The Flash 3x20

The Flash 3x20

Zwei Episoden vor dem Finale der 3. Staffel von The Flash ist es endlich so weit: Die wahre IdentitĂ€t von Savitar wird enthĂŒllt! Insgesamt gestaltet sich I Know Who You Are jedoch eher durchwachsen. Die guten Actionsequenzen sind ein Plus, viele Charakterinteraktionen hingegen frustrierend.

Grant Gustin in „I Know Who You Are“ / (c) The CW
Grant Gustin in „I Know Who You Are“ / (c) The CW
© rant Gustin in „I Know Who You Are“ / (c) The CW

Die Katze ist aus dem Sack oder besser: Savitar aus seinem klobigen Speedster-Anzug. In I Know Who You Are (welch verrĂ€terischer Episodentitel...) wird nĂ€mlich endlich NĂ€gel mit Köpfen gemacht und das Spielchen um die Frage, wer sich denn unter der Maske des „God of Speed“ befindet, zu einem Ende gebracht. Ich persönlich hĂ€tte dies erst in der vorletzten Folge dieser dritten Staffel erwartet. Zum GlĂŒck spannt man uns nicht lĂ€nger auf die Folter - wenn man es denn ĂŒberhaupt so nennen kann, war die Frage nach Savitars wahrer IdentitĂ€t in den letzten Wochen doch nur bedingt ein Garant fĂŒr Spannung.

Es dĂŒrfte hinlĂ€nglich bekannt sein, dass ich mir diese EnthĂŒllung schon weitaus frĂŒher gewĂŒnscht hĂ€tte. Denn so „aufregend“, wie sich die Serienmacher das Plotlement „Wer ist Savitar?“ vorgestellt haben, war es bei weitem nicht. Es machen sich schlichtweg Abnutzungserscheinungen bemerkbar, wenn in The Flash Staffel fĂŒr Staffel die im Grunde genommen gleiche Formel durchgenudelt wird, siehe The Reverse-Flash oder Zoom. Im Fall von Savitar setzt man nun zusĂ€tzlich auf den gewaltigen Schocker, dass nicht irgendjemand oder ein enger Vertrauter des Teams unter der metallischen Visage ist. Nein, es ist Barry (Grant Gustin) selbst, sein zukĂŒnftiges Ich besser gesagt, das die jĂŒngere Version von ihm leiden lassen will.

Waste of time

Die EnthĂŒllungsszene an sich ist nicht schlecht verpackt und durchaus atmosphĂ€risch inszeniert. Der große Knall oder Überraschungseffekt bleibt bei mir und sicherlich vielen anderen jedoch aus. Ganz einfach, weil man eins und eins schon seit lĂ€ngerer Zeit zusammengezĂ€hlt und nicht erst wie Barry am Ende der Episode darauf kommt, dass die Antwort mehr als offensichtlich, wenn auch fĂŒr ihn unvorstellbar gewesen ist. Das lange Warten auf diesen Augenblick ist es nicht wert gewesen und so verpufft der Moment an sich letztlich. Am meisten Spannung geht da noch von der Frage aus, warum Barry sich selbst all diese Schmerzen und NackenschlĂ€ge zugefĂŒgt hat. Konkrete Antworten gibt es in „I Know Who You Are“ aber noch nicht.

Genius

Vielmehr fokussiert die Episode weiterhin die Suche nach einem Mittel, um Savitar in der Speedforce einzukerkern. DafĂŒr greift man auf die in der letzten Folge erwĂ€hnte Wissenschaftlerin Tracy Brand (Anne Dudek) zurĂŒck, die es 2020 schaffen wird, eine Möglichkeit zu entwickeln, Speedstern Einhalt zu gebieten. Im Jahr 2017 steht sie indes kurz davor, alles hinzuwerfen, weil ihre Forschungen weder besonders erfolgreich sind noch finanziell unterstĂŒtzt werden. Team Flash pĂ€ppelt sie jedoch wieder auf und hofft auf einen Geistesblitz von ihr, der letztlich auch einschlĂ€gt.

Ärger droht derweil jedoch vonseiten Killer Frosts (Danielle Panabaker), die nun ein Lakai von Savitar ist, der wiederum den eiskalten Metahuman auf Tracy angesetzt hat. Diese soll das Zeitliche segnen, damit Savitar letztlich nicht durch ihre Erfindung weggesperrt werden kann.

An dieser Stelle bin ich bereits irritiert: Wir haben bisher etliche Geschichten gesehen, in denen ein Speedster in die Vergangenheit oder Zukunft gereist ist, um etwas zu verhindern oder zu verĂ€ndern. Warum saust nun zum Beispiel Savitar nicht 20 Jahre zurĂŒck in die Zeit und trachtet einer jungen Tracy dort nach dem Leben? Oder warum sprintet Barry nicht direkt in das Jahr 2020, wo die Erfindung Tracys, um Savitar zu stoppen - letzten Endes soll die von ihm eigens erzeugte Energie aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit zu einer Art KĂ€fig innerhalb der Speedforce umgewandelt werden - bereits existiert, nimmt sich diese und wendet sie in der Gegenwart an?

