The Flash 3x19

© rant Gustin als Barry Allen in „The Once and Future Flash“ / (c) The CW
Es geht nun in die entscheidende Phase der dritten Staffel von The Flash, die in weniger als einem Monat am 23. Mai zu ihrem Ende kommen wird. Der 23. Mai markiert innerhalb der Serienhandlung auch den Tag, an dem Iris (Candice Patton) durch die Hand von Speed God Savitar das Zeitliche segnen wird, was Barry (Grant Gustin) bisher nicht hat verhindern können. Die Konsequenzen dieses tragischen Todes wären nicht nur für unseren Titelhelden gewaltig, auch jedes andere Mitglied des Teams wäre betroffen, käme es doch zu einer unschönen Kettenreaktion, deren Auswüchse uns nun im Rahmen einer weiteren Zeitreise Barrys aufgezeigt werden.
In The Once and Future Flash geht es für unsere Hauptfigur in die Zukunft, um dort wertvolle Informationen zu gewinnen, wer Savitar ist und wie man ihn in die Speedforce sperren kann. Dies ist dem Flash erst gut acht Jahre nach dem Tod seiner geliebten Iris gelungen, also düst Barry ins Jahr 2024, in der Hoffnung, das Unvermeidliche abzuwenden.
Bei dem Thema Zeitreisen in „The Flash“ gehen meine Gedanken seit einiger Zeit nur noch in die Richtung, dass dies kein gutes Endes nehmen kann und Barry erneut rücksichtslos an der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herumdoktert, was eigentlich nur schreckliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Zu oft hat sich das Format schon in derartigen Situationen wiedergefunden, doch Barry lernt es ja bekanntermaßen einfach nicht.
Old-fashioned
Seine neueste Zeitreise verläuft jedoch weitaus glimpflicher als vorangegangene Abenteuer und mögliche Konsequenzen, die sein Eingreifen in die Zukunft hat, erscheinen weder besonders wild noch relevant. Vielmehr dient die Episode dazu, auf teilweise sehr dramatische Art und Weise eine Vorschau auf etwas zu geben, das sich in dieser Form niemand wünscht. Einen neuen möglichen Lösungsansatz für das Problem Savitar gibt es nur bedingt. Den Autoren ist es wichtiger, unserer zentralen Figur vor dem eigentlichen Finale noch einmal genau vor Augen zu führen, wie viel an diesem Duell mit dem dämonischen Speedster hängt.
Out of control
Der Blick in die Zukunft, in der wir ein heruntergekommenes Central City vorfinden, das von Superschurken heimgesucht wird und in dem der Flash und sein Team nur noch ein Mythos sind, gestaltet sich als einer abwechslungsreicher Auftakt des finalen Kapitels dieser Staffel. Es ist interessant, zu sehen, wo es die einzelnen Figuren hingeführt hat, während es gleichzeitig zu ein paar sehr emotionalen Momenten zwischen den verschiedenen Charakteren kommt, von denen trotz sehr finsterer Aussichten für die Zukunft am Ende doch ein klein wenig Hoffnung ausgeht.
Den Anfang macht zunächst eine Caitlin, die sich nach der letzten Episode (Abra Kadabra) endgültig in Killer Frost verwandelt hat und dabei die nächste Eiszeit in den S.T.A.R. Labs einläutet. Es ist immer wieder unterhaltsam, Danielle Panabaker von dieser anderen, schurkischen Seite zu sehen, so theatralisch und bewusst comichaft sie den frostige Metahuman auch zum Besten gibt. Nachdem sie das Amulett zerstört hat, das ihre Kräfte bisher unterdrückt hatte, muss das Team mit einer neuen Idee kommen, um ihr helfen zu können. Ihr gelingt erst einmal die Flucht (wenn selbst der Flash sie nicht einholen kann, wer dann?) und die Lage unter den Freunden ist durchaus angespannt. Doch Barry hat erst einmal Wichtigeres zu tun: Die Zukunft ruft.

