The Flash 4x09

© ris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin) in „Don't Run“ (c) The CW
Nach dem für The CW erfolgreichen Crossover-Event „Crisis on Earth-X“ konzentriert man sich im Midseasonfinale der vierten Staffel von The Flash abermals auf Oberbösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands), der in Don't Run die nächste Phase seines geheimnisvollen Masterplans einleitet. Team Flash wird derweil inmitten der Nachwehen von Barrys (Grant Gustin) und Iris' (Candice Patton) torpedierter Hochzeit sowie diversen weihnachtlichen Festtagsvorbereitungen gleich doppelt auf dem falschen Fuß erwischt: Nicht nur, dass Barry in die Fänge seines aktuellen Erzfeindes gerät, auch Caitlin (Danielle Panabaker) sieht sich einer Notlage ausgesetzt, aus der es kein einfaches Entrinnen gibt.
So entspinnt sich eine komplizierte Stresssituation für die Freunde, die gleich an zwei Fronten gefordert werden. Trotz dieser außergewöhnlichen Herausforderung kommt „Don't Run“ jedoch nie wirklich richtig in Fahrt. Die aufregenden Momente halten sich in Grenzen (die Rückkehr des „Floatation Mode“!), die zerstückelte Handlung trägt auch nicht unbedingt zum Erzählfluss bei und die große Überraschung zum Abschluss der Episode, als der Thinker seine neue Identität enthüllt, sieht man ebenfalls kommen. Allein das Ende weckt mein Interesse, wie es nun mit Barry und Team Flash weitergehen wird, nachdem der Thinker den schnellsten Mann der Welt erfolgreich für den Mord an Clifford DeVoe angeschwärzt hat.
Fast learner
Hier lässt sich natürlich erst einmal die gute alte Debatte über die Notwendigkeit eines Cliffhangers führen. Wobei, schaut man sich die anderen Superheldenformate von The CW an, ist dies schon seit einer gefühlten Ewigkeit ein probates Mittel, um eine Halbstaffel zu beenden. Ja nicht nur bei diesen, ganz generell exerzieren Networkserien diese Trope, um ihre Zuschauerschaft gespannt in die Winterpause zu entlassen und um zu garantieren, dass alle auch brav wieder einschalten, wenn man im neuen Jahr zurückkehrt. Die Idee dahinter ist also nachvollziehbar und legitim, frisch aber bei Weitem nicht. Das ist jedoch alles kein Problem, wenn der Cliffhanger, bestenfalls sorgfältig vorbereitet und nicht mal eben so einfach aus der Hüfte geschossen, emotional aufgeht und nicht nur als Gimmick, sondern auch im Sinne der Erzählung funktioniert.
Teach me
Der Cliffhanger am Ende von „Don't Run“ geht meines Erachtens nach in Ordnung, auch wenn ich persönlich zugeben muss, dass sich ein paar Abnutzungserscheinungen langsam, aber sicher bemerkbar machen. Barry wurde von DeVoe erfolgreich gelockt und provoziert, dieser hat ein Motiv für den jungen Forensiker geschaffen und schiebt ihm nun den Mord an sich in die Schuhe, nachdem er zuvor den Körper gewechselt hat. Hinter schwedischen Gardinen dürfte Barry nun dazu gezwungen sein, tatenlos mit ansehen zu müssen, was der Thinker womöglich für seine Liebsten geplant hat. Sollte Barry ausbrechen oder sich auf die Flucht begeben, um Iris und Co zu helfen, schadet er nicht nur sich selbst, sondern eben auch seinen Freunden, die als Mitverschwörer angeklagt werden könnten.
Der erste Teil der Gedankenspiele des Thinker geht also perfekt auf, während Barry gar keine andere Option sieht, als seine Verhaftung hinzunehmen. Zunächst einmal hat er sicherlich dieselben Überlegungen im Kopf wie oben aufgeführt. Was würde wohl mit Iris und allen anderen passieren, wenn Barry als gesuchter Mörder Reißaus nimmt? Diese Verantwortung will er nicht abgeben. Hinzu kommt, dass Barry Vertrauen darin hat, dass er auch diese Prüfung meistern wird. Grund dafür ist die gefestigte Beziehung und Eheschließung mit Iris, was Barry neue Kraft gibt und nicht verzagen lässt.

