The Flash 4x02

© arry aka The Flash in „Mixed Signals“ / (c) The CW
Die beiden Drehbuchautoren Jonathan Butler und Gabriel Garza sind bis dato zwei eher unbekannte Namen im US-amerikanischen Fernsehgeschäft. Im Rahmen eines Programms für aufstrebende Autoren des privaten Kindersenders Nickelodeon brachte das Duo zuletzt die Jugendserie „Bella and the Bulldogs“ hervor, zuvor verdienten sich Butler und Garza bei anderen Kinderformaten ihren ersten Sporen. Warum ich Euch das alles erzähle? Weil das Autorenduo nun auch erstmals im „Erwachsenenfernsehen“ in Erscheinungen getreten ist, das Drehbuch zur aktuellen The Flash-Folge Mixed Signals beigetragen hat und sich sogleich für weitere Aufgaben dieser Art empfiehlt.
Es ist ein natürlicher Prozess bei langjährigen TV-Produktionen: Nach ein paar Staffeln hilft es immer wieder, den „Writers Room“ einer Serie durchzuwirbeln und aufzufrischen, sich neue Ideen von außen zu holen und viel versprechenden Talenten die Chance zu geben, ihre Visionen zu Papier zu bringen. Das Interessante an „Mixed Signals“ ist jedoch, dass Butler und Garza bei ihrem Einstand gar nicht so viel neu machen, sondern vielmehr alte Stärken von „The Flash“ aufleben lassen, indem sie eine sehr launige Erzählung zusammenzimmern, die vor charmanten Querreferenzen nur so strotzt, das Maximum aus der Dynamik zwischen den Darstellern rausholt und obendrein eine nette Botschaft übermittelt, die vielleicht nicht wahnsinnig erleuchtend ist, durch ihre Einfachheit aber auch ein Stück weit besticht.
In sync
Man merkt der Folge schlichtweg an, dass hier zwei unverbrauchte Köpfe dahinter stecken, die sehr gut von der eher unerfahrenen Regisseurin Alexandra La Roche (ursprünglich von Beruf her Script Supervisor) unterstützt werden. Diese erweckt bei der Inszenierung die vielen frischen Ideen für einigen Actionsequenzen hervorragend zum Leben, was zum großen Unterhaltungswert dieser Episode beiträgt. „Mixed Signals“ vergeht wie im Flug und punktet mit seinem jugendlichen, beschwingten Flair auf ganzer Linie, ohne dabei die aktuellen Sorgen der verschiedenen Charaktere zu vernachlässigen.
Risky business
Sogleich greift man das Thema auf, was sich bereits am Ende der Auftaktepisode The Flash Reborn angedeutet hat: Ist Barry (Grant Gustin) wirklich der Alte und kann er einfach da weitermachen, wo er vor etwas mehr als sechs Monaten aufgehört hat? Es scheint so als käme der schnellste Mann der Welt nach seiner Rückkehr und all den Traumata, die er erlebt hat, ziemlich gut zurecht. In Möchtegern-Tom-Cruise-Manier zaubert er ein leckeres Frühstück auf den Tisch und zieht sich nebenbei noch all die verpassten Serien rein, die an ihm im letzten halben Jahr vorbeigezogen sind (darunter Game of Thrones - aber eigentlich nicht wirklich...). Außerdem hat er sich um die Planung für die anstehende Hochzeit mit Iris (Candice Patton) gekümmert. Ja, es läuft einfach gut für Barry, der sich kopfüber in sein neues altes Leben stürzt und kaum zu bremsen ist.
Doch ist das alles nur eine Fassade? Übertreibt es Barry nicht etwas, ist er vielleicht zu überengagiert? Iris gefällt das Verhalten ihres Verlobten ganz und gar nicht, so sehr sie sich auch freut, dass er wieder zurück ist. Irgendein gewaltiger Elefant befindet sich im Raum, der nicht ignoriert werden kann. Barry geht vermeidbare Risiken während seiner Tätigkeiten als Superheld ein, gleichzeitig scheut er das klärende Gespräch mit Iris. Er ist immer im Bewegung, ruhe- und rastlos sowie nach wie vor fest davon überzeugt, dass er seine Bürde als Beschützer von Central City ganz allein tragen muss. Ein altbekanntes Lied, dass „The Flash“-Zuschauern nur zu gut kennen. Der richtige Weg ist dies aber nicht.

