katastrophales Ende nimmt, der Fokus liegt aber vor allem auf dem Prozess um den „kaltblütigen Mörder Bartholomew Henry Allen“. Und so etwas sehen wir eher selten in „The Flash“, weshalb der kleine Ausflug ins Genre „Anwaltsdrama“ sich durchaus erfrischend anfühlt. Dieser beschränkt sich aber vor allem auf Szenen im Gerichtssaal, wo Cecile (Danielle Nicolet) ihr Bestes gibt, um die Jury von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen, während ihr Gegenüber, Staatsanwalt Anton Slater (Mark Valley), fast schon zu leichtes Spiel hat, Barry als das Monster zu zeichnen, das den angesehenen Collegeprofessor Clifford DeVoe abgestochen hat.

Framed

Phil Chipera - der mit „The Trial of The Flash“ seine erste Arbeit überhaupt als Regisseur für eine TV-Episode abliefert, nachdem er zuvor bereits viel Erfahrung als Regieassistent oder Second Unit Director gesammelt hatte - fängt die Dynamik dieser Gerichtsverhandlung gut ein, drückt dabei aber aus Zeitgründen auch etwas auf die Tube. Im Normalfall dürfte sich so ein Fall wohl etwas länger hinziehen, so eindeutig die Beweislage auch ist. Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich eher langsamer, aus dramaturgischen Gründen macht man hier jedoch eine Ausnahme, wie es auch oft bei anderen Genrevertretern der Fall ist. Innerhalb dieser Rahmenhandlung um Barrys Prozess entwickeln sich dann wiederum einige einprägsame Szenen, die auf die Charaktere und ihre wertigen Beziehungen untereinander eingehen und darauf, was es bedeutet, sollte Barry verurteilt werden. Denn bereits früh scheint klar zu sein, dass es wohl kein Happy End geben wird.

Wolf in sheep's clothing

So richtig möchte dies anfangs natürlich keiner glauben. Niemand will die Hoffnung aufgeben und erwartet ein kleines Wunder, dass Barry doch noch irgendwie vom Haken gelassen wird. Schaut man sich aber an, welche Punkte die Anklage gegen Barry ins Feld führen kann, sieht es zappenduster für den jungen Forensiker aus. Anton Slate - in einem hervorragenden Castingcoup mit Mark Valley besetzt, der gut 70 Episoden als Verteidiger und späterer Staatsanwalt Brad Chase in Boston Legal zu sehen war - nagelt Barry vor der Jury fest: Wirklich alles spricht dafür, dass Barry die Tat begangen hat. Cecile versucht noch, die unbestrittenen, guten Qualitäten ihres Mandanten zu illustrieren, doch spätestens, als Marlize (Kim Engelbrecht) ihre große Show der Tränen abzieht, ist der Kuchen gegessen.

Während ein Teil des Teams sich um ein anderes Problem kümmern muss und Iris (Candice Patton) aufgrund ihrer Machtlosigkeit in dieser belastenden Situation für sie und ihren Gatten wie gelähmt erscheint, will Joe (Jesse L. Martin) aktiv werden. Zusammen mit Ralph (Hartley Sawyer) sammelt er belastende Beweise gegen Marlize, um den Spieß umzudrehen, was diese jedoch gekonnt abwehrt. Was sie auch probieren, das Unvermeidliche rückt immer näher: die Verurteilung von Barry Allen. Kein Wunder, denn ein Gegenspieler wie der Thinker (im neuen Körper von Domenic gibt es jetzt übrigens das Upgrade, dass er Gedanken lesen kann) ist auf alle Eventualitäten vorbereitet und hat den Ausgang der ganzen Geschichte längst ausgerechnet. Der Triumph ist ihm sicher.

The CW
The CW - © The CW

Enjoy the show

Und tatsächlich ziehen die Macher es auch durch. Kein Überraschungszeuge kann Barry Allen retten, einzig eine Option bleibt ihm: selbst eine Aussage zu machen, was jedoch bedeuten würde, dass er lügen müsste, um seine Geheimidentität zu schützen. Und das will er nicht. Mal wieder zeigt sich die Ehrlichkeit und Ehrbarkeit unserer Hauptfigur, die bereit dazu ist, die gleiche Stärke zu zeigen, wie es bereits sein Vater Henry getan hat, der ebenfalls zu Unrecht zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Die Frage ist nur, ob Iris genauso stark sein kann wie Barry, nimmt es sie doch extrem mit, dass ihre Beziehung und junge Ehe auf diese Art und Weise zerstört wird. Warum nicht einfach die Wahrheit sagen?

