The Flash 4x06

© arry (Grant Gustin) und Ralph Dibny (Hartley Sawyer) in „When Harry Met Harry“ / (c) The CW
Rollen wir die aktuelle The Flash-Folge When Harry Met Harry doch ausnahmsweise mal von hinten auf: Nachdem der Staffelbösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker (Neil Sandilands) in den bisherigen Episoden der vierten Staffel immer wieder nur für wenige Minuten zu sehen war, deuten die Macher nun an, dass wir demnächst mehr von dem allwissenden Superhirn sehen werden, was nach sechs Folgen langsam auch nötig ist. Schluss mit den dubiosen Miniszenen, so, wie wir sie auch in „When Harry Met Harry“ zu Gesicht bekommen. Der geheimnisvolle Schurke muss einfach mehr Profil bekommen, um als Bedrohung ernst genommen zu werden.
Doch an diesem Punkt sind wir eben noch nicht. Also müssen die Autoren noch ein wenig auf Zeit spielen und entscheiden sich so in dieser Woche für einen recht ausgelutschten Plot, bei dem die Frage gestellt wird, was es bedeutet, ein Superheld zu sein. Das kommt Euch bekannt vor? Natürlich tut es das, wurde diese Fragestellung doch bereits schon etliche Male in „The Flash“ durchgekaut, sei es anhand von Protagonist Barry (Grant Gustin) selbst oder etwaigen Protegés wie Wally oder Jesse Quick. Die Geschichte ist also ein alter Hut und daran ändert sich leider auch nicht viel, wenn es auf einmal der anrüchige Ralph Dibny (Hartley Sawyer) ist, den Barry nur zu gerne reformieren möchte.
The making of a hero
Als Dibny vor zwei Episoden in Elongated Journey Into Night seinen ersten Auftritt hatte, diente er vorwiegend als Comic-Relief-Charakter, bei dem man sich weitere Auftritte durchaus vorstellen konnte. Auf Dauer kann dieser Typ Mensch - irgendwo zwischen pubertierendem Teenie und machohaftem Chauvi - einem aber gehörig auf den Senkel gehen. Nun ist Dibny anscheinend tatsächlich das neueste Mitglied in Team Flash und avanciert zu Barrys Lehrling. Als Zuschauer muss man sich indes jetzt wohl irgendwie mit Dibnys anstrengender, objektivierender Art arrangieren, während die Serie gleichzeitig versucht, diesen Charakter ein Stück weit sympathischer zu machen.
Miscalculation
Also wird uns eine sehr klassische Geschichte serviert, in der Ralph zusammen mit Barry auf Verbrecherjagd geht und sich so seine ersten Sporen als Superheld verdient. Der Lernprozess ist holprig, am Ende der Episode zeigt sich aber, dass Ralph mehr als ein respektloses Ekel sein kann und dass sich tief in ihm ein Herz aus Gold versteckt. Eine absehbare Entwicklung, bei der man jedoch abwarten muss, ob sie überhaupt von Dauer ist oder ob die Verantwortlichen viel lieber weiter auf den alten Ralph Dibny setzen werden, um so ein paar „lustige“ Momente zu generieren.
Neben dieser Befürchtung kann mich die simple Handlung über Ralphs Läuterung nicht wirklich von den Socken hauen. Es ist eben weder ein sehr origineller Einfall noch kann ich es dem Charakter ernsthaft abnehmen, dass er sich so schnell ändern kann. Und ehrlich zugegeben reicht es mir auch schon wieder an Ralph Dibny, dessen zotigen Kommentare ziemlich unlustig sind. Der charmante Einstieg in die Folge, als Barry und Ralph überfallen werden und der Täter auf eigenwillige Art zur Strecke gebracht werden kann, entlockt mir noch ein Schmunzeln. Alle weiteren Szenen mit Ralph lassen mich derweil recht kalt, mit leichten Abstrichen beim Ende, als wir Zuschauer einfach manipuliert werden und man die andere, gefühlvollere Seite von Dibny zu sehen bekommt.