New dynamics
So forciert Iris etwas, das jede gesunde Beziehung benötigt: Kommunikation. Ein offener und ehrlicher Umgang miteinander sowie das Vertrauen in seinen Partner, der oder die für den jeweils anderen immer da ist, hat große Wichtigkeit. Es ist keine bahnbrechende Erkenntnisse, dass erst so eine Beziehung wachsen kann. Barry und Iris müssen jedoch erst etwas in diese Richtung gedrückt werden und versuchen es mit Paartherapie - ein Ratschlag von Caitlin (Danielle Panabaker), die generell ein paar nützliche Beziehungstipps für ihre Mitmenschen hat. Das Gespräch mit der Therapeutin (was ist da eigentlich bei Oliver in Star City los?) ist vor allem erst einmal unfreiwillig komisch und sehr amüsant, wird Iris und Barry doch vor Augen geführt, was sie bisher eigentlich erlebt haben und welche Verluste sie verkraften mussten. Das steckt mal nicht so einfach weg.
Gleichzeitig schütten die beiden aber im Verlauf der Episode auch ihre Herzen aus, was extrem wichtig für ihre gemeinsame Zukunft ist und uns als Zuschauer wertvolle Einblicke in ihr Seelenleben gibt. Iris hat Barrys Abschied verständlicherweise weit mehr mitgenommen, als es den Anschein gemacht hat, während Barry nach wie vor nicht bereit ist, seine Verantwortung zu teilen und Iris vollends zu vertrauen. Außerdem finden sich beide in einer gänzlich neuen Dynamik wieder, arbeiten sie doch jetzt Hand in Hand als wichtige Mitglieder von Team Flash. Die Idee hinter diesen Szenen ist einfach (das Verhältnis und gegenseitige Verständnis der beiden soll gestärkt werden), die Umsetzung aber sehr stimmig und die Szenen zwischen Grant Gustin und Candice Patton liebevoll verpackt.
Get shmoopy
Barry und Iris sind aber nicht die einzigen, die sich ihren Beziehungsproblemen stellen müssen. Auch Cisco (Carlos Valdes) erkennt, dass seine Liebelei mit der taffen Gypsy (Jessica Camacho) nicht mal so nebenbei funktioniert, auch er muss sich ihr verpflichten. Vor allem, wenn er ihr offensichtlich so viel bedeutet, wie ein eigenartiger, aber ganz niedlicher Feiertag auf ihrer Heimaterde zeigt. Dieses Duo gibt nach wie vor ein eigenwilliges, aber irgendwie sehr süßes Paar ab. Auch hier ist Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg, auch in diesem Nebenplot verstehen wir die Intentionen der Autoren klar und deutlich. Man darf nur gespannt sein, ob diese wertvolle Lektion von den Charakteren auch mitgenommen und beibehalten wird, denn The Flash lässt seine Figuren gerne prägende Lehrstunden vergessen, um einfaches Drama zu erzeugen. Das kann wiederum nervig sein, weil zum Beispiel Barry immer wieder die gleichen Fehler begeht.
Crack the code
Apropos Drama: Neben den intimen Charaktermomenten zwischen Barry und Iris in Mixed Signals, gibt es außerdem viel Aufregung um den Metahuman Ramsey Deacon aka Kilg%re (Dominic Burgess), der sich als eine Art menschlicher Computervirus auf dem blutigen Weg der Rache gegen ein paar ehemalige Kollegen befindet, die eine Idee von ihm geklaut haben und jetzt dafür büßen müssen. Die „Schurke der Woche“-Geschichte reißt auf dem Papier keine Bäume aus, hat aber ein paar schöne Kniffe zu bieten, die die Hatz nach dem blutrünstigen Fiesling (dieser geht tatsächlich sehr brutal vor, siehe die Art und Weise, wie er seine Opfer zu Rechenschaft zieht) unterhaltsam gestalten.
Allen voran die Actionsequenzen, die sich sehr frisch anfühlen, so zum Beispiel die Demontage eines fahrenden Autos durch Barry, der das Leben des panischen Insassen dadurch gerade noch so retten kann. Diese Szene zeigt nicht nur, dass Barry überstürzt handelt und offensichtlich noch nicht wieder richtig in der Spur ist, sie hat auch einen komödiantischen Mehrwert. Ein versuchtes Attentat durch Kilg%re mit einem Entschärfungsroboter und einer Handgranate wird derweil in einer sehr dynamischen Actionszene erfolgreich von Barry vereitelt. Regisseurin Alexandra La Roche lässt sich ein paar schöne Dinge einfallen und kommt dabei zum großen Teil ohne klobige CGI-Effekte aus, was dem Ganzen einen angenehm geerdeten Effekt gibt.

