The Flash 4x01

© ally aka Kid Flash (Keiynan Lonsdale) und Cisco aka Vibe (Carlos Valdes) in „The Flash Reborn“ / (c) The CW
Nach der qualitativ durchwachsenen dritten Staffel von The Flash haben sich die Serienmacher um Greg Berlanti, Andrew Kreisberg und Geoff Johns für Staffel 4 einiges vorgenommen. Nicht nur, dass man bezüglich des zentralen Bösewichts der neuen Folgen etwas andere Wege einschlagen wird (Speedster sind erst einmal passé), man sieht mit dem Ende der letzten Staffel, als Barry sich heldenhaft in die zerstörerische Speed Force verabschiedete, um diese zu stabilisieren, auch die Möglichkeit, einen kleinen Neustart zu wagen. Das indiziert so auch der Titel des Staffelauftakts, The Flash Reborn.
Es dauert aber nicht lang, da erkennt man Parallelen zum letzten Jahr, als man sich in Flashpoint ebenfalls an einer bekannten Comicvorlage orientierte (im Fall von „The Flash Reborn“ referenziert man offensichtlich die sechsteilige Comicreihe „The Flash: Rebirth“). Tatsächlich stehen wir vor einem kleinen Neuanfang, doch wie bereits in „Flashpoint“, als Barrys (Grant Gustin) Ausflug in eine alternative Version seiner Welt nur von kurzer Dauer gewesen ist, sind die Konsequenzen seiner Entscheidung im letzten Staffelfinale eher überschaubar.
Back to normal
Anstelle die interessante Prämisse - eine Welt ohne Flash - etwas länger auszuspielen, wird unsere Titelfigur relativ fix wieder ins bekannte Setting bugsiert. Auf der einen Seite verständlich, weil man ohne Grant Gustin anscheinend nicht kann. Auf der anderen Seite aber auch etwas enttäuschend (so wie „Flashpoint“, wo die Veränderungen in der Serie nicht lange anhielten), da man sich so selbst starkem Material beraubt, das man ausführlich hätte auskosten können, ja vielleicht sogar müssen, um für etwas frischen Wind in dem Superheldendrama zu sorgen.
Keep running
Die sechs Monate, in denen Barry in der Speed Force war, sind schnell umrissen. Wie die Charaktere mit dem Verlust ihres guten Freundes, oder im speziellen Fall von Iris (Candice Patton) sogar Liebhabers, umgegangen sind, erfahren wir im Schnelldurchlauf. Dabei wäre es doch so viel interessanter gewesen zu sehen, was die Figuren erlebt haben und wie schwer diese Zeit für sie gewesen ist. Als Zuschauer möchte ich miterleben, was die Charaktere durchgemacht haben und mit eigenen Augen sehen, wie sie versuchen, diesen Nackenschlag zu verarbeiten. Davon profitiert schlichtweg meine emotionale Bindung zu den Figuren.
Die Macher verzichten aber auf diesen Umweg, was ich persönlich etwas schade finde, und schalten sogleich wieder in den nächsthöheren Gang. Ja, wir erfahren, wie schwer sich Iris, Cisco, Joe und so weiter getan haben, dass Barry nicht mehr an ihrer Seite ist. Und ein jedes Mitglied von Team Flash hat Wege gefunden, mit diesem einschneidenden Erlebnis umzugehen, es zu akzeptieren oder aber dagegen anzukämpfen und es eventuell rückgängig zu machen. Für mein Empfinden geht das alles aber ein wenig zu schnell, möchten die Autoren doch Barry so schnell wie möglich wieder mittendrin im Geschehen haben. Bei der Umsetzung kommt man jedoch ins Straucheln.

All that's left
Nicht falsch verstehen, die Darstellerriege vermag es in The Flash Reborn. The Flash mehrfach eine ganze Menge aus den vielen emotionalen Charaktermomenten dieser Episode rauszuholen, baut man doch geschickt auf die langjährigen Beziehungen der Figuren zueinander und den weiten Weg auf, den sie bis dato gemeinsam hinter sich gebracht haben. Wie so oft wäre aber mehr drin gewesen, wenn sich die Verantwortlichen von The Flash doch nur einmal richtig trauen würden, mit den Erwartungen zu brechen und etwas gänzlich Neues zu probieren. Wenn nicht jetzt, siehe den bedeutungsschwangeren Titel „The Flash Reborn“, wann dann?
