The Flash 4x05

The Flash 4x05

In Girls Night out übernehmen die Damen von The Flash das Kommando und machen aus dem schnellsten Mann der Welt eine Randnotiz. Neben einer neuen Schurkin geht es hier aber vor allem um die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere und Caitlins anhaltenden Kampf mit sich selbst.

Cecile (Danielle Nicolet), Felicity (Emily Bett Rickards) und Iris (Candice Patton) in „Girls Night out“ / (c) The CW
Cecile (Danielle Nicolet), Felicity (Emily Bett Rickards) und Iris (Candice Patton) in „Girls Night out“ / (c) The CW
© ecile (Danielle Nicolet), Felicity (Emily Bett Rickards) und Iris (Candice Patton) in „Girls Night out“ / (c) The CW

Die Macher von The Flash probieren in Girls Night Out mal wieder etwas Neues. Die klassische Formel - Team Flash stellt sich gemeinsam der „Bedrohung der Woche“ - wird kurzerhand über Bord geworfen und die Zügel an die Frauen der Serie übergeben, die in der Folge den Ton angeben. Den Rahmen dafür bilden ein paar Feierlichkeiten im Vorfeld der Hochzeit zwischen Iris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin). Während Iris mit Felicity, Caitlin und Cecile einen stilvollen Mädelsabend verbringen möchte, werden Barry, Cisco, Joe und Wells von Ralph Dibny (der wie vermutet wieder mit dabei und unglaublich nervig ist) in ein eher weniger stilvolles Etablissement namens „The Golden Booty“ entführt. Doch das Drama lässt nicht lange auf sich warten...

Die Grundidee ist ansprechend: Team Flash ist männerdominiert, auch die Serie hat wohl ein größeres männliches als weibliches Publikum. Warum also nicht mal den Fokus auf Charaktere wie Caitlin (Danielle Panabaker) oder Iris richten, die ihren eigenen Ballast mit sich herumtragen und die es wert sind, als Figuren ergründet zu werden? Gleichzeitig kann man „The Flash“ aber sicherlich nicht vorwerfen, die Ungleichbehandlung von Frauen zu unterstützen, die in der Fernsehindustrie immer wieder auffällt. The CW ist unbestritten eines der US-Networks, das ein breites Spektrum an verschiedenartigsten Charakteren, egal welchen Geschlechts, sexueller Ausrichtung et cetera, darstellt und solche als zentrale Charaktere in seinen Formaten nutzt.

Ladies night

The Flash“ gelingt die Balance zwischen den verschiedenen Figuren zumeist sehr gut. Dass sich die Geschichte jedoch sehr oft auf unseren männlichen Protagonisten Barry konzentriert, ist schlichtweg der Tatsache geschuldet, weil er eben der titelgebende Held der Serie ist. Es kann aber auch ohne den scharlachroten Speedster gehen, wie „Girls Night out“ beweist. Hier obliegt es nicht nur Iris und Co den Tag zu retten, auch die Beziehung zwischen ihr und Caitlin sowie Caitlins nach wie vor gespaltener Persönlichkeit nehmen eine große Bedeutung ein.

The gift that keeps on giving

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist solide und hat ein paar sehr einfühlsame Momente zu bieten, die es uns leicht machen, mit den Charakteren zu fühlen und ihre Situation nachzuvollziehen. Jedoch fehlt mir persönlich hierbei an manchen Stellen der Biss und der Mut sowie das Selbstvertrauen, noch tiefer in die Materie einzutauchen. Dadurch lässt man sich wiederum einige gute Gelegenheiten durch die Lappen gehen. Angesichts des Unterhaltungswertes der Episode bin ich mir ebenfalls uneins. So hat zum Beispiel die misslungene Bachelorparty von Barry sicherlich den einen oder anderen amüsanten Augenblick in petto. Wirklich mitreißend ist dies aber nicht. Was vermutlich aber auch gar nicht die Absicht von den beiden Autorinnen Lauren Certo und Kristen Kim sowie Regisseurin Laura Belsey gewesen ist...

Der Ausflug ins Striplokal ist inhaltlich kaum der Rede wert, wobei durchaus erwähnenswert ist, dass hier der zu Recht kritisierte male gaze, wie man ihn oft in solchen Szenen finden kann, nicht stattfindet. Zusätzlich hat das überraschende Aufeinandertreffen von Joe (Jesse L. Martin) und Ceciles Tochter Joanie (Riley Jade), die an diesem Ort ihren feministischen Nachforschungen nachgeht, einen nachhaltigen Wert für das Thema der Erzählung und Joes persönliche Nebengeschichte. Das allgemeine Ziel in „Girls Night out“ ist es aber, eine gute Erzählung aus den Charakteren und nicht aus dem unspektakulären Plot zu ziehen - ob es nun die Szenen im Striplokal sind oder ob es aber die Geschichte ist, die sich dann wenig später um die Schwarzmarkthändlerin Amunet Black entspinnt.