„Ich, Barry Allen, bin der Flash.“ Für den Moment dürfte dies Barry helfen, aber was dann? Er liegt vollkommen richtig, dass er sich und seine Liebsten durch diese Enthüllung angreifbar machen würde. Und das kann er nicht verantworten. In einer schönen Szene inmitten des Gerichtssaals steht die Zeit für einen Augenblick still, als Barry seiner Iris Zuversicht und Kraft zuspricht. Aktuell können sie nicht verhindern, dass Barry ins Kittchen einwandert. Und wie sie DeVoe aufhalten und Barry aus der Bredouille boxen können, wissen sie auch noch nicht. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärke wird ihnen aber eine Möglichkeit zeigen. Das klingt ausformuliert furchtbar klischeehaft und melodramatisch. Andererseits geht es mit dem „Stoff“, aus dem The Flash gestrickt ist, absolut d'accord, während das Ganze von der Darstellerriege überzeugend getragen wird.

Cool down

Die Wellen, die Barrys Verurteilung schlägt, gehen natürlich auch über die Beziehung zwischen Iris und ihm hinaus. Joes kleiner Handlungsstrang zeigt zum Beispiel, wie schwer es ihm fallen würde, seinen Ziehsohn hinter schwedischen Gardinen sehen zu müssen. Die Zusammenarbeit von ihm und Ralph, um Cecile bei ihrer Verteidigung von Barry zu helfen, gibt mir etwas Unerwartetes: einen Ralph Dibny, der sich wie ein vollwertiger, komplexer Charakter verhält und das erste Mal richtig Eindruck hinterlässt. Seine letzten Auftritte gingen mir ziemlich auf den Senkel, sei es seine überstrapazierte Funktion als comic relief oder die vielen unlustigen, sexistischen Kommentare. In The Trial of The Flash zeigt die Figur aber, dass mehr in ihr steckt. Und dass man sich auch mal ein Beispiel an ihr nehmen kann.

Running into danger

Joe könnte Beweise verfälschen und wäre damit keinen Deut besser als Clifford und Marlize DeVoe, die ihren Spaß an diesem perversen Spielchen haben. Und selbst, wenn er Barry somit helfen könnte, irgendwann würde ihn seine Tat einholen. Er wäre sich selbst untreu und müsste für immer mit dieser Entscheidung leben. Dafür ist er zu gut. Oder anders gesagt: besser als die meisten, vor allem besser als DeVoe und seine Frau. Ralph kann ein Lied von diesem Gefühl singen, verlor er doch durch eine ähnliche Tat einst alles, was ihm etwas bedeutete. Zu Recht, wohlgemerkt. Doch es geht nicht nur um den materiellen Verlust. Es geht um die Integrität des eigenen Gewissens. Und so „manipuliert“ Ralph Joe äußerst geschickt, das Richtige zu tun, so weh es auch tut. Doch sie dürfen eben nicht auf die Methoden ihrer Widersacher zurückgreifen, um Barry zu helfen. Sie werden einen anderen Weg finden.

Wie genau Barry wiederum aus seiner misslichen Lage befreit werden kann, bleibt offen für Spekulationen. Abermals werfen die DeVoes kryptische Drohungen und Versprechungen um sich, dass Barrys Inhaftierung Teil eines großen Masterplans ist, von dem die kleinen Geister aus Team Flash überhaupt gar keine Vorstellung haben können, was sie da erwartet. Das ist alles etwas monoton und repetitiv, wenngleich ich den Darbietungen von Kendrick Sampson und Kim Engelbrecht etwas abgewinnen kann. Das Duo geht schon deutlich in die Richtung der schnurrbartzwirbelnden Bösewichte, gerade Sampson verfügt aber über ein ganz eigenes Charisma, während Engelbrecht sichtlich ihren Spaß daran hat, im Handumdrehen von trauernder Ehefrau auf eiskalte Schurkin zu wechseln.

The CW
The CW - © The CW

Fallout

Apropos Schurke. Der bereits erwähnte „Metahuman der Woche“ ist weniger ein gemeiner Fiesling mit niederen Absichten, sondern vielmehr ein hilfloser Jedermann namens Neil Borman (Ryan Alexander McDonald), der sich gar nicht wirklich bewusst darüber ist, was seine Fähigkeiten sind und welches Chaos diese nach sich ziehen. Im Endeffekt handelt es sich bei dem Metahuman „Fallout“ um eine wandelnde Atombombe, der aufgrund seiner Radioaktivität Strahlenvergiftung bei seinen Mitmenschen verursacht und im schlimmsten Fall detoniert, was einer nuklearen Katastrophe gleichkommen würde. Auch hier kann man sich sicher sein, dass der alles durchkalkulierende Thinker seine Finger mit ihm Spiel hat, da ausgerechnet jetzt, da der Prozess von Barry in seine entscheidende Phase geht, Fallout auf den Plan tritt.

