The Flash 4x04

The Flash 4x04

The Flash bleibt seinen Comicwurzeln auch in der Episode Elongated Journey Into Night treu, droht dabei aber ein klein wenig über das Ziel hinauszuschießen. Der Spaß steht mal wieder im Vordergrund, doch meinen es die Macher hier eventuell zu gut? Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist.

The Flash (Grant Gustin) in „Elongated Journey Into Night“ / (c) The CW
The Flash (Grant Gustin) in „Elongated Journey Into Night“ / (c) The CW
© he Flash (Grant Gustin) in „Elongated Journey Into Night“ / (c) The CW

Ich befinde mich in einer kleinen Zwickmühle. Die letzten Episoden der vierten Staffel von The Flash haben mir durchweg eine große Freude bereitet und mich wunderbar unterhalten. Man besinnt sich wieder mehr auf den lockerleichten Spaßfaktor des Formats und referenziert dabei munter die dazugehörigen Comicvorlagen von DC. So auch in der neuesten Folge, Elongated Journey Into Night, die von der Ausrichtung her den vorangegangenen Episoden ähnelt und sich alles andere als bitterernst gestaltet.

Gleichzeitig lässt man im Hintergrund den übergreifenden Handlungsbogen um Staffelbösewicht The Thinker langsam vor sich hin köcheln, ohne dabei zu viel auf einmal zu wollen. Für meinen Geschmack macht man bisher so vieles richtig. Die aktuelle „Formel“ hat aber natürlich auch eine gewisse Halbwertszeit. Irgendwann muss man tiefer in die Geschichte um den Thinker eintauchen, irgendwann ist der ganze Comicspaß eventuell zu viel des Guten. Den richtigen Mittelweg zu finden, das ist die große Herausforderung, vor der die Autoren und Autorinnen von „The Flash“ stehen.

Storming the castle

Ich würde jetzt nicht sofort fordern, dass nach dem amüsanten, teilweise aber auch etwas lachhaften „Elongated Journey Into Night“ Schluss mit lustig sein sollte. Die Episode - inszeniert von Tom Cavanagh, der mal wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat - zeigt aber sehr gut auf, dass es oft nur Kleinigkeiten sind, die den Unterschied zwischen extrem kurzweilig und unterhaltsam auf der einen, und vielleicht etwas lächerlich und nervig auf der anderen Seite machen. Die Folge pendelt nämlich recht offensichtlich zwischen diesen beiden Polen und trifft dabei nicht immer den Nagel auf den Kopf.

Private Dick

Das Hauptaugenmerk ist auf die Mission von Team Flash gerichtet, die restlichen zehn Menschen ausfindig zu machen, die an Bord des Busses waren, als dieser von der dunklen Materie getroffen wurde, welche die Insassen wiederum mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet hat. Im Zuge von Barrys (Grant Gustin) und Joes (Jesse L. Martin) Nachforschungen lernen wir so einen alten Kollegen der beiden kennen: Ralph Dibny (Hartley Sawyer), ehemals ein fragwürdiger Ermittler bei der Polizei von Central City und nun ein schleimiger Privatdetektiv, der Barry die Schuld daran gibt, dass sein Leben vor die Hunde gegangen ist. Dibny hat nämlich einst Beweise in einem Mordfall gefälscht und Barry ließ ihn auffliegen, woraufhin Dibny seinen Hut als Ordnungshüter nehmen musste.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass der freche Dibny der dunklen Materie ausgesetzt wurde, die Barry durch seine Rückkehr aus der Speed Force freigesetzt hat. Und siehe da: Dibny hat Superkräfte! Wobei, so super erscheinen diese zunächst nicht. Denn der Privatermittler kann sich plötzlich richtig langmachen und seinen gesamten Körper dehnen, was er anfangs aber noch nicht richtig kontrollieren kann. Anstelle dem Pechvogel etwas Verständnis entgegenzubringen, sieht Barry in Dibny aber weiterhin einen krummen Finger, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

The CW
The CW - © The CW

Long stretch

Der Fingerzeig auf DCs Elongated Man (in Deutschland „Elastoman“) hat definitiv Charme. Tatsächlich geht die Entwicklung des Comic-Charakters Ralph Dibny aka Elongated Man bei DC auf einen Klassiker der amerikanischen Comic-Kultur zurück: Plastic Man aus den 1940er-Jahren, ein Name, der auch in der Folge zu hören ist. Die zumeist sehr spaßigen Geschichten von Plastic Man wurden darüber hinaus ab Mitte der 1960er-Jahre von DC vertrieben, nachdem der dehnbare Superheld lange Zeit bei Quality Comics beheimatet war. Elongated Man, Plastic Mans Nachfolger im Geiste, stößt in ein ähnliches Horn und erzählt eher sehr leichte, amüsante Abenteuer der eigenwilligen Comicfigur.