The CW
The CW - © The CW

Off-guard

Vielleicht hören sich diese Fragen etwas naiv an und eventuell werden einige davon in nĂ€chster Zeit auch noch geklĂ€rt. Möglicherweise hĂ€tten derartige Zeitreisen noch schlimmere Konsequenzen oder „Future Barry“ erklĂ€rt uns noch, warum es eben nicht so einfach ist, wie ich es mir vorstelle. FĂŒr den Moment stören mich all diese Fragezeichen jedoch, denn dadurch wirkt die Handlung, das BemĂŒhen des Teams, Savitar auszubremsen, sehr kompliziert. Als wĂ€re jeder Schritt mit einem riesigen Aufwand und wahnsinnigem Risiko verbunden, was doch eigentlich gar nicht notwendig wĂ€re. Das ist zumindest mein persönlicher Eindruck, nachdem wir Barry jetzt schon mehrfach rĂŒcksichtslos durch die verschiedenen Zeitlinien haben springen sehen.

Es ist schwierig, sich von diesem Aspekt bei der Sichtung der Episode gĂ€nzlich freizumachen. Als willkommene Abwechslung empfinde ich da die durchaus unterhaltsamen Actionsequenzen in „I Know Who You Are, The Flash“, die gut von den mitunter verwirrenden Zeitreisegedankenspielen ablenken. Vor allem der Kampf zwischen The Flash und Killer Frost in, ĂŒber und durch die Straßen von Central City ist ungemein flott und schwungvoll inszeniert. Killer Frost schafft sich einfach so eine „kleine“ Rutschbahn, was eine aufregende Kamerafahrt nach sich zieht, die ohne Zweifel als visueller Höhepunkt der Folge bezeichnet werden kann.

White witch

Von der finalen Konfrontation zwischen dem Metahuman und Cisco geht ebenfalls eine ordentliche Wucht aus, auch auf emotionaler Ebene, wird vorher doch stark etabliert, wie viel Cisco an seiner sehr guten Freundin liegt. Carlos Valdes nimmt man die Schwere der Entscheidung, die sein Charakter treffen muss, absolut ab. Was jedoch weniger gut, wenn nicht sogar ziemlich nervig ist, ist das Verhalten von Julian. Tom Felton trifft dabei keine Schuld, es ist tatsĂ€chlich nur sein Charakter, der sich meiner Meinung nach viel zu unsensibel und egoistisch verhĂ€lt, so viel er auch fĂŒr Caitlin empfindet und so sehr er von seinen GefĂŒhlen fĂŒr sie geleitet wird.

Not dead yet

Zweimal geht Julian Cisco an, dass er tatenlos geblieben ist, als sich diesem die Chance geboten hatte, Killer Frost auszuschalten und Caitlin zurĂŒckzuholen. Erst beim dritten GesprĂ€ch dĂ€mmert es Julian, eine Figur, von der wir als Zuschauer trotz seiner SchwĂ€chen in Sachen Sozialkompetenzen erwarten, dass er doch sofort erkennt, wie sehr Cisco die verloren geglaubte Caitlin am Herzen liegt. FĂŒr mich ist die Interaktion zwischen Cisco und Julian nicht wirklich verstĂ€ndlich. Sie weckt in mir gar eine Ă€hnlich wĂŒtende Reaktion wie in Cisco, als dieser Julian endlich entgegenschmettert, dass dieser sich gar nicht vorstellen kann, wie sehr er Caitlin liebt (rein platonisch, versteht sich) und dass er sie nicht mit seinen KrĂ€ften verletzten, im schlimmsten Fall sogar töten will.

Ebenfalls frustrierend: die Liebelei zwischen Joe und Cecile, ein PĂ€rchen, das bisher weniger prominent thematisiert wurde. WĂ€re das Schauspiel von Jesse L. Martin und Gastdarstellerin Danielle Nicolet nicht so ĂŒberzeugend und deren Leinwandchemie nicht so kraftvoll, könnte man mich mit diesen Szenen wahrscheinlich jagen. Joe hadert mit dieser Beziehung, weil alles um ihn herum gerade so kompliziert ist und er Cecile nicht in Gefahr bringen möchte. Die Wahrheit kann er ihr aber auch nicht sagen. Also trennt er sich von ihr, der einzig logische Schritt fĂŒr Joe. Ich habe derweil ein schreckliches DĂ©jĂ -vu bezĂŒglich Ă€lterer Folgen von The Flash, als sich dieses nervige Hin und Her auch zwischen Barry und der damals unwissenden Iris (Candice Patton) abspielte.

