The Flash 3x17

© elissa Benoist und Grant Gustin schwingen das Tanzbein in „Duet“ / (c) The CW
Musicalepisoden sind ein beliebtes Gimmick im Fernsehgeschäft und kommen immer wieder genreübergreifend zum Einsatz. Ob in Buffy the Vampire Slayer, Ally McBeal, The Simpsons oder mehr: Die jüngere Fernsehgeschichte ist voll mit derartigen Beispielen. Generell brummt das Genre wieder etwas mehr in den letzten Jahren, und das nicht nur dank der Erfolgsgeschichten des mehrfach mit einem Oscar ausgezeichneten „La La Land“ „80694“. Im TV erfreute sich bereits Glee großer Beliebtheit, der musikalischen Mittelalter-Comedy Galavant weinen wir nach wie vor eine Träne nach und die Begeisterung der SERIENJUNKIES.DE®-Redaktion für das brillante Crazy Ex-Girlfriend sollte hinlänglich bekannt sein.
Und es ist auch nicht schwer zu verstehen, warum Musicals allgemein ziemlich gut ankommen. Dem Zauber des gesungenen Wortes können sich nur wenige erwehren, die dargebrachten Geschichten sind zumeist recht simpel und gehen dennoch immer wieder schwer zu Herzen. Und genau diesen Aspekten sind sich die Serienmacher von The Flash und Supergirl in ihrem Musical-Crossover Duet (2) bewusst, wo sogar während der Erzählung immer wieder mit einem zwinkernden Auge darauf hingewiesen wird, warum Musicals einfach funktionieren und letztlich großen Spaß bereiten können. Was übrigens auch auf dieses, von vielen Fans und Zuschauer anfangs als durchaus gewagt bezeichnete Experiment zutrifft.
Open up your soul
„Ein Musical zwischen dem schnellsten Mann der Welt und der Maid aus Stahl? Was soll das denn werden?“ So oder so ähnlich haben sicherlich einige reagiert, als vor einigen Monaten diese Neuigkeit die Runde machte. Nach den letzten Episoden von „Supergirl“ und „The Flash“ (vor allem hier kam in den letzten beiden Folgen mal wieder ordentlich Spannung auf) dürften bei vielen Zuschauern zudem Bedenken entstanden sein, ob der Zeitpunkt für eine derartige Gimmick-Episode überhaupt passend ist oder doch vielmehr in billigem Fanservice enden würde.
Everything's better in song
Falsch gedacht. Ja, wunderbaren Fanservice en masse hat „Duet“ ohne Zweifel zu bieten, doch die Geschichte passt gleichzeitig auch perfekt in die Haupthandlungsstränge der aktuellen Staffeln von „The Flash“ und „Supergirl“. Die kreativen Köpfe hinter den beiden Formaten haben eine sehenswerte Symbiose aus sehr kurzweiliger Unterhaltung, die für sich alleine stehen kann, sowie einer Erzählung mit relevanten Bezug zum aktuellen Stand beider Serien geschaffen. Hinzu kommen nicht nur ein paar großartige musikalische Einlagen des hochtalentierten Casts, nein, auch eine sehr smarte Idee bezüglich des vermeintlichen Bösewichts dieser Eventfolge gefällt außerordentlich gut.
Aber legen wir die Karten offen auf den Tisch: „Duet“ ist zweifellos etwas für Romantiker und Liebhaber des Musical-Genres. Wer beiden Aspekten von Natur aus nicht allzu viel abgewinnen kann, der wird sich hier und da mit dieser Folge etwas schwertun. Vielleicht lassen sich kaltherzige Skeptiker und beinharte Pragmatiker aber von den herrlichen Darbietungen der Darstellerriege und der finalen, universellen Botschaft der Episode erwärmen, die in ihrer Gänze so manchen eventuell den Tränen nahe bringen könnte. Um es mit den Worten des Music Meisters zu sagen: „Put a little love in your heart...“

Follow the script
Besagter Music Meister (Glee-„Veteran“ Darren Criss) ist es auch, der bereits am Ende der Supergirl-Episode Star-Crossed (1) für ordentlich Ärger sorgte und Kara (Melissa Benoist) in eine Art komatösen Zustand versetzte, den Mon-El (Chris Wood) und Hank aka J'onn (David Harewood) nun mit Hilfe von Barry (Grant Gustin) und Team Flash wieder aufheben wollen. Ehe man sich versieht, hat es nach einem Angriff des Music Meisters aber auch Barry erwischt, der sich plötzlich in einer Art Traumwelt an der Seite von Kara inmitten der 1950er Jahre wiederfindet, wo das Duo als Performer in einem feschen Nachtclub auftritt.
