The Flash 4x08

© lex (Chyler Leigh), Oliver (Stephen Amell), Sara (Caity Lotz) und Leo (Wentworth Miller) in „Crisis on Earth-X, Part 3“ (c) The CW
Nach dem guten Auftakt von „Crisis on Earth-X“ und der kurzweiligen Fortsetzung der Geschichte im zweiten Teil des aktuellen TV-Großereignisses um die DC-Superhelden und -Superheldinnen von The CW, fährt man am zweiten Tag der Crossover-Reihe nun schwere Geschütze auf - und das teilweise wortwörtlich. Das spiegelt sich nicht nur in den vielen aufregenden, actionreichen Szenen von Crisis on Earth-X, Part 3, sondern auch in den wertigen Charaktermomenten wieder. Hinzu kommt eine schwerwiegende Plotentwicklung, deren wahre Konsequenz sich noch zeigen wird, von der für den Moment aber eine glasklare Botschaft ausgeht: Die Serienmacher meinen es bitterernst.
Exemplarisch für diese Marschroute stehen erneut beängstigende Aufnahmen von der dystopischen Parallelwelt Earth-X, wo sich ein Teil unserer Freunde zu Beginn dieser Folge in einem Vernichtungslager wiederfindt. Den bedrückenden Bildern wirkt man jedoch mit einer schwungvollen Heldengeschichte entgegen, in der die Zahnräder zumeist wunderbar ineinandergreifen, launige Actioneinlagen zum Mitfiebern einladen und dramatische Momentaufnahmen zwischen den Figuren emotionale Reaktionen beim Publikum hervorrufen. Es ist ein durchaus vollgepackter dritter Teil des Crossover-Events, doch der Abwechslungsreichtum und das Gefühl, dass hier tatsächlich etwas auf dem Spiel steht, machen große Lust auf den Abschluss der „Crisis on Earth-X“-Erzählung.
Escape from Earth-X
Wenn man dieser Episode eine Sache anlasten kann, dann, dass wir doch ein wenig wild von Szene zu Szene und Handlungsort zu Handlungsort springen. Während Oliver (Stephen Amell), Barry (Grant Gustin), Sara (Caity Lotz), Alex (Chyler Leigh), Jackson (Franz Drameh) und Prof. Stein (Victor Garber) einen Weg zurück von Earth-X nach Earth-1 suchen und dabei in Berührung mit dem Widerstand gegen das unmenschliche Nazi-Regime dieser Welt kommen, liegt es an Iris (Candice Patton) und Felicity (Emily Bett Rickards), Kara (Melissa Benoist) aus der Bredouille zu boxen. Ihre auf Earth-1 verbliebenen Freunde wurden weggesperrt, weshalb die beiden Powerfrauen im Alleingang verhindern müssen, dass Kara aufgeschnippelt wird und die Fieslinge ihr Herz entfernen, um es Supergirl-X zu geben, damit diese nicht den Löffel abgibt.
Dark paths
Man schnürt ein beachtliches Paket, holt noch ein paar bekannte Gesichter aus den vier The CW-Superheldenserien dazu, führt nebenbei noch eine neue Heldenfigur ein und lässt es generell ganz schön zur Sache gehen. Da kann manch einer schon einmal den Überblick verlieren. Dieses Problem umschifft man aber recht elegant, denn die Geschichte ist trotz ihres Ausmaßes, der Fülle an Charakteren und deprimierenden Untertönen schlichtweg sehr unterhaltsam. Die Mischung macht's eben und die Verantwortlichen haben sich nach zwei Folgen ordentlich eingegroovt, was sich auch mit Blick auf ein paar Aspekte des Crossovers zeigt, bei denen ich persönlich anfangs noch recht skeptisch gewesen bin.
Zu Beginn sieht es finster aus, droht der Gruppe auf Earth-X doch die Exekution auf Befehl von Sturmbannführer Lance. So beehrt also auch Paul Blackthorne dieses Crossover-Event, der in seinen Szenen alles gibt und hervorragend übertrieben aufspielt, um seiner Rolle als kaltherziger Kommandant ein widerwärtiges Profil zu geben. Ohnehin merkt man gerade den Gastdarstellern an, dass sie beim Verkörpern einer anderen Version ihres eigentliches Charakters geradezu aufblühen und eine ganze Menge Spaß an dieser Aufgabe haben. So darf zum Beispiel auch Jeremy Jordan den rigorosen Rebellengeneral mimen, der alles dafür tun wurde, um seine Leute und seine Welt von der Unterjochung durch die Nazis zu befreien. Jordan kramt dabei eine zwar etwas klischeehafte, aber sehr intensive und überzeugende Darbietung hervor, die sich sehen lassen kann.

