The Flash 3x21

© arry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Cause and Effect“ / (c) The CW
Direkt nach der Sichtung von Cause and Effect kommt man irgendwie nicht umheher festzustellen, dass die Serienmacher, ob nun gewollt oder unterbewusst, einen gewaltigen Metakommentar in ihrer neuesten Episode von The Flash untergebracht haben. Der Zeitpunkt mag etwas überraschend sein, so kurz nach der Enthüllung der wahren Identität von Savitar und vor der finalen Auseinandersetzung mit dem Bösewicht. Die Rechnung geht jedoch zu meinem Erstaunen relativ gut auf.
In einer ungewohnt lockeren Folge (dieses „ungewohnt“ ist mittlerweile absolut verdient, wandelt „The Flash“ doch nun schon seit einiger Zeit auf eher dunklen Pfaden) schwelgen die Autoren mit uns Zuschauern gemeinsam in den guten alten Erinnerungen, als die Geschichten um den schnellsten Mann der Welt noch nicht Woche für Woche von finsteren Gedanken, ständigen Überlebenskämpfen und einer niederschlagenden Grundstimmung geprägt waren. Als die Abenteuer des Titelhelden und die Interaktionen mit seinen engsten Vertrauten tatsächlich Spaß machten und Barrys selbstverschuldetes Chaos sich noch nicht wie ein klammer Umhang erschwerend über die Serie legte.
Flip the switch
Beim Anblick des unschuldigen, von Natur aus fröhlichen Barrys (Grant Gustin), der im Zuge eines neuen Plans gegen Savitar sein Gedächtnis verloren hat, hüpft ein wenig das Herz. Diese positive Injektion hat es definitiv gebraucht, nicht nur für uns, sondern auch für die Charaktere der Serie, allen voran Iris (Candice Patton). „The Flash“ findet auf nahezu zauberhafte Weise zu einer seiner alten Stärken zurück, eine Art unerschütterlicher Optimismus sowie ein angenehm positives Gefühl, dass all die Dunkelheit, die unsere Protagonisten in dieser Staffel umgeben hat, für einen kurzen Augenblick vertreibt. Und das haben sich nach langer Zeit nicht nur wir, sondern auch die Figuren verdient.
Like riding a bike
Dieses zwischenzeitliche Hoch ist natürlich nicht von Dauer, auch wenn Iris kurz überlegt, was denn daran so verkehrt wäre, Barrys Gedächtnisverlust nicht zu beheben. Auch Savitar ist immerhin davon betroffen, was wiederum Auswirkungen auf die Zukunft haben könnte, in der Iris von dem Fiesling getötet wird. Warum nicht an diesem lichten Moment festhalten, warum Barry nicht einfach sein Glück, bedingt durch seine Unwissenheit, gönnen? Weil dies eben nicht der Barry ist, den sie und seine Freunde so lieben. Weil Barry von seinen Ängsten, Dämonen und Qualen geformt wurde und erst zu der Person geworden ist, die niemand seiner Liebsten in deren Leben missen will.
Wieder einmal kann man von seinen Problemen nicht so einfach weglaufen. Man muss sich diesen stellen, mit ihnen leben und durch sie wachsen - so schwer dies auch sein mag. Wie der Episodentitel suggeriert geht es in „Cause and Effect“ gleich mehrfach um das Prinzip von Ursache und Wirkung. Und um die Verantwortung, die man wahrnehmen muss, wenn man etwas in Gang gesetzt hat, für das man letztlich geradestehen muss. Sicherlich können wir nachvollziehen, dass es ab und an einfach wunderbar wäre, alle persönlichen Schrecken der Vergangenheit vergessen zu können und noch einmal von vorne anfangen zu können. Doch kann man aus diesen nicht auch eine besondere Stärke ziehen und ihren Effekt umkehren?

Looking in a mirror
Die Episode beginnt mit ein paar Erklärungen von Savitar - oder besser gesagt dem Time Remnant beziehungsweise Duplikat von Barry, das dieser in der Zukunft geschaffen hat, um den eigentlichen Savitar in die Speed Force zu sperren. Wie wir im weiteren Verlauf erfahren, wurde das Duplikat, nennen wir ihn einfach mal „Dark Barry“, nach dem Erfolg über Savitar verstoßen und vom echten Barry und seinen Freunden links liegen gelassen. Um die Schmerzen aufgrund seiner Einsamkeit zu lindern, fasste er den Plan, zu einem Gott, sprich Savitar, zu werden. Ein Schritt, endgültig „geboren“ zu werden, ist Barry noch näher an den Abgrund zu bringen, zum Beispiel durch den Tod von Iris. Ein weiteres Motiv behält er noch für sich.
