The Flash 3x22

© arry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Infantino Street“ / (c) The CW
Kurz vor dem Finale der dritten Staffel von The Flash fahren die Serienmacher um „Arrowverse“-Allvater Greg Berlanti noch einmal schwere Geschütze auf und zaubern mit Infantino Street eine der unterhaltsamsten Episoden der The CW-Superheldenserie in den letzten Wochen aus dem Hut. Die Folge - deren Titel übrigens eine Hommage an den Comickünstler Carmine Infantino ist, verantwortlich für zahlreiche legendäre „The Flash“-Geschichten - hat einiges zu bieten und schlägt sich in vielen Bereichen mehr als passabel.
Ein gutes Erzähltempo, eine ordentliche Prise Humor sowie flotte Action und mitunter packendes Drama machen „Infantino Street“ zu einem sehr kurzweiligen vorletzten Kapitel dieser Staffel, das mit einem mehr oder minder überraschenden Knall endet, gelingt es Team Flash doch nicht, Savitar aufzuhalten, was zu Iris' (Candice Patton) Tod führt. Eine Folge bleibt Titelheld Barry Allen (Grant Gustin) nun noch, dieses Ereignis umzukehren oder aber eine neue Stärke daraus zu ziehen und seinem fiesen Duplikat Einhalt zu gebieten. Mal wieder kommt Barry zu spät, mal wieder muss er einen herben Schicksalsschlag hinnehmen. Doch wenn uns die Welt von „The Flash“ eines gelehrt hat, dann, das aufgrund von Zeitreisen und -manipulation wirklich alles möglich ist.
Second thoughts
Dieser Fakt ist es im Übrigen auch, der mich persönlich in „Infantino Street“ am meisten stört. Tatsächlich fühle ich mich in den letzten Sekunden der Episode emotional angesprochen. Natürlich werden wir Zuschauer geschickt durch die Inszenierung und ein tragisches Singer-Songwriter-Lied („Murder Song (5, 4, 3, 2, 1)“ von AURORA) manipuliert, aber irgendwie landet diese Finalszene um den machtlosen Barry, der nichts dagegen tun kann, das Ableben von seiner geliebten Iris zu verhindern, einen Treffer bei mir. Wenige Augenblicke später schießt dem geübten „The Flash“-Zuschauer jedoch sogleich der Gedanke in den Kopf, dass dieses scheinbar konsequente Ende aber noch einen sehr faden Beigeschmack haben könnte, was dem Abschluss der Folge ein wenig seine Wertigkeit nimmt.
Stay with me
So ist es nämlich absolut vorstellbar, dass Iris doch noch irgendwie Gevatter Tod von der Schippe springt und im kommenden Staffelfinale eine Lösung für alle Probleme von Team Flash gefunden wird. Da fände ich es weitaus interessanter, wenn dies das definitive Ende von Iris ist (was sich etwas unmenschlich und gemein anhört), Barry aufgrund dieses unumkehrbaren Verlust als Persönlichkeit wächst und infolgedessen Savitar zu Boden ringen kann. Für welche Variante sich die Autoren entschieden haben, erfahren wir aber erst nächste Woche, weshalb ich die Spekulationen an dieser Stelle erst einmal ruhen lassen möchte.
Zurück also zu „Infantino Street“, eine Episode, die ihre größte Stärke aus der gelungenen Mischung von bewährten Bausteinen zieht, die „The Flash“ in der Vergangenheit immer wieder ausgezeichnet haben. So zum Beispiel eher dramatischere Momentaufnahmen, die dank der persönlichen Beziehung, die man zu den einzelnen Charakteren über die Jahre aufgebaut hat, bei vielen Zuschauern ihre Wirkung nicht verfehlen dürften. Schon der Beginn der Folge, als ein jedes Mitglied von Team Flash langsam aber sicher den Tatsachen sowie der unausweichlichen, düsteren Zukunft in die Augen blickt, berührt einen auf gewisse Art und macht mich gar ein wenig wehmütig.

What does it take
Doch dabei bleibt es nicht. Eine herzliche, bittersüße Szene zwischen Iris und ihrem Vater Joe (Jesse L. Martin) sticht heraus und unterstreicht noch einmal das starke Vater-Tochter-Verhältnis der beiden Charaktere. Sowohl Iris als auch Joe müssen sich der unbequemen Zukunft stellen und teilen noch einmal eher banale Erinnerungen miteinander, die für sie aber letztlich die Welt bedeuten, so beliebig sie für Außenstehende auf den ersten Blick auch erscheinen mögen. Dieser emotionale Abschied zeigt, dass The Flash solche Szenen nach wie vor sehr gut beherrscht und man als Beobachter mit den Figuren weiterhin mitfühlt sowie ihr seelisches Innenleben total nachvollziehen kann.
