The Flash 4x07

The Flash 4x07

In Therefore I Am erfahren wir endlich mehr über Oberbösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker - aber irgendwie auch nicht. Denn trotz neuer Einblicke, einer guten Portion Säbelrasseln und eines Barrys, der zwischenzeitlich komplett von der Rolle ist, bleibt die spannendste Frage unbeantwortet.

Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) treffen in „Therefore I Am“ auf Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands). (c) The CW
Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) treffen in „Therefore I Am“ auf Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands). (c) The CW
© arry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) treffen in „Therefore I Am“ auf Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands). (c) The CW

Wie erwartet und erhofft befasst sich The Flash in Therefore I Am nun erstmals ausführlicher mit dem großen Widersacher für Barry (Grant Gustin) und seine Freunde in der vierten Staffel des Superheldendramas. Nach kryptischen Andeutungen ob der Fähigkeiten des Thinkers und wie er zu der Person werden konnte, die er letztlich geworden ist, richtet sich der Fokus nun unter anderem über Rückblicken auf Clifford DeVoe und seine Entwicklung zum intelligentesten Menschen der Welt. Gleichzeitig wird Barry ordentlich in den Wahnsinn getrieben. Er ist nämlich als einziger von der Schuld DeVoes überzeugt, zumindest für den Großteil der Folge.

Therefore I Am“ (wie sagte Descartes einst: „Ich denke, also bin ich.“) dient dazu, etwas Licht ins Dunkle zu bringen, was stellenweise gut gelingt. Einige Szene gestalten sich durchaus spannungsreich, darüber hinaus wird uns ein interessantes Duell zwischen DeVoe und Barry in Aussicht gestellt. Doch die Folge wirft mindestens genauso viele Fragen auf, wie sie beantwortet. Die wichtigste von allen wird dabei weiterhin komplett ignoriert: Warum? Warum tut der Thinker das, was er tut? Die Zuschauer bekommen zwar eine Vorstellung von seinem Charakter, warum er jedoch sein perfides Spielchen mit Barry treibt, ist nach wie vor ein Rätsel.

Up against the unknown

Und das ist leider etwas problematisch. Ich kann auf der einen Seite verstehen, dass man die Katze noch nicht komplett aus dem Sack lassen möchte, dass die Serienmacher sich ihren vermeintlichen Trumpf noch aufheben und zum perfekten Moment ausspielen wollen. Im Augenblick fühlt es sich jedoch so an, als würde man uns weiterhin ein wenig hinhalten wollen. Die Figurenzeichnung von Clifford DeVoe, der als frustrierter Akademiker auf die gesamte Kapazität des menschlichen Geistes zugreifen wollte, um laut eigener Aussage Gutes zu bezwecken, finde ich durchaus ansprechend. Letzten Endes gestaltet sich jedoch abermals eine ganze Menge des Plots unglaublich vage. Ist dies beabsichtigt oder wissen die Verantwortlichen einfach nicht, wie sie Lücken ordentlich füllen können?

Mastermind

Nach ein paar zentralen Schurkencharakteren in den vorangegangen Staffeln, deren Fähigkeiten im Grunde genommen identisch waren, bin ich nach wie vor davon angetan, dass Barrys neuester Erzfeind anders ist. DeVoes Intellekt ist wie eine Waffe und von ihm geht gerade in den letzten Minuten eine eigenwillige, ernst zu nehmende Bedrohung aus, als er die Karten offen (so denkt es zumindest Barry) auf den Tisch legt und demonstriert, welche Macht unendliches Wissen mit sich bringen kann.

Ja, Darsteller Neil Sandilands präsentiert sich wie ein alles kalkulierender Bond-Bösewicht, wodurch ab und an der Eindruck eines angestaubten Stereotyps entsteht. Irgendwie schafft man es aber, dass ich die Flinte noch lange nicht ins Korn werfen will und ich dem Säbelrasseln zwischen Barry und dem finsteren Universitätsprofessor etwas abgewinnen kann. Ist es Sandilands, der einen guten Mittelweg zwischen allwissendem Mastermind und gebrechlichem Leidtragenden seiner eigenen Träume findet? Immerhin bezahlt er einen extrem hohen Preis (von einer Ganzkörperlähmung bis hin zu einem frühzeitigen Ableben) für seine Gabe. Oder ist es weiterhin vor allem die Andersartigkeit dieses Konflikts zwischen dem schnellsten und cleversten Mann der Welt, in die ich viel Hoffnung stecke?

