The Flash 3x23

The Flash 3x23

Die dritte Staffel von The Flash lässt es zu ihrem Abschluss noch einmal ordentlich krachen und hat neben reichlich Action auch eine ganze Menge Überraschungen zu bieten. All dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Finish Line in letzter Instanz zu inkonsequent und gehaltlos ist.

Grant Gustin als Barry Allen in „Finish Line“ / (c) The CW
Grant Gustin als Barry Allen in „Finish Line“ / (c) The CW
© rant Gustin als Barry Allen in „Finish Line“ / (c) The CW

Wo fangen wir nur an? Vielleicht damit, dass ich einigen findigen Lesern und Leserinnen meinen Respekt aussprechen muss, den Trick der Serienmacher von The Flash bezüglich dem vermeintlichen Tod von Iris (Candice Patton) bereits am Ende der letzten Episode (Infantino Street) durchschaut zu haben. Vielleicht falle ich aber auch einfach mit der Tür ins Haus und stellte bereits früh in dieser Kritik klar, dass mich Finish Line eher enttäuscht als überzeugt hat. Die Finalfolge ordnet sich meines Erachtens irgendwo im soliden Mittelfeld der oft durchwachsenen, unausgewogenen dritten Staffel des Superheldendramas ein und stellt teilweise ein perfektes Sinnbild dieser dar.

Man präsentiert uns ein mitunter extrem wirres und wildes Schlusskapitel, in dem sich die Ereignisse noch einmal überschlagen und eine schockierende Wendung die nächste jagt. Während gewisse Einzelszenen durchaus guten Unterhaltungswert besitzen, fehlt mir persönlich aber in vielen Momenten eine emotionale Wucht oder ein Gefühl von Finalität, das mich komplett mitreißen kann. Am Ende der Geschichte überwiegt vielmehr der Gedanke, dass die augenscheinlichen Konsequenzen letztlich doch kein all zu großes Gewicht haben - so sehr sich die Darstellerriege auch bemüht, die diversen Plotentwicklungen fesselnd und nachhaltig zu übermitteln.

The race is over

Im Großen und Ganzen lassen mich diese jedoch erschreckend kalt, mehr noch, an einer Stelle fühle ich mich gar etwas verschaukelt und um einen emotionalen Schockmoment betrogen. „Finish Line“ geht eben in eine Richtung, die ich in dieser Form nicht unbedingt erwartet hätte. Ein paar der Ideen der Macher haben definitiv Potential, insgesamt erscheint mir das Finale aber etwas unausgegoren und so konzipiert, dass es den größtmöglichen Effekt bei den Fans erzielen soll. Aus diesem Grund darf wohl auch erneut der Cliffhanger zum Ende der Staffel fehlen, der das weitere Schicksal von unserer Titelfigur offen lässt und uns glauben lassen will, dass die Reise von Barry Allen aka The Flash (Grant Gustin) ein Ende gefunden hat. Ja, wer's denn glaubt...

Not dead yet

Bevor es zu diesem überraschenden Ende von „Finish Line“ kommt, gibt es jedoch einige andere wichtige Dinge zu klären. So zum Beispiel, ob Iris tatsächlich von Savitar getötet wurde oder ob Team Flash noch eine Idee hat, dieses schreckliche Ereignis ungeschehen zu machen. Müssen sie aber gar nicht, wie sich relativ schnell herausstellt, hat doch HR (Tom Cavanagh) dank seiner wundersamen Hologramm-Apparatur den Platz von Iris eingenommen und sich für diese geopfert. Wie bereits erwähnt haben einige Zuschauer die Lunte gerochen, und auch wenn ich letzte Woche nicht wirklich an diese Möglichkeit gedacht hatte (so offensichtlich es für viele eventuell gewesen ist), reagiere ich nun weniger mit Überraschungen, sondern vielmehr mit neuerlicher Frustration.

Das große Opfer von HR und sein tragischer Abschied in allen Ehren, genau diese Entwicklung in der Handlung ist es, bei der ich mich etwas verladen fühle. Eventuell ist es für manch einen schwer nachzuvollziehen, möglicherweise ist es auch nur mein persönlicher Eindruck, aber der Tod von Iris ist eins der wenigen Dinge, die in letzter Zeit in „The Flash“ tatsächlich Gewicht hatten. Ich hatte bereits in der Review zur vorangegangenen Episode geschrieben, dass ihr Ableben etwas Neues auslösen und die Charakterentwicklung sowie Persönlichkeitswerdung unserer Hauptfigur vorantreiben könnte. Die „Enthüllung“, dass HR an Iris' Stelle das Zeitliche segnet, gleicht meiner Meinung nach eher einem fake out als einem cleverer Einfall der Macher.