Dies ist eine Facette von Infantino Street, die andere gestaltet sich eher im Geiste schwungvoll erzählter Action-Abenteuer, von denen die Serie auch schon einige abgerissen hat. Die meisten Chancen, Savitar zu stoppen, rechnet sich das Team nach wie vor über Tracys (Anne Dudek) Speed Force Bazooka aus. Der immens hohe Energieverbrauch dieser Waffe kann einzig von einer Apparatur der Dominators - die Alien-Invasoren aus dem letzte Mega-Crossover-Event - gestemmt werden. Die Technologie befindet sich jedoch derzeit in Besitz von A.R.G.U.S. und wird innerhalb der Zentrale der Geheimorganisation auch noch von niemand Geringeren als Superschurke King Shark bewacht.
Elvis Banana
Da A.R.G.U.S.-Chefin Lyla Michaels (Audrey Marie Anderson) Barry diese mächtige Energiequelle völlig zurecht nicht so einfach überlassen kann und seine Metahumankräfte aufgrund des Sicherheitssystems der A.R.G.U.S.-Zentrale unterdrückt werden, braucht es einen anderen Plan, um an den MacGuffin der Woche zu kommen. Ein Glück kann Barry ja mal fix durch die Zeit springen und sich die Dienste von Meisterdieb Leonard Snart aka Captain Cold sicher, der sich doch tatsächlich darauf einlässt, unserem Helden zu helfen. Natürlich nur, wenn er nach seinen Regeln spielt. Und schon haben wir eine spaßige Heist-Storyline mit Gastdarsteller Wentworth Miller, der sich in absoluter Bestform präsentiert.
No strings attached
Vor dem Lob kommt aber die Kritik: Ja, Barry will alles tun, um Iris zu retten. Dafür nimmt er abermals eine riskante Zeitreise in Kauf, die, wie jede andere Zeitreise auch, heftige Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Es erinnert fast schon an „Und täglich grüßt das Murmeltier“, wiederholt Barry doch aus welchen Gründen auch immer ein und denselben Fehler. Irgendwann muss es doch mal in den Kopf des Charakters rein, dass dieses rücksichtslose Verhalten noch nie ein gutes Ende genommen hat. In dieser Hinsicht verläuft Barrys Lernkurve wie ein gerader, flacher Strich. Und das bei der Verantwortung, die aufgrund seiner Kräfte auf seinen Schultern lastet! Aber auch ich selbst komme mir langsam wie ein kaputte Schallplatte vor, die immer wieder den gleiche Song abspielt. Ohne die durchgängige Verantwortungslosigkeit seiner Hauptfigur kann „The Flash“ wohl einfach nicht.
Aber gut, genug aufgeregt. Zumindest für den Moment. Richten wir unsere Aufmerksamkeit lieber auf die herrliche Rückkehr Wentworth Millers als schlagfertiger Antiheld, mit dessen Hilfe der Einbruch ins Hauptquartier von A.R.G.U.S. ein Kinderspiel ist. Die exzellente Dynamik zwischen Grant Gustin und Miller hat sich bewährt und die Zusammenarbeit der beiden Erzfeinde hat ein paar der unterhaltsamsten Momente der letzten Wochen in „The Flash“ zu bieten. Snart durchbricht als Charakter dabei in schöner Regelmäßigkeit die vierte Wand, ohne uns Zuschauer direkt anzusprechen. Kommentare wie „Reminds me of „Jaws“. They didn't show the shark because they couldn't afford to make it look good.“ sind so herrlich meta, dass ich mir ein Lachen nicht verkneifen kann.

Mission improbable
Die gewitzten Dialoge zwischen Snart und Barry lockern die sehr wichtige Mission, bei der es zu einem Wiedersehen mit einem der obskursten Vertreter der The Flash-Schurkengalerie kommt, wunderbar auf. Nebenbei bringt Regisseur Michael A. Allowitz noch ein paar charmante visuelle Referenzen unter, siehe die coole Szene mit der Nebelwand, aus der plötzlich die Rückenflosse des auf Eis gelegten King Sharks hervorschnellt. Der Einblick in die A.R.G.U.S.-Zentrale deutet darüber hinaus den möglichen Auftritt einer weiteren bekannten DC-Comicfigur in naher Zukunft an. So erhaschen wir nämlich einen Blick auf eine Zelle, in der sich anscheinend die Gepardendame Cheetah, in den Comics oftmals Widersacherin von Wonder Woman, befindet.