The CW
The CW - © The CW

The gift of knowledge

So richtig kann ich es nicht beantworten, während sich gleichzeitig bei mir ein wenig Frust breitmacht, da am Ende der Folge immer noch nicht klar ist, warum sich DeVoe Barry als sein Ziel ausgesucht hat. Dieser präsentiert sich derweil von seiner paranoidesten Seite und ist nahezu besessen davon, dass Clifford DeVoe derjenige ist, den das Team sucht, auch wenn tatsächlich alles gegen diese Theorie spricht und keinerlei handfeste Indizien diesen Verdacht bestätigen. Als Zuschauer findet man sich in einer seltsamen Situation wieder: Wir wissen, dass DeVoe der Thinker ist. Wir wissen, dass Barry mit seinen Vermutungen Recht hat und sein Team eigentlich auf ihn hören sollte.

Jedoch: Versetzt man sich in die Position von Barrys Freunden, dann sind seine Vorwürfe gegenüber DeVoe völlig haltlos. Barry trägt in Therefore I Am den größten unsichtbaren Aluhut, den man sich vorstellen kann, was sein Team zu Recht beunruhigt und zum Einschreiten bewegt. Seine Obsession mit Cliffod DeVoe und dessen Ehefrau Marlize (aka The Mechanic) (Kim Engelbrecht) geht zu weit und kostet Barry fast seinen Job. Während man ein wenig irritiert, aber auch schockiert mit ansehen muss, wie Barry von seiner Angst und Skepsis konsumiert wird, weiß man aber gleichzeitig, dass er eigentlich auf der richtigen Fährte ist.

We are The Flash

Dieses Verhaltensmuster ist nichts Neues, Barry steigert sich gerne in Dinge hinein, die ihn dann permanent auf Trab halten und unseren Helden alles andere um ihn herum ausblenden lassen. So zum Beispiel seine Hochzeit mit Iris (Candice Patton), die nur noch wenige Tage entfernt ist. Generell hat dieser Aspekt der Folge einen eher repetitiven Charakter, ist uns diese Macke Barrys doch mehr als geläufig. Der schöne kleine Moment zwischen Iris und Barry, die ihn wieder etwas erdet, nachdem dieser sich zu viele Sorgen macht, weil es eben gerade richtig gut, ja fast schon zu gut für ihn und seine Freunde läuft, kann diesen Kritikpunkt aber einigermaßen abfedern.

Twisted game

Auch solche Szenen, in denen Iris ihrem Verlobten zu seinem eigenen Wohle etwas ausbremst, kennen wir nur zu gut. Zuletzt haben sich derartige Momente gehäuft, was wohl den Teamgedanken unterstreichen soll, aber eben auch die gewachsene Beziehung zwischen Barry und Iris. Damit kann ich mit Blick auf dieses konkrete Beispiel gut leben. Was mir da schon ein paar mehr Fragezeichen ins Gesicht zaubert, ist der Plot um Barry und seine eigenständigen Ermittlungen bezüglich DeVoe. Denn am Ende der Folge glauben Barrys Freunde ihm dann doch noch, dass DeVoe ein schlimmer Finger ist.

Zuvor wurde Barry verständlicherweise nur schräg angeschaut. Jetzt, nachdem der Thinker ganz bewusst das abschließende Gespräch mit Barry gesucht hat, ist Team Flash komplett an Bord, weil... weil Barry halt sagt, dass der Thinker weiß, dass Barry der Flash ist. Eine weitere Sache, die mich zum Grübeln bringt: Wenn DeVoe eh geplant hatte, sich Barry zu offenbaren, warum ihn dann durch die Hölle schicken und so bloßstellen? Es wird nicht wirklich gesagt, aber es ist denkbar, dass der Thinker einfach seine Macht demonstrieren wollte, wie er Leute spielend leicht manipulieren kann und dass er keine spektakulären Metahumankräfte benötigt, um Barrys Leben aus den Fugen zu bringen.