Back to the future
Meine erste Reaktion darüber, dass Barry Caitlin beziehungsweise Killer Frost erst einmal Killer Frost sein lassen will, ist Verwunderung. Irgendwie erscheint mir diese Entscheidung doch etwas unsensibel seiner sehr guten Freundin gegenüber, wie es auch von allen anderen Anwesenden angemerkt wird. Auf der anderen Seite hat Barry nicht Unrecht, wenn er sagt, dass sein Kurztrip in die Zukunft eh keine Zeit in Anspruch nehmen wird und sein Team es gar nicht mitbekommt, dass er überhaupt weg war... Also wird sich der Plot um Killer Frost aufgespart, wie das Ende der Episode suggeriert, um in einer der nächsten Episoden thematisiert zu werden. Der Fokus liegt ganz allein auf Barry und seinem zukünftigen Ich.
Im Jahr 2024 angekommen sieht sich Barry prompt The New Rogues Top (Ashley Rickards) und Mirror Master (Grey Damon) ausgesetzt, die die Stadt terrorisieren. Nach einem kurzen Kampf trifft er dann auf Cisco (Carlos Valdes), gezeichnet von den letzten Jahren und überglücklich, seinen alten Freund wiederzusehen. Was positiv auffällt, ist das sehr gelungene Setdesign, so zum Beispiel die verwahrlosten Räumlichkeiten der S.T.A.R. Labs, die seit der Auflösung von Team Flash nach dem Tod von Iris in einem miserablen Zustand sind. Man bekommt ein gutes Gefühl von dieser bedrückenden Zukunft, die in der Folge einige Überraschungen für uns bereithält.
Just as broken
Eine von diesen, auf die ich gerne hätte verzichten können: das äußerliche Erscheinungsbild des zukünftigen Barrys. Klar, irgendwie muss ein Unterschied zwischen den beiden Zeitlinien erkennbar sein. Ob die Wahl dieser speziellen Haarpracht der richtige Weg gewesen ist, darf bezweifelt werden. Grant Gustin sieht in der Rolle des Zukunfts-Barry schlichtweg wie ein sehr unzufriedener, zutiefst emotionaler Teenager aus, der sich im Keller einsperrt und den ganzen Tag Grunge-Platten hört.
Daran gibt es an und für sich ja auch nichts auszusetzen, im Kontext der Serie fällt es mir jedoch alles andere als einfach, ihn in dieser Erscheinung ernst zu nehmen. Ein gesetzter, erwachsener und gebrochener Barry Allen aus dem Jahr 2024 hätte mir da wohl besser gefallen. Aber immerhin macht sein futuristisches Flash-Outfit, das wir später zu Gesicht bekommen, einiges her.
Pushed away
Bezüglich des Kampfes gegen Savitar kann Barry Barry auch nicht wirklich helfen, nicht einmal die wahre Identität des Bösewichts kennt er. Vom depressiven Barry der Zukunft kommen wenig hoffnungsvolle Worte, Iris' Schicksal scheint in Stein gemeißelt. War der Abstecher in die Zukunft also komplett umsonst? Nicht ganz, wird Barry doch aufgrund der Erfahrungen, die er in dieser Zeitlinie macht, bewusst, was zählt und welche Verantwortung auf seinen Schultern lastet. Die Verantwortung, für seine Freunde in sehr schweren Zeiten da zu sein, mutig voranzugehen und nicht aufzugeben. Das Aufeinandertreffen mit seinem zukünftigen Ich fungiert als eine Art Warnung, aber auch Motivation, nicht so schnell klein beizugeben. So schwierig die nächste Zeit auch wird oder die persönlichen Verluste sein werden.
Nach dem Tod von Iris hat sich Barry zurückgezogen und dadurch alle seine Freunde im Stich gelassen. Cisco ist schwer gezeichnet und im Kampf mit Killer Frost seine beiden Arme verloren, wodurch er seine Metahuman-Kräfte nicht mehr einsetzen kann. Wally (Keiynan Lonsdale) forderte auf eigene Faust Savitar heraus, der die Wirbelsäule des jungen Speedsters zerschmetterte, welcher nun traumatisiert an einen Rollstuhl gefesselt ist. Julian (Tom Felton) sucht immer noch nach einem Heilmittel für Caitlin, die als Killer Frost ihre dunkle Seite akzeptiert hat und wohl nie wieder so sein wird, wie zuvor.
Und Joe (Jesse L. Martin) wird von seiner Trauer zerfressen und hatte niemanden, der ihm nach dem Tod seiner Tochter Halt gab. Und dabei hatte es Barry doch Iris versprochen, die genau wusste, dass ihr Vater in ein tiefes emotionales Loch fallen wird, wenn sie stirbt.