The CW
The CW - © The CW

Erased

Und so sehr ich den lockerleichten HR (seine Rettungsaktion von Iris funktioniert im Übrigen lächerlich einfach) auch mag, sein Verlust ist verkraftbar. HRs Position im Team ist überschaubar gewesen, er selbst hat sich und seine Rolle immer wieder hinterfragt. Um Tom Cavanagh muss man auch nicht wirklich trauern, da bereits jetzt schon in Aussicht gestellt wird, dass er erneut vermehrt als grummeliger Harrison Wells von Earth-2 eingesetzt werden könnte. Der hier und da recht melodramatische Abschied von HR hinterlässt schlichtweg nicht den Eindruck bei mir, den sich die Verantwortlichen erhofft haben. Da können die Darsteller und Darstellerinnen noch so sehr auf die Tränendrüse drücken und letzte Worte austauschen, vollends ergriffen bin ich von diesen Szenen nicht wirklich.

Das Überleben von Iris ändert in der Folge die Zukunft beziehungsweise stellt sie wieder her, was wiederum bedeutet, dass Barry nie einen dunklen Pfad einschlagen und Savitar dadurch auch nie existieren wird. Doch der gemeine Speedster gibt nicht so leicht auf und hat einen Plan B in der Tasche. Mit Hilfe von Tracys (Anne Dudek) Speed Force Bazooka und ein paar Modifikationen von Cisco (Carlos Valdes) will er sich aufteilen lassen und die Kontrolle über die gesamte Zeit erlangen, ob jetzt Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. So könnte aus ihm doch noch ein allmächtiger Gott werden. Fehlt eigentlich nur noch ein fieses Lachen zum Schluss und unser Superbösewicht wäre perfekt.

To be a god

Für mein Empfinden überspannt man den Bogen mit dieser Geschichte ein wenig (wie soll das alles überhaupt funktionieren?), die sich so anhört, als hätte man sie sich noch fix vor den Dreharbeiten ausgedacht, um irgendwie einen hochdramatischen Schlusspunkt zu erreichen. Anstelle die direkte Konfrontation mit Savitar zu suchen, hat Barry jedoch eine Idee, die ich gar nicht mal so verkehrt finde. Warum muss es denn unbedingt in einem brutalen Scharmützel um Leben und Tod enden? Ist es nicht möglich, Barrys Time Remnant in die Freundesgruppe zu integrieren und Vergebung zu zeigen? Diese rosarote Wunschvorstellung trägt wenig überraschend zwar keine Früchte, weil Savitar zu sehr von seinen Machtgedanken korrumpiert ist, aber der Lösungsansatz ist mal etwas anderes.

Stolen future

So zeigt sich, dass sich Barry seiner Mitschuld an dem finsteren Schicksals seines Duplikats, das von Barrys zukünftigen Ich im Stich gelassen wurde, bewusst ist und das es eventuell auch eine andere Möglichkeit gibt, den Konflikt zu lösen. Es verlangt aber anscheinend nach einem Showdown, der unsere Superfreunde im Kampf gegen Savitar zeigt und sie über diesen triumphieren lässt. Also serviert man uns ein seiner Art nach eher altbackenes Finale, das wir so oder so ähnlich schon einmal gesehen haben.

Ich möchte mich gar nicht über die Machart dieser finalen Auseinandersetzung beschweren, bei der auch Jay Garrick (John Wesley Shipp) etwas mitmischen darf, nachdem Cisco die Speed Force Bazooka ein klein wenig manipuliert hat. Gypsy (Jessica Camacho) schaut ebenfalls noch einmal vorbei, und so entspinnt sich eine effektvolle Schlacht zwischen Savitar und den drei Speedstern The Flash, Kid Flash und Earth-3-Flash sowie Cisco und Gypsy gegen Killer Frost. Visuell machen diese Aufnahmen durchaus Laune, selbst wenn es einem beim Anblick dieser Szenen schwerfällt, nicht für einen kurzen Augenblick an das Wörtchen „Fanservice“ zu denken. Extrem unerwartet kommt das Ende von Savitar jedoch nicht, auch wenn es nicht Barry ist, der ihn aus dem Leben tilgt, sondern Iris, die ihn durch einen gezielten Schuss niederstreckt. Im Gegensatz zu seinem Time Remnant hat sich Barry nicht von seiner Wut steuern und Gnade walten lassen. Der Rest war Notwehr von Iris.

The CW
The CW - © The CW

The cure

Bei all diesen tumultartigen Szenen gehen in diesem vollgestopften Staffelfinale einige der Nebengeschichte fast schon etwas unter. Über Anne Dudeks erneuten kleinen Gastauftritt müssen nicht viele Worte verloren werden, weil Savitar sich letzten Endes nicht auf Team Flash einlässt und eigentlich nur den Stein der Weisen zerstören wollte. Blauer Blockbuster-Strahl in den Himmel - check! Wells Argumente, sie davon zu überzeugen, Savitar zu helfen, waren eh etwas schwammig. Weitaus besser gestaltet sich da schon die fortwährende Nebenhandlung um Caitlin aka Killer Frost (Danielle Panabaker), die in letzter Sekunde Cisco vor seinem Verderben rettet und in der nach wie vor die alte Caitlin zu schlummern scheint.