The CW
The CW - © The CW

Strong powerful women

Mit Katee Sackhoff (Battlestar Galactica) hat man eine wunderbare Gastdarstellerin gewinnen können, die sichtlich Spaß an ihrer leicht überspitzten Darbietung hat und eine passable Widersacherin abgibt, die man mit Sicherheit noch einmal wiedersehen wird. Neben diesem gelungenen, wenn auch sehr comichaften Gastauftritt (muss Black Amunet eigentlich permanent einen Eimer gefüllt mit Altmetall mit sich herumschleppen, damit sie ihre magnetischen Superkräfte effektiv einsetzen kann?), interessiert uns in dieser Episode aber vielmehr das Verhältnis zwischen Iris und Caitlin, die beiden Frauen in Team Flash, bei denen man immer davon ausgegangen ist, dass sie nicht nur einfache Kolleginnen, sondern auch gute Freunde sind.

Girls Night Out zeigt nun aber auf, dass die Beziehung der beiden bisher doch weitaus weniger freundschaftlich war als angenommen. Das liegt sicherlich auch daran, weil sich Caitlin aufgrund Angst vor ihrer eigenen, dunklen Seite - namentlich Killer Frost - immer wieder zurückgezogen hat. Auch, weil sie nicht wollte, dass jemand, der ihr nahesteht, eventuell verletzt wird. Iris wird diese Angst Caitlins nun erst so richtig bewusst, weil sie eben einen konkreten Einblick in das schwierige Doppelleben der Wissenschaftlerin erhält. Caitlin hat nämlich heimlich alles dafür getan, um Herr beziehungsweise Frau über die eisige Killer Frost zu werden, wodurch sie sich Amunet Black verpflichtet hat, die Caitlin Hilfe versprach.

Lose control

Es ist gut, dass Caitlin nun diese Episode erhält und endlich kommuniziert wird, was sie beschäftigt und wie schwer sie sich tut, ohne dass ihre Freunde nur das Geringste von ihren Problemen wissen. Iris ist sichtlich überrascht, dass Caitlin eben doch nicht „geheilt“ ist, zeigt sich aber verständnisvoll und engagiert, um für sie da zu sein. Ihre Worte treffen dabei den Nagel auf den Kopf: Killer Frost ist ein Teil von Caitlin, so wie Caitlin ein Teil von Killer Frost ist. Caitlin muss lernen, mit diesen beiden Persönlichkeiten zu leben und die Kontrolle zu wahren, während sie gleichzeitig Vertrauen in ihre Nächsten haben muss, dass diese immer an ihrer Seite sein werden und sie in deren Augen kein gefährliches Monster ist.

Wasted

Mir gefällt, wie man diesen Aspekt aufrollt, weil Caitlins Kondition eben auch gut auf unsere reale Welt anwendbar ist, in der viele Menschen vor vergleichbaren persönlichen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig habe ich aber auch den Eindruck, dass die vielen lockerleichten Szenen um diesen dramatischen, charakterlastigen Teil der Folge dem Ganzen hier und da ein wenig Gewicht und die Bedeutung nehmen. Man möchte halt die Leichtfüßigkeit des Formats nicht gänzlich verlieren. Aber warum eigentlich nicht? Dies könnte The Flash mal von einer anderen Seite zeigen, die vielleicht nicht jedem gefallen würde, aber viele auch überraschen könnte.

Dies ist jedoch ein generelles Problem bei vielen Superheldenserien, in denen man oft vielversprechende Ideen finden kann, die dann aber nicht immer bis zur letzten Konsequenz zu Ende gedacht und durchgeführt werden, aus Sorge, sein Stammpublikum zu erschrecken. „Girls Night out“ macht es gut, wie so oft fehlen aber ein paar Schritte, um es noch besser zu machen. Dass die fähigen Frauencharaktere der Serie, inklusive Felicity (Emily Bett Rickards) aus Arrow, zeigen, dass sie auch ohne ihre männlichen Kollegen hervorragend zurechtkommen, ist eine wichtige Botschaft. Wobei ich persönlich nie daran gezweifelt habe, da die Serie auch noch nie einen anderen Eindruck vermittelt hatte.

