The Flash 4x03

The Flash 4x03

The Flash setzt seinen guten Lauf in den ersten Folgen der vierten Staffel fort und trumpft in der Folge Luck Be a Lady abermals mit wunderbarem Unterhaltungswert auf. Gleichzeitig bereitet man sich geschickt darauf vor, schon bald einen Gang höher zu schalten.

Grant Gustin und Gastdarstellerin Sugar Lyn Beard in „Luck Be a Lady“ / (c) The CW
Grant Gustin und Gastdarstellerin Sugar Lyn Beard in „Luck Be a Lady“ / (c) The CW
© rant Gustin und Gastdarstellerin Sugar Lyn Beard in „Luck Be a Lady“ / (c) The CW

Ich verfüge leider über keine Einblicke in den Arbeitsprozess der Macher von The Flash, der im Vorfeld zur vierten Staffel der Superheldenserie vonstatten ging, aber irgendetwas hat sich verändert - und das meiner Meinung nach zum Guten. Nach der erfrischenden Folge aus der letzten Woche stößt man in der neuesten Episode namens Luck Be a Lady in ein ganz ähnliches Horn und macht damit sehr viel richtig. Während die dritte Staffel sich in weiten Teilen fast schon zu finster gestaltetet hatte, besinnt sich „The Flash“ in Staffel vier nun scheinbar wieder mehr auf die Tugenden, die das Format einst so kurzweilig gemacht hatten. Kurz gesagt: Die Geschichten um den schnellsten Mann der Welt machen einfach wieder Spaß.

Was aber keinesfalls bedeutet, dass der Klamauk Überhand gewinnt. Nein, man findet schlichtweg eine sehr angenehme Mischung aus unterhaltsamen Szenen, sympathischen Charaktermomenten, frischen Ideen und reizvollen Andeutungen für die nahe Zukunft, was die Serie sehenswert macht und den Eindruck vermittelt, dass wieder ordentlich Leben in der Bude ist. Wie bereits in der Vorwoche merkt man „Luck Be a Lady“ (nach dem gleichnamigen Song, der zwischendurch auch zu hören ist) dabei eine Art lockere Unverbrauchtheit an, was eventuell erneut auf das verantwortliche Autorenduo für diese Folge zurückzuführen ist. Judalina Neira ist schon länger im „The Flash“-Team mit dabei und nimmt nun Neuling Sam Chalsen an die Hand, was in einer extrem kurzweiligen Zusammenarbeit endet, von der man gerne mehr sehen möchte.

Bad juju?

Allein die ersten Minuten von „Luck Be a Lady“ gehen runter wie Öl, weil der Ansatz mal ein wenig ungewöhnlicher ist, als man es von der Serie kennt. In einer kleinen Montage lernen wir die glücklose Becky Sharpe (Sugar Lyn Beard) kennen, die von einem Malheur ins nächste stapft. Irgendwie tut sie einem leid, gleichzeitig ist man aber auch sehr skeptisch, weil wir simultan über den Thinker (Neil Sandilands) eine sehr nüchterne Charakterisierung von Pechvogel Becky bekommen. Wie passen diese beiden zusammen? Tatsächlich handelt es sich bei Becky um die Antagonistin der Woche für Team Flash, doch man sollte nicht den üblichen Metahuman, geschweige denn den klassischen Showdown erwarten, den wir in „The Flash“ nur allzu oft präsentiert bekommen. Nein, es ist alles weitaus smarter gelöst, was dazu beiträgt, dass sich vieles in „Luck Be a Lady“ fast schon ein wenig neuartig anfühlt.

Bad luck!

Becky Sharpe aka Hazard, wie sie im späteren Verlauf entsprechend ihrer Vorlage aus dem DC-Universum von Cisco (Carlos Valdes) getauft wird, verfügt über eine ganz besondere Fähigkeit: Sie ist im wahrsten Sinne der Schmied ihres eigenen Glückes. Nach einem mysteriösen Vorfall hat sich ihr Leben total umgekrempelt, das Glück ist ihr seitdem hold, während ihre Mitmenschen, sofern sie es denn will, vom Pech verfolgt werden. Eine Kraft, die zahlreiche witzige, weil irgendwie doch recht harmlose, Momente mit sich bringt. Andererseits birgt sie aber auch große Gefahren in sich, wie Barry (Grant Gustin) und Co schon bald feststellen müssen...

Bisweilen wirkt „Luck Be a Lady“ wie eine recht klassische „Metahuman der Woche“-Erzählung, losgelöst von der übergreifenden Handlung dieser Staffel. Jedoch baut man eine interessante Verbindung zum allwissenden, allsehenden Thinker auf, der auch hier erneut seine Finger mit im Spiel hat und aus der Ferne beobachtet, was Becky so anstellt. Währenddessen wird es uns Zuschauern überlassen zu grübeln, was der Thinker letzten Endes im Schilde führt und welchen Nutzen die Talente der eigentlich so unschuldig wirkenden Becky noch für ihn haben könnten.