Bringing back hope
Trotz all dieser Widrigkeiten und niederschlagenden Umstände darf die Flinte nicht ins Korn geworfen werden. Sollte Barry Savitar im Jahr 2017 irgendwie doch noch besiegen können (eventuell mit der Hilfe der Wissenschaftlerin Tracy Brand, die vier Jahre nach Iris' Tod eine Möglichkeit fand, den Speed God in der Speedforce einzusperren), würde sich die Zukunft sofort verändern. Barry lässt seine Freunde in der Zukunft aber nicht einfach nur mit dem Versprechen zurück, dass er alles in seiner Macht Stehende tun wird, um dies zu erreichen. Er lässt noch einmal die alten Zeiten aufleben, was einen motivierenden Effekt auf das Team hat.
Und wer weiß, womöglich hat dies ja eine positive Konsequenz für die Zukunft, die sich nach dem Besuch von Barry aus dem Jahr 2017 zum Guten verändern könnte, ermöglicht er doch sich selbst (also Emo-Barry) eine Rückkehr. In gewisser Weise leistet Barry auch ein Stück weit Wiedergutmachung für einen Fehler - sein Rückzug als Superheld und als Stütze seiner Liebsten -, den er noch gar nicht begangen hat. Unser Hauptcharakter, der in der Vergangenheit immer wieder aus einer ungesunden Impulsivität heraus seltsame Entscheidungen getroffen hat, welche schlimme Folgen hatten, entwickelt sich ein wenig weiter und läuft mal nicht vor von ihm verursachten Problemen weg, sondern stellt sich diesen.
Fight it
Dieser Erfahrung gibt Barry nach seiner Rückkehr ins Jahr 2017 eine neue Perspektive, ein Verständnis dafür, was alles an dem Erfolg oder Misserfolg von Team Flash hängt, während jeder einzelne seiner Freunde von großer Bedeutung im Kampf gegen Savitar ist. So auch Caitlin, die um jeden Preis zurückgewonnen werden muss. Gelingt es Barry und seinen Mitstreitern, dieses Zahnrad aus der komplexen Maschine, die der Plan Savitars darstellt, zu entfernen, dann lassen sich eventuell auch alle weiteren Katastrophen abwenden. Oder ist es bereits zu spät dafür? Die geflüchtete Killer Frost trifft am Ende der Episode auf Savitar, der sich völlig im Klaren darüber zu sein scheint, wie essentiell ihre Rolle in der nahen Zukunft ist.
Zum jetztigen Zeitpunkt sieht es nicht so aus, als wäre noch viel von Caitlin übrig. Savitar kann sie nur noch mächtiger machen und versucht nicht wie Team Flash, sie zu „heilen“. Unter dem Speed God kann sie eine eiskalte Superschurkin sein, ohne Skrupel und Rücksicht. Ihr Vertrauen gewinnt Savitar letzten Endes dadurch, dass er ihr zeigt, wer er wirklich ist. Den überraschten, eventuell sogar schockierten Blick Killer Frosts kann man nun deuten, wie man möchte. Sie ist jetzt auf jeden Fall im Bilde und sollte es Team Flash gelingen, ihre Wandlung rückgängig machen zu können, sind sie ein ganzes Stück weiter. Ich gehe aber davon aus, dass die Enthüllung von Savitars wahrer Identität erst kurz vor dem Ende der dritten Staffel von The Flash erfolgen wird.
Fazit
The Once and Future Flash markiert eine gute Rückkehr des Superheldenformats nach einer längeren Auszeit und macht Lust auf mehr. Tom Cavanagh (dessen Charakter HR in der düsteren Zukunftsvision übrigens noch am besten wegkommt) fungiert erstmals als Regisseur für eine Episode von „The Flash“ und liefert eine abwechslungsreiche Folge ab, in der sehr emotionale Szenen (so zum Beispiel zwischen Grant Gustin und Jesse L. Martin) sowie ein ansprechendes Produktionsdesign herausstechen. Die Entscheidung im Konflikt zwischen Flash und Savitar naht und „The Once and Future Flash“ stellt einen gelungenen Startschuss für den Anfang vom Ende dar.
Trailer zur „The Flash“-Episode 3x20, „I Know Who You Are“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 26. April 2017The Flash 3x19 Trailer
(The Flash 3x19)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?