Stattdessen entwickelt sich vielmehr eine recht klassische Erzählung, deren Ablauf wenige Überraschungen zu bieten hat und sehr stringent ist. In Barrys Abwesenheit schmeißt das neu formierte Team Iris (sie ist nun einmal der Boss, sorry liebe Fans von Team Kid Flash oder Team Vibe) den Laden und beschützt Central City von fiesen Schurken, darunter zum Beispiel die teleportierende Diebin Peek-a-Boo (Britne Oldford). Als jedoch plötzlich ein äußerst mächtiger Samurai aufkreuzt und den Flash zum Kampf herausfordert, ist die Gruppe überfordert. Dem Fiesling ist nicht wirklich Einhalt zu gebieten und wenn er nicht seinen Kampf gegen den schnellsten Mann der Welt bekommt, dann wird er Central City den Erdboden gleichmachen. Also tüftelt das Team an einem Plan, Barry aus der Speed Force zu befreien...
Moving on
Wobei, eigentlich wurde schon längst fertigetüftelt, denn Cisco (Carlos Valdes) hat in dem letzten halben Jahr klammheimlich an einer Lösung für dieses Problem gearbeitet, die nun - perfektes Timing - in greifbarer Nähe erscheint. Dies sorgt wiederum für etwas Ärger innerhalb des Teams. Vor allem Iris weiß nicht so recht, was sie von diesem Vorhaben halten soll. Anfangs verwundert mich ihr Verhalten ein wenig, doch mit der Zeit verstehe ich sie mehr und mehr. Iris wurde dermaßen mitgenommen, dass sie einfach Angst vor all den Fragen hat, die eine mögliche Rückkehr von Barry mit sich bringen würde. Ist er überhaupt noch am Leben? Lohnt es sich zu hoffen? Sollen sie nicht einfach nur sein Vermächtnis ehren?
A little faith
Iris fürchtet sich davor, sich mit dem schlimmstmöglichen Szenario auseinanderzusetzen, und wer kann es ihr schon verdenken? Doch sie muss sich den Tatsachen stellen und ihr Vater Joe (Jesse L. Martin), der ein wirklich schönes Pärchen mit Cecile (Danielle Nicolet) abgibt und zwischenzeitlich den denkbar coolsten Auftritt hinlegt, weiß Rat, wie ihr dies gelingen kann. Er hat die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben und Wege gefunden, mit seinen Gefühlen und Schmerzen umzugehen. Manchmal hilft etwas Glauben und Vertrauen, um über die dunklen Gedanken wieder Herr respektive Frau zu werden. Dies ist natürlich einfacher gesagt als getan. Aber, dass „The Flash“ bereit dazu ist, dieses komplexe Thema anzusprechen, gefällt mir gut.
Gleiches gilt für die Emotionen, die Cisco durchlebt, der sich seinen besten Freund (wir vergessen einfach mal, dass er in der letzten Staffel kurzzeitig überhaupt nichts mehr für Barry übrig hatte) einfach zurück an seine Seite wünscht - und dabei vielleicht extrem voreilig reagiert und bei der Rettungsaktion mehr an sich als an Barry oder alle anderen zu denkt. Die Rückkehr Barrys gestaltet sich indes als schwierig, denn seine Zeit in der Speed Force hat ihn verändert. Das Gefühl der Machtlosigkeit bei seinen Freunden, die ob seines neuen Zustandes nicht wissen, was sie tun sollen, ist bedrückend. Auch dies gelingt der Folge gut. Die Lösung dieses „Problems“ gestaltet sich dann jedoch etwas simpel. Wobei man dem Braten wohl besser nicht trauen sollte.

Washed away
Barry, der wild Schriftzeichen an die Wände krakelt und kurzzeitig komplett freidreht, kann letzten Endes durch einen riskanten Plan „wiedergeboren“ werden, und zwar indem sich Iris von dem mysteriösen Samurai entführen lässt, was alte Beschützerinstinkte in Barry weckt. Eine etwas schwammige Actionsequenz später ist das Thema ad acta gelegt. Das alles funktioniert sehr einfach und geht erstaunlich locker über die Bühne. Doch dies scheint mir beabsichtigt zu sein. Denn als der wiedergenesene Barry Iris freudig davon berichtet, dass jetzt alles gut ist, er sich nie besser gefühlt hat und sämtlichen schmerzhaften Erinnerungen vergessen sind, macht sich Skepsis im Anlitz seiner Geliebten breit.