Auch diese Schurkin war im DC-Kanon mal ein Mitglied des Suicide Squads, das im Arrowverse bekanntermaßen mit eher unbekannteren Fieslingen gespickt ist. Die kurzfristige Zusammenarbeit von Barry und „Shark Week“-Fan Snart hat aber natürlich nicht nur einen gewissen Unterhaltungswert, Barry wird von dem Meisterdieb auch noch einmal darin bestätigt, seinen Weg zu folgen und dass das Gute in ihm seine wertvollste und stärkste Waffe ist. Wer die Entwicklung von Snart verfolgt hat, allen voran in Legends of Tomorrow, weiß, dass in dem Bösewicht tatsächlich auch etwas Gutes schlummert, das sich immer wieder zeigt - auch wenn es gelegentlich einen kleinen Schubser benötigt, um diese Seite in Snart hervorzurufen.
Tough call
Gestärkt durch diesen unerwarteten Zuspruch einer seiner ärgsten Widersacher und mit der Dominator-Technologie in der Tasche (die ihm Lyla jetzt doch überlässt, weil die Stabilität und Integrität des Zeit-Raum-Kontinuums bei Weitem nicht so wichtig ist, wie die Liebe) fühlt sich Barry nun für den Kampf und die Rettung von Iris gewappnet. Diese, sicherheitshalber auf Earth-2 untergebracht, wird jedoch von „Dark Barry“ aka Savitar entführt, von dem keine Gnade zu erwarten ist. Um ein Gott zu werden, muss er Barrys große Liebe umbringen. Also kommt es genau drei Minuten nach zwölf zum schockierenden Schlusspunkt, der trotz funktionierender Speed Force Bazooka (Savitars Ass im Ärmel: der Stein der Weise, den er gegen die Waffe einsetzt) nicht abgewendet werden kann.
Während sich Cisco (Carlos Valdes) Killer Frost stellt und die Hoffnung hegt, seine Freundin Caitlin (Danielle Panabaker) noch nicht komplett verloren zu haben (wo ist eigentlich Julian?), kommt Barry zu spät und muss das mit ansehen, vor dem er sich so sehr gefürchtet hat. Savitar durchbohrt Iris vor seinen Augen, deren lebloser Körper dann in den Armen des verzweifelten Barry liegt. Es geht eine ordentliche, emotionale Wucht von diesem abschließenden Bild aus, ob es nun Barrys oder Joes Reaktion auf diesen tragischen Augenblick ist. Wie bereits angedeutet traue ich dem Braten jedoch noch nicht ganz, was meine emotionale Reaktion auf das Finale der Episode im Nachhinein etwas mindert. Ist wirklich alles verloren? Oder kommt es noch zu einer Wendung? Eine verräterische Aufnahme von HR (Tom Cavanagh), der nach seinem Fauxpas (er hat Savitar aus Versehen verraten, wo sich Iris befindet) sich und seine Aufgabe im Team Flash hinterfragt und dabei die Klinge Savitars beäugt, heizt die Spekulationen an. Gewissheit gibt es dann nächste Woche im Staffelfinale Finish Line.
Fazit
Infantino Street ist eine launige, abwechslungsreiche The Flash-Episode, die sowohl große Emotionen als auch zahlreiche humorvolle Momente mit sich bringt. Komplett zufrieden stellt mich die Folge zwar nicht (die Nebenhandlung um HR und Tracy wirkt schrecklich egal und ist nicht weiter erwähnenswert, bei aller Liebe für die beiden Charaktere und ihre Schauspieler), die positiven Aspekte wie zum Beispiel die sehr gelungene Rückkehr von Captain Cold und die deftigen, mitunter schmerzhaften (Aua, Wally!) Actioneinlagen können einige meiner Kritikpunkte jedoch gut auffangen. Nun bin ich gespannt, was die Verantwortlichen aus dem Ende dieser Episode machen und welche Auflösung man sich für die dritte Staffel der Superheldenserie hat einfallen lassen.
Trailer zum „The Flash“-Staffelfinale 3x23 „Finish Line“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 17. Mai 2017The Flash 3x22 Trailer
(The Flash 3x22)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x22
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?