Wirklich wichtig an all diesen Informationen ist eigentlich nur, dass „Dark Barry“ sich rächen sowie noch mehr Macht will und dass das Reisen durch die Zeit nur Probleme macht - Newsflash! Barrys Flashpoint-Erlebnis hat das gesamte Raum-Zeit-Kontinuum durcheinandergebracht und letztlich den jetztigen Status quo bewirkt. Ursache, Wirkung. Um zu verhindern, dass Savitar aka „Dark Barry“ weiterhin jeden Schritt von Team Flash voraussehen kann, weil er die ganze Geschichte immerhin schon einmal miterlebt hat, wird an Barrys Gedächtnis herumgedoktert, sodass er gewisse Erinnerungen mehr abspeichern kann. Dadurch werden auch Savitars Erinnerungen beeinflusst, da er und Barry die gleiche Person sind. Man nimmt dem Schurken also seinen Vorteil, jedoch geht das Experiment nach hinten los und Barry leidet plötzlich unter völliger Amnesie.
Chicken or egg?
Wenn ich ganz ehrlich ich bin, verliert mich die Serie zwischendurch bei all dem „wissenschaftlichen“ Geblubber etwas, das einige Figuren so von sich geben. Auch, dass der „Kreis“ geschlossen ist, sodass Barrys Duplikat nun Savitar ist, nehme ich im Sinne der weiteren Handlung einfach mal so hin. Die Macher haben sich mit Sicherheit ein Konzept ausgedacht, das in ihrer Welt Sinn ergibt. Für meinen Geschmack nehmen die Ausführungen etwas sehr Überhand und es ist völlig ausreichend, sie auf das Nötigste herunterzubrechen, auch wenn dies vielleicht etwas lieblos klingt. Aufgrund genauer wissenschaftlicher Erklärungen zum Thema Zeitreisen sollte man The Flash aber auch nicht schauen. Selbst „Dark Barry“ sagt an einer Stelle, dass je mehr man durch die Zeit reist, desto weniger Regeln für einen existieren. Ein weiterer Metakommentar wenn man so will, scheinen die Autoren doch ab und zu selbst den Überblick hinsichtlich dieses Plotelements zu verlieren.
Can we go with Bart?
Wie dem auch sei, „The Flash“ zieht sich anderweitig aus der Affäre und trumpft mit einer Lockerheit auf, die ich in dieser Form nicht unbedingt erwartet habe. Im Zuge von Barrys Gedächtnisverlust kommt es zu einigen humorvollen Momentaufnahmen, so zum Beispiel während einer Zeugenaussage vor Gericht („Yes, I am a CSI at the CCPD under the expert direction of Julian Albert Smiley Face.“), die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Barts, Verzeihungen, Barrys erste Gehversuche als Superheld erinnern indes an die unbeschwerte Anfangszeit unserer Heldengeschichte zurück, als alles noch etwas weniger ernst war und man unserer Hauptfigur auf Schritt und Tritt seine fast schon kindliche Begeisterung anmerkte, Superkräfte zu haben, mit denen er anderen helfen kann.
Ich kann nachvollziehen, dass die Serie im Laufe seiner nunmehr drei Staffeln eine Entwicklung durchgemacht hat, die eher düsterer Natur ist. „The Flash“ hat es jedoch auch immer wieder geschafft, einfach sehr gut zu unterhalten, ohne schockierende Wendungen oder heftige Schicksalschläge. Wenn ich bereits jetzt schon einen kleinen Wunsch für die längst bestellte vierte Staffel äußern darf, dann, dass man sich eventuell wieder auf diese Tugenden vergangener Episoden besinnt. Es muss ja nicht gleich eine rosarote Superheldenserie sein, in der am Ende jeder Folge die Sonne scheint. Spaß darf sie trotzdem machen, so, wie es Cause and Effect immer wieder sehr gut gelingt.