Shine a light
Es tut ohnehin gut, dass wir nun (gezwungenermaßen) etwas mehr Zeit auf Earth-X verbringen, wo sich eine Rebellion um den homosexuellen Superhelden Ray Terroll aka The Ray (Russell Tovey) gebildet hat, der gemeinsam mit den Helden von Earth-1 von seinem Lebenspartner Leo Snart aka Citizen Cold gerettet wird. Auch der mit Hang zu Wortspielen bekannte Leonard Snart bekommt also einen neuen Anstrich, der sich frisch anfühlt, während gleichzeitig auf charmante Weise ein wenig mit der überzeichneten Schurkenfigur abgerechnet wird, die Wentworth Miller sonst in The Flash dargestellt hat.
Inmitten dem ganzen Trubel um das Portal der Nazis, über welches diese nach Earth-1 gelangt sind und welches zerstört werden soll, findet man immer wieder Zeit für ein paar schöne Dialogszenen. Man greift zum Beispiel erneut die sehr gute Dynamik zwischen Sara und Alex auf, vertiefen diese beiden Charaktere doch ihr noch recht frisch geknüpftes Band. Sara kann Alex' Sorgen um ihre Schwester absolut nachvollziehen, hat sie doch Erfahrung mit vergleichbaren Gefühlen. Ebenso bestärkt Sara Alex, dass sie ihren Instinkten vertrauen sollte und die Sache mit Maggie aus verständlichen Gründen nicht hat sein sollen. Sich deshalb das Leben unnötig schwer zu machen oder vielleicht sogar die Schuld für die Trennung bei sich selbst zu suchen, hilft Alex kein Stück. Nach dem One-Night-Stand der beiden, den ich etwas schwierig fand, merkt man jetzt, dass da definitiv mehr zwischen diesen beiden Figuren passiert, die sich eben nicht nur auf einer sexuellen Ebene verstehen, sondern auch ein tieferes Verständnis füreinander entwickeln.
Feeling vulnerable
Ähnlich angetan bin ich von der Ziehvater-Sohn-Beziehung zwischen Jackson und Professor Stein. Im ersten Teil von „Crisis on Earth-X“ fühlten sich die Szenen zwischen den beiden noch etwas reingequetscht an und ich war mir noch nicht wirklich sicher, wohin man mit diesem Nebenplot wollte. Nun unterstreicht man noch einmal erfolgreich das besondere Verhältnis zwischen den beiden, die mehr als nur eine einfache Fusion durchgemacht haben, um als Firestorm in Erscheinung zu treten. Die gefühlvollen Darbietungen von Franz Drameh und Victor Garber helfen dabei, sich in die Position des Duo hineinzuversetzen - bis man uns am Ende der Episode plötzlich den Boden unter den Füßen wegzieht.
Going to war
Ich muss schon zugeben, dass es mich ganz schön kalt erwischt hat, als Stein in den letzten Sekunden der Folge niedergeschossen wird. Fast schon automatisch macht man sich Gedanken, ob die Verantwortlichen es wirklich durchziehen oder ob man sich noch etwas einfallen lässt, um die Tragödie zu verhindern. Normalerweise würde ich auf eher letzteres tippen, andererseits ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass Victor Garber das „Arrowverse“ verlassen wird, um auf die Theaterbühne zurückzukehren. Wie dem auch sein, dieser Schockmoment sitzt, weil man zum einen zuvor emotional in den gemeinsamen Weg von Jackson und Stein involviert wurde (es war schon ein klein wenig verdächtig...) und weil sich zum anderen die Bedrohung für unsere Heldengruppe schlagartig sehr real anfühlt.
Es passt eben auch zum sehr düsteren Ton dieses Kapitels von „Crisis on Earth-X“, in dem mehrfach die Hoffnung im Keim erstickt wird und unsere Helden schlussendlich vor eine scheinbar aussichtslose Situation gestellt werden. So möchte man effektiv das große Finale Crisis on Earth-X, Part 4 vorbereiten - und der Plan geht auf. Die Zerstörung des Portals steht kurz bevor, die Helden drohen auf Earth-X zu bleiben, ein Teammitglied hat es schwer erwischt, während auf der Heimaterde mit Supergirl eine der stärksten Heldinnen der Gruppierung vor ihrem vermeintlichen Ende steht. Es sah definitiv schon einmal besser für die DC-Ikonen von The CW aus...