Rookie
Ich bin mir tatsächlich nicht sicher, ob Team Flash gerade Zuwachs in Form von Ralph Dibny benötigt. Warum steht dieser Charakter nun plötzlich so sehr im Fokus? Man kann nicht wirklich sagen, dass er über angenehme Präsenz verfügt, so zumindest mein persönlicher Eindruck. Braucht es Dibny, um abermals aufzuzeigen, welch Held Barry ist und welche Verantwortung mit dieser Position einhergeht? Das wissen wir doch schon längst! Oder implementiert man Dibny im Team, weil es der Plot verlangt, da die Möglichkeit besteht, dass er ein Teil des Masterplans von The Thinker ist?
Wie dem auch sei: Der Löwenanteil der Episode, in dem Barry und Ralph einem weiteren „Bus-Metahuman“ auf mörderischer Diebestour das Handwerk legen müssen, plätschert die meiste Zeit vor sich hin, da weder von den Charakteren noch vom Plot ein allzu großer Reiz ausgeht. Die Wahl der Widersacherin, Mina Chayton aka Black Bison (Chelsea Kurtz), ist wiederum interessant. Als Nachkomme von amerikanischen Ureinwohnern hat sie eine nachvollziehbare Motivation, möchte sie doch ihre Wurzeln und ihre Kultur bewahren. Dafür geht sie zwar eindeutig zu weit, ihr Standpunkt an sich ist aber verständlich und lässt sich einfach in unserer realen Welt einordnen, in der die Ureinwohner Amerikas nach wie vor diskriminiert werden.
A simpler life
Man hätte vielleicht sogar noch mehr aus dieser Figur machen können, die über einen komplexen Hintergrund verfügt und deren Fähigkeiten - die Kontrolle über Statuen und bewegliche Gebilde, wie eine Art Puppenspielerin - sich mal etwas anders gestalten, als man es gewohnt ist. Am Ende wird aber auch hinter diese Geschichte recht klassisch ein Haken gesetzt und Dibny kann sich noch ein wenig als Wohltäter profilieren, der ein wertvolles Sioux-Artefakt dem Volk von Mina Chayton hat zukommen lassen. Er hat seine Lektion gelernt und wird in Zukunft seine nach wie vor sehr seltsam animierten Gummikräfte richtig einsetzen. Also womöglich.
With a little help from my friends
Der Nebenplot in When Harry Met Harry führt uns derweil zurück zum Thinker, dem das Team auf der Fährte ist. Wir erfahren sogar, dass sie erfolgreich sein werden, seine wahre Identität herauszufinden, doch dies ist einkalkuliert, auch wenn The Mechanic (Kim Engelbrecht), die Assistentin des Thinkers, ein wenig skeptisch ist. Während Barry also Ralph an die Hand nimmt, forscht Harrison Wells (Tom Cavanagh) unermüdlich nach, jedoch ohne großen Erfolg. Also kontaktiert er seine Freunde aus anderen Parallelwelten, um gemeinsam die Frage zu klären, wer oder was sich hinter dem Namen „DeVoe“ verbirgt.
Was folgt, ist Quatsch. Es tut mir leid, wenn ich das so deutlich sagen muss, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Klamauk passt vielleicht auch ganz gut. Auf jeden Fall soll es mal wieder sehr witzig zugehen in The Flash, doch die Rechnung geht nur bedingt auf. Ich habe ja bekanntermaßen nichts dagegen, wenn es mal etwas quatschiger wird und dadurch der Unterhaltungswert angehoben wird. Beim Aufeinandertreffen der verschieden Versionen von Harrison Wells bin ich mir aber sehr uneins, was ich davon halten soll.

You're a wizard, Harry!