Wie sich herausstellt, befinden sich beide Musical-Aficionados in einem solchigen, dem Music Meister sei Dank. Um diesem Szenario zu entkommen, müssen Kara und Barry den Plot der sehr geradlinigen Geschichte (Freundschaft! Verbotene Liebe! Gangster!) bis zum bitteren Ende durchspielen, um dann eventuell eine sehr wichtige Lektion für ihr Leben mitzunehmen. Aber Vorsicht, sollten sie in dieser Illusion das Zeitliche segnen, dann sterben sie auch in der Wirklichkeit, wo die Freunde unserer Superhelden alles daran setzen, sie aus dem Koma zu erwecken. Ohne viel Erfolg.
A better place
Zugegeben, der Auftritt des Music Meisters ist natürlich etwas konstruiert und das gemeinsame Schicksal von Kara und Barry allein darauf zurückzuführen, dass beide große Fans von klassischen Musicals sind, ebenso. Ein Charakterzug unserer beiden Hauptfiguren, der bisher nicht wirklich thematisiert wurde. Aber auch egal, jeder mag Musicals, und unsere Titelhelden noch viel mehr als alle anderen, wie zum Beispiel ein kleiner Rückblick zum jungen Barry und seiner Mutter zeigt, mit der er gemeinsam den Filmklassiker „Singin' in the Rain“ mit Gene Kelly ansieht.
The power of love
Kara und Barry müssen also einen Ausweg aus ihrer Bredouille, den stilvollen 1950ern, finden. Da Musicals aber, wie bereits erwähnt, recht einfach gestrickt sind (ein Metawitz, den die Autoren nicht müde werden immer wieder zu bringen), sollte dies doch ein Kinderspiel sein. Und tatsächlich geht der Plot lockerleicht von der Hand. So scheint es zumindest, bis sich zeigt, dass Karas und Barrys Love Interests Mon-El und Iris (Candice Patton) in dieser Musical-Welt ein Paar abgeben, deren Väter (Malcolm Merlyn respektive Joe West und Martin Stein) verfeindete Gangster sind, die diese Liebe auf keinen Fall billigen. Die Geschichte erinnert ein wenig an „Romeo und Julia“. Oder eben „West Side Story“. Nein, eher „The Fantasticks“.
Unsere Helden erkennen beim Anblick der jungen Liebe zwischen den 50er-Jahre-Versionen von Mon-El und Iris einige Parallelen zu ihrem eigenen Liebesleben, das derzeit sowohl bei Kara als auch bei Barry im Argen liegt. Beide entwickeln ein neues Verständnis, das ihnen hilft, ihre eigenen, fehlgeschlagenen Beziehungen zu evaluieren und vielleicht unter einem neuen Blickwinkel wieder aufzubauen. Weg mit der egoistischen Denke und emotionalen Verbitterung, her mit der Vergebung, dem Verständnis und gegenseitigen Vertrauen. Weder The Flash noch Supergirl können die Welt und sich selbst alleine retten. Manchmal muss man sich helfen, ja, sogar von jemand anderem retten lassen. Von einer Person, der man vertraut und die man aufrichtig liebt. Dies haben beide in letzter Zeit etwas aus den Augen verloren, doch dank des Music Meisters werden sie sich dem wieder bewusst.

Something original
So ist es Barrys und Karas Liebe zu Iris respektive Mon-El, die die sterbenden Helden gerade noch so vor ihrem vermeintlichen Ende bewahrt. Der Music Meister stellt sich gar nicht als Bösewicht (über seine Methoden kann man dennoch sprechen...), sondern als helfende Hand heraus, die Barry und Kara aufzeigen wollte, was für eine gewaltige Kraft von etwas Liebe in ihren Leben ausgehen kann. Schmalzig wird es trotz dieser wunderschönen Auflösung der Geschichte aber zu keiner Sekunde, selbst Barrys finaler, herzzereißender Song „Runnin' Home to You“ (übrigens von den beiden „La La Land“-Komponisten Benj Pasek und Justin Paul verfasst) schlägt ein.