Rough around the edges
Was wiederum nach drei Teilen des „Crisis on Earth-X“-Crossovers auffällt, ist das mitunter lächerliche Verhalten des Frontlinienfußvolkes, dem die Helden in einigen Szenen recht simpel entgegenwirken können. Schusswaffen verkommen so gerne mal zu Knüppeln im Nahkampf, in dem die Nazi-Schergen chancenlos sind. Wenn das Feuer eröffnet wird, dann ist die Streuung offensichtlich enorm, auch wenn eine Kugel im Fall von Professor Stein tatsächlich mal ihr Ziel findet. Aber wir wollen mal nicht so sein, denn die chaotischen Kampfsequenzen machen weiterhin reichlich Laune und servieren uns ein paar mitreißende Teamaktionen auf dem Silbertablett. Indes kann man sicherlich auch die eine oder andere Entscheidung der Charaktere hinterfragen, so zum Beispiel, dass Winn, Verzeihung, General Schott in einer ausführlichen Szene seinen unumstößlichen Standpunkt gegenüber Alex mehr als deutlich macht.
Das Portal der Nazis muss um jeden Preis zerstört werden, um der Schlange den Kopf abzutrennen und „Führer“ Queen von seinen Truppen zu isolieren. Innerhalb von wenige Sekunden kann Ray Terrill seinen Anführer aber doch davon überzeugen, den Helden von Earth-1 ein wenig Zeit zu geben, in ihre Heimat zurückzukehren - nur um dann doch noch alles in letzter Sekunde über den Haufen zu werfen und Red Tornado auf die Einrichtung loszulassen, in der sich das Portal befindet. Das ist alles schön zweckmäßig und im Sinne des geradlinigen Plots konzipiert, so dass sich dieser möglichst spannungsreich abwickelt. Aber auch hier sticht der Trumpf „hoher Unterhaltungswert“, wodurch man über etwaige Kritikpunkte leichter hinwegkommt.
Don't go taking my heart
Insgesamt geraten die Geschehnisse auf Earth-1 im direkten Vergleich mit dem wilden Treiben auf Earth-X ein wenig ins Hintertreffen, wobei das unerwartete Duo Iris und Felicity durchaus zu gefallen weiß und unerschrocken nach einem Weg sucht, Kara zu befreien. Melissa Benoist darf derweil gegen sich selbst spielen und wird im Zuge dessen von ihrem bösen Ebenbild schmerzhaft daran erinnert, was sie zuletzt verloren hat. Es entspinnt sich ein interessantes kleines Zwiegespräch, das abermals das starke Wertebewusstsein von Supergirl und die Kaltblütigkeit ihrer Feindin unterstreicht, die ihre Macht rücksichtslos missbraucht und ihre Superkräfte als Instrumente der Unterdrückung nutzt.
Trapped
Tom Cavanagh verdient sich darüber hinaus als nahezu manisch fieser Eobard Thawne ein kleines Extralob, genießt er es doch wie so viele seiner Kollegen und Kolleginnen, seine Performance auf Anschlag zu drehen und den verrückten Chirurgen zu geben, den eine perverse Vorfreude antreibt, Supergirl das Herz zu entnehmen. Zwischenzeitlich wundert es mich etwas, dass Iris und Felicity ihren übermächtigen Widersachern gekonnt ein Schnippchen schlagen können und nicht mehr viel fehlt, bis Kara befreit ist. Doch der nächste Nackenschlag ist nicht weit: Die Befreiungsaktion hat ein Ende und es sieht zum Ende alles wieder schrecklich ernüchternd aus. Als wären die Szenen aus dem Vernichtungslager (über dem die Torinschrift „Arbeit macht frei“ prangt, was es umso schauriger macht...) oder als Oliver als Führer getarnt Felicitys Doppelgänger hinrichten soll, noch nicht genug.
Nun gilt es, das Blatt zu wenden, bevor Kara auf dem Operationstisch dahinscheidet und das Nazi-Regime von Earth-X mithilfe seiner Superwaffe - der „Wellenreiter“ - große, irreparable Schäden auf Earth-1 anrichten kann. Die Helden und Heldinnen haben mit den Legends of Tomorrow aber glücklicherweise noch ein Ass im Ärmel. Ob beziehungsweise wie man die aktuelle Bedrohung abwenden kann und welche Opfer dafür gebracht werden müssen, wird uns der abschließende vierte Teil von „Crisis on Earth-X“ zeigen, den sich mein Kollege Adam Arndt angeschaut hat.
Sizzle Reel zum DC-Crossover „Crisis on Earth-X“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 29. November 2017The Flash 4x08 Trailer
(The Flash 4x08)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?