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The CW - © The CW

Baggage

Joe ist meines Erachtens viel zu erwachsen und smart dafĂŒr, so eine sinnbefreite Entscheidung zu treffen, gerade, weil er doch weiß, wie wichtig die Beziehung mit Cecile fĂŒr ihn ist. Braucht es da wirklich Barry, um ihn daran zu erinnern, wie viel Kraft man aus einer erfĂŒllenden Liebe ziehen kann? Und ob Cecile jetzt in Joes Geheimnisse eingeweiht ist oder nicht, in dieser Welt befindet sich jede Figur mit Verbindung zu Team Flash in Gefahr. Geheimnisse haben bisher noch niemandem geholfen und es ist immer wieder ermĂŒdend, wenn die Serie zu dieser alten, ausgelutschten Trope zurĂŒckkehrt.

Ein Teil von mir kann Joe ja ein wenig verstehen. Dass er sich Sorgen um Cecile macht und sie nicht unnötig in Gefahr bringen will. Wie ihre Geiselnahme durch Killer Frost dann zeigt, ist es aber völlig egal, ob Cecile jetzt weiß, wer der Flash ist oder nicht und was Joe neben seiner Arbeit als Detective so treibt. Nachdem Joe seinem Ziehsohn so viele Lektionen erteilt und Weisheiten in Sachen Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen in Beziehungen mit auf den Weg gegeben hat, ergibt sein Verhalten fĂŒr mich schlichtweg wenig bis gar keinen Sinn.

About time

Bleibt nach „Cisco/Julian“ und „Joe/Cecile“ noch das Duo „HR/Tracy“, das mir von den drei verschiedenen Charakterkombinationen in I Know Who You Are noch am wenigsten Nerven raubt. TatsĂ€chlich geht von den Szenen zwischen diesen beiden ein gewisser Charme aus, was zum einen an der sympathisch-verpeilten Tracy sowie an HRs (Tom Cavanagh) teilweise sehr plumpen Flirtversuchen liegt. Am Ende wird HR wieder einmal voll und ganz seiner Rolle in Team Flash gerecht: Er ist und bleibt der geborene Motivator, jemand, der sich sehr gut in andere hineinversetzen und deren einzigartige Talente perfekt hervorheben kann.

So ĂŒberzeugt er Tracy, nicht aufzugeben, die verstĂ€ndlicherweise ob ihrer großen Verantwortung und den in sie gesetzten Erwartungen etwas Muffensausen bekommt. HRs warme Worte (eine fast schon positive, aufrichtige „Manipulation“) zeigen aber Wirkung. Tracy bleibt am Ball, wĂ€hrend Savitar nach dem Versagen von Killer Frost (dieser konnte von Cisco noch Blut entnommen werden, um sie eventuell doch noch irgendwie wieder in Caitlin zurĂŒckzuverwandeln) wieder auf sich allein gestellt ist.

Das scheint ihn aber eh nicht wirklich zu kratzen, weiß er doch lĂ€ngst, wie die ganze Geschichte ausgehen wird, da er sie ja selbst schon erlebt hat. Warum will der Ă€ltere, von Brandnarben im Gesicht gezeichnete Barry dem Barry aus der Gegenwart ans Leder? Weil dieser mit seinem egoistischen Verhalten in der Vergangenheit (Stichwort Flashpoint) seine eigene Zukunft irreparabel verĂ€ndert und zerstört hat? Sehen wir hier etwa einen Rachefeldzug Barrys gegen sich selbst? Eigentlich eine spannende, einzigartige Idee. Doch hat es all die Zwischenetappen bis zu dieser EnthĂŒllung wirklich gebraucht? DarĂŒber lĂ€sst sich wohl streiten.

Fazit

Man hat sich wohl von der Bekanntgabe Savitars wahrer IdentitĂ€t einen grĂ¶ĂŸeren Effekt erhofft, dieser bleibt jedoch aus. Die Idee hinter einem Konflikt zwischen Barry und seinem Ă€lteren Ich ist verlockend und interessant, nach dem langen, bisweilen umstĂ€ndlichen Weg dorthin bin ich aber nicht so gepackt, wie ich es wahrscheinlich sein sollte. Nun bleiben aber noch drei Episoden, um etwas aus dieser außergewöhnlichen Situation zu machen. Hauptsache, die Charaktere verhalten sich nicht so eigenartig wie in I Know Who You Are. Die mitunter mitreißende Inszenierung kann zwar einige SchwĂ€chen aufwiegen. Insgesamt erwarte ich aber einfach mehr von dem Superheldenformat.

Trailer zur „The Flash“-Episode 3x21 „Cause and Effect“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 3. Mai 2017

The Flash 3x20 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 20
(The Flash 3x20)
Deutscher Titel der Episode
Ich weiß wer du bist
Titel der Episode im Original
I Know Who You Are
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 2. Mai 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 3. August 2017
Autoren
Bronwen Clark, Joshua V. Gilbert
Regisseur
Hanelle M. Culpepper

Schauspieler in der Episode The Flash 3x20

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