Hand aufs Herz, es hat etwas, Tom Cavanagh von diesen übertriebenen Seiten zu sehen. Ob als nihilistischer Buchautor mit starkem deutschen Akzent („Guten Tag, Wolfgang!“), philanthropischer Playboy oder apokalyptischer Cyborg - als alleinstehender Gag könnte Cavanagh von mir aus in jede x-beliebige Verkleidung schlüpfen und dabei munter Dialekte durchprobieren. In When Harry Met Harry kommt mir das Ganze aber mehr wie ein Gimmick vor, als dass es zur Lösung des Problems beiträgt. Ja, am Ende vereint der „Cirlce of Wells'“ seine Gedankenkraft, um erfolgreich herauszufinden, welchen DeVoe Team Flash aufsuchen muss. Aber irgendwie möchte die Serie aus dieser klamaukigen Einlage - mitsamt „Wells the Grey“ - gefühlt mehr machen, als es letztlich ist.
So wird aus dem Treffen der vielen Harrys plötzlich ein emotionales Gespräch zwischen Cisco (Carlos Valdes) und Harry, in dem ersterer dem grummeligen Wissenschaftler ein paar weise Worte (und eine schamlose „Harry Potter“-Referenz) mit auf den Weg gibt, sich selbst das Leben nicht zu schwer zu machen und sich eigene Schwächen einzugestehen. Aber auch diese Unterhaltung hatten wir in ähnlicher Form schon einmal in The Flash. Was bleibt also hängen? Dass Tom Cavanagh ein durchaus spaßiger und vielseitiger Zeitgenosse ist und dass wir am Ende irgendwie einen Namen und eine Adresse des Thinkers in Erfahrung gebracht haben. Der Rest ist Makulatur, wenn auch hier und da recht amüsant.
Hard days
Es ist mal wieder der schmale Grad, an dem sich die Geister scheiden: Wann ist eine spaßige Szene sinnvoll und welchen Zweck erfüllt sie für die Handlung oder existiert sie einfach nur, um zu unterhalten? Und wenn dies so ist, ist sie überhaupt unterhaltsam oder einfach nur albern? Meinem Empfinden nach ist es den Serienmachern zu Beginn dieser Staffel recht gut gelungen, eine gesunde Balance zu halten. Zuletzt haben sich jedoch ein paar Momente eingeschlichen, in denen man eventuell ein wenig zu viel möchte. Dies könnte wiederum an der eingangs von mir aufgestellten Theorie liegen, dass man schlichtweg etwas Zeit herumkriegen wollte, bis man endlich sein Augenmerk voll und ganz auf Bösewicht Clifford DeVoe aka The Thinker richtet.
Getting ahead
Team Flash macht sich in den letzten Zügen von When Harry Met Harry auf das Schlimmste gefasst und ist bereit, dem Thinker gegenüberzutreten - nur, um dann an der Haustür eines stilvollen Anwesens von einer freundlichen Frau begrüßt zu werden (die schwer wiederzuerkennende Mechanic), die ihren Mann Clifford von dem Besuch in Kenntnis setzt. Clifford DeVoe selbst sitzt im Rollstuhl und entspricht mit Sicherheit nicht den Erwartungen von Barry und seinen Freunden, die mit einem anderen Widersacher gerechnet haben. Haben sie sich eventuell geirrt?
Jetzt könnte es tatsächlich recht zügig in die Vollen gehen, wissen wir Zuschauer doch, dass dies alles Teil von DeVoes Berechnungen ist und er sich bewusst hat aufspüren lassen. Ich hoffe inständig, dass man den Fokus nun in der nächsten Folge stark auf ihn ausrichtet, dabei kann man die Handlungen um die „Bus-Metahumans“ des Thinkers auch gerne mal für eine Episode ruhen lassen. Man muss abwarten, ob es gelingen wird, ordentlich Spannung in diesem Katz-und-Maus-Spiel aufzubauen, wenn Barry es mit jemandem zu tun bekommt, von dem er nicht mal im Ansatz weiß, wie gefährlich dieser ist. Es wird sich zeigen, ob nicht nur der Plan des Thinkers, sondern auch der der Verantwortlichen hinter The Flash aufgehen wird...
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 15. November 2017The Flash 4x06 Trailer
(The Flash 4x06)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x06
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