Power from pain
Neben den vielen unterhaltsamen Szenen um Barry wird aber auch ein wenig dramatische Schwerstarbeit verrichtet, und zwar von Candice Patton. Wir erfahren von Iris nicht nur, dass Barry damals ein gigantischer Dragonball Z-Fan gewesen ist (entschuldigt bitte, diese neue Information finde ich ungemein wichtig), uns wird auch abermals vor Augen geführt, wie viel Iris an ihrer großen Liebe liegt. Es gibt gleich mehrere schöne Momente, in denen mir warm ums Herz wird, wie glücklich Iris aussieht, wenn sie den unwissenden, aber fröhlichen Barry anschaut. Sie gönnt ihm diese Unbeschwertheit, die er über die Jahre verloren hat, mit jeder Faser ihres Daseins.
Und selbstverständlich stellt sie sich die Frage, warum es nicht einfach so bleiben kann, nur um dann zu erkennen, dass der Barry den sie liebt die Summe seiner Erfahrungen ist. Ihre besondere Beziehung zueinander ist dem neuen Barry gar nicht bewusst, so wie die Erinnerungen an den tragischen Vorfall um seine Mutter und dass dies letztlich ihn und Iris zusammengeführt hat. Erst so konnte ihre Liebe wachsen und zu dem werden konnte, was sie heute ist. Eine schreckliche Ursache hat ausnahmsweise einen positive Effekt nach sich gezogen. Und dies jetzt einfach so zu vergessen oder ungeschehen zu machen, wäre ebenso verantwortungslos, als wenn man sich selbstverursachten Problemen nicht stellen würde.
Take charge
Das Thema Liebe ist auch in denen Nebenhandlungssträngen dieser Episode prominent vertreten, so zum Beispiel im Rahmen der Rückkehr Caitlins beziehungsweise Killer Frost (Danielle Panabaker) in die S.T.A.R. Labs. Was auch immer ihr von Savitar konkret versprochen wurde, sie will Barrys Gedächtnisverlust um jeden Preis rückgängig machen, da ja auch Savitar davon betroffen ist. Ihre Drohung, weitere Bösewichte auf die Stadt loszulassen, weshalb man den Flash ja unbedingt braucht, verläuft ein wenig ins Leere. Dafür deutet man aber geschickt an, dass noch lange nicht sämtliche Hoffnungen verloren sind, Caitlin zurückzuverwandeln. Auch wenn sie mit äußerst kalten Worten Julian (Tom Felton) und ihren Freunden das Herz bricht, ein kleines bisschen Caitlin steckt nach wie vor in Killer Frost.
Abseits davon greift man darüber hinaus erneut die kleine Liebelei zwischen HR (Tom Cavanagh) und Tracy (Anne Dudek) auf, die wie bereits in der Episode zuvor anbandeln und zwischen denen schlussendlich auch ein paar Funken fliegen - was Tracy wiederum dazu verhilft, ihrer Erfindung fertigzustellen - die „Speed Force Bazooka“ -, die gegen Savitar zum Einsatz kommen soll. Das Duo gibt ein charmantes Pärchen ab und sorgt ebenfalls für ein paar lockerleichte Zwischentöne, auch wenn deren beider Nebengeschichte komplett losgelöst vom Rest der Handlung verläuft. Um die Superwaffe zu betreiben, braucht es nun eine ganze Menge Energie. Diese verspricht man sich anscheinend von einem riesigen, roten Kristall (ein Überbleibsel der Alieninvasion durch die Dominators), der von niemand Geringeren als King Shark bewacht wird. Logisch.
Fazit
So sehr mich der Abschluss der Episode Cause and Effect sowie die vielen Versuche der Figuren, wissenschaftliche Erklärungen für all die offenen Fragen zu finden, auch verwirrt hat, im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden mit dieser Folge von The Flash. Gute Darbietungen und eine kleine Rückkehr zu den Wurzeln machen „Cause and Effect“ zu einer kurzweiligen Erzählung, die sich einem vielleicht nicht immer zu 100% erschließt, dafür aber gelungene Charaktermomente und eine ordentliche Portion Spaß mit sich bringt.
Trailer zur „The Flash“-Episode 3x22 „Infantino Street“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 10. Mai 2017The Flash 3x21 Trailer
(The Flash 3x21)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?