The CW
The CW - © The CW

New beginnings

Während der Plot um Amunet Black letzten Endes einen sehr gewöhnlichen Weg einschlägt, mitsamt einem Plan unserer Heldinnen, der durchaus ausbaufähig ist (was so sein muss, damit Caitlin zur Rettung eilen kann), sticht mal wieder Joe heraus, der sich Gedanken über seinen zukünftigen Nachwuchs mit Cecile macht. Bei diesem Duo wird nach wie vor sehr viel richtig gemacht. So geht es zum Beispiel sehr zu Herzen, wie Joe und Cecile (Danielle Nicolet) sich am Ende beide eingestehen, dass sie ein bisschen Angst vor der Zukunft und dem nochmaligen Elternsein haben - was völlig normal und verständlich ist. Doch gerade am Beispiel Joe sehen wir, dass er diese neue Herausforderung mit Bravour meistern wird.

Man vertauscht mal wieder die Rollen zwischen Barry und Joe, denn so ist es sein Ziehsohn, der Joe daran erinnert, was für ein großartiger, alleinerziehender Vater er gewesen ist. Und jetzt hat er sogar Cecile an seiner Seite, um die große Verantwortung für ein Kind zu tragen. Es ist schön, dass man sich inmitten des Trubels, der sich in dem Nebenhandlungsstrang um Barrys Bachelorsause abspielt, Zeit für diese kleine Geschichte um Joe nimmt. Jesse L. Martin bleibt das Herz dieser Serie und die Verantwortlichen liegen selten falsch, wie sie ihn und seinen Charakter richtig einsetzen müssen. Nun wäre es vielleicht in absehbarer Zeit mal interessant, noch etwas mehr über Cecile zu erfahren. Denn ehrlich zugegeben: Dass sie bereits eine Tochter hat, hatte ich nicht mehr auf dem Schirm...

Low key

Der Grund, warum es überhaupt zum Wiedersehen zwischen Caitlin aka Killer Frost und Black Amunet kommt, ist übrigens eine neue Superdroge, die die Schwarzmarkthändlerin aus den Tränen eines neuen Metahumans gewinnt. Dieser ist mal wieder ein weiterer Spielstein auf dem Schachbrett des Thinkers (Neil Sandilands), welcher sich am Ende der Folge mal aus seinem Labor gewagt hat, um den „Weeper“ in die für ihn vorbestimmte Bahn zu lenken, damit der Metahuman füher oder später auch seinen eigentlichen Zweck erfüllt. Das ist alles ein recht gewöhnliches Prozedere, was nicht wirklich für große Aufregung sorgt.

Scrapings

Da lohnt es sich schon fast mehr, über die äußerst eigenartige „Superkraft“ des Handlangers von Amunet Black zu diskutieren, der einen aggressiven Tentakel aus seiner Augenhöhle wachsen lassen kann. Cool. Vom Ekelfaktor mal abgesehen scheint dieses besondere Talent aber nur bedingt hilfreich zu sein, vor allem, wenn er es mit der Eiskönigin Killer Frost zu tun bekommt... Der Einsatz von Amunets Fähigkeiten gefällt mir da schon besser und erinnert ein wenig an Marvel-Mutant Magneto. Schade, dass Katee Sackhoff dann doch relativ schnell wieder den Abflug macht und Black Amunet recht simpel der Zahn gezogen werden kann.

Eine Rückkehr ist aber sehr wahrscheinlich, nachdem Caitlin sie leicht entkommen lässt. Eben, weil sie in der Lage ist, ihre zerstörerische Seite zu kontrollieren und sie sich nicht so leicht korrumpieren lässt. Caitlin beziehungsweise Killer Frost kann ein Leben mit dieser gespaltenen Persönlichkeit führen, sie kann moralisch richtige Entscheidungen treffen und ist vor allem nicht allein auf weiter Flur, diese schwierige Aufgabe zu meistern. Dieser Punkt wird bei der finalen Konfrontation mit Black Amunet dank des beherzten Eingreifens von Iris mehr als deutlich. So schließt man auf einer schönen, positiven Note, denn Caitlin hat als Charakter nicht nur einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht, sie hat in Iris auch eine verständnisvolle, neue Freundin gefunden, der sie sich anvertrauen kann.

Trailer zur nächsten „The Flash“-Episode, „When Harry Met Harry“ (4x06):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 8. November 2017

The Flash 4x05 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 5
(The Flash 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Mädelsabend
Titel der Episode im Original
Girls Night Out
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 7. November 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. Mai 2018
Autoren
Lauren Certo, Kristen Kim
Regisseur
Laura Belsey

Schauspieler in der Episode The Flash 4x05

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