Gold standard
Mixed Signals fühlt sich oft einfach wie eine Folge aus den frühen The Flash-Staffeln an, eine flotte Achterbahnfahrt, in der für leicht dramatische Momente ebenso viel Platz ist wie für zackige Dialogszenen und witzigen Referenzen. Butler und Garza finden dabei in Carlos Valdes anscheinend ihren ganz persönlichen Liebling, dreht dieser als Cisco doch förmlich auf. Als Serienjunkie freut man sich da schon ein wenig über einen charmanten Verweis auf Silicon Valley, als Cisco und Barry grübeln, welcher Charakter aus der HBO-Comedy am ehesten dem gefährlichen Kilg%re entspricht, sollten Richard, Gilfoyle, Erlich und Co. eines Tages am Rad drehen.
Während die Lösung des Problems - Cisco kommt etwas zufällig auf die Idee, eine Art Gegenmittel zu entwerfen, dass die Kräfte von Kilg%re unterdrücken kann - wie so oft in „The Flash“ ein wenig zweckdienlich erscheint, kann man sich als Zuschauer aber durchaus an der finalen Auseinandersetzung zwischen dem Bösewicht der Woche und Team Flash erfreuen. Ersterer nutzt eiskalt den neuen, hochtechnologisierten Anzug von Barry aus, an dem Cisco so eifrig gebastelt hat und der den Tech-Experten (jetzt sogar mit Plastikmarke ausgestattet im Diensten der Polizei!) mit so viel Stolz erfüllt. Doof nur, wenn jemand dieses neue „The Flash“-Kostüm komplett kontrollieren kann, so wie Kilg%re.
Giant action figure
Der plötzliche ausgelöste „Floatation Mode“ sorgt für einen großen Lacher bei mir, aber halt, hier geht es um Leben und Tod, also Contenance! Um die „Lektion der Woche“ abzuschließen, muss Barry letzten Endes auf seine liebe Iris vertrauen und sich selbst einen deftigen Blitzschlag verpassen, um den Selbstzerstörungsmodus seines Anzuges (Cisco hat einfach an alles gedacht) abzubrechen. Ein riskantes Unterfangen, das jedoch aufgeht. Kilg%re wird eingebuchtet, Cisco und Gypsy verbringen ein romantisches Date zusammen und zwischen Barry und Iris herrscht wieder Harmonie. Man macht unaufgeregt eine Schleife um diese an und für sich sehr stringente Handlung, die strukturell und inhaltlich einer ganz klassischen Superheldengeschichte ähnelt, was überhaupt nicht schlimm oder öde ist.
Long road
Wobei es auch ein paar Aspekte in „Mixed Signals“ gibt, die Fragen aufwerfen. So zum Beispiel bezüglich der Rolle von Wally. Dabei geht es mir weniger um seinen neuen Kleidungsstil („What? I like Punk music!“), sondern vielmehr um seine Position innerhalb von Team Flash. Es ist noch sehr früh in dieser vierten Staffel, die ersten beiden Episoden haben aber fast schon schamlos aufgezeigt, wie unnötig der junge Speedster eigentlich ist. Da kann einem Darsteller Keiynan Lonsdale schon fast leid tun, denn bisher bekommt er weder irgendetwas zu tun, noch bekommt man den Eindruck, dass den Macher wirklich etwas an diesem Charakter liegt. Vielleicht bin ich zu vorschnell, doch bereits in einigen Folgen der Staffeln zuvor machte es den Anschein, dass die Serie auch gut ohne Wally auskommen könnte.
Der zweite Punkt, der mich mit Blick auf diese Folge beschäftigt: The Thinker (Neil Sandilands), der Oberschurke in dieser Staffel. Früher oder später wird da mehr kommen müssen, als den hochintelligenten Strippenzieher (der mal fix Schuberts Unvollendete vollendet hat, ist doch klar) beim Pläneschmieden in seinem Labor zu zeigen. Die Inhaftierung von Kilg%re im Metahuman-Flügel des Gefängnisses Iron Heights war offensichtlich beabsichtigt. Der Thinker stattet seine „Marionetten“ anscheinend nicht nur mit diabolischen Superkräften aus, er plant wohl auch einen großen Angriff auf The Flash, für den noch ein paar Puzzleteile fehlen. Zu Beginn der Staffel kann ich mit kurzen Szenen bezüglich der dubiosen Machenschaften des Thinkers noch ganz gut leben. Die Verantwortlichen müssen nur Acht geben, dass sie nicht ein zu überzeichneten, schnurrbartzwirbelnden Antagonisten erschaffen, den man im schlimmsten Fall irgendwann nicht mehr ernst nehmen kann.
Trailer zu „The Flash“-Episode 4x03 „Luck Be a Lady“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 18. Oktober 2017The Flash 4x02 Trailer
(The Flash 4x02)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?