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The CW - © The CW

Enlightened

Zu den Talenten von Clifford DeVoe sollte man der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass er diese über eine spezielle Apparatur und im Zuge der Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger vor etwa vier Jahren erhalten hat. Ein interessantes Detail ist dabei, dass Harrison Wells (Tom Cavanagh) auf einer Pressekonferenz bei dem Namen DeVoe aufhorcht und durchscheinen lässt, dass er weiß, was mit diesem passieren wird. Eigentlich logisch, denn der Wells von damals war ja der zeitreisende Reverse-Flash Eobard Thawne, welcher sehr wahrscheinlich die Identität von Barrys zukünftigem Feind The Thinker kannte.

Neben reichlich wissenschaftlichen Erklärungen hinsichtlich der Fähigkeiten des Thinker und wie dieser letztlich dank der Erfindungen seiner Frau und Assistentin Marlize länger überlebt hat als erwartet, wird vor allem noch die Beziehung zwischen ebendieser und Clifford DeVoe thematisiert. Zwischen beiden existiert ein starker Bund, doch auch hier wäre es hilfreich zu wissen, auf welches genaue Ziel die beiden hinarbeiten. Es ist davon auszugehen, dass sich die einst noblen Absichten von DeVoe - mit seinem unendlichen Wissen die Welt retten - geändert haben. Oder erwartet uns hier die Wendung, dass er und seine Frau nach wie vor dieses Ziel verfolgen, was aber nicht zu erreichen ist, solange der Flash existiert? Wir haben schon oft genug gesehen, dass Barry mit seinen Handlungen große Schäden angerichtet hat. Kein Flash, keine weiteren Probleme?

Change of thinking

Hier kann man jedoch nur spekulieren, was seine Vor- und Nachteile hat. Zum einen fordern die Autoren so die Zuschauer zum Mitdenken und Miträtseln auf, die in dem Thinker ein reizvolles, unberechenbares Gegenüber Barrys sehen, welches jeden denkbaren Ausgang eines Szenarios vorab kalkuliert und rein theoretisch gar nicht falsch liegen kann. Zum anderen kann der gewaltige Mystery-Aspekt der letzten Wochen aber bereits einige Abnutzungserscheinung mit sich bringen, tippeln wir doch weiterhin um die wirklich interessanten Themen herum. Ich sehe mich irgendwo zwischen diesen beiden Lagern: Manchmal gelingt den Serienmachern das spannende Geduldsspiel gut, manchmal wünsche ich mir einfach mehr Zug zur Sache.

Too perfect

Da uns in der nächsten Episode erst einmal das große „Arrowverse“-Crossover-Event „Crisis on Earth-X“ sowie die Vermählung von Barry und Iris bevorsteht, rückt der Thinker eh erst einmal wieder etwas in den Hintergrund. Offensichtlich hat er auch Spaß daran, dass Barry sein Glück findet, womöglich, weil es dann nur noch umso schmerzhafter für den jungen Helden wird, wenn man ihm dann dieses wieder nimmt. „Sollen sie doch heiraten!“, denken sich die DeVoes, „Unsere Zeit kommt noch früh genug.“ Grundsätzlich bleibt aber in diesem Jahr dann auch nur noch eine Folge, um diesem Konflikt etwas mehr Feuer und Substanz zu geben, denn bereits nach dem Crossover-Event erwartet uns das Mid Season-Finale der vierten Staffel von The Flash.

Ob es hier Antworten geben wird, ohne der Handlung ihre Spannung zu rauben? Ob DeVoe über die Rückblicke in Therefore I Am hinaus weiter charakterisiert und ergründet wird? Es lassen sich nach wie vor vielversprechende Ansätze in den aktuellen Folgen von „The Flash“ finden, an der Umsetzung der Ideen hapert es jedoch hier und da. An und für sich stellt der Thinker eine besondere Herausforderung dar, da dieser als unfehlbar und extrem selbstbewusst etabliert wurde. Sein Plan wird aufgehen, wie auch immer dieser aussieht. Zu zeigen, wie das Team versucht, das zu verhindern, was laut Berechnungen DeVoes nicht zu verhindern ist, hat Potential. Allein die Aussicht darauf reicht derzeit aber nicht aus, um einen komplett mitreißen zu können.

Trailer zum großen „Arrowverse“-Crossover „Crisis on Earth-X“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 22. November 2017

The Flash 4x07 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 7
(The Flash 4x07)
Deutscher Titel der Episode
Der Preis der Allwissenheit
Titel der Episode im Original
Therefore I Am
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. November 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. Juni 2018
Autoren
Eric Wallace, Thomas Pound
Regisseur
David McWhirter

Schauspieler in der Episode The Flash 4x07

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