Es ist zumindest denkbar, denn Barry wirft in Gedanken an die Stadt und ihre Bewohner seine letzte, minimale Chance weg, um vielleicht doch noch ein milderes Urteil zu erhalten, als er aus dem Saal flitzt und sich Fallout stellt. Abermals bringt er ein großes Opfer: Dank ihm wird der atomare Super-GAU verhindert, dafür wirft seine Abwesenheit bei der Urteilsfindung und -verkündung ein schlechtes Licht auf ihn - wenn es denn überhaupt einen Unterschied ausgemacht hätte. So gibt sich Anton Slater (der in den „Flash“-Comics übrigens die Anklage gegen Barry Allen anführte, nachdem dieser den Reverse-Flash getötet hatte) selbstzufrieden, während Barry wieder einmal die Last der Welt auf seinen Schultern trägt und dafür einen hohen Preis bezahlt.

Such inhumanity, such heroism

Es ist schon sehr auffällig, wie hoch die Lobhudelei auf unseren Titelhelden hier ausfällt, aber was kann man schon dagegen sagen? Letztlich trifft alles zu. Wir vergessen mal fix die folgenschweren, oftmals undurchdachten Entscheidungen unseres Protagonisten in der Vergangenheit und konzentrieren uns darauf, was für ein unglaublich guter Mensch er ist. Und irgendwie funktioniert es. Wir erkennen Barrys einzigartigen Wert an. Vor allem dank der sehr gelungenen Montage zum Ende der Folge, als Barry vom zuständigen Richter hart be- und verurteilt wird, während Captain Singh (Patrick Sabongui) gleichzeitig den Flash ehrt, der wieder einmal die Stadt und ihre Menschen gerettet hat. Diese beiden Seiten passen nicht zusammen, doch an der schreienden Ungerechtigkeit, die Barry ohne Widerworte hinnimmt, kann man gerade einfach nichts ändern.

Not beaten yet

Als Beobachter fühle ich mich davon und vom noblen, selbstlosen Charakter Barrys angesprochen. Vielleicht, weil es eben eine Grundtugend einer Heldenfigur ist, sich aufzuopfern und „The Flash“ eben eine sehr klassische Heldengeschichte darstellt, die diese Regel (für die einen) beziehungsweise dieses Klischee (für die anderen) bedient. Am Ende weicht man wiederum nicht aus und sperrt Barry tatsächlich weg, lebenslang, ohne Chance auf Bewährung und darüber hinaus in die gleiche Zelle, die auch schon sein Vater in der Iron Heights Penitentiary bezog. Man nimmt geschickt Bezug auf das große Drama, das Barry lange Zeit angetrieben und nicht zur Ruhe hatte kommen lassen. Jetzt kann er sich ein Beispiel an seinem Vater nehmen und Hoffnung aus dessen Weg schöpfen, erwartet ihn nun wohl eine der schwierigsten Prüfungen in seinem bisherigen Leben.

Natürlich könnte Barry sofort entkommen, wenn er denn wollte. Aber was hat er von einem Leben auf der Flucht? Das hätte seinem Vater nicht geholfen und das hilft auch ihm und seinen Liebsten nicht. Was Barry jetzt braucht, ist das Vertrauen in seine Freunde, in Iris. So, wie Henry Allen auf seinen Sohn vertraut hat, dass er ihn eines Tages aus diesem dunklen Loch herauszieht. Mit Blick auf die weitere Handlung der Staffel hoffe ich nun, dass sich die Verantwortlichen trauen, sich Zeit zu nehmen und die Lösung des Problems - wir alle wissen, dass Barry früher oder später wieder auf freiem Fuß sein wird - nicht zu gehetzt erzwingen werden. Mit dieser neuartigen Ausgangslage kann man arbeiten und Geschichten erzählen, für die vorher vielleicht weniger Zeit vorhanden war. Wir dürfen gespannt sein, was man daraus macht. Zum Auftakt der zweiten Hälfte der vierten Staffel von The Flash gefällt mir diese Richtung aber allemal.

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x11, „The Elongated Knight Rises“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 17. Januar 2018

The Flash 4x10 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 10
(The Flash 4x10)
Deutscher Titel der Episode
Unter Mordverdacht
Titel der Episode im Original
The Trial of The Flash
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Januar 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Juli 2018
Autoren
Lauren Certo, Kristen Kim
Regisseur
Phil Chipera

Schauspieler in der Episode The Flash 4x10

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?