Das Liebes-Hin und Her zwischen Barry und Iris (jetzt verloben sie sich wirklich, aber wirklich jetzt!) ist zwar immer noch etwas nervig, mit der schönen Solonummer von Grant Gustin geht diese Entwicklung jedoch sehr geschmeidig herunter. Ohnehin landen die Macher mit sämtlichen Gesangseinlagen einen Volltreffer nach dem anderen. Melissa Benoist darf mit einer Cover-Version von „Moon River“ den Anfang machen und verzaubert mit einer sehr gefühl- und stilvollen Performance, während die „Superdads“ Jesse L. Martin, Victor Garber und John Barrowman dann „More I Cannot Wish You“ aus dem Gangstermusical „Guys and Dolls“ (die visuellen Anleihen der gesamten Episode an das Bühnenstück sind mehr als offensichtlich) zum Besten geben.
My huckleberry friend
Eine flotte Shownummer um Darren Criss, in der auch die bühnenerfahrenen Jeremy Jordan und Carlos Valdes mitmischen dürfen und mein persönliches Highlight „Super Friends“ runden die Episode ab. Das Duett zwischen Gustin und Benoist wurde übrigens von Crazy Ex-Girlfriend-Star und Serienschöpferin Rachel Bloom und Tom Root geschrieben. Und das merkt man der spaßigen, schwungvollen Nummer inklusive Superman-Diss auch definitiv an („I'm your Suuuuuuper - that has a double meaning - frieeeeeeeeeend!“), die so auch in einer Superheldenepisode der The CW-Musical-Dramedy laufen könnte.
Warum diese spezielle Episode von The Flash und Supergirl letzten Endes so hervorragend funktioniert und das Musical-Experiment perfekt aufgeht, ist recht einfach beantwortet. Nicht nur, dass die Serienmacher das kleine Musical clever in die durchgehende Handlungen beider Serien integrieren, sie treffen bei der Umsetzung im wahrsten Sinne auch jeden Ton, von der Art des Pacing bis hin zum dramatischen Aufbau der Episode.
Ein essentieller Faktor ist dabei aber selbstverständlich auch die Riege an musikalisch begabten Darstellern und Darstellerinnen, die mir in Duet (2) so unglaublich viel Spaß bereiten. Ob nun die „jungen Wilden“ wie Gustin, Benoist, Crissen (alle drei mit einer Vergangenheit bei Glee) oder aber die alten Broadway-Haudegen wie Martin, Garber oder Barrowman - dieser Cast ist für eine Musical-Episode schlichtweg wie geschaffen und wird den Anforderungen für diese Folge spielend leicht gerecht. Umso einfacher ist es für mich als Zuschauer, sich auf diese Welt, das außergewöhnliche Szenario und die tollen Songs einzulassen und das musikalische Crossover von The Flash und Supergirl zu genießen.
Fazit
Bravo, „Flupergirl“ beziehungsweise „Superflash“, das Projekt Musicalepisode ist ein voller Erfolg geworden! Charmante Darbietungen, emotionale und mitreißende Gesangseinlagen, ein angesichts seiner Einfachheit doch recht smarter Plot um den DC-Schurken Music Meister - Duet (2) macht wenig bis gar nichts verkehrt und nimmt uns mit auf einen sehr unterhaltsamen musikalischen Trip im „The CW“-Superheldenuniversum. Es fehlt eigentlich nur noch eine russische Dubstep-Nummer von Oliver Queen, um mich noch mehr zufriedenzustellen. Alle Nicht-Musical-Fans müssen derweil ein wenig Bereitschaft mitbringen oder sich im Zweifel an die paar actionreichen Szenen dieser Episode (schöne Teamkombo zwischen Kid Flash, J'onn J'onzz und Vibe gegen den Music Meister) klammern. Der Rest summt derweil für den Rest des Tages die Songs der Folge, die Ihr noch einmal auf den folgenden Seiten finden könnt.
Melissa Benoist - Moon River
The Flash Cast & Supergirl Cast - Put A Little Love In Your Heart
The Flash Cast - More I Cannot Wish You
Grant Gustin & Melissa Benoist - Super Friend
Grant Gustin - Runnin' Home to You
Trailer zur „The Flash“-Episode 3x18 „Abra Kadabra“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 22. März 2017The Flash 3x17 Trailer
(The Flash 3x17)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?