Was man jetzt wiederum auch in Elongated Journey Into Night sehen kann, wo die Quelle der Inspiration mehr als deutlich wird. Die Einführung von Dibnys „Kräften“ (und Joes unappetitliche Reaktion darauf) sticht dabei als komödiantischer Höhepunkt heraus und kitzelt einige Lacher bei mir heraus. Die visuelle Umsetzung ist jetzt wahrlich kein Hingucker und kratzt sehr stark an der Grenze zur Lächerlichkeit, aber irgendwie kann ich darüber hinwegsehen - womöglich, weil The Flash sich schon so manche sehr trashige Effekte erlaubt hat und diese dann aber doch zumeist charmant comic-esk verpackt. Dennoch macht es einem die Serie nicht leicht...

Dirty then, dirty now

Denn: Zu oft bewegt man sich in dieser Folge nahe dem Klamauk, zu oft stimmt die Balance zwischen witzigen und etwas ernsteren, nachhaltigeren Szenen nicht. Das mag aus meinem Mund nun etwas seltsam klingen, denn zuletzt fand ich ja sehr viele lobende Worte für die erhöhte Portion an Humor. In „Elongated Journey Into Night“ will die Erzählung aufgrund der höheren Gag-Dichte jedoch nicht so recht in Schwung kommen. Das liegt aber nicht nur an dem Handlungsstrang um Ralph Dibny, sondern auch an der Nebengeschichte um Cisco (Carlos Valdes), der plötzlich die Bekanntschaft mit dem grummeligen Vater seiner Freundin Gypsy (Jessica Camacho) macht.

Meet the Breachers

Damit das klar ist: Danny Trejo, der hier in einer Gastrolle als Breacher zu sehen ist, geht eigentlich immer. Der bekannte Action-Haudegen mit markanter Krawallmachervisage („That guy has killed people with that face!“) ist hier eigentlich auch ordentlich besetzt, verkommt jedoch zu einem einfachen Gimmick, mit dem man hauptsächlich Lacher generieren will. Der Witz wird aber überstrapaziert, der Aufbau der Nebengeschichte ist etwas altbacken (nach ein bisschen Ärger kann Papa Breacher Cisco letztlich doch respektieren und fühlt seine Tochter gut bei ihm aufgehoben) und der allgemeine Beitrag zur Gesamtqualität der Folge ist überschaubar.

Cisco und Gypsy (oder Cynthia) geben nach wie vor ein schönes, eigenwilliges Paar ab und ich finde die Entscheidung gut, deren Dynamik weiter zu ergründen. Meiner Ansicht nach haben sich diese Charaktere aber eine ernstere Auseinandersetzung mit der klassischen Frage „Was denkt eigentlich dein Vater über mich?“ in romantischen TV-Beziehungen verdient. Dieser Nebenplot hat durchaus ein paar witzige Momente zu bieten: eine passende „Predator“-Referenz (Trejo war übrigens in dem „Nicht-ganz-Sequel“ „Predators“ zu sehen), Carlos Valdes' panisches Schauspiel, eine Machete, die Cisco als Waffe gegen Breacher einsetzen will... Insgesamt fühlt sich das alles aber wie ein Gag an, der unnötig in die Länge gezogen wird, und zwar ohne großen Mehrwert. Schade.

The CW
The CW - © The CW

Second chances

Da hat der Haupthandlungsstrang schon etwas mehr Tiefgang zu bieten, zumindest mit Blick auf Barry und sein Wiedersehen mit Ralph Dibny. Denn unser Held sollte mal hinterfragen, ob er sich nicht selbst als heiliger versteht, als er in Wahrheit ist. Seine persönlichen Gefühle diktieren den Umgang mit Dibny, und ja, so wie der Charakter vorgestellt wird, kann man Barrys Abneigung ihm gegenüber nachvollziehen. Aber vielleicht hilft es ab und an, sich in die Position anderer hineinzuversetzen, um diese besser verstehen zu können. Dies ist wahrlich keine revolutionäre Lektion für Barry, gelernt werden muss sie aber trotzdem.