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The CW - © The CW

Jinxed

Für Team Flash entwickelt sich derweil eine unerwartete Situation, denn für viele ist Glück nun mal Glück und Pech ist nun mal Pech. Die Wahrnehmung dieser beiden Dinge ist extrem subjektiv, doch schenkt man Rückkehrer Harrison Wells (Tom Cavanagh) Glauben, dann lässt sich in diesem konkreten Fall sogar eine wissenschaftliche Erklärung dafür finden, wie Beckys Kräfte funktionieren und warum sich um sie herum so viel Chaos abspielt, während sie die Zeit ihres Lebens hat. Die Sache mit dem Pech ist nur folgende: Glaubt man einmal, dass man vom Unglück verfolgt ist, dann kann sich eine Eigendynamik entspinnen, die einen glauben lässt, dass man wirklich verflucht ist. Wer kennt es nicht? Und genau das passiert mit dem Team...

Die einzelnen Geschichten, die sich in der Folge abspielen, gehören zum Alltag, mit dem Auftreten von Becky glauben unsere Freude jedoch, dass hier irgendein fauler Zauber vorgeht und die anhaltenden Pechsträhnen für viele von ihnen mit ihr zusammenhängen. Wally wird äußerst unsanft von Wells (und einem diabolischen „Break-up Cube“ - wer denkt sich so eine unsensible Maschine aus?) beigebracht, dass Jesse die Beziehung zu dem jungen Speedster beendet. Wells selbst hat ebenfalls Probleme mit seiner Tochter, Barry und Iris stoßen derweil auf immer mehr Hindernisse, um ihren Traum von der perfekten Hochzeit zu verwirklichen. Und Joe, dessen Beziehung zu Cecile wächst und gedeiht, muss feststellen, dass sein trautes Eigenheim eine Bruchbude ist, von der er sich vielleicht endlich verabschieden sollte.

Test your luck

Auf dem Papier sind das alles eher Kleinigkeiten, zumindest im Vergleich mit irgendwelchen monströsen Super-Speedstern, die Team Flash nach dem Leben trachten und die Welt ins Verderben stürzen wollen. Aber all diese Probleme und Sorgen sind auch sehr menschlich und die Reaktionen der Charaktere auf diese Tief- und Rückschläge vollends nachvollziehbar. Irgendwie ist gerade der Wurm drin und als Beobachter kennt man dieses Gefühl. Doch das kann doch nicht nur an dem plötzlichen Auftreten eines Metahuman liegen, oder? Tatsächlich hilft das Aufeinandertreffen mit Hazard, eventuell die Figuren zu kennen, dass sie ebenfalls ihr eigenes Glück bestimmen können. Und dass man nicht zu ungeduldig sein sollte, wenn dieses ein wenig auf sich warten lässt.

New life

Es bringt zum Beispiel nichts, wenn man proaktiv sein Glück um jeden Preis erzwingen will, siehe Iris (Candice Patton), die ihre Hochzeit mit Barry im Schnelldurchlauf abhaken will. Genauso wenig ist es sinnvoll, sich zu sehr den Kopf darüber zu zerbrechen, wenn das Glück mal ausbleibt und es so scheint, als würde einem der Dreck permanent an den Hacken kleben. Manchmal hilft es auch einfach, einen Neustart zu wagen, der sich jetzt für gleich mehrere Charaktere anbietet. Wells fühlte sich in seiner alten Welt von der eigenen Tochter und ihrem Team („Jesse and the Quicksters“ ist gekauft) ausgegrenzt, was sich unfair anhört, wobei man auch nicht vergessen darf, welch schwierige Persönlichkeit Wells eigentlich ist. Vielleicht kann er aber ein neuer Mensch werden und ein neues Glück finden, und zwar innerhalb von Team Flash, in dem er nach ein paar Reibereien mit Cisco nun wiederaufgenommen wird.

Während wir also Tom Cavanagh zurück begrüßen dürfen (es war, ehrlich gesagt, auch nur eine Frage der Zeit), erkennt jemand anderes, dass es vielleicht an der Zeit ist, Abschied zu nehmen: Wally. Auch er wurde in letzter Zeit nicht wirklich vom Glück verfolgt, seine Rolle im Team war überschaubar und die Trennung von Jesse ist ein weiterer Nackenschlag. Also packt er seine sieben Sachen und macht sich vorerst nach Blue Valley, um etwas Abstand zu gewinnen und dort eventuell neues Glück zu finden. Bereits letzte Woche hatte ich angemerkt, dass Wally als Charakter verzichtbar geworden ist. Sein Abschied schlägt nun keine allzu großen Wellen bei mir, dennoch würde mich interessieren, wie die Macher in Zukunft mit Keiynan Lonsdale planen. Kommt er in einer anderen „Arrowverse“-Serie unter, zum Beispiel Legends of Tomorrow? Oder schränken ihn außerordentliche Verpflichtungen bei anderen Projekten ein?