The Thinker reborn
So solide das Ende von Don't Run auch orchestriert ist, irgendetwas wurmt mich beim „Masterplan“ des Thinkers. Vom größten Denker und Pläneschmied im DC-Universum hätte ich mir dann doch etwas mehr spürbare Finesse erwartet. Oder anders gesagt: Die Enthüllung seiner Pläne fällt erschreckend flach aus. Ganz abgesehen davon, dass wir uns in weiten Teilen noch im Dunkeln befinden, welch finstere Absichten der Thinker noch so verfolgt. Anfangs war ich vom hoch intelligenten, kalkulierenden Oberschurken ja sehr angetan, mit der Zeit hat er jedoch immer mehr an Reiz verloren und die von ihm ausgehende Bedrohung ebbte eher kontinuierlich ab, als dass sie wirklich zunahm.
Möglicherweise ist dies auch ein Grund dafür, warum der große Schockmoment zum Abschluss der Staffelhälfte eben nur ordentlich ist, darüber hinaus aber mich nicht komplett wegfegen und packen kann. Was hier bei mir vor allem hängen bleibt, ist die Darbietung von Kendrick Sampson als neue Inkarnation des Thinker, namentlich Dominic Lanse. Dass da etwas im Busch ist, als der Telepath Dominic früh in der Episode eingeführt wird, finde ich ziemlich offensichtlich. Sampson liefert jedoch eine wunderbar ruhige, anfangs sehr verletzliche (als er noch er selbst ist und die Hilfe von Caitlin benötigt) und zum Ende hin bedrohlich-schauerliche Performance ab, die Lust auf mehr macht.
Partners
Mit dem Körperwechsel des Thinker kommt zusätzlich auch eine emotionale Komponente für dessen Frau Marlize (Kim Engelbrecht) hinzu, die ihren Gatten bis in den Tod unterstützen würde, sich jetzt aber in einer äußerst befremdlichen Lage befindet. Ja, es ist nach wie vor der Geist des Mannes, in den sie sich einst verliebt hat, mit dem sie hier interagiert. Eine heftige Umgewöhnung ist es aber allemal und ich bin gespannt, ob das neue Erscheinungsbild des Thinker zu einem Faktor werden könnte, wenn es um die Beziehung zwischen ihm und Marlize geht. Dies könnte wiederum Konsequenzen für die weitere Entwicklung des Superschurken haben, der wie Barry sehr viel Kraft aus seiner Ehe zieht. Was, wenn diese Säule wegbricht?
Powerless no more
Die Energie, die man aus einer auf Gegenseitigkeit beruhenden, von absoluter Hingabe bestimmten Beziehung ziehen kann, wird hier mehrfach thematisiert, ob es nun um die Liebe zwischen den DeVoes oder aber zwischen Barry und Iris geht. Die Wertigkeit ihres Verhältnisses wird noch einmal unterstrichen, was hier und da ein klein wenig schmalzig wirkt, jedoch aufgrund der guten Chemie zwischen Candice Patton und Grant Gustin nicht ganz so störend ist. Da fallen andere zwischenmenschliche Momente schon eher etwas negativer auf, so zum Beispiel das ganze Gezeter um den wenig sozialen Ralph Dibny (Hartley Sawyer). Ich bleibe dabei: Als permanentes Teammitglied raubt er mir aktuell viel zu sehr den Nerv, während sich seine Versuche, sich zu bessern, weder besonders neu noch ernst gemeint anfühlen.
Die Formel ist simpel: Ralph zeigt, wie verletzend, respektlos und anmaßend er ist, nur um dann im Laufe der Folge eine neue Lektion fürs Leben mitzunehmen und sich zu bessern. Ich habe ja nichts dagegen, dass man einen derartigen Charakter zu einem besseren Menschen erziehen will. Das ganze Prozedere ist jedoch dermaßen öde und interessiert mich, gelinde gesagt, nicht die Bohne. Und wie sehr möchte man Ralph eigentlich wirklich ändern, wenn man doch ständig auf seine eigenartigen Ticks als Mittel der Belustigung zurückgreift?