Caitlin (zu der es ein paar Andeutungen für die kommende Episode gibt, was es mit ihrer jüngeren Vergangenheit auf sich hat) hat zum Beispiel das Verständnis, weil sie vor einiger Zeit von ihren Eiskräften überfordert wurde, so, wie Dibny jetzt überfordert ist. Keiner der beiden wollte diese Fähigkeiten, und eigentlich sollte auch Barry in der Lage sein, dieses Dilemma zu verstehen. Dies gelingt ihm letzten Endes auch, als er nach dem (altbekannten) klärenden Gespräch mit Joe etwas weiter denkt und Dibny schließlich sein Vertrauen geben kann. Dass Dibny kurzzeitig von Breacher aufgrund wilder Rachegedanken attackiert wird, gibt Cisco dann noch fix die Möglichkeit zu glänzen und Breacher von sich zu überzeugen.

Easy prey

Die „Bedrohung der Woche“ geht übrigens vom Bürgermeister von Central City aus, der sich Dibny entledigen will, weil er ihn erpresst hat. Aber eigentlich ist dies alles nicht weiter der Rede wert, dient diese kleine Geschichte doch nur als Vehikel, um recht simpel aufzuzeigen, Menschen nicht nach ihrem Einband zu beurteilen. In Dibny steckt mehr, das muss auch Barry erkennen, der mit der Hilfe von Dibnys mächtiger Stretch-Power Joe retten kann. Dieser sieht sich im Übrigen die gesamte Episode über einem netten Running Gag ausgesetzt, scheint die frohe Kunde des baldigen Nachwuchses mit Cecile sich doch auf sein Auftreten niederzuschlagen. Der kleine Moment, als er dem Team die freudige Botschaft überbringt, dürfte die Zuschauerherzen erwärmen.

Mysterious and moody

Doch noch einmal kurz zurück zu Ralph Dibny. Möglich, dass er demnächst erneut auftreten wird, vielleicht sogar als Elongated Man. Interessant ist aber vor allem, dass das ganze Wiedersehen von Barry mit Dibny geplant gewesen ist, war es doch ein gewisser Herr DeVoe - der richtige Name des Thinkers -, der Dibny den Hinweis bezüglich des untreuen Bürgermeister gab, was den Privatermittler und Barry über ein paar Ecken wieder zusammenführte. Der Thinker will also, dass Barry Dibny hilft, denn es ist mittlerweile doch ziemlich klar etabliert, dass der Oberschurke nichts dem Zufall überlässt. So richtig schlau wird man aus diesem Plan aber noch nicht und so geht die Metahuman-Schnitzeljagd weiter. Hier stellt sich mir wiederum die Frage, wie lange man das große Mysterium „Wer treibt hier Schabernack mit Team Flash und wieso?“ ausreizen kann.

Als Zuschauer wissen wir eh mehr als die Charaktere, daher ist das „Wer“ für uns eher uninteressant. Da Barry jetzt den Namen DeVoe hat und sich praktischerweise auch an ein kleines Gespräch mit Abra Kadabra erinnert, dürfte man demnächst wohl so oder so mehr über den Strippenzieher im Hintergrund erfahren. Das „Wieso“ gibt hier aber den Ton an, und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob man sich beim Pacing nicht etwas verkalkuliert. Die größte Gefahr ist, dass man eventuell zu lange auf seinem großes Mysterium sitzen bleibt. Immerhin fehlen jetzt noch neun weitere Metahumans. Das kann sich hinziehen. Andererseits bekommt man ein vages Gefühl für ein Ziel, auf das langsam hingearbeitet wird. Hauptsache, es lohnt sich. Es wird spannend zu sehen sein, wie die Macher von The Flash weiterhin mit diesem Element umgehen und ob ihr Plan Früchte tragen wird.

Trailer zur „The Flash“-Episode 4x05 „Girls Night Out“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 1. November 2017

The Flash 4x04 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 4
(The Flash 4x04)
Deutscher Titel der Episode
In die Länge gezogen
Titel der Episode im Original
Elongated Journey Into Night
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 31. Oktober 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. Mai 2018
Autoren
Sterling Gates, Thomas Pound
Regisseur
Tom Cavanagh

Schauspieler in der Episode The Flash 4x04

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