Auch wir Zuschauer wundern uns, denn das klingt doch verdächtig rosarot. Barry hat eine unfassbar komplexe Reise hinter sich, mit extremen Tiefschlägen und grandiosen Höhepunkten. Er ist die Summe dieser manigfaltigen Erlebnisse, aus diesem Grund wirkt Iris nun auch nicht wirklich zufrieden, als Barry von der wunderbaren Zukunft schwärmt, die auf die beiden wartet, während er anscheinend gleichzeitig vergessen hat, was er alles durchlebt hat. Doch die Charaktere dürfen nicht einfach so Schlussstriche ziehen, sie müssen das, was ihnen passiert, gut oder schlecht, verarbeiten und daran wachsen. Ob es sich dabei nun um Barry, Iris oder Cisco handelt.
Looking for danger
Caitlin, die ebenfalls sehr fix zum Team zurückkehrt (Ja, sie war sechs Monate lang untergetaucht, aber als Zuschauer nimmt man diesen längeren Zeitraum nur bedingt wahr. Es fühlt sich schlichtweg nicht so an.), musste interessanterweise auch einiges verarbeiten und scheint dies relativ erfolgreich bewerkstelligt zu haben. Doch der Schein trügt, denn ihre multiple Persönlichkeitsstörung zwischen ihrem menschlichen Ich und dem Metahuman Killer Frost ist nach wie vor akut. Gleichzeitig treibt sie ein riskantes Spiel, bei dem eine gewisse Amunet involviert ist. Diese stellt eine gefährliche Schwarzmarkthändlerin dar, die in der neuen Staffel von Katee Sackhoff gespielt wird. Hier können wir uns also schon einmal auf einen heißen Tanz einstellen.
Holy ronin
Tatsächlich reizt mich Caitlins Geschichte nach wie vor sehr, zum einen, weil der ständige Wechseln zwischen ihren extrem gegensätzlichen Identitäten Danielle Panabaker die Möglichkeit gibt, Varianz in ihr Schauspiel zu bringen. Zum anderen, weil auch dieser Aspekt eine interessante psychologische Facette bietet. Auch hier muss ich aber sagen, dass ich schon gern gesehen hätte, was Caitlin in den letzten Monaten so getrieben hat, wobei ich mir vorstellen könnte, dass dies nun im Nachhinein aufgedröselt werden könnte, gerade mit Blick auf die geheimnisvolle Amunet, die eventuell etwas damit zu tun haben könnte, dass Caitlin ihre frostige Seite unter Kontrolle hat - zumindest in gewissen Momenten.
Ebenfalls recht geheimnisvoll kommt indes in den letzten Minuten von The Flash Reborn der vermeintliche Oberbösewicht der Staffel daher, der Thinker (Neil Sandilands). Dessen Einführung kommt jetzt nicht extrem überraschend und wirkt schon etwas sehr comicesk („Trekkies“ haben eventuell ein kleines Borg-Déjà-vu), wenn nicht sogar unfreiwillig komisch, wie er da in seinem Versteck auf einem schwebenden Stuhl sitzt. Aber ein meisterhaftes Superhirn als Widersacher für Team Flash ist auf jeden Fall mal etwas anderes als der nächste fiese Speedster. Bei den „Samuroids“ hat man sich übrigens bei den aus den „The Flash“-Comics bekannten Schurken Baron Katana bedient, der diese Kampfmaschinen entwickelt hat, um nach dem zweiten Weltkrieg Rache an der westlichen Welt zu üben. Mal sehen, was der Thinker sonst noch so im Köcher hat und was er eigentlich genau von The Flash will. Der erste Schachzug, mit dem die Rückkehr Barrys bewirkt wurde, ist ja gerade erst erfolgt.
Trailer zu „The Flash“-Episode 4x2 „Mixed Signals“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 11. Oktober 2017The Flash 4x01 Trailer
(The Flash 4x01)
Schauspieler in der Episode The Flash 4x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?