Auf das Heilmittel, das Julian (Tom Felton) off-screen mit Caitlins Mutter zusammengemischt hat, verzichtet sie aber. Sie könnte anscheinend wirklich ihre gefährlichen Metahuman-Kräfte hinter sich lassen, entscheidet sich aber dafür, mit ihrem neuen Ich zu leben und auf eigene Faust herauszufinden, wer oder was sie ist. Eine wie ich finde starke Entscheidung des Charakters und der Autoren. Caitlin akzeptiert ihre neue Seite und versucht, einen Einklang mit dieser zu finden. Sie ist keine Sklavin ihrer tödlichen Talente, Caitlin kann diese kontrollieren und mit ihrer Killer Frost-Persönlichkeit leben. Dies ist zwar ein langwieriger Prozess, aber sie stellt sich ihren Veränderungen, was ein erster Schritt in die komplett richtige Richtung ist.

Penance

Einen Schritt in die richtige Richtung vollführt letzten Endes auch unsere Hauptfigur, wobei ich diesen ehrlich zugegeben in einer anderen Form erwartet hätte. Gut zehn Minuten vor dem Ende von Finish Line (HR wird noch gebührend verabschiedet und seine letzten Worte werden an Cisco übermittelt, der HR erst die Kraft für seine schwierige Entscheidung gab) fühlt sich alles ganz schön nach einem Happy End an - bis Central City von schweren Erdbeben und grellen Lichtblitzen heimgesucht wird. Die Speed Force ist instabil und fordert einen „Insassen“ in seinem „Gefängnis“, nachdem Jay Garrick befreit wurde und sein vorheriger Platz vakant ist. Zeit für Barry, für all seine Verfehlungen und sein rücksichtsloses Verhalten im Umgang mit der Zeit geradezustehen.

Ohne große Ankündigung erklärt sich Barry bereit, in die Speed Force zu steigen und dadurch seine Freunde und Earth-1 zu retten. Ein unangenehmes Höllenfeuer erwartet ihn scheinbar nicht, das verspricht ihm zumindest seine Mutter, die ihm erscheint. Für Iris bricht eine Welt zusammen und der Abschied von seinen Liebsten geht zu Herzen. Ironischerweise passiert genau das, was ich schon seit längerem fordere, und zwar, dass es endlich Konsequenzen für Barrys Handeln gibt. Aber warum fühlt es sich dann nicht so, als wäre dies seine verdiente Strafe oder gar eine Wiedergutmachung? Weil The Flash nun einmal nicht ohne The Flash geht und die Momentaufnahme vielleicht emotional den einen oder anderen Zuschauer packen wird, wenn man aber ehrlich ist kein Gehalt hat. Mit dieser Bestrafung kommt unsere Hauptfigur gut weg, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass es zum Beginn der vierten Staffel eine befriedigende Auflösungen geben wird und Barry seine Lektion gelernt hat. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Fazit

Ein gemischtes Finale einer gemischten Staffel. Finish Line präsentiert uns mehrere Aha-Momente und legt es auf zahlreiche überraschende Wendungen an, die bei mir jedoch nicht den gewünschten Effekt erzielen und mich mitunter emotional ziemlich kalt lassen. Inhaltlich ist mir dies einfach zu wenig, der Darstellerriege möchte ich aber keine Vorwürfe machen. Ob jetzt Grant Gustin, Jesse L. Martin oder wer auch immer, es hapert hier sicherlich nicht an dem talentierten Cast. Vielmehr hat man sich bereits früh in der Staffel zu sehr verrannt, alte Geschichten aufgewärmt und immer wieder Konsequenz vermissen lassen. Fast schon ein wenig erleichtert setzte ich jetzt einen Haken hinter der dritten Staffel von The Flash und blicke trotz dem etwas eigenartigen Ende gespannt in die Zukunft, soll es in Staffel 4 doch ausnahmsweise kein Speedster werden, der Barry das Leben schwer machen soll. „Finish Line“ bringt mit dem Schurken DeVoe bereits einen neuen Namen ins Spiel, der auftreten könnte. Wer auch immer es wird, ich wünsche mir zukünftig wieder etwas mehr Mut von den Machern.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 24. Mai 2017

The Flash 3x23 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 23
(The Flash 3x23)
Deutscher Titel der Episode
Ziellinie
Titel der Episode im Original
Finish Line
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. Mai 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. August 2017
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
David McWhirter

Schauspieler in der Episode The Flash 3x23

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