The CW
The CW - © The CW

Vintage

Eine sehr goldige Nebengeschichte erhalten indes Jesse L. Martin und Danielle Nicolet, denn es wird weiter eifrig an der Beziehung zwischen Joe und Cecile geschraubt, was meiner Meinung nach ganz hervorragend funktioniert. Ich weiß zwar nicht, ob es die „Schwangerschaftsbombe“ am Ende der Folge gebraucht hat, Martin und Nicolet verfügen aber über eine sehr gute Chemie miteinander und lassen mich nur das Beste für dieses Paar wünschen. Oft ist es ja kein gutes Zeichen, wenn es so gut zwischen zwei Charakteren in einer fiktiven Serie läuft. Mit der offensichtlich für Joe sehr überraschenden Neuigkeit, dass Cecile schwanger ist, erscheinen sie mir aber recht sicher.

Übrigens vermag es Jesse L. Martin nach wie vor wie kein anderer, mit einfachen Blicken große Emotionen zu transportieren, so zum Beispiel, als er vor der schwierigen Entscheidung steht, sich von dem Haus zu trennen, mit dem er so viele wunderbare Erinnerungen verbindet. Aber diese sind letzten Endes nicht wirklich an einen Ort, sondern an die Menschen gebunden, die ihn tagtäglich umgeben. Am Ende ist das aber auch egal, denn Joe darf seine „Bruchbude“ behalten. Und so leer wird das große „Nest“ von ihm durch Cecile ja anscheinend nicht bleiben...

Higher powers

Auf dem Weg zum Finale der Episode sprudeln dann noch ein paar spaßige Einfälle aus den Autoren heraus, die mir ein paar deftige Lacher entlocken. So zum Beispiel die Anspielung auf den heldenhaften Piloten Chesley B. Sullenberger, kurz Sully, als ein drohendes Flugzeugunglück aufgrund eines Vorfalls mit einer Gans (RIP) gerade noch so verhindert werden kann. „What are the odds a pilot has goose flying through his engine twice?“ Darüber hinaus bin ich besonders von der Szene angetan, als Barry einfach mal das Gespräch mit seiner „Widersacherin“ sucht, die so rüberkommt, als könnte sie keiner Fliege etwas zu Leide tun. Während des ruhigen Vier-Augen-Gesprächs zwischen unserem Helden und Becky wird aber geschickt deutlich gemacht, wie mächtig sie eigentlich ist und welche Gefahr wirklich von ihr ausgeht.

Dark Matter matters

Der Schlussakt gestaltet sich dann durchaus schwungvoll, auch wenn man hier und da ein Auge zudrücken muss. Beckys Lauf in einem Casino droht eine riesige Katastrophe in Central City auszulösen, jedoch können ihre Kräfte kurzzeitig ausgesetzt werden, als der reaktivierte Teilchenbeschleuniger in den S.T.A.R. Labs erneut hochgeht und den Effekt der dunklen Materie, die Becky ursprünglich ihre Fähigkeit gab, aufgehoben wird. Ein ziemlich riskantes Unterfangen, auf das sich das Team hier einlässt. Warum sollte der defekte Teilchenbeschleuniger zum Beispiel nicht erneut eine Welle von Metahumans mit sich bringen? Augenscheinlich gibt es keine andere Möglichkeit, Becky aufzuhalten - etwas seltsam und kurzsichtig erscheint mir dieses kalkulierte Risiko aber schon.

Nachdem Barry die bis zur letzten Sekunde sehr putzige und sich keiner allzu großen Schuld bewussten Becky (ein guter Auftritt von Gastdarstellerin Sugar Lyn Beard) hinter schwedische Anti-Metahuman-Gardinen gebracht hat, kommt das Team dann langsam, aber sicher den seltsamen Dingen auf die Schliche, die in der Stadt vorgehen. Bereits zwischendurch kommt man darauf, dass Barrys Rückkehr aus der Speedforce dunkle Materie freigesetzt hat, die wiederum ein paar Auserwählten Superkräfte gegeben hat. Genauer: Zwölf Leute, die allesamt im selben Bus saßen. Wie zweckmäßig, aber nun gut.

Diese zwölf neuen Metahumans stellen die Spielfiguren des Thinkers dar, der nach wie vor äußerst bedrohlich in seinem Borg-Oufit auf seinem Superstuhl vor sich hinschwebt und möglicherweise von Anfang an wusste, wo Barry die dunkle Materie freisetzen würde. Schockierend! Die comicartige Überzeichnung des Oberschurken geht munter weiter und wird dem einen oder anderen eventuell weniger gefallen. Da The Flash mir gerade aber sehr viele Freude bereitet und ein angenehm frischer Wind durch das Format weht, kann ich mich weiterhin mit diesem Aspekt arrangieren.

Trailer zur nächsten „The Flash“-Episode, „Elongated Journey into Night“ (4x04):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. Oktober 2017

The Flash 4x03 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 3
(The Flash 4x03)
Deutscher Titel der Episode
Des einen Glück, des anderen Leid
Titel der Episode im Original
Luck Be a Lady
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Oktober 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. Mai 2018
Autoren
Sam Chalsen, Judalina Neira
Regisseur
Armen V. Kevorkian

Schauspieler in der Episode The Flash 4x03

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