Frost bite
Das „Dibny-Problem“ bleibt also weiterhin bestehen, seine nette Geste am Ende der Folge hin oder her. Ebenfalls etwas zwischen den Stühlen bin ich angesichts der Handlung um Caitlin, die von Amunet Black entführt wird, um sich um deren neueste „Ware“ - Bus-Metahuman Dominic - zu kümmern, der schwer verletzt ist und medizinische Betreuung braucht. Diese Einzelgeschichte soll letztlich dazu dienen, dass Caitlin wieder mehr Vertrauen in sich selbst bekommt, nachdem ihr zuletzt wohl vermehrt die Show von ihrer anderen, frostigeren Hälfte gestohlen worden war. Caitlins Selbstwertgefühl leidet darunter, dass Killer Frost sich so im Aufwind befindet, was an und für sich eine interessante Ausgangslage ist.
Die Umsetzung des Ganzen in einen sehenswerten Konflikt beziehungsweise eine Koexistenz dieser beiden Hälften - welche nicht einfach, aber möglich und wunderbar komplex ist - lässt jedoch zu wünschen übrig. So bleibt von diesem Teil der Erzählung eigentlich nur das übertriebene Schauspiel und der dicke britische Akzent von Katee Sackhoff im Gedächtnis, die als Amunet Black mal wieder reichlich Spaß hat, sich aber auf einem schmalen Pfad befindet, übers Ziel hinauszuschießen. Möglicherweise tut man Caitlins persönlicher Geschichte auch keinen Gefallen, indem man sie in diese Episode integriert, in der viel hin und her gesprungen wird. Das neue Leben Caitlins als gespaltene Persönlichkeit dürfte im richtigen Rahmen auch so genug hergeben. Hier nutzt man das Ganze mehr, um Amunet Blacks Machenschaften als Metahumanhändlerin mit den Plänen des Thinker zu verbinden, als sich ausführlich mit Caitlins Situation zu befassen.
Tough call
Auch Iris' Rolle als Anführerin von Team Flash verdient in meinen Augen mehr Aufmerksamkeit, als nur in einem - zugegeben sehr effektiven - Moment (Wells macht ihr klar, was ihre Aufgabe ist) thematisiert zu werden. Iris' Funktion innerhalb des Teams hat sich in eine interessante Richtung entwickelt. Wir haben sie in dieser Staffel als Taktgeberin und Koordinatorin kennengelernt, die ihre Führungsqualitäten nachhaltig bewiesen hat. Dass die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, nicht immer ganz einfach sind, wird nun besonders deutlich. Wie verteilt man die verfügbaren Ressourcen richtig, wem sollen sie helfen: Caitlin oder Barry?
Brainstorm
Von dieser speziellen Verantwortung, die jetzt auf Iris' Schultern liegt, möchte ich etwas mehr sehen und es ist denkbar, dass sie mit der Inhaftierung Barrys wieder mehr in den Fokus rückt und dabei zwei bedeutende Rollen zugleich füllen muss: die der unerschrockenen, resoluten Teamchefin auf der einen und die der sich sorgenden Ehefrau, die alles dafür tun würde, ihren Mann zu retten, auf der anderen Seite. Wenn es hier mal nicht in absehbarer Zeit zu einem Konflikt zwischen diesen beiden Seiten kommt, da diese nicht allzu einfach zu vereinen sein dürften...
Für ein wenig Leichtigkeit sorgt dann am Schluss noch Gypsys besonderes Geschenk für Cisco (Carlos Valdes) („Jingle my bells?“... Herrje...), wahrlich großartig ist aber Joes (Jesse L. Martin) Reaktion darauf, was Cisco mit diesem anstellen möchte: egal was, Hauptsache nicht im Hause West! Das Schlusswort gehört jedoch dem Thinker, der noch lange nicht am Ende ist und weitere mysteriöse Dinge (Überraschung!) im Köcher hat, um Barry abzustrafen. Dieser wird sich nach der Winterpause in einer vergleichbaren Situation wie einst sein Vater Henry wiederfinden: zu Unrecht eingesperrt und angeklagt aufgrund eines Mordes, den er nicht begangen hat. Wie der schnellste Mann der Welt gemeinsam mit seinen Freunden den Kopf aus dieser Schlinge ziehen kann, wird man sehen müssen.
Trailer zur bisher unbetitelten Episode 4x10 von „The Flash“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 6. Dezember 2017The Flash 4x09 Trailer
(The Flash 4x09)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x09
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