The Flash 3x18

The Flash 3x18

The Flash kombiniert in Abra Kadabra eine klassische „Bösewicht der Woche“-Erzählung mit der übergeordneten Handlung um Oberfiesling Savitar. Das Resultat ist aber leider eher durchwachsen. Das starke Schauspiel einiger Darsteller kann das seltsame Verhalten einiger Figuren nicht kaschieren.

David Dastmalchian als Abra Kadabra in „Abra Kadabra“ / (c) The CW
David Dastmalchian als Abra Kadabra in „Abra Kadabra“ / (c) The CW
© avid Dastmalchian als Abra Kadabra in „Abra Kadabra“ / (c) The CW

So viel Spaß ich und viele andere Zuschauer mit Duet (2), der charmanten Musicalepisode aus der letzten Woche, auch hatten: In The Flash gibt nun in der neuen Folge Abra Kadabra wieder der Ernst des Lebens den Ton an. Dabei spielt man abermals mit der Frage, wer sich denn eigentlich unter der angsteinflößenden Metallvisage von Savitar verbirgt und wie das Team den „Gott der Geschwindigkeit“ aufhalten kann. Informationen wie die wahre Identität des schurkischen Speedsters könnten bei diesem Unterfangen sehr wertvoll sein, sind aber alles andere als leicht zu besorgen.

Abhilfe kann da eventuell der Bösewicht der Woche schaffen, Abra Kadabra (David Dastmalchian), der in Central City für einiges an Ärger sorgt und gegenüber Team Flash damit kokettiert, zu wissen, wer Savitar wirklich ist. Abra Kadabra, eine spannende Figur aus dem DC-Comicuniversum und dem dazugehörigen Schurkenkatalog, wird enttäuschenderweise aber ähnlich wie der Mirror Master vor einigen Wochen in der Episode The New Rogues zu einem faden Gegenspieler degradiert, der sich als „Charakter“ irgendwo zwischen einem Zauberkünstler aus Las Vegas und dem Abziehbild eines theatralischen Gangsters aus einem 90er-Jahre-B-Actionfilm bewegt.

One step ahead

Für die Geschichte übernimmt die Figur indes vor allem die Funktion, uns und unsere Protagonisten mit seinem vermeintlichen Wissen über Savitar zu provozieren. Natürlich wird nicht verraten, wer Savitar wirklich ist, was für die meisten Zuschauer ebenso offensichtlich wie auch frustrierend zugleich sein dürfte. Die große Enthüllung spart man sich wahrscheinlich für die vorletzte Episode dieser Staffel auf, so gut kennt man mittlerweile die Superheldenserie von The CW. Warum hier mal nicht mit dem altbekannten Schema gebrochen und vier Folgen vor dem Staffelfinale die Karten offen auf den Tisch gelegt werden, erschließt sich mir indes nicht.

Break the rules

Dadurch könnte man noch einmal wunderbar Tempo aufnehmen und die Charaktere über mehrere Episoden an dieser Enthüllung knabbern lassen, als auf den wesentlich einfacheren Schockmoment zu gehen, den wir in dem Format bereits mehrfach hatten, siehe Reverse-Flash oder Zoom. Kollege Adam Arndt teilte letztens erst die Theorie mit Euch Lesern und mir, dass sich unter Savitars Maske eine ältere Version von Barry (Grant Gustin) befinden könnte. „The Future Flash“, sozusagen. Achtet man auf verschiedene kleinere Details, ergibt dieses Gedankenspiel durchaus Sinn. Wie wunderbar wäre es nun, wenn Barry und seine Freunde jetzt erfahren, dass er selbst ihr ärgster Feind ist? Dass man nun noch vier Folgen in der dritten Staffel von „The Flash“ hätte, in denen diese außergewöhnliche Dynamik vollkommen ausgekostet werden könnte?

Aber nein, das trauen sich die Serienmacher nicht zu, diesem Wunschdenken wird ein Riegel vorgeschoben. Vielmehr schindet man mit der Geschichte um Abra Kadabra etwas Zeit und macht letztlich keine großen Fortschritte an der Savitar-Front, während hier und da ein paar mehr oder minder solide Charaktermomente eingewoben werden. Auch bei diesen gibt es einige, die über ein hohes Frustpotential verfügen. Erneut liegt es an der Darstellerriege, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und Ungereimtheiten im Drehbuch einigermaßen zu begradigen.

The CW
The CW - © The CW

Hocus pocus

Schauen wir uns zuerst eine Charakterkonstellation an, die mir in der dritten Staffel von The Flash bisher eigentlich recht gut gefallen hat: die Beziehung zwischen Caitlin und Julian. Letzterer ist jetzt plötzlich alles andere als gut auf Erstere zu sprechen, da diese das Team verraten hat. Bis zu diesem Zeitpunkt gestaltete sich das zunächst platonische, dann mehr und mehr romantische Hin und Her zwischen beiden Figuren als charmant und nachvollziehbar. Nun kippen die Autoren einen gewaltigen Eimer voll Seifenopferdrama über die Interaktion von Caitlin und Julian, garniert mit einigen Dialogzeilen, die leider nur schwer zu ertragen sind. Julian ist für meine Begriffe irrational bockig, Caitlin faselt zwischendurch etwas von Vertrauen und am Ende ist eh wieder alles gut.

Es ist ein altbekanntes Problem in The Flash, das wir hier beobachten können. Die Macher der Serie sind bisher immer in der Lage gewesen, potentielle Beziehungen zu etablieren und langsam sowie verständlich aufzubauen. Irgendwann ist aber der Punkt erreicht, an dem es zu der denkbar dramatischsten Eskalation kommen muss. Barry und Iris haben dieses Spielchen schon etliche Male durchmachen müssen (zuletzt vor zwei Episoden) und Caitlin und Julian müssen nun ebenfalls diesen Prozess durchlaufen. Was ärgerlich ist, weil die Beziehung unnötig verkompliziert wird. Bis hierhin haben sich beide die meiste Zeit wie erwachsene Menschen verhalten, die einander verstehen. Dies wird jetzt für simples Drama ohne großen Nachhall geopfert.

Clumsy

Es sind die Schauspieler und ihre engagierten Leistungen, die hier größeres Kopfschütteln verhindern. Ich persönlich mag Danielle Panabaker und Tom Felton sehr gerne, beiden harmonieren gut miteinander. Ich mag im Grunde genommen auch die Charaktere, die sie in „The Flash“ verkörpern. Das Material, das sie in Abra Kadabra bekommen, ist jedoch alles andere als gut.

Ähnlich verhält es sich bei Jesse L. Martin. Als einem am Ende die Hilflosigkeit Joes ob dem nahenden Tod seiner Tochter Iris (Candice Patton) vor Augen geführt wird, holt Martin alles aus dieser Szene raus und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Aber warum verhält er sich davor so sinnbefreit, als er Abra Kadabra aus dem Gefängnis lässt, emotionale Belastung hin oder her? Ja, er sorgt sich um seine Tochter, sehr sogar, das zeigt die Szene zum Ende der Episode. Zwischendurch scheint es aber so, als würde man eine ganz andere, ungewohnt blauäugige Version von Joe sehen, der sich zu einfach von seinen Gefühlen manipulieren lässt.

Doomed love

Wo wir schon einmal dabei sind, muss natürlich auch das erneute Aufeinandertreffen von Cisco und Gypsy thematisiert werden. Es handelt sich wieder um zwei Charaktere, die ich an sich interessant finde und die mir sympathisch sind. Carlos Valdes funktioniert in seiner Rolle als Nerd und Spaßmacher schon seit Anbeginn der Serie hervorragend, während Jessica Camacho als durch die Welten springende Kopfgeldjägerin eine extrem coole Figur abgibt. In „Abra Kadabra“ braucht es jetzt eine hochdramatische Vorgeschichte für Gypsy, zunächst darf sich Cisco aber von einer sehr ungewohnten, schmierigen Seite zeigen, macht er sich doch immer noch Hoffnungen auf eine Romanze mit Gypsy.

Von schlechten Schauspiel kann hier keine Rede sein, es sind schlichtweg die Anweisungen, die Valdes und Camacho bekommen haben, die mir ein Dorn im Auge sind. Dadurch, dass Abra Kadabra ihren ehemaligen Partner ausgemerzt hat, holt man sie zwar recht verständlich für die Handlung mit ins Boot. Die emotionalen Momente zwischen ihr und Cisco funktionieren jedoch, wenn überhaupt, auf eher schauspielerischer als auf inhaltlicher Ebene. Zum wiederholten Male in dieser Folge ist man auf ganz großes Drama aus, das mich dann aber doch ziemlich kalt lässt. Schade.

The CW
The CW - © The CW

Disappearing act

Die Handlung um Abra Kadabra, der sich dank nicht näher definierter Nanotechnologie wie ein krimineller David Copperfield durch die Stadt zaubert, um Einzelbauteile für eine Zeitmaschine zu ergattern, fühlt sich indes zwar nicht besonders frisch an, hat dafür aber ein paar unterhaltsame Augenblicke zu bieten. Ich bleibe dabei, dass man aus dieser Schurkenfigur nicht besonders viel macht, dafür hat Gastdarsteller David Dastmalchian aber sichtlich Spaß an diesem überzeichneten Charakter. Es fehlt eigentlich nur noch, dass er sich mit schelmischem Grinsen am Bärtchen rumspielt, während er auf magische Art und Weise einen Trick nach dem anderen aus dem Ärmel zieht.

Das hat tatsächlich Unterhaltungspotential für mehr, wobei ich mir sicher bin, dass für viele Zuschauer Abra Kadabra schon wieder ein Stück weit zu comicesk und lächerlich wirkt. Nervig ist, wie bereits erwähnt, Abra Kadabras gekünsteltes Verhalten ob seines Wissens bezüglich der Identität von Savitar, das er für seine Freiheit eintauschen will, was wiederum einen kleinen Konflikt zwischen Barry und Gypsy hervorruft. Erst Iris kann Barry die Augen öffnen, dass sie den gefährlichen Kriminellen nicht auf freien Fuß lassen dürfen, nur um eventuell neue Informationen zu Savitar zu bekommen. Ein finaler Appell von Barry an das kleine bisschen Gutmenschentum in Abra Kadabra bringt auch nicht viel, und so fasst The Flash einen riskanten Plan: Er will in die Zukunft flitzen, um sich für den Kampf gegen Savitar zu wappnen. Und das kann eigentlich nur in die Hosen gehen...

Glimmer of light

Fast schon losgelöst von dieser Episode, die ingesamt doch mehr enttäuschend als vollends überzeugend ist, möchte ich die letzten Minuten von Abra Kadabra bewerten, in denen es dann doch noch einmal etwas spannend wird. Im Laufe der Folge erwischt es Caitlin nach einem Angriff von Abra Kadabra ziemlich schwer, Julian und Iris können ihr jedoch durch eine Operation - an der Caitlin selber teilnimmt - das Leben retten. Bis ihr Herz zum Ende der Folge doch noch den Geist aufgibt und Julian, HR (komplett abwesend für die meiste Zeit, was wohl damit zusammenhängt, dass Tom Cavanagh für die kommende Episode The Once and Future Flash auf dem Regiestuhl Platz genommen hat und einiges zu tun hatte) und Cisco komplett machtlos sind.

Es sind vor allem die starken schauspielerischen Leistungen der drei Herren (Felton oder Valdes, wer macht es besser?), die mich in dieser Szene fesseln, auch wenn ich mir im Klaren bin, dass Caitlin niemals auf diese Art und Weise das Zeitliche segnen wird. Die Gefahr, dass es aber doch dazu kommt, ist jedoch greifbar, und so geht dieser aufregende und packende Moment letzten Endes sehr gut auf. Caitlins Ableben kann schließlich durch das Freisetzen ihrer Metahuman-Kräfte und der Wandlung zur kaltblütigen Killer Frost verhindert werden - definitiv ein visueller Hingucker der Folge! Mit diesem kleinen Paukenschlag zum Ende kann zumindest ein wenig Wiedergutmachung geleistet werden.

Fazit

Abra Kadabra ist eine durchschnittliche Episode von The Flash, in der sich die Charaktere zu oft sehr eigenartig verhalten, was wiederum sehr frustrierend sein kann. Der gute Cast gibt sein Bestes, um dieses Problem auszubügeln, die Darstellerriege kann dem schwachen Material aber nur bedingt etwas entgegensetzen. Der Bösewicht der Woche hat durchaus Potential, wird aber leider nicht richtig eingesetzt. Der Abschluss der Episode verspricht hingegen Spannung für die nächsten Folgen, in denen der Konflikt mit Savitar hoffentlich ordentlich ins Rollen kommen wird. Bis dahin müssen wir uns aber noch ein wenig in Geduld üben, wird die dritte Staffel von „The Flash“ doch erst am 25. April auf The CW fortgesetzt.

Trailer zur „The Flash“-Episode 3x19 „The Once and Future Flash“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 29. März 2017

The Flash 3x18 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 18
(The Flash 3x18)
Titel der Episode im Original
Abra Kadabra
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 28. März 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. Juli 2017
Regisseur
Nina Lopez-Corrado

Schauspieler